Tiergestützte Therapie

1. Die Bedeutung der tiergestützten Therapie

Sicher haben alle Eltern zumindest eine vage Vorstellung davon, was sich hinter dem Begriff der tiergestützten Therapie verbirgt. Es handelt sich um den Einsatz von Tieren im therapeutischen Kontext, nicht um die Therapie alleinstehend durchzuführen, sondern um den Therapeuten in seiner Arbeit zu unterstützen. Dies kann im psychologischen, pädagogischen oder sozialintegrativen Rahmen geschehen.

Der Grund für den Einsatz von Tieren ist dabei relativ simpel zu erfassen: Tiere sind unvoreingenommen, sie scheren sich nicht um körperliche oder seelische Makel und nehmen ein Kind so an, wie es eben ist. Gerade aufgrund der häufig mit Krankheiten einhergehenden Stigmatisierung ist diese tierische Neutralität ein hohes Gut. Außerdem sind Tiere ein bewährtes Mittel zur Kontaktaufnahme zu Kindern. Selbst ein schüchternes, ängstliches und fremden Menschen gegenüber verschlossenes Kind kann sich nur schwer dem Charme von Hund, Katze, Kaninchen und Co entziehen, so dass der Weg zu einer tragfähigen Therapeut-Klient-Beziehung geebnet ist.

 

Alpaka

 

Darüber hinaus bringen alle Tiere typische Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften mit, die kurativ bei verschiedenen Erkrankungen wirken können. Das therapeutische Verhältnis stellt sich bei der tiergestützten Therapie immer als Triade bestehend aus Klient, Tier-Therapeuten-Team und Bezugsperson dar.

Das gesamte Verfahren ist zielgerichtet und läuft über das Tier als zentrales Medium ab. So wird dieses zum Beispiel als Mittel der außersprachlichen Kommunikation eingesetzt. Dabei soll der Einsatz von Tieren das Verhalten der Kinder insgesamt positiv beeinflussen. Die tiergestützte Therapie gilt als alternatives medizinisches Heilmittel, das bei seelischen wie auch körperlichen Krankheitsbildern zum Einsatz kommen kann.

 

2. Die Einsatzbereiche der tiergestützten Therapie mit Kindern

Prinzipiell ist der Einsatz einer tiergestützten Therapie fast immer möglich. Es gibt keine Problematik, die zu geringfügig wäre, als dass ein Tier dafür eingesetzt werden dürfte. Gleichzeitig gibt es aber auch fast keine therapeutische Fragestellung, für die Tiere kein geeigneter Therapiepartner wären.

Allerdings dürfen natürlich keine allzu hohen Erwartungen gestellt werden: Tiere im therapeutischen Rahmen können helfen, unterstützen, begleiten und fördern - Wunder vollbringen können sie jedoch nicht. Hat man dies erkannt, so kann man von der tiergestützten Therapie in vielen Einsatzfeldern profitieren.

 

2.1 Psychologie

Ein beliebter Einsatzbereich der tiergestützten Therapie ist bei psychologischen Auffälligkeiten und psychischen Erkrankungen. Welches Tier zum Einsatz kommt und wie sich die therapeutische Arbeit gestaltet, hängt natürlich von der jeweiligen Situation ab. Insgesamt ist die tiergestützte Psychotherapie empfehlenswert bei

  • Trauma,
  • Ängsten,
  • Zwängen,
  • emotionalen Störungen,
  • affektiven Auffälligkeiten und
  • Schlafstörungen.

Daneben existieren noch zahlreiche andere psychologische Einsatzfelder. So können Tiere beispielsweise eine psychologische Begleitung im Zuge der Behandlung einer schwerwiegenden Grunderkrankung darstellen. Kontaktaufnahme, alternative Kommunikation und die Akzeptanz ohne Vorurteile definieren das Zentrum der tiergestützten Psychotherapie. Über diese Kernelemente wird die Genese erleichtert.

 

2.2 Pädagogik

Mit der Pädagogik bietet sich der tiergestützten Therapie ein Feld, in dem sie sowohl präventive als auch kurative Aufgaben übernehmen kann. Denn dank des Einsatzes von Tieren lassen sich anbahnende Probleme abwenden, aber auch bestehende zumindest abschwächen. Nicht umsonst gibt es zahlreiche Schulbesuchshunde, deren positiver Effekt auf das Lernverhalten der Schüler nachgewiesen ist. Insgesamt kann die tiergestützte Pädagogik zum Einsatz kommen bei

  • Lernstörungen,
  • Konzentrationsschwächen,
  • Aufmerksamkeitsdefiziten,
  • Motivationseinbußen und
  • Problemen im Ruheverhalten.

Dabei ist es möglich, das insgesamte Lernverhalten durch den Einsatz von Tieren im Positiven zu beeinflussen. Nicht zuletzt schaffen Tiere einen idealen Ausgleich zur Lernsituation und können bei immer wiederkehrenden Negativerfahrungen positive Akzente setzen. Dies wirkt sich nicht nur erfreulich auf die gesamte pädagogische Entwicklung aus, sondern hat auch eine verstärkte Motivation als Resultat.

 

2.3 Sozialintegrativ

Nur schwer abzugrenzen von dem psychologischen und pädagogischen Einsatz der tiergestützten Therapie ist ein solcher im sozialintegrativen Kontext. Schließlich gehen diese drei Aspekte schier nahtlos ineinander über. Nichtsdestotrotz darf erwähnt werden, dass Tiere ideale Helfer sind, wenn Schwierigkeiten im sozialen Gefüge bestehen. Diesen können

  • Verhaltensauffälligkeiten,
  • Anpassungsstörungen oder
  • Bindungs- oder Trennungsängste

und viele andere Probleme im Sozialverhalten umfassen. Tiere bieten sich hier sozusagen als „Trainingsplattform“ des sozialen Miteinanders an. Im Einzel- wie auch Gruppensetting schaffen sie einen idealen Ausgangspunkt für die soziale Integration.

 

2.4 Motorik

Körperlich eingeschränkte Menschen können von der tiergestützten Therapie profitieren, da die Bewegungsabläufe, die im Umgang mit Tieren erbracht werden, sich natürlicher und weniger gekünstelt darstellen als es andere therapeutische Rahmenbedingungen schaffen. Außerdem werden dabei auch Bewegungsmuster initiiert, die ohne tierischen Einsatz nur schwer zu simulieren sind.

Therapeutisches Reiten und Delfinschwimmen seien hier als Beispiele genannt. In diesem motorischen Kontext geht es um die physiotherapeutische Komponente der tiergestützten Therapie, nicht jedoch um die Assistenz.

 

2.5 Assistenztiere

Der Einsatz von Tieren als Assistenztiere ist inzwischen bewährt und kommt bei verschiedenen Problemen zum Einsatz. Aufgrund der gesamten Charaktereigenschaften, der Erziehbarkeit und der guten familiären Integration sind es meist Hunde, die Assistenzaufgaben übernehmen. Dabei können sie verschiedenartig Hilfestellung leisten, nämlich

  • bei Einschränkungen in der Sinneswahrnehmung (Blindenführhund oder Gehörlosenhund),
  • bei Einschränkungen in der Motorik (Alltagsunterstützung z. B. Türe öffnen, Schlüssel bringen, Ampel drücken…) oder
  • als Warnhunde (bei drohendem epileptischem Anfall, diabetischem Schock, Herzinfarkt…).

Einsatzbereiche für Hunde im Assistenzbereich gibt es viele. Es kommt ausschließlich auf die Wesenszüge der Tiere sowie eine adäquate Ausbildung an. Dann können sie das Leben deutlich erleichtern.

 

2.6 Begleittherapie

Die bisher genannten Aspekte beleuchteten die tiergestützte Therapie im alleinstehenden Einsatz. Dabei ist es weitaus häufiger so, dass Tiere im Kontext anderweitiger Grundbehandlungen eine gewisse Rolle einnehmen. Sie kommen in diesem Zusammenhang beispielsweise in Kinderkrebskliniken oder Kinderhospizen zum Einsatz. Oder aber das Therapie-Tier-Team arbeitet in der Logopädie an der Beseitigung von Sprachstörungen oder im Rahmen einer Ergotherapie oder einer Frühförderung im ganzheitlichen Ansatz.

 

 

Tiergestuetzte-Therapie-Grafik

 

3. Inhalte tiergestützter Therapiearbeit

Wie genau eine tiergestützte Therapie konzipiert ist, hängt logischerweise vom Kontext ab, in dem sie initiiert wird. Damit untrennbar verbunden ist auch die Auswahl des geeigneten Tieres. Prinzipiell eignen sich alle Tierarten für Therapien in irgendeiner Form. Schließlich bringt jedes Tier seinen eigenen Charakter mit und kann entsprechend individuell auf die vorherrschende Problematik hin ausgewählt werden.

Grundsätzlich müssen jedoch alle Tiere, die in der Therapie eingesetzt werden, an Menschen gewohnt sein und sich durch ein friedliches, soziales und stressresistentes Verhalten auszeichnen. Sie müssen Gehorsam gegenüber ihrem Besitzer mitbringen und ihre eigenen Stimmungen durch deutlich erkennbare Signale ausdrücken. In jedem Fall müssen Tier und Besitzer zueinander und zu ihrem Klienten passen.

Im Laufe der Jahre des Einsatzes von Tieren in der Therapie haben sich verschiedene Tierarten für besondere Einsatzfelder ausgezeichnet:

 

3.1 Lama und Alpaka

Lamas und Alpakas sind die idealen Begleittiere, die sich durch ruhige und gelassene Verhaltensweisen auszeichnen. Demzufolge eignen sie sich ideal zum Einsatz bei

  • psychischen Erkrankungen,
  • Trauma,
  • Verhaltensauffälligkeiten,
  • Entwicklungsverzögerungen,
  • geistigen Behinderungen und
  • Sprachauffälligkeiten.

Sowohl Lamas als auch Alpakas wirken im Umgang mit Kindern stark motivieren, jedoch nicht durch Aktion, sondern eher durch das genügsame Wesen, welches den Einstieg erleichtert.

 

3.2 Nagetiere

Meerschweinchen, Mäuse, Ratten und Kaninchen –diese stark polarisierenden Nagetieren bergen tatsächlich das Potenzial, therapeutische Arbeit zu leisten. Gerade Meerschweinchen und Kaninchen zeichnen sich durch ihre Sanftheit, ihren Witz, aber auch ihr sehr gut zu zügelndes Temperament aus. Gleichzeitig können Nagetiere zumeist stundenlang stillhalten und einfach nur gestreichelt werden. Dies macht sie ideal für den Einsatz bei

  • motorisch eingeschränkten,
  • ängstlichen,
  • unsicheren und
  • im Selbstbewusstsein schwachen

Kindern. Aber auch bei expansivem und oppositionellem Verhalten können Nagetiere durchaus einen angenehmen Ruhepol darstellen.

 

3.3 Pferde

Der Einsatz von Pferden in der tiergestützten Therapie ist inzwischen keine Seltenheit mehr und findet seine Anwendung überwiegend im physiotherapeutischen Kontext. Dabei wird zwischen dem therapeutischen Reiten und der Hippotherapie, also dem tatsächlich krankengymnastisch ausgerichtetem Pferdeeinsatz, unterschieden. Aber auch heilpädagogisches Reiten kann angeboten werden. Mit diesen Schwerpunkten richtet sich der Einsatz von Pferden an Kinder mit

  • körperlichen und motorischen Beeinträchtigungen,
  • seelischen Störungen und
  • Verzögerungen in der sozialen Entwicklung.

 

3.4 Esel

Esel gelten als sture Tiere, die für ihre stoische Ruhe bekannt sind. Gleichzeitig sind sie jedoch sehr arbeitsam. Genau diese Kombination ist es, die Esel für die tiergestützte Therapie mit Kindern auszeichnet. In erster Linie stehen dabei seelische Erkrankungen im Vordergrund. Diese seien genannt mit

  • Zwängen,
  • Essstörungen,
  • Ängste,
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefiziten,
  • Persönlichkeitsstörungen,
  • Aktivitäts- und Verhaltensauffälligkeiten.

In erster Linie geht es beim Einsatz von Eseln darum, die Fokussierung der Kinder auf die Bedürfnisse anderer zu richten. Daneben gibt es für Esel aber auch Einsatzbereiche im Rahmen der körperlichen Behinderung, vorzugsweise bei der Beeinträchtigung der Sinnesorgane.

 

3.5 Vögel

Insofern tiertherapeutisch mit Vögeln gearbeitet werden soll, sind in erster Linie Hühner gemeint. Vor allem Seidenhühnern werden gute Erfolge in der Stärkung von

  • Ich- und Sozialkompetenz,
  • Selbständigkeit und
  • Motorik

nachgesagt.

 

3.6 Delfine

Die so genannte Delfintherapie ist nicht unumstritten und dennoch oder gerade deshalb immer wieder im Fokus der Medien. Nicht zuletzt mag das daran liegen, dass die Delfintherapie in Deutschland kein anerkanntes medizinisches Verfahren darstellt und nur im Rahmen eines zeitlich begrenzten Forschungsprojekts der Universität Würzburg angeboten wird. In Amerika und Israel ist die Delfintherapie hingegen Gang und Gäbe und kann mit teils beachtlichen Erfolgen aufwarten. Sie findet ihren therapeutischen Einsatz in weitreichenden Anwendungsfeldern und zwar sowohl bei

  • körperlichen,
  • seelischen als auch
  • mentalen

Beeinträchtigungen der Kinder. Nicht selten wird die Delfintherapie auch als Belohnung konzipiert, die dann zum Tragen kommt, wenn gestellte Anforderungen gemeistert wurden.

 

3.7 Hunde

Die hierzulande am häufigsten eingesetzten Therapietiere sind die Hunde. Dank der vielen verschiedenen Rassen und den damit einhergehenden typischen Charakterzügen ist ihr Einsatzbereich von unvorstellbarer Vielfältigkeit. Auch sie sollten nicht als „Wunderwaffe“ angesehen werden, nichtsdestotrotz kann man schlichtweg davon ausgehen, dass man bei allen körperlichen, psychischen, pädagogischen oder sozialen Problemlagen, wenn die klassische Therapie an ihre Grenzen stößt, mit einem individuell abgestimmten Einsatz von Hunden Bewegung in den Heilungsprozess bringen kann. Dabei wird unterschieden zwischen der

  • hundegestützten Therapie, die vorzugsweise bei Störungen im Kommunikationsbereich zum Einsatz kommt und der
  • tiergestützten Förderung mit Hund, die eine Wiederherstellung der Lebensqualität und des Wohlbefindens erreichen soll.

Wie bereits erwähnt müssen Rasse und Alter des Hundes der jeweiligen Situation angemessen sein. Junge Hunde sind lebhaft und bringen mit ihrer Art zum Lachen, wecken Beschützerinstinkte und sind ideale Partner bei der Kontaktaufnahme. Erwachsene Hunde hingegen sind ruhiger und verkörpern Schutz. Sie sind ideal für ängstliche Kinder.

 

Während die tiergestützten Therapien mit Hunden, Delfinen und Pferden meist alleinstehend zum Einsatz kommen, sind Nagetiere, Vögel, Esel, Alpakas und Lamas fast immer integriert in einen therapeutischen Bauernhof zu finden.

 

4. Vor- und Nachteile der tiergestützten Therapie

Der Einsatz von Tieren in der frühkindlichen Therapie ist in seinem Erfolg inzwischen unumstritten. Da er jedoch für die Eltern mit teils nicht unerheblichen Kosten verbunden ist, sollten sie sich konsequent die Chancen und Grenzen vergegenwärtigen, die mit dieser Therapieform einhergehen:

 

4.1 Die Vorteile

  • Tiere sprechen nicht, sie sind nicht nachtragend, sie interessieren sich nicht für aktuelle Befindlichkeiten, Stärken oder Schwächen eines Menschen. Sie akzeptieren ihn, so wie er ist. Für Kinder ist diese bedingungslose Wertschätzung eine positive Erfahrung.
  • Tiere sind in der Therapie vielseitig einsetzbar, dank verschiedener Arten, Rassen und Wesenszüge können sie vielfältige, wünschenswerte Effekte hervorrufen.
  • Auch wenn kein durchschlagender Therapieerfolg zu erwarten ist, so werden dank dem Einsatz von Tieren bei den betroffenen Kindern immer Barrieren überwunden und wünschenswerte Effekte erzielt.
  • Die tiergeschützte Therapie ist ein alternatives Behandlungsverfahren, welches ohne den Einsatz von Medikamenten auskommt.
  • Selbst wenn andere Behandlungsmethoden uneffektiv geblieben sind, kann dank dem Einsatz von Tieren oftmals ein Behandlungsfortschritt erzielt werden.

 

4.2 Die Nachteile

  • Leider ist die tiergestützte Therapie in Deutschland nicht uneingeschränkt anerkannt, woraus eine Selbstzahlung mit teils massiven Kosten resultiert.
  • Tiergestützte Therapie ist kein Allheilmittel, es führt nicht jede Behandlung zum Erfolg.
  • Therapieerfolge sind häufig nur in kleinen Schritten realisierbar.
  • Nicht alle Tiere eignen sich für den therapeutischen Einsatz.
  • Tiergestützte Therapie setzt ein ideales Patient-Therapeuten-Verhältnis voraus.

 

5. Kosten und Kostenübernahme

5.1 Selbstzahler

Leider ist die tiergestützte Therapie als alternative Heilmethode in Deutschland nicht anerkannt und obliegt deshalb nicht zwangsläufig der Kostenträgerschaft durch einen Dritten. Demzufolge müssen Therapiekosten in der Regel von den Eltern des zu behandelnden Kindes getragen werden. Die Höhe der Auslagen hängt von der auszuwählenden Tierart, der Quantität der Behandlung sowie der zugrunde liegenden Problematik ab.

 

5.2 Krankenkassen

Tiergestützte Therapie auf Rezept gibt es nicht, wenngleich hinter deren Notwendigkeit medizinische Behandlungsbedarfe stehen. Demzufolge kann eine tiergestützte Therapie nicht verordnet werden. Dennoch sind die Krankenkassen als Kostenträger nicht gänzlich aus dem Rennen. Je nach Grunderkrankung kann ein Antrag auf außergewöhnliche Kostenerstattung samt ärztlicher Begründung der medizinischen Notwendigkeit sowohl an die gesetzliche als auch an die private Krankenkasse gerichtet werden. Inwiefern dieser in einen positiven Bescheid mündet, liegt im Ermessensbereich der zuständigen Sachbearbeiter. Ein Rechtsanspruch besteht jedoch nicht.

 

Daneben ist die Krankenkasse zuständig, wenn der Einsatz von Tieren sozusagen als Co-Therapie erfolgt. Wurde also Ergotherapie, Physiotherapie oder Logopädie ärztlich verordnet, steht es den Eltern frei einen entsprechenden Therapeuten mit Schwerpunkt in der tiergestützten Therapie auszuwählen. Ohne Sondergenehmigung durch die Krankenkasse darf dieser jedoch keine erhöhten Gebühren geltend machen sondern lediglich die Standardtherapie abrechnen.

 

5.3 Jugendhilfe

Im Bereich der Jugendhilfe ist die Kostenübernahme für heilpädagogisches Reiten anzusiedeln, welches als ambulante Hilfe zur Erziehung deklariert wird. Entsprechend tragen die Jugendämter auf Antrag die damit verbundenen Kosten. Gleiches gilt für den therapeutisch-pädagogischen Effekt eines Therapiebauernhofs.

 

5.4 Stiftungen und Verbände

Insofern bereits zahlreiche Therapien gescheitert sind oder deren Einsatz aufgrund des Schweregrads der Ausprägung keinen Erfolg versprechen, ist es möglich für diverse tiergestützte Therapien eine Kostenübernahme über thematisch spezialisierte Stiftungen und Verbände zu initiieren. Sie finanzieren ihr Engagement im Regelfall über Spenden und sind zumeist auch die einzige Möglichkeit, in den Genuss einer Delfintherapie zu gelangen.

 

5.5 Studienteilnahme

Auch wenn mittlerweile Einigkeit darüber besteht, dass der Einsatz von Tieren in der Therapie durchaus den Behandlungserfolg steigert, so finden nach wie vor wissenschaftlich fundierte Studien statt, um genau diese Erfolge zu belegen und zu dokumentieren. Wer sich zu einer derartigen Studienteilnahme bereit erklärt, kann seinem Kind den kostenlosen Genuss der tiergestützten Therapie zukommen lassen. Allerdings ist dies an die Akzeptanz der gesamten Studienbedingungen geknüpft.

 

6. Zuständigkeit und Ansprechpartner

Wen es bei Interesse an einer tiergestützten Therapie zu kontaktieren gilt, hängt von der Grunderkrankung sowie der Ausgestaltung der Therapiearbeit ab:

 

6.1 Erste Adressen zum Erschließen einer tiergestützten Therapie sind Tiertherapiezentren, die sich auch mit der Ausbildung der entsprechenden Tiere befassen. Sie können in der Regel passgenaue Tier-Therapie-Teams benennen und entsprechende Kontakte herstellen.

 

6.2 Da viele Tiere als Co-Therapeuten zum Einsatz kommen, kann sich auch eine auf die Grunderkrankung ausgerichtete Recherche anbieten. Sprachprobleme sind beispielsweise bei einem Logopäden zu behandeln, der auch mit tiertherapeutischem Schwerpunkt arbeiten kann. Derartige Praxen eignen sich somit auch zur Kontaktaufnahme.

 

6.3 Soll die tiergestützte Therapie eine heilpädagogische Fokussierung aufweisen, so können Kontakte zu freien und öffentlichen Trägern der Jugendhilfe nützlich sein. Das Jugendamt als Kostenträger sollte beispielsweise um in der Nähe befindliche Therapieeinrichtungen wissen.

 

6.4 Nicht zuletzt erfährt man bei Interessensvertretungen des jeweiligen Krankheitsbilds oftmals Interessantes über alternative Heilverfahren und somit eventuell auch über geeignete Ansprechpartner auf der Suche nach einer tiergestützten Therapiestätte.