Christlicher Kindergarten

1. Begriffserklärung und Entstehung christlicher Kindergärten

Unter einem christlichen Kindergarten wird eine solche Kinderbetreuungsinstitution verstanden, die sich in kirchlicher Trägerschaft befindet. Gerade im ländlichen Raum trifft dies auf die meisten Kindergärten zu. Am bekanntesten sind dabei natürlich die katholischen und evangelischen Kindergärten, wobei eine Zugehörigkeit zu der jeweiligen Konfession keine Aufnahmevoraussetzung ist und auch anderweitige Religionszugehörigkeit einem Besuch dieser christlichen Kindergärten nicht entgegensteht.

 

Die Entstehung christlicher Kindergärten datiert bereits auf das Jahr 1779 und entwickelte sich aus der christlichen Hilfe für Weisenkinder, die jedoch ihre Verortung eher innerhalb von Familien oder Klöstern erfuhr. Im Laufe der Jahre entwickelte sich ein neuer Erziehungs- und Bildungsgedanke, bei dem sich der pädagogische Blick verstärkt auf das Kind richtete. Diese Arbeit führender Pädagogen führte im Laufe der Zeit zur Gründung der ersten christlichen Kindergräten, die vorrangig in evangelischer Trägerschaft lagen.

 

Eine weitere Station auf dem Weg zu den christlichen Kindergärten von heute war die Entstehung konfessioneller Vereine, die als Notfalleinrichtungen familienergänzende und –ersetzende Leistungen anboten.

 

Vor diesen Hintergründen erkannte die Kirche in den Kindergärten ihre Chance, bereits den jüngsten Gemeindemitgliedern den christlichen Glauben zu vermitteln. Vor allem in Städten wurden religiöse Kinderbetreuungseinrichtungen im klösterlichen Rahmen eröffnet. Aus diesen entwickelte sich die bis heute unbestrittene Bedeutung der Kirche als Träger von Kindertagesstätten, die mittlerweile flächendeckend zu finden sind und nicht selten als einziges Betreuungsangebot im ländlichen Raum existieren.

 

Christlicher Kindergarten

 

Die neusten Entwicklungen der christlichen Kindergärten führten zu einem Zusammenschluss einzelner Einrichtungen weg aus der Trägerschaft von Kirchengemeinden hin zur Zugehörigkeit zu einer übergeordneten Verantwortlichkeit in Dachorganisationen.

 

2. Das Menschenbild in christlichen Kinderbetreuungseinrichtungen

Christliche Kindergärten sind in ihrem Menschenbild verständlicherweise vom christlichen Weltbild geprägt, so dass sich daraus das erzieherische Handeln ergibt. Demnach ist der Mensch ein Geschöpf Gottes, der ihn und die Welt erschaffen hat. Ein erfülltes Leben ist nur in der Nähe zu Gott zu erleben, der alle Lebewesen gleichermaßen liebt. Unter Achtung der Gebote Gottes stehen das Miteinander und die Nächstenliebe im Fokus.

 

Kindergartengeschehen in christlichen Einrichtungen ist demnach stark religiös geprägt und kann als menschenfreundliche Pädagogik verstanden werden, deren Ziel es ist, Kinder für das spätere Leben in Einheit mit Gott zu stärken. Demzufolge ist der Aufbau liebevoller Beziehungsstrukturen genauso wichtig wie Lebensfreude. Kinder werden individuell wahrgenommen und sollen in ihren Begabungen gefördert werden. Achtung und Selbstachtung kennzeichnen den Umgang miteinander.

 

Zusammengefasst kann die Grundhaltung christlicher Kindergärten so verstanden werden, dass jedes Kind erfahren soll, dass Gott es liebt und dass es gut ist, das es da ist.

 

3. Pädagogisches Konzept christlicher Kindergärten

Christliche Kindergärten der heutigen Zeit können in keiner Weise mehr mit derartigen Institutionen vergangener Jahrzehnte verglichen werden. Waren damals einzig die religiösen Aspekte tonangebend, so halten sich die heutigen christlichen Kitas zentral an geltende Bildungsprogramme und vorherrschende Bedürfnisse. Themen wie Portfolio und situativer Ansatz sowie anderweitige Konzepte wie Montessori oder offene Gruppenarbeit sind auch den christlichen Betreuungsinstitutionen nicht fremd und können je nach Einrichtung realisiert sein. Vor allem zu den vorherrschenden Ressourcen und Defiziten wird ein außergewöhnlich starker Bezug genommen. So finden in Regionen mit hohem Ausländeranteil Projekte zur Spracherziehung statt, während im städtischen Raum häufig Bewegungsangebote initiiert werden.

 

Nichtsdestotrotz stehen das christliche Menschenbild und die christliche Werteordnung im Fokus des pädagogischen Konzepts christlicher Institutionen. Demnach nimmt die religiöse Erziehung einen hohen Stellenwert im pädagogischen Konzept ein Dies beinhaltet die Vermittlung christlicher Werte und Normen ebenso wie das Feiern religiöser Feste und eine intensive Auseinandersetzung mit Gott und der Bibel.

 

Zur Vergegenwärtigung des geltenden pädagogischen Konzepts fassen viele christliche Kindergärten ihre Ziele, Öffnungszeiten und pädagogischen Ansätze in einer Informationsbroschüre zusammen.

 

4. Zielgruppe christlicher Kindergartenträger

Christliche Kindergärten sprechen grundsätzlich alle Kinder im betreuungsfähigen Alter an. Der Großteil der betreuten Kinder bewegt sich in ihrer Altersstruktur zwischen 3 und 6 Jahren. Der Anteil an Krippenplätzen zur Betreuung von Kindern zwischen 8 Wochen und 3 Jahren steigt jedoch kontinuierlich an. Auch Hortplätze für die nachschulische Betreuung werden unterhalten, sind mittlerweile jedoch eher die Seltenheit.

 

Auch wenn die Trägerschaft einer christlichen Vereinigung, meist katholischen oder evangelischen Ursprungs, obliegt, richten sich derartige Betreuungsangebote keineswegs ausschließlich an religiöse Menschen christlichen Glaubens. Stattdessen steht der Weg in einen christlichen Kindergarten praktisch jedem Kind offen, unabhängig von der religiösen Einstellung der Familie. Lediglich manche Institutionen sehen eine Platzvergabe nur an solche Kinder vor, die einer anerkannten christlichen Kirche angehören.

 

Nichtsdestotrotz ist es im Sinne des Kindes wichtig, dass die Eltern zumindest keine Einwände gegen die Vermittlung christlicher Grundwende erheben, da diese einen bedeutsamen Stellenwert im Alltag christlicher Kindergärten einnehmen.

 

5. Der Alltag im christlichen Kindergarten

Der Alltag christlicher Kindergärten lehnt sich in seiner grundsätzlichen Ausgestaltung stark an die Vorgehensweise in staatlichen Einrichtungen an, so dass diesbezüglich nur rudimentäre Unterschiede zu erkennen sind:

 

Tagesstruktur

Christliche Kindergärten definieren in der Regel eine feste Bringzeit, die für die angekommenen Kinder ein Freispiel eröffnet. In der Regel wird der offizielle Kindergartenmorgen mit einem Morgenkreis eingeleitet, der wiederum in ein Freispiel und gezielte Angebote für definierte Kleingruppen übergeht. Der Abschluss wird abermals durch einen Redekreis gebildet.

 

Gruppenarbeit

Ähnlich wie bei den staatlichen Einrichtungen steht auch den christlichen Kindergärten die Wahl des Gruppenkonzepts frei. Im Sinne der Fortschrittlichkeit ist eine Wegbewegung von geschlossenen Gruppen hin zur teiloffenen oder offenen Gruppenarbeit mit Funktionsräumen zu beobachten. Häufig wird der situative Ansatz verfolgt, während das so genannte Portfolio einen großen Stellenwert einnimmt.

 

Lernbereiche

Jenseits der bildenden Funktion des freien und gelenkten Spiels agieren christliche Kindergärten bevorzugt im Rahmen der so genannten Lernbereiche. Dies bedeutet, dass den Kindern zu einzelnen Entwicklungsthemen gezielte Angebote unterbreitet werden. Diese können beispielsweise den Bereichen Sprache, Bewegung oder Musik entstammen und beziehen eine intensive Förderung der aktuellen Vorschulkinder mit ein.

 

Religiöse Aspekte

Der größte Unterschied zu den staatlichen Institutionen liegt in der starken religiösen Prägung christlicher Kindergärten, die sich im Kindergartenalltag widerspiegelt. Religiöse Feste des Jahreskreises werden nicht nur gefeiert, sondern umfassend thematisiert und aus biblischer Sicht auf kindlichem Niveau erörtert. Im Rahmen der Tagesstruktur werden kirchliche Lieder gesungen und dem gemeinsamen Beten einen festen Platz eingeräumt. An Gottesdiensten wird nicht nur teilgenommen, sondern diese werden von den Kindern auch aktiv vorbereitet und gestaltet.

 

6. Vorteile christlicher Kindergärten

  • christliche Kindergärten zielen auf die Vermittlung christlicher Werte ab und stellen damit Nächstenliebe in den Vordergrund
  • Kinder werden trotz des religiösen Rahmens unabhängig von ihrer Religion und Konfession aufgenommen
  • es gelten individuelle Anmeldekriterien, die eine Aufnahme nach Alter oder Anmeldedatum fokussieren können
  • christliche Kindertageseinrichtung können unterschiedliche n pädagogischen Konzepten folgen
  • es werden verschiedene Zeitmodelle angeboten
  • Feste im Jahresverlauf werden in christlichen Kindergärten aufgegriffen, thematisiert und natürlich auch gefeiert
  • christliche Kindergärten leisten in besonderen Ausmaß familienergänzende Arbeit

 

7. Nachteile christlicher Kindergärten

  • christliche Kindergärten sind in Gemeinden oft nur von einer Religion vertreten
  • die christliche Grundhaltung ist für Eltern, die nicht religiös sind, gegebenenfalls gewöhnungsbedürftig
  • beim Kind auftretende Wünsche nach religiösen Handlungen können Erziehungskonflikte auslösen
  • christliche Kindergärten haben nicht selten lange Warteliste
  • je nach Bundesland und Einrichtung ist die Zugehörigkeit zu einer anerkannten Kirche obligatorisch

 

8. Christliche Kindergärten: Trägerschaft und Kosten

Unter welcher Trägerschaft christliche Kindergärten stehen, lässt sich logischerweise bereits aus dem Namen und der zuvor aufgegriffenen Begriffserläuterung ableiten: Die Trägerschaft obliegt einer christlichen Vereinigung. Dabei können einzelne Kirchen oder religiöse Verbände im Zentrum stehen und den christlichen Kindergarten betreiben. Interessierte werden also fündig bei

 

  • katholischen oder
  • evangelischen Kirchengemeinden

 

und darüber hinaus bei sozialen Institutionen in religiöser Trägerschaft wie

 

  • Caritas

 

Daneben wurden mittlerweile zahlreiche, von Kirchengemeinden individuell betriebene Kindergärten übergeordneten Verbunden angegliedert, die nunmehr als Komplexträger auftreten. Namentlich seien diese mit

 

  • der KiTa gGmbH für katholische und
  • dem Verbund evangelischer Kindertageseinrichtung für evangelische Kindergärten

 

genannt.

 

Die Kosten für einen Platz in einer solchen christlichen Kindertagesstätte sind unterschiedlich und hängen von der jeweiligen Institution sowie den gebuchten Betreuungsstunden ab. Einzig innerhalb der Kindergärten, die einem gemeinsamen Verbund angehören, herrscht eine Konformität bei der Beitragsgestaltung. Insgesamt darf man feststellen, dass katholische Institutionen meist teurer sind als die evangelische Konkurrenz.

 

Als preislichen Anhaltspunkt darf für einen Regelplatz ein Beitrag zwischen 70 und 100 Euro veranschlagt werden. Tagesbetreuungen liegen zwischen 100 und 150 Euro, wobei sich Mittagsverpflegung oder Krippenbetreuung nochmals preissteigernd auswirken. Je nach Institution kommt ein gestaffelter Beitrag in Abhängigkeit von der Anzahl zu betreuender Kinder einer Familie zum Tragen. Auch der Personalschlüssel kann einen Einfluss auf die Beitragsgestaltung haben.

 

Zu den Regelbeiträgen gesellen sich in christlichen Kindergärten häufig noch zusätzliche Kosten wie Materialgelder, Frühstücksbeiträge oder Teeunkosten – je nach Angebot der Einrichtung.

 

9. Schulkonzepte im Anschluss an den christlichen Kindergarten

Die meisten Kinder, die einen christlichen Kindergarten besucht haben, münden nach dessen Ende in eine Regelschule ein. Auch ein Besuch einer alternativen Schulform wie Montessori oder Waldorf ist für ehemalige Besucher christlicher Kindergärten eine Option. Prinzipiell stehen also Kindern aus christlicher Kinderbetreuung alle verfügbaren Schulsysteme offen.

 

Wer hingegen der Vermittlung christlicher Werte innerhalb der Erziehung einen hohen Stellenwert beimisst und sich deshalb bewusst für eine religiöse Kindertageseinrichtung entschieden hatte, der findet ein adäquates Schulsystem in christlichen Schulen. Diese werden zwar als Privatschulen geführt, sind jedoch in der Regel nicht mit einem Schulgeld belegt. Auch die Verfolgung staatlicher Curricula ist üblich. Einzig die Fokussierung des christlichen Lebens und der diesbezügliche Einfluss auf die Gestaltung des Schulalltags stellt ein Unterscheidungskriterium zum staatlichen Schulsystem dar. Leider sind christliche Grundschulen nicht überall zu erschließen.