Elterninitiierter Kindergarten

1. Definition und Geschichte von Kindergärten der Elterninitiative

Hinter dem elterninitiierten Kindergarten steht eine Betreuungseinrichtung für Kinder, die von der Elternschaft ins Leben gerufen wurde. Die Entwicklung dieser Trägeridee basierte auf einem akuten Mangel an Betreuungsplätzen, wodurch Alternativen gefunden werden mussten. Hinzu kam eine gewisse Unzufriedenheit mit den Arbeitsgrundsätzen vorhandener Kitas. So schlossen sich Eltern zusammen und gründeten eine Elterninitiative, die sich die Schaffung adäquater Betreuungsangebote zur Aufgabe gemacht hat. Bis heute hat sich diese alternative Form der Kinderbetreuung gehalten, wobei selten ein Angebotsmangel als häufiger eine konzeptionelle Unzufriedenheit den Hintergrund darstellt.

 

Inzwischen werden solche Kindergärten zumeist durch Elterninitiativen als eingetragene Vereine getragen. Die Personalisierung pädagogisch ausgebildeten Eltern ist möglich, wobei insgesamt der Elternbeitrag in Form von Arbeitsleistungen die Regel ist. Hinzu kommt ein von Eltern gebildeter Vorstand, dessen Arbeit auf Ehrenamtlichkeit basiert und der die Einrichtungen nach Außen hin vertritt sowie neben administrativen Funktionen auch die Haftung in allen Belangen übernimmt. Elterninitiierte Kindergärten sind häufig der Ort, an dem neue pädagogische Konzepte ihre Praxiserprobung erfahren.

 

Elterninitiierter Kindergarten

 

2. Menschenbilder in Elterninitiativen

Das Menschenbild, dem Elterninitiativen folgen, ist geprägt von einer demokratischen Grundhaltung und der Annahme, dass alle Menschen als autonome Wesen zu behandeln sind. In der Regel gelten die humanistischen Grundsätze, also die Wahrnehmung der Kinder als Einheit aus Körper, Geist und Seele, unabhängig jeglicher christlicher oder moralischer Wertung. In dieser Form betrachten elterninitiierte Kindergärten den Menschen als ganzheitliches Wesen. Die Kinder, so die gängige Auffassung, sind dazu fähig, für ihre eigenen Bedürfnisse Eigenverantwortung zu übernehmen und ihre eigene Bildung und Entwicklung eigenverantwortlich zu fokussieren und aktiv zu gestalten.

 

Über dieser Wahrnehmung der Kinder steht das Erfordernis, diesen ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln und ihnen einen Rahmen zu schaffen, in dem sie sich nicht nur wohlfühlen können sondern auch die bestmöglichen Entfaltungsoptionen finden. Ein gleichberechtigter und respektvoller Umgang miteinander ist ebenso prägend für den elterninitiierten Kindergarten wie die Vermittlung von Sozialkompetenz auf allen Interaktionskanälen.

 

Auch wenn die meisten Elterninitiativen den Menschen entsprechend des beschriebenen Bildes wahrnehmen, sind derart getragene Kindergärten der optimale Ort, um alternative Weltanschauungen im erzieherischen Kontext einzubringen. Montessori oder Pestalozzi oder gar gänzlich neue Ansätze finden ihren konzeptionellen Rahmen in der Regel bevorzugt durch den Zusammenschluss befürwortender Elternschaft.

 

3. Das pädagogische Konzept elterninitiierter Kindergärten

Das Besondere am pädagogischen Konzept elterninitiierter Kindergärten ist, dass sie diesbezüglich variabel sind und häufig nicht dem gängigen konzeptionellen Betreuungsgeschehen folgen. Stoßen pädagogische Neuansätze bei der Elternschaft auf Interesse, schließen diese sich zu einer Elterninitiative zusammen und eröffnen als solche einen entsprechend ausgerichteten Kindergarten. Deshalb sind konzeptionelle Schwerpunkte nicht allgemeingültig zu beschreiben.

 

Führt hingegen ein Betreuungsmangel zur elterninitiierten Betreuung, so ist das humanistische Menschenbild die vorrangige Weltanschauung, aus der sich auch die pädagogische Arbeit ableiten lässt. Demzufolge sollen die Kinder

 

  • eine angenehme Wohlfühlatmosphäre vorfinden,
  • eine ganzheitliche Erziehung erfahren,
  • im Spiel ihre Umwelt kennenlernen und das soziale Miteinander trainieren und
  • eine Erziehung genießen, die Respekt, Liebe, Fürsorge, Geborgenheit und Zuwendung in den Vordergrund rückt.

 

Gleichzeitig wird der humanistische Grundsatz verfolgt, dass der Mensch als Wesen bestehend aus Geist, Seele und Körper sowie als Individualwesen, Sozialwesen und handelndes Wesen wahrzunehmen und zu fördern ist. Teilhabe und Integration sind wesentliche Aspekte elterninitiierter Kindergärten, die sich selbst als örtlichen Rahmen sehen, in dem Kinder sich durchsetzen können, aber auch ihre eigenen Grenzen erfahren dürfen.

 

4. Zielgruppe von Kinderbetreuung durch Elterninitiativen

Das optimale an elterninitiierten Kindergärten ist, dass es eben keine ausdrückliche Zielgruppe gibt, die sich durch dieses Angebot primär angesprochen fühlen soll. Stattdessen sind diese Institutionen bedarfsorientiert und richten sich in ihrer Gestalt folglich an solche Familien, die von den gängigen Betreuungsstätten nicht erfasst werden. Besondere konzeptionelle Ausgestaltungen wie beispielsweise 24-Stunden-Kitas finden ihre Anfänge häufig im Rahmen von Elterninitiativen.

 

Daraus ableitend ist diese Form der Betreuung vor allem für solche Eltern eine gute Wahl, die sich durch das vorherrschende Angebot in zeitlicher oder konzeptioneller Ausgestaltung nicht angesprochen fühlen. Auch bei akutem Mangel an Betreuungsplätzen darf die Elterninitiative gerne als Option in Betracht gezogen werden.

 

Und auch bei der Altersstruktur der aufgenommenen Kinder setzt die Elterninitiative bevorzugt dort an, wo die Grenzen anderer Betreuungsstätten erreicht scheinen. Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder können demnach im elterninitiierten Kindergarten ihre Betreuung erfahren.

 

5. Der Alltag im elterninitiierten Kindergarten

Wie genau sich der Alltag im Kindergarten einer Elterninitiative darstellt, hängt natürlich vom vorherrschenden pädagogischen Konzept ab. Eine gewisse Struktur ist allerdings in der Regel zu erkennen:

 

Phase des Ankommens

Üblicherweise dürfen sich die anvertrauten Kinder ab 7.00 Uhr bis spätestens 9.00 Uhr im Kindergarten einfinden. Ein späteres Bringen ist nicht erwünscht, da nun der Morgenkreis eingeleitet wird. Dieser dient dem gemeinsamen Ankommen in der Gruppe und der Besprechung des folgenden Tagesablaufs. Kleigruppenangebote, Aktivitäten oder Kinderkonferenzen des Tagesgeschehens werden den Kindern vorgestellt und können eigenverantwortlich ausgewählt werden.

 

Frühstücksphase

Nach dem Morgenkreis steht in vielen elterninitiierten Kindergärten ein gemeinsames Frühstück auf dem Programm. Je nach Konzept werden dafür ausgelagerte Frühstücksräume vorgehalten.

 

Spielphase

Im Rahmen des nun folgenden Spiels, wohnen die Kinder den von ihnen im Morgenkreis ausgewählten Aktivitäten bei. Dies kann das Freispiel im Gruppenraum oder auf dem Freigelände sein oder auch die Teilnahme an dargebotenen Projekten. Wichtig ist, dass die Kinder ihre gewünschte Aktivität frei wählen dürfen, während die Erzieherinnen für eine abwechslungsreiche Gestaltung sorgen und somit eine ganzheitliche Entwicklung fördern. Ob geschlossene, offene oder teiloffene Gruppenarbeit betrieben wird, kann je nach Institution variieren.

 

Mittagsphase

Die meisten elterninitiierten Kindergärten bieten ihr Betreuungsangebot über die Mittagszeit hinaus an. Entsprechend steht ein gemeinsames Mittagessen auf dem Programm, welches häufig von Eltern und Erzieherinnen unter Beteiligung ausgewählter Kinder vorbereitet wird. Danach anschließend folgt eine Schlafphase für die Kleinsten sowie eine  Zeit des ruhigen Spiels bei den Größeren.

 

Abholphase

Je nach Einrichtung beginnt die erste Abholphase bereits um 12.00 Uhr für Regelkinder, die nicht am Mittagessen und der Nachmittagsbetreuung teilnehmen. Für die so genannten Tageskinder startet die zweite Abholphase eigentlich direkt nach dem Mittagessen. Weiterhin zu betreuende Kinder dürfen sich hingegen im Freispiel beschäftigen.

 

 

6. Vorteile der elterninitiierten Betreuung

  • elterninitiierte Kindergärten sind an den Bedürfnissen der Eltern angepasst und deshalb meist arbeitszeitfreundlich gestaltet
  • Eltern werden aktiv in das Kindergartengeschehen eingebunden
  • der Personalschlüssel ist meist großzügiger als in anderen Einrichtungen
  • der Vorstand wird durch Eltern gebildet, die in der Regel sehr genau um die kindlichen Bedürfnisse in der Praxis wissen
  • trotz des Elternvorstandes werden Konzepte festgelegt, nach denen die jeweilige Institution arbeitet
  • erfahrungsgemäß sind elterninitiierte Kindergärten qualitativ hochwertiger als Einrichtungen in anderweitiger Trägerschaft

 

7. Nachteile der elterninitiierten Betreuung

  • die starke Elternbeteiligung geht oftmals mit Einsatzstunden der Eltern im Kindergarten einher, was zu Konflikten mit beruflichen Erfordernissen führen kann
  • derartige Einrichtungen sind häufig teurer als anderweitig getragene Institutionen
  • die Aufnahme erfolgt nach vorgegebenen Kriterien, was in der Kombination mit der starken Nachfrage zu langen Wartelisten führt
  • der Vorstand hat ein allgemeines Mitspracherecht bei allen Entscheidungen, was sich dann negativ auswirkt, wenn man selbst andere Ziele verfolgt als der Vorstand zu definieren gedenkt

 

8. Trägerschaft und Kosten elterninitiierter Kindergärten

Wie namentlich bereits erkennbar ist, ist ein elterninitiierter Kindergarten in Trägerschaft einer so genannten Elterninitiative. Bei dieser handelt es sich um eine Interessensvertretung der Elternschaft. Trotzdem sind elterninitiierte Kindergärten beispielsweise den kommunalen, städtischen oder kirchlichen Einrichtungen gleichgestellt. Der elementare Unterschied liegt darin, dass ein von Eltern gebildeter Vorstand existiert, der an der konzeptionellen Einrichtungsentwicklung arbeitet. Insgesamt wird den Eltern ein immens großes Mitspracherecht eingeräumt. Der administrative Rahmen der elterninitiierten Kindergärten ist häufig durch eingetragene Elternvereine charakterisiert.

 

Bei der Preisgestaltung zeigt sich eine enge Anlehnung an die städtischen Institutionen. Häufig ist die wöchentliche Betreuungszeit des Kindes ausschlaggebend, wobei der konkrete Kindergartenbeitrag anhand des Jahreseinkommens der Eltern erhoben wird. Dies kann dazu führen, dass Eltern mit geringem Einkommen keinerlei Gebühren zu entrichten haben, während gut verdienende Elternpaare bis zu 400 Euro pro Monat aufbringen müssen. Im Durchschnitt startet ein Kindergartenbeitrag in einer elterninitiierten Einrichtung bei ungefähr 100 Euro pro Monat. Eine Kostenbezuschussung durch das Jugendamt ist auch für derartige Einrichtungsbesuche möglich.

 

Zusätzlich zu diesen Regelbeiträgen fallen in Kindergärten von Elterninitiativen noch weiterführende Kosten an. So werden Wasser- und Materialgelder sowie Essensauslagen gesondert erhoben. Fügt die Elterninitiative sich zu einem Verein zusammen, so können ein Mitgliedsbeitrag oder eine Aufnahmegebühr anfallen.

 

9. Das geeignete Schulsystem nach dem Kindergartenbesuch

Ebenso wie beim Besuch anderweitig getragener Kinderbetreuungseinrichtungen, kann auch auf den elterninitiierten Kindergarten prinzipiell der Wechsel in jedes erdenkliche Schulsystem folgen. In der Regel ist deshalb die staatliche Regelschule das Mittel der Wahl vieler Eltern. Wer jedoch ein Schulsystem sucht, welches rein konzeptionell dem elterninitiierten Kindergarten am nächsten kommt, der sollte für sein Kind eine Schule in Trägerschaft einer Elterninitiative oder eine anderweitige Privatschule in Betracht ziehen. Allerdings muss dann mit der Erhebung von Schulgeldern gerechnet werden.