Aus Bequemlichkeit auf Stillen verzichten?

  • Mir ist klar, dass es durchaus Mütter gibt, die ihre Babys nicht stillen können, aus welchen Gründen auch immer.
    Wenn ich mich aber derzeit in meinem Umfeld umschaue, sehe ich doch erschreckend viele Mütter, die sich aus praktischen Gründen gegen das Stillen entscheiden. Wenn ich diejenigen, die ich näher kenne, dann frage, kommen Antworten wie "Ach, ich hatte anfangs das Gefühl, ich hätte nicht genug Milch." "Ich will keine Hängetitten kriegen" und "So kann der Vater auch mal ran. Wenn ich stille, bleibt alles an mir hängen."


    Das ist doch sch.... Entschuldigung! Ich finde es UNMÖGLICH, sich aus bequemlich-egoistischen Gründen für die Flasche zu entscheiden. X(
    Das Stillen gehört, wenn man es denn kann, zur Verantwortung der Mutter gegenüber des Babys. Und es ist so wichtig... ;(
    Wie steht ihr dazu?

  • Hallo Annike,


    dass Sie empört oder gar entsetzt sind, solche Argumente zu hören, kann ich gut verstehen.
    Die Frage ist allerdings: Ist es wirklich so einfach erklärt, wie es diese Frauen nach außen hin tun? Oder spielen da noch andere Gründe mit... vielleicht auch Ängste und Sorgen.. weil sicherlich nicht jede junge Mutter bestens informiert ist, was das Thema Stillen betrifft.


    Ich könnte mir vorstellen, dass hier auch Unwissenheit mitschwingt wie eben z.B. die Angst davor, durch das Stillen Hängebrüste zu bekommen. Ist das so? Das wäre mir neu, dass alle Frauen, die gestillt haben, davon hängende Brüste davontragen.
    Und die Zeit ist sicherlich ein Argument, das heutzutage nicht zu unterschätzen ist. Eine berufstätige Mutter tut sich da einfach auch schwer, zu stillen und greift nicht grundlos zum Fläschchen als Alternative.


    Klara

  • Hallo,
    Stillen ist tatsächlich ein sehr heikles Thema. In meinem Bekanntenkreis gibt es auch Frauen, die sich bewusst dagegen entschieden haben. Die Kinder haben es auch überlebt ;)
    Ich finde, das muss jede Frau selbst entscheiden. Ob man gleich eine schlechte Mutter ist, weil man nicht stillt, finde ich nicht. Schließlich weiß man auch nicht, was wirklich in der Muttermilch ist. Vor Kurzem gab es dazu noch einmal eine Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass Glyphosat in der Muttermilch ist. Ob das so gut ist für ein Baby....

  • Klar kriegt man "Hängetitten". :-D
    Ich habe gestillt und finde schon, dass es zum Mamasein dazugehört. Man sollte aus Gründen der Bequemlichkeit keinen künstlichen Ersatz dafür hernehmen. Aber es gibt sicher einige, die es wirklich nicht können oder vielleicht Angst haben. Den zeitlichen Part lasse ich nicht gelten. Die wenigsten Mütter arbeiten gleich nach der Geburt wieder. Das erste Jahr Elternzeit haben auch alle die genommen, die ich kenne und die nicht stillen. Und dann ist die Stillzeit auch schon wieder vorbei. Außerdem kann man auch abpumpen, kühl stellen und sogar einfrieren. Alles kein Problem heutzutage.
    Und dann ist es heute in den Krankenhäusern doch auch schon so, dass einem da von Stillberaterinnen geholfen wird. Und auch die Hebamme steht einem zur Seite.
    Ich kenne auch ziemlich viele, die die Flasche füttern und die meisten haben sich schon vor der Geburt dafür entschieden. Für mich unverständlich, denn Busen in den Babymund stecken ist sehr viel schneller und geht auch im Halbschlaf, Flasche machen nicht. Aber jedem das Seine.

  • Hallo,


    ich bin zwar ein Mann, kann euch aber sagen, dass meine Frau gern gestillt hätte, es ging aber nicht, das war schade, das Kind ist trotzdem recht gelungen ;-) Auch wenn Mütter dann immer an den Pumpen hängen ist doch doof, wir haben das durchgezogen. Aber gibt es nun Menschen, die gleich nach der Schwangerschaft wieder arbeiten müssen und das Kind in die Kita geben, was sollen sie machen? Milch abpumpen, in den Mengen, geht vll. gar nicht immer? Und Stillen ja dann sowieso nicht... da geht's ja nur mit Flasche und Ersatz.


    PS: Ich wurde auch mit Flasche und Ersatznahrung aufgezogen ;-)


    VG

  • Ich sehe das ganz ähnlich. Schlimm finde ich es, wenn Mütter regelrecht angefeindet werden, weil sie nicht stillen (können). Geht doch wirklich niemanden was an, wie man sein eigenes Kind ernährt, solange man es natürlich nicht vernachlässigt. Ich finde diese ganze Still-Debatte mittlerweile schon richtig ideologisch aufgeladen. Ähnlich wie das ganze Homöopathie-Gedöns. Soll doch jeder sein Kind so erziehen, wie er bzw sie will.

  • Ich feinde niemanden an, falls ich jetzt angesprochen bin. Aber mir kommt es so vor, dass es immer mehr wird. Immer weniger stillen und immer mehr geben Flasche. Und ich denke, das dieser Trend nicht richtig sein kann.

  • Also ich hoffe sehr, dass alles gut geht und möchte sehr gern Stillen, bis es mit der Kita dann los geht. Habe neulich im mäßig bildenden Fernsehen eine kleine Reportage über eine Frau in den USA gesehen, die ihren Sohn noch im Grundschulalter stillt, fährt da zur Pause extra hin...? Und ja, die hatte Haengetitten ;)


    Lieber Gruß
    Len@ :D

  • Ich feinde niemanden an, falls ich jetzt angesprochen bin. Aber mir kommt es so vor, dass es immer mehr wird. Immer weniger stillen und immer mehr geben Flasche. Und ich denke, das dieser Trend nicht richtig sein kann.

    Ich wollte Dich auf keinen Fall anfeinden. Ich habe es nur schon erlebt, dass Mütter wirklich schlimme Sprüche zu hören gekriegt haben, weil sie ihr Kind nicht stillen wollten oder vielleicht konnten. Daran sollte man eben auch denken. Nicht alle Mütter kommen damit gut zurecht und können ihr Kind ausreichend versorgen. Aber egal aus welchem Grund, ich finde, die Entscheidung muss jeder für sich treffen und da sollte man niemandem rein reden.

  • Ich denke auch. Wie bei allem gibt es aber immer zwei Extreme, die die andere Seite nicht akzeptieren können. Die Masse liegt sicher in der toleranten Mitte, aber inzwischen gibt es auch eine nicht kleine Gruppe von Müttern, die sehr radikal das Stillen, Tragen und Windelfrei verfolgen und verteidigen.

  • Also eine Freundin von mir versucht das auch gerade, sie viel Wäsche und ansonsten immer Becher oder Flaschen mit dickem Hals dabei, womit sie den Kindern regelm. das Wasserlassen anbietet. Geht wohl ganz gut, sind auch 2 Jungs, da stelle ich mir die "Steuerung" einfacher vor :-) Das einzige Problem sind bspw. die Eltern, die ihr die beiden gern abnehmen, aber den Hokuspokus nicht mitmachen und dann doch auf Windeln zurück greifen. Lieber Gruß
    Len@

  • Windelfrei bedeutet, dass deine Kinder ohne Windeln groß werden und du eben aufpasst. :-D
    Meins ist es auch nicht. Klar kommt dann mehr Luft an den Po, aber es gibt auch einige, die es kritisch sehen.

  • Ich glaube, wir Menschen brauchen immer etwas, was uns gefühlt besser macht als andere. Die einen stillen und tragen den ganzen Tag, die nächsten verzichten auf Windeln, wieder andere stehen auf Waldorf oder "füttern nur Körner". ;-)
    Hat ja irgendwie alles seine Berechtigung, aber vielen fällt es schwer, andere Meinungen zu akzeptieren. Dabei kann man sowas auch mit etwas weniger radikal verfolgen.

  • Ich kann mich da Sofia nur anschließen.
    Oft können sich Frauen, gerade jüngere Frauen oder auch Frauen, die voll im Beruf stehen und schnell wieder einsteigen wollen, gar nicht vorstellen, zu stillen und eine derartige Abhängigkeit zu erleben. Auch das Rauchen spielt oft eine Rolle - ist schließlich auch nicht gut fürs Kind und wird über die Muttermilch weitergegeben.


    Ich arbeite in einem Mutter-Kind-Wohnheim mit Schwangeren bzw. jungen Müttern und ihren Kindern bis 6 Jahre und erlebe dort oft eine sehr gespaltene Einstellung zum Thema Stillen. Gerade die jungen Mütter rauchen häufig - bei mehr als 10 Zigaretten am Tag rät unsere Hebamme vom Stillen ab. Das Aufhören ist für die meisten Mütter keine Option oder einfach nicht machbar. Einige Mütter sind selbst so aktiv im Alltag, getrieben und gestresst, dass die Milch schlicht und ergreifend nicht so fließt, wie sie soll. Wir alle wissen, dass man dagegen etwas tun kann aber man kann Menschen nicht von einem Tag auf den anderen komplett "drehen" und auch da ist manchmal die Umstellung auf die Flasche ein Segen und ermöglicht erst den Aufbau einer tragfähigen Mutter-Kind-Bindung.


    Unsere Haltung ist, dass in Ordnung ist, was für Mutter und Kind gut ist. Und eine entspannt Flasche fütternde Mama ist sicher für ihr Kind eine bessere Bezugsperson als eine frustrierte oder vom stillen angewiderte Mutter, die ihren Widerwillen oder ihre Ängste auf das Kind projeziert. Wichtig ist doch, dass eine gute Beziehung zwischen Mutter und Kind entstehen kann - und manchmal gibt es Gründe, warum das mit Flasche besser geht.
    Beispiel: Wir hatten eine 18jährige Mutter, die ein Frühchen bekommen hatte. Das Kind konnte nicht an der Brust trinken, da es eine Saugschwäche hatte. Also pumpte sie 4 Monate lang zu Beginn alle 3 und später alle 4 Stunden ab und fütterte per Flasche. Klingt erstmal toll...war es aber für die Mutter nicht. Sie selbst war in ihren Handlungen sehr verlangsamt, alles dauerte stets sehr lange, das pumpen, das Flasche auswaschen, das wickeln in der Nacht...und die Kleine trank auch sehr lange...insgesamt war die junge Mutter nachts alle 3 Stunden eine Stunde lang wach...und dadurch am Tage quasi gerade noch so lebensfähig - ohne Unterstützung sowieso nicht denkbar. Für sie wäre es besser gewesen, wenn sie nicht oder nicht so lange gestillt hätte, denn dadurch hatte sie manchmal nicht viel für ihre Tochter übrig, die dauernd ihren Schlaf unterbrach und nach ihrer Mama verlangte...Dennoch wollte sie so sehr diesem Ideal der Muttermilch fütternden Mutter entsprechen...wir haben lange mit ihr gesprochen und schließlich konnte sie sich selbst eingestehen, dass sie einfach körperlich nicht mehr konnte. Wir haben mit ihr gemeinsam auf Pre-Nahrung umgestellt und fortan ging es Mutter und Kind besser, weil der Druck einfach weg war - Gleiches könnte ich mir auch mit dem Stillen an der Brust denken in manchen Fällen.


    Von daher kann man eine nicht stillende Mütter - auch wenn es vielleicht egoistischen Gründen entspringen mag - nicht per se verteufeln, wenn sie durch die Flaschengabe besser auf ihr Kind einzugehen bzw. sich auf es einzulassen vermag oder eben auch andere starke Bezugspersonen schon früh eine Rolle für das Kind spielen können.


    LG


    a79

  • Hallo,


    ich habe damals gerne gestillt und werde es bei Kind Nr. 2 wieder tun.
    Ich fand es praktischer zu stillen, weil man das "Essen" immer bei sich hatte. Auch nachts aufstehen und ein Fläschen machen, hätte mich eher genervt...
    Kann mir jetzt auch nicht vorstellen, dass die Fertigprodukte 100% natürlich sind! Da in einem anderen Post erwähnt wurde, dass Muttermilch "Glyphosat" enthält.


    Also wer Angst hat, dass die Muttermilch etwa schädlich sein könnte, seine Kinder aber impfen lässt(inkl. Aluminium, Formaldehyd, ect...) sollte sich grundsätzlich lieber nochmal genauer informieren... ;)

  • Hallo,


    ich habe damals gerne gestillt und werde es bei Kind Nr. 2 wieder tun.
    Ich fand es praktischer zu stillen, weil man das "Essen" immer bei sich hatte. Auch nachts aufstehen und ein Fläschen machen, hätte mich eher genervt...
    Kann mir jetzt auch nicht vorstellen, dass die Fertigprodukte 100% natürlich sind! Da in einem anderen Post erwähnt wurde, dass Muttermilch "Glyphosat" enthält.


    Also wer Angst hat, dass die Muttermilch etwa schädlich sein könnte, seine Kinder aber impfen lässt(inkl. Aluminium, Formaldehyd, ect...) sollte sich grundsätzlich lieber nochmal genauer informieren... ;)

    Ui ui,


    das Thema impfen. Gab es diesbezüglich nicht eine Studie, die einen Zusammenhang zwischen impfen und Autismus entdeckt haben wollte? Nachdem die Studie genug Angst verbietet hatte, wurde sie widerrufen, weil sie gefälscht war...


    Ich habe auch nicht gesagt, dass ich Babys nicht stillen würde, weil ich Angst vor Glyphosat in der Muttermilch habe, sondern dass sich keine Mutter Vorwürfe zu machen braucht bzw. anhören müssen sollte, nur weil sie nicht stillt.

  • Ich glaube, da gibt es so einige gefälschte Studien über das Impfen, die keiner wissen will/soll... aber das Thema würde den Rahmen sprengen ;)


    Habe das verallgemeinert und wollte damit nur sagen, wenn man sich über bestimmte Essgewohnheiten äußert, sollte man sich dann aber auch über andere Themen Gedanken machen!

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