Kinder allein zuhause – Wieviel Sorge ist gesund?

von Redaktion

Kind fasst in die Steckdose

Auch wenn die Eltern zuhause sind, können Kinder nicht rund um die Uhr bewacht werden.
Bestimmte Maßnahmen können dann für ausreichend Schutz sorgen.

 

Kinder erfahren durch Eltern und andere Erwachsene einen besonderen Schutz, den sie für ihre Entwicklung und zur Sicherheit benötigen. Die meisten Eltern verhalten sich sehr fürsorglich, umsorgen ihren Nachwuchs liebevoll, verbringen gerne Zeit mit den Kindern und betrachten die kindliche Entwicklung als einmaliges Erlebnis. Die gesetzliche Aufsichtspflicht besagt, dass Eltern ihre Kinder vor einem Schadensfall schützen müssen, indem sie in der Regel anwesend sind und sich aktiv an den Tagesabläufen des Kindes beteiligen. Aber Eltern können nicht immer direkt zur Stelle sein. Was können sie alles machen, um die Kinder zu schützen und wieviel Fürsorge ist gesund?

 

Kinder alleine zuhause lassen?

Die elterliche Aufsichtspflicht ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, allerdings gibt es keine klaren und detaillierten Angaben dazu wie dies in der Praxis aussehen sollte. In den ersten drei Jahren wird von Experten empfohlen, die Kinder nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Grundsätzlich ist der jeweilige Entwicklungsstand des Nachwuchses ausschlaggebend dafür, wieviel Freiraum ihnen alleinverantwortlich zugemutet werden kann. Denn die elterliche Fürsorge beinhaltet ebenfalls die Pflicht, die Kinder „zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln“ zu erziehen, so der Gesetzestext.

 

Kann die Aufsicht nicht alleine bewältigt werden, muss dann beispielsweise abends ein Babysitter einspringen. Nach und nach können die Kinder daran gewöhnt werden, dass nicht ständig jemand zur Verfügung steht. Zu Beginn bedeutet dies etwa, dass sich die Eltern auch zeitweise in einem anderen Raum in Rufweite aufhalten können. Je nachdem ob die Kinder mehr oder weniger dazu neigen Unsinn zu machen, muss regelmäßig nach dem rechten gesehen werden. Sind ältere Geschwister mit in der Familie, können auch sie zeitweise die Aufsicht übernehmen. Allerdings sollte ein gewisser Altersunterschied vorhanden sein. In jedem Fall sollten die Kinder bereits über die nötige emotionale Reife verfügen, um eine Zeit lang allein gelassen werden zu können. Wichtig ist auch, dass die Kinder immer wissen, wie sie sich alleine zuhause zu verhalten haben und an wen sie sich in einer Notsituation wenden können.

 

Fürsorge vs. selbstbewusste Entwicklung

Ist ein Kind bereits älter, möchte es seine eigenen Interessen durchsetzen. Es ist verständlich, dass es sich selbst verwirklichen und zur Authentizität gelangen möchte. Größere Kinder möchten Freunde bei sich übernachten lassen und sich dabei nicht ständig kontrolliert fühlen. Genauso wie eine Vernachlässigung, kann auch eine zu starke Fürsorge zu Problemen bei der Entwicklung der Kinder führen.

 

Viele Eltern versuchen ihre Kinder vor möglichen Gefahren so stark zu schützen, dass diese kaum eigene Erfahrungen sammeln können. Wachsen sie überbehütet auf, können sie dann auch nur schwer selbständig werden und lernen, mit Problemen umzugehen. Den richtigen Mittelweg zu finden ist dabei gar nicht so einfach. Einerseits wollen die Eltern stets nur das Beste für ihre Sprösslinge. Andererseits ist es wichtig, dass sie auch Fehler machen können oder buchstäblich auf die Schnauze fallen, um daraus ihre Erfahrungen zu ziehen und den Umgang mit Herausforderungen und Konflikten zu erlernen.

 

Das Ganze ist ein Prozess, der je nach Temperament und Veranlagung der Kinder ganz unterschiedlich ablaufen kann. Vieles fängt bereits im Babyalter an. Sobald die Kleinen Krabbeln können, sind sie beispielsweise im Haus mit neuen Gefahren konfrontiert. Bestimmte Maßnahmen können dabei helfen, Probleme von vornherein zu vermeiden. Dennoch sollten die Kinder auch frühzeitig lernen, dass bestimmte Dinge tabu oder mit Gefahren verbunden sind.

 

Kind am Backofen

Sobald kleine Kinder mobiler werden, wird die Welt zuhause gefährlicher für sie.

 

 

Technologien für mehr Schutz

Frischgebackene Eltern stehen vielen Herausforderungen gegenüber, wenn sie das Wohl der Kleinen sicherstellen wollen. Kinder entwickeln sich schnell und werden oft über Nacht erstaunlich selbstständig und mobil. Dies macht es den Eltern deutlich schwieriger, immer ein wachsames Auge auf den Nachwuchs zu haben und jederzeit eingreifen zu können. Denn auch in den eigenen vier Wänden lauern eine Reihe von Risiken für kleine Kinder.

Dabei lässt sich schon mit einfachen Mitteln die Sicherheit deutlich steigern, indem typische Gefahrenpunkte entschärft oder ganz entfernt werden. Die innovativen Lösungen, welche die heutige Smart-Home Technologie bietet, können dabei sinnvoll eingesetzt werden. Die typischen Gefahrenquellen haben sich allerdings im Laufe der Jahre kaum verändert:

  • Steckdosen: Moderne Steckdosen oder auch Einsätze zum Nachrüsten können hier vor Stromschlägen schützen.

  • Rauchwarnmelder: In bestimmten Gebäuden sind sie bereits gesetzlich vorgeschrieben. In Haushalten mit Kindern können Rauch- oder Wärmemelder Leben retten.

  • Beleuchtung: Statt dem altgedienten Nachtlicht kann eine intelligente Beleuchtung etwa mit Bewegungsmeldern für mehr Sicherheit im Haus sorgen.

 

Solche schlauen Lösungen tragen zum Schutz und zur Sicherheit der Kinder bei und tragen dazu bei, dass die Eltern die Kleinen auch einmal kurz unbeaufsichtigt lassen können.

 

Weitere Sicherheitsvorkehrungen in den eigenen vier Wänden

Bestimmte Vorkehrungen dienen dazu, das Haus für die Kinder sicherer zu machen, ohne ihre Entwicklung oder ihren Bewegungsradius dabei zu stark einschränken zu müssen. In den eigenen vier Wänden gibt es einige Gefahrenquellen, die durch einfache Maßnahmen entschärft werden können. Auf diese Weise müssen die Kleinen nicht in jeder Sekunde überwacht werden.

 

Bei den Böden und Teppichen geht es bereits los. Einige Böden sind so rutschig und können sich als enorme Verletzungsquelle herausstellen. Wurde gerade der Boden frisch gewischt und gebohnert, sollten die Erwachsenen aufpassen, dass die Kinder langsam machen. Es gibt einige Tipps und Hinweise, die Eltern beherzigen sollten:

  • Teppiche auf rutschfeste Untergründe legen

  • Teppich darf keine Stolperquelle darstellen

  • Spielzeug und Co. nicht auf den Boden herumliegen lassen

  • Verschüttete Flüssigkeiten direkt wegwischen

 

Das sind alles Gefahrenquellen, die ausgeschaltet werden können. Falls der Boden im Kinderzimmer ziemlich hart ist, sollte er eventuell gegen weicheren Bodenbelag ausgetauscht oder zumindest mit weicherem Material versehen werden. Wenn die Kinder dann stolpern und hinfallen, hält sich der „Schaden“ dann meist in Grenzen.

 

Kind am Knie verletzt

Nur wer einmal selbst auf die Schnauze fällt, kann lernen, mit Herausforderungen umzugehen.

 

 

Glas als große Gefahrenquelle – durch Sicherheitsglas ersetzen

Glasscheiben und Glastüren sind in vielen Haushalten anzutreffen. Doch gerade in Haushalten mit kleinen Kindern sollten Eltern darauf achten, dass es sich bei dem Glas um Sicherheitsglas handelt. Spielende und tobende Kinder achten nicht auf Glas. Im schlimmsten Fall geht das Glas kaputt, wenn das Kind davor rennt oder etwas davorwirft. Handelt es sich um ganz normales Glas, entstehen zahlreiche kleine messerscharfe Scherben, die tiefe Schnittverletzungen herbeiführen können. Haben Eltern die Möglichkeit, noch auf die Auswahl von Türen Einfluss zu nehmen, so sollten sie auf Glastüren verzichten. Ansonsten bieten sich folgende Maßnahmen an:

  • Klebesymbole auf Glastüre aufbringen (in Augenhöhe des Kindes)

  • Splitterschutzfolie organisieren und auf Glastüre aus Normalglas aufkleben

 

Weitere splitterbringende Gegenstände sind Trinkbehälter aus Glas und Prozellanteile. Vorzugsweise sollten Eltern den Kindern Plastebecher geben. Falls Glas oder Porzellan zu Bruch geht, ist es wichtig, schnell zu reagieren und die Scherben umgehend zu entfernen.

 

Umgang mit Gefahren lernen

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sollten Kinder ab und zu auf die Schnauze fallen dürfen. Nur auf diese Weise lernen sie, dass Gefahren zum Alltag dazugehören und erkennen, wie es gelingt, sie zu vermeiden oder im Fall der Fälle damit umzugehen.

 

Es ist notwendig, dass Kinder die Gelegenheit haben, aus Misserfolgen zu lernen und eigene Erfahrungen zu machen. Die Eltern sollten ihren Kindern hier mit gutem Beispiel vorangehen. Sind sie etwa ständig besorgt und ängstlich, wird sich diese Einstellung auch auf die Kinder übertragen und sie entwickeln ihrerseits möglicherweise nicht besonders viel Mut im Alltag. Wenn sie hingegen selbst Stärke zeigen und vermitteln, wie Herausforderungen gemeistert werden können, wachsen die Kinder auch viel selbstbewusster auf. Wichtig ist es, die Kinder dabei nicht alleine zu lassen und ihnen im Ernstfall immer helfend zur Seite zu stehen.

 

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