Einsamkeit

  • Inspiriert von einer Doku zum Thema Einsamkeit, die ich unlängst gesehen habe, möchte ich gerne eine Diskussion eröffnen.


    Einsamkeit als gesellschaftliches Phänomen tritt immer mehr in den Vordergrund. Mitnichten betrifft sie "nur" die "Alten", gerade die jüngere Generation ist stärker betroffen, als man annehmen könnte. Gründe reichen von unsicheren Arbeitsbedingungen (Arbeitszeit/Erschöpfung etc.) über "Ellenbogengesellschaft" (Einzelkämpfer) bis hin zum Fokus auf Virtuelles/Social Media. Dabei ist "Einsamkeit" natürlich kein Krankheitsbild, kann körperliche und psychische Erkrankungen aber begünstigen...


    Wie geht ihr mit dem Thema um? Gerade auch im Hinblick auf eure Kinder? (Fokus auf "reale Kontakte", Austausch, gemeinsame Mahlzeiten, Interesse an Kindern)


    Ich finde das Thema spannend! :)

  • Ja, das ist ein großes Thema, in meinen Augen auch wichtiger als vieles andere worüber so diskutiert wird. Außerdem ein großes Problem der folgenden Generationen, da die sozialen Medien offensichtlich kein adäquater Ersatz sind und sich die Gesellschaft immer mehr hin zu einer "Handygeneration" entwickelt. Auch ein Thema das mich persönlich leider sehr beschäftigt.

  • Ja, gerade im Hinblick auf Social Media ist auch der Einfluss auf Selbstwert/Selbstbild Jugendlicher/junger Erwachsener etwas, das man mehr in den Blick nehmen muss. Inszenieren/Bildbearbeitung tragen da extrem viel dazu bei. Noch vor einer Generation (also meine ;)) hat man sich als Jugendlicher in "seinem Dunstkreis" inszeniert, präsentiert und verglichen. Das alles natürlich ohne Filter! ;)


    Nun nimmt das bedenkliche Tragweite an. Es gibt erste Studien, die belegen, dass sich immer mehr junge Menschen Schönheits-OPS wünschen, um ihrem eigenen retuschierten "Social Media-Ich" ähnlich zu sehen. Das ist richtig gruselig, wenn man so darüber nachdenkt...


    Ich finde die "Tragweite" des Themas auch spannend, weil das wirklich in viele Bereiche hineinspielt. Habe zuletzt auch gelesen, dass das Phänomen des "Einzelkämpfers/Einsamkeit" grundsätzlich auch Einfluss auf Demokratie/Politik nimmt, weil Solidaritätsgefühl abhanden kommt. Auf den Gedanken wäre ich gar nicht gekommen, aber er klingt irgendwie plausibel.


    Generell ein sehr vielschichtiges Thema... Das ist mit der Grund, weshalb wir - was virtuelle Welten angeht - bei unseren Kindern relativ streng sind. Unser Glück ist halt, dass es den Älteren sowieso wenig interessiert (mal sehen, ob sich das noch ändert, könnte tatsächlich ein Wesenszug sein und so bleiben) und die Jüngere noch "nicht darf" (Handy etc.). Wobei gerade sie ganz sicher zum "Hineinkippen" neigt. Wird noch spannend, wie wir das dann handhaben...

  • An der Stelle möchte ich gerne auf ein nahe verwandtes Thema verweisen, das damit einhergeht, nämlich die Computerspielsucht. Ich habe dazu auf meinem persönlichen Blog einen nachdenklichen Artikel geschrieben:

    https://webgamers.de/computers…iges-problem-der-zukunft/


    In dem Artikel wird auch auf eine Tabelle des internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen verwiesen, das Empfehlungen für die Nutzung von Computern/Konsolen/Smartphones in bestimmten Altersstufen vergibt.


    Für Kinder im Alter von 7-10 Jahre wird dort z.B. max. 45 Minuten am Tag empfohlen. Mir ist es ein Rätsel wie die Erkenntnisse dieser Studie mit der Forderung der Digitalisierung der Grundschulen vereinbar sind.

  • es ist beides interessant, Einsamkeit und Medien/ Internet!


    Ich kann da nur von uns sprechen, meinem Mann, Sohn und mich. Wie es bei anderen aussieht, kann ich nicht beurteilen.


    Zu meinem Mann kann ich beruhigt sagen das er wohl nicht einsam ist. Er ist ja auch den ganzen Tag auf Arbeit und wenn er Zuhause ist, will er nicht weg.


    Bei unserem Sohn sieht es schon anders aus! Freunde hat er viele ( wobei das in meinen Augen keine Freunde sind ) , doch so gut wie keiner davon wohnt hier bei uns im Dorf, was das tägliche treffen etwas schwierig macht. Er verbringt sehr viel von seiner Freizeit mit seiner Freundin Christina, aber er trifft sich such 2 bis 3 mal die Woche mit einem Freund den er schon seit dem Kindergarten kennt und der wohnt auch hier bei uns im Dorf.

    Allerdings, und das find ich sehr schade, ist das Handy immer dabei und somit auch WhatsApp, Instagram und co. Es werden Filmchen gedreht und eingestellt, ohne Internet geht heute nichts mehr. Es wir sich sogar über WhatsApp verabredet.


    Zu meiner Kinderzeit sind wir von Tür zur Tür gegangen, haben geklingelt und alle Kids der Strasse raus geholt zum spielen.

    Leider finden auch keine vernünftigen Gespräch untereinander mehr statt, die Kids von heute wissen doch gar nicht mehr wie das geht.


    Wir haben mal ausprobiert, wenn wir Luca sein Handy und ihm freien Lauf lassen. Wir können übern PC genau sehen wo er sich wie lange aufhält und was für Seiten er öffnet.

    Sage und schreibe war er nachmittags gegen 16 Uhr schon 7 Stunden am Handy. Instagram, WhatsApp schreiben, YouTube, Tik Tok schauen und da ist wirklich nichts pädergogisch wertvolles dran. Das war während der Home scooling Zeit.

    Natürlich haben wir das nun alles zeitlich eingeschränkt .

    Auch wenn sich das anhört oder ließt als wäre alles gut bei Luca, denke ich ganz oft das er sich einsam fühlt, denn einen wirklichen echten Freund der ihm immer zur Seite steht, den hat er nicht.


    Tja und dann gibt es noch mich! Ich kümmere mich um meine Tochter und oft um ihre beiden Kinder, um meinen behinderten Sohn, um Luca , meinen Mann, Haus, Hund, Garten und um meinen behinderten Bruder. Das klingt viel, ich weiß, trotzdem das ersetzt nicht das eigene Leben, das was ich mir eigentlich vorgestellt habe. Ja, ich bin ganz oft sehr einsam und auch traurig und weine dann auch.

    Eine richtige Freundin habe ich nicht mehr, sie starb 2005. Kennen tue ich einige, helfen tue ich auch immer, foch wenn ich Hilfe brauche oder einfach nur mal reden will, ist keiner da.


    Was ich dagegen mache, Tagebuch schreiben und wenn es etwas ist wo ich wirklich eine andere Meinung, Rat, Hilfe brauche, schreibe ich Dani eine Mail ;)


    Kann man einsam sein auch wenn mal viele Leute um sich umzu hat? Ja, kann man!!!

  • Gilfy das ist sehr traurig was Du da von Dir schreibst und ich kann es irgendwie nachvollziehen. Meine Freundschaften sind nicht mehr das was sie einmal waren oder ich mir darunter vorgestellt hatte und obwohl ich durch viele Freizeitaktivitäten einen großen Bekanntenkreis habe, fühlt es sich nicht an als wäre ein "Seelenverwandter" dabei. Mein Seelenverwandter ist durch einen Hirntumor in jungen Jahren gestorben. Da ich keine Familie gegründet habe, denke ich, dass Einsamkeit eines meiner größten Probleme im Alter werden wird und davor habe ich Angst. Du bist also nicht allein.

  • das sind wirklich ganz liebe Worte von dir Drachenherz!

    Wenn man so wie du keine Familie hat, ist es wohl noch schwerer.

    Ich bin echt unsportlich und krankheitsmäßig schwer vorbelastet. Ich sitze also 7 Tage die Woche Zuhause, zum Einkaufen komme ich höchstens zum Lidl und Netto, und die Fahrten zur Schule aber da treffe ich ja nicht auf jemanden zum Reden oder so.


    Vielleicht findest du ja noch jemand beim Sport mit dem du eine intensive Freundschaft aufbauen kannst. Ich kann dich auch gut verstehen und du hast Recht, im Alter wird sich das doppelt bemerkbar machen.

  • @ Computersucht: Ja, das wird leider - gerade auch in der psychiatrischen Praxis - viel zu wenig thematisiert, läuft eher so nebenbei mit. Dabei betrifft es tatsächlich mehr und mehr Menschen. Gerade junge Menschen. Der eine oder andere mit ausgewiesener Diagnose begegnet mir manchmal. Bei einigen mehr sind deutliche Tendenzen erkennbar. Man merkt es dann, wenn "scheinbare Kleinigkeiten" (Internetausfall, PC defekt etc.) massive Krisen und Suchtdruck hervorrufen...


    Ich finde auch die Tendenzen in Bezug auf "Distance Learning" aktuell nicht so prickelnd, wenn auch unveränderbar/unvermeidbar. Aber es war zB für meinen Sohn, der gefühlt NIE Zeit vorm Laptop verbracht hat, eine massive Umstellung, auf einmal viele Stunden/Tag Videokonferenzen zu haben. Bei ihm merkt man das dann zB deutlich vom Aggressionslevel und Bewegungsdrang her. Der braucht dann wirklich viel Zeit und Bewegung, um wieder runter zu kommen...


    @ Freundschaften/zwischenmenschliche Beziehungen: Ich glaube, ab einem gewissen Alter ist es generell schwieriger, auf freundschaftlicher Ebene anzuknüpfen. Merke ich bei mir selber. Die engsten meiner Freundschaften pflege ist seit vielen Jahren - sie sind alle in der Kindheit/Jugend/frühen Erwachsenenalter entstanden. Außerdem natürlich mein Mann als "bester Freund" (wir sind seit bald 17 Jahren zusammen, ich war erst 20) und meine Geschwister, zu denen ich eine recht enge Bindung habe...

    So richtig neu dazugekommen ist in den letzten Jahren nichts/wenig. Eher auf bekanntschaftlicher Ebene...

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!