Hilfe mein Kind hört nicht

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    • Hilfe mein Kind hört nicht

      Hallo erstmal alle zusammen,

      ich weiß echt nicht mehr weiter mit meinem Sohn (wird im Januar 4).
      Zur Erklärung, wir erziehen ihn zu dritt: ich, mein Mann und meine Mutter (sie wohnt mit im Haus), wir drei sind uns meistens einig, was geht und was nicht, haben aber unterschiedliche Arten das durchzusetzten. Mein Mann ist recht streng und läßt garnichts durchgehen, meine Mutter ist öfters sehr lautstark und ich versuche konsequent, aber liebevoll zu sein. Da ich leider manisch-depressiv bin, schaffe ich es nicht immer so zu sein, es kann auch passieren, dass ich laut werde und auch ungerecht.

      Mein Sohn ist ein recht lebhafter kleiner Mann und auch schon in einigen Bereiche seiner Entwicklung sehr weit, insbesondere Sprache und Gedächtnis; er war schon immer in seiner Entwicklung etwas voraus, was an sich kein Problem für uns darstellt, wir versuchen ihn soweit zu fördern, mit Sport (Fussball, Schwimmen) und vielen anderen Unternehmung (Zoo, Wald, malen, basteln etc.)

      Im Moment ist es leider wieder so, dass er auf mich fast garnicht hört. Wenn ich ihm etwas verbiete oder ich ihn z.B. nicht tragen kann (ich erkläre ihm auch sofort den Grund dafür), schreit er meistens sofort los, wirft sich auf den Boden oder versucht zu hauen und ist dann ganz bockig oder er sagt dann "blöde Mama". Was mache ich am besten in so einer Situation, ich habe schon viel probiert (ignorieren, aufs Zimmer schicken, leider auch anschreien), aber so wirklich weiß ich es nicht

      Auch im Kindergarten ist es zur Zeit sehr schwierig, er ist oft sehr überschwenglich, er versucht die anderen Kinder zu umarmen und zu küssen oder er springt einfach auf die Kinder drauf, heute hat er ein Kind in die Nase gebissen, aber er macht es nicht aus Böswilligkeit, er versucht so Kontakt aufzunehmen, aber die anderen Kinder wollen das verständlicherweise nicht. Auch das Hören im Kindergarten ist schwierig. Auch hier weiß ich nicht, wie ich ihm es klar machen soll, dass das so nicht geht.
      Für mich ist die ganze Situation sehr schwierig und kräftezehrend und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

      Ist es "nur" eine Phase? Und wie reagier ich darauf? Ich möchte meinem Kind gerne helfen, besser klar zu kommen. Ich hoffe, mein Beitrag ist nicht allzu sehr durcheinander, da ich einfach mal die Sorgen runtergeschrieben habe.

      Über Ratschläge, Tips und vielleicht auch mit Zustimmung, dass ich damit nicht alleine würde ich mich echt sehr freuen. Danke schonmal.
    • Hallo, Jennifer

      Erst mal find ich es sehr mutig von Dir, dass Du Dich hier so öffnest und so viel von Dir preis gibst! Um es kurz zu fassen (ich habe gemerkt, Du bist etwas vewrzweifelt)..natürlich kenne ich Deinen Sohn und auch den Rest Deiner Familie nicht und kann nur eine Vermutung aus eigener Erfahrung abgeben...auch wenn ihr euch in den meisten Punkten der Erziehung einig seid - Kinder finden immmer Lücken und nutzen diese...!!! Mein Großer ist jetzt 9 und macht das jetzt noch! Ja, das ist eine Phase...diese Phasen kommen aber leider immer wieder.... Ich selbst habe viele Fehler gemacht, was Konsequenz angeht...vor allem nach der Trennung von meiner Exfrau wollte ich den Kindern alles recht machen und habe viel zu viel durchgehen lassen...mittlerweile habe ich eine (so finde ich) gesunde Mischung zwischen Konsequenz und trotzdem liebevoll gefunden - also eigentlich auch der Ansatz, den Du verfolgst! Ich finde, dass das der richtige Weg ist und weiss, das es für Kinder ganz wichtig ist, Regeln und Grenzen zu erfahren und das die Eltern hierbei konsequent bleiben! Trotzdem muss man den Kindern das liebevoll herüberbringen, denn man möchte doch keine Monster groß ziehen...ich fahre jedenfalls sehr gut damit und habe wirklich gute Erfahrungen damit gemacht! Ich möchte Dir vorschlagen, dass Du Dich nochmal mit Deinem Mann und Deiner Mutter zusammmen setzt und ihr euch austauscht, darüber, wie es genau abläuft, wenn der andere mit den Kindern zusammen ist, euch beratschlagt, was man ändern kann...ect ABER : suche nicht immer die Schuld bei Dir! Denn : Dein Kind spürt vor allem eines : Deine Unsicherheit und nutzt diese aus...!!! Ich wünsche Dir, dass ihr gemeinsam einen guten Weg findet! glg, Sascha :)
    • Hallo Jennifer,

      ich kann mich nur anschließen: Ich finde bewundernswert, wie offen Sie hier von sich geschrieben haben.

      Mit Sicherheit geht es Ihnen nicht alleine so. Hier im Forum haben schon viele Eltern ähnliche Sorgen und Unsicherheiten wegen ähnlicher Verhaltensweisen ihrer Kinder geschildert, die ganz typisch für Kinder in dem Alter sind.

      Ich stimme Sascha auch zu, dass Ihr Ansatz der liebevollen Konsequenz der richtige ist. Kinder brauchen in diesem Alter, Grenzen und Regeln, die ihnen aber nicht dominant, sondern liebevoll beschützend vermittelt werden. Wenn Ihr Sohn die Grenzen der anderen Kinder in seinem Überschwang überschreitet, geht das nicht, und das muss man ihm immer wieder sagen. Vielleicht können sie mit ihm üben, wie man eine andere Person umarmt, ohne dass es der anderen weh tut? Kinder können ihre eigenen körperlichen Kräfte oft nicht richtig einschätzen. Sie wollen eigentlich liebevoll sein und merken nicht, dass sie dem anderen weh tun.

      Wenn Ihr Sohn Sie als "blöde Mama" beschimpft, ist das natürlich nicht schön und auch nicht in Ordnung. Sie sollten ihm schon sagen, dass Sie das verletzt. Sie sollten es aber auch nicht persönlich nehmen. Denn eigentlich findet er Sie nicht wirklich blöd. Es ist nur seine kindliche Art, seinen Frust darüber loszuwerden, dass Sie ihm eine Grenze gesetzt haben und er nicht seinen Willen bekommen hat. Es ist wichtig, dass Kinder lernen, dass es Grenzen gibt und das sich das "doof" anfühlt. Sie müssen dieses Gefühl kennen und aushalten lernen, denn zum Leben gehört dazu, dass es Frust gibt. (Als Erwachsener kann man sich ja schlecht vor seinem Chef auf den Boden werfen und schreien, wenn man mit etwas nicht einverstanden ist. Gut ist, wenn man dann gelernt hat, wie man mit seinem Frust umgehen kann :D ).

      Sie haben geschrieben, dass Sie es mit ignorieren versucht haben, wenn er bockig ist. Wie genau sah das denn aus? Ich finde es durchaus hilfreich, die Kinder in ihrem Trotz in Ruhe zu lassen (was für mich nicht dasselbe wie ignorieren ist), damit sie sich beruhigen können. Denn Versuche, auf sie einzuwirken, verschlimmern die Situation oft nur. Wichtig ist natürlich, darauf zu achten, dass die Kinder sich selbst nicht verletzen oder etwas zerstören. Das Kind sollte aber wissen, dass es Ihnen nicht egal ist, wie es sich gerade fühlt, und dass es bei Ihnen Trost finden kann, wenn es das möchte.

      Ich wünsche Ihnen viel Kraft in dieser schwierigen Phase und würde mich freuen, wieder von Ihnen zu lesen.

      Alles Gute

      Anne
    • Bei einer Trotzphase gehe ich auf sein Verhalten absolut nicht ein und ich lasse ihn sich austoben bzw. ausschreien. Ich bleibe im Raum, so dass er sieht, dass er nicht alleine ist, wenn er Hilfe braucht, bzw. er sich in seiner Wildheit verletzt. Wenn ich merke, dass er sich beruhigt, dann spreche ich ihn vorsichtig an, was aber wirklich dauern kann. Manchmal klappt es, dass ich ihn bevor es ganz schlimm wird, ablenken kann, so dass er garnicht erst ausflippt. Aber leider hab ich nicht so recht das Händchen dafür. mir was einfallen zu lassen, ausser mit vorlesen, das geht ganz gut.

      Ich habe auch kein Problem zu sagen, dass ich krank bin, so kann man meine Situation besser einschätzen. Ich denke, dass einige Probleme mit meinem Sohn daher kommen, dass ich manchmal unberechenbar bin. Mittlerweile geht es viel besser, aber als er so 2 Jahre alt war, habe ich oft sehr heftig reagiert. Außerdem möchte ich anderen Müttern, die ähnlich gelagerte Probleme haben, Mut machen, es auszusprechen. Es wird zwar immer Menschen geben, die damit nicht umgehen können, aber ich habe viele positive Feedbacks bekommen.

      Bei meinem Sohn steht es zur Zeit auch auf der Kippe, ob er mit dem St. Martins Zug mitziehen darf oder nicht, im Moment sieht es eher nach nein aus. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, wenn er nicht darf und einen riesigen Aufstand machen wird. Soll ich erst garnicht hingehen oder später wenn alle Kinder mit den Eltern zum Kindergarten zurückgehen? Wie erkläre ich ihm das, so dass er es auch wirklich versteht? Hat jemand vielleicht einen Rat?

      LG
    • Vertrauen, dass das Kind versteht

      Hallo Jennifer,

      Sie gehen offen damit um, dass Sie manisch-depressiv sind.
      Das ist eine besondere Herausforderung, wenn Sie sich täglich der Erziehung Ihres Kindes widmen.
      Seien Sie vor allen Dingen gnädig mit Ihnen selbst.
      Gerade dann, wenn Sie sich nicht so verhalten, wie Sie es eigentlich als richtig erkannt haben.
      Auch Eltern ohne solche Herausforderungen erfahren von ihrem Umfeld häufig Unverständnis, wie Sie mit ihren Kindern umgehen.
      Dieses Unverständnis mag berechtigt oder unberechtigt sein.
      Sie tun Ihr Bestes. Auch wenn etwas schief geht: Das ist normal und okay.

      Um Ihr Repertoire an Verhaltensoptionen bei der Erziehung flexibel nutzen zu können, wird eine Psychotherapie hilfreich sein.
      Wie ich zumindest annehme, nehmen Sie bereits entsprechende Hilfe in Anspruch und das ist gut.

      Ihre Reaktion auf eine Trotzphase Ihres Kindes klingt sehr sourverän.
      Ich glaube, da sind Sie auf dem richtigen Weg.

      Auch das mit dem Ablenken, um ein ausflippen zu vermeiden ist doch klasse.
      Und wenn es nicht klappt: Versuchen Sie Sie weder auf sich noch auf Ihr Kind wütend zu werden.

      In Fällen wie dem St.-Martins-Umzug, wo Ihr Kind etwas nicht darf, weil er sich unangepasst verhält:
      Erklären sie es ihm ganz offen, direkt und klar ohne Umschweife.
      Auf Nachfragen antworten sie genauso einfach und ohne Bewertungen.
      Beispiel: "Wenn ihr ... unternehmt, dann macht du bisher ...
      Das mögen die anderen Kinder gar nicht. Daher haben wir entschieden, dass du nicht ... darfst."
      Es geht um den Schutz der andern. Mit Strafe hat das nichts zu tun.
      Vertrauen Sie darauf, dass ihr Kind das versteht.