Erziehungsmaßnahme: Lob und Belohnung

Lob und Belohnung in der Erziehung

Lob und Belohnung werden in der Erziehung eingesetzt, um ein ein gewünschtes Verhalten positiv zu verstärken. Das bedeutet, dass Eltern oder Pädagogen erreichen wollen, dass dieses Verhalten häufiger auftritt.

Das Kind bekommt so einen Anreiz, eine Motivation, sein Tun danach auszurichten, dass es den Eltern gefällt. Die Idee hinter dieser Methode ist alles andere als neu und sie funktioniert nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren. Verhaltensforscher, Psychologen und Pädagogen haben sich seit dem 19. Jahrhundert mithilfe zahlreicher Versuche diesem Aspekt der Erziehung gewidmet. Heute sind Lob und Belohnung als Erziehungsmaßnahme jedoch auch stark in Kritik geraten, weil das Kind genau genommen nicht erzogen, sondern lediglich „konditioniert“ wird. Das bedeutet, es hinterfragt sein Tun nicht, sondern handelt automatisch so, dass es dadurch einen Vorteil erhält ohne Einsicht zu zeigen.

 

Daumen hoch

 

Grundsätzlich lassen sich  zwei Arten von Lob und Belohnung unterscheiden:

  1. Das Verhalten des Kindes zieht eine angenehme Konsequenz nach sich, zum Beispiel eine Belohnung in Form von Süßigkeiten.
  2. Das Verhalten des Kindes zieht keine unangenehme Konsequenzen nach sich, die ansonsten eingetreten wären, zum Beispiel wenn dem Kind eine unangenehme Arbeit erspart bleibt.

 

Folgendes Beispiel zeigt, warum es problematisch sein kann Kinder ständig zu loben und zu belohnen:

Tim (4 Jahre), malt nicht gerne. Viel lieber tobt er durch die Wohnung oder beschäftigt sich mit seinen Autos. Tims Eltern ist es aber wichtig, dass auch seine Kreativität gefördert wird. Zudem befürchten sie ihr Sohn könnte später Probleme mit dem Schreiben lernen haben wenn er nie einen Stift in die Hand nimmt. 

Also kaufen sie ihm teure Stifte und ermutigen ihn, mit diesen ein Bild für die Oma zu malen, die bald Geburtstag hat. Tim hat eigentlich keine Lust dazu, aber seine Eltern reden so lange auf ihn ein, bis er schließlich nachgibt und zu den Stiften greift. Das Ergebnis ist nicht besonders gelungen, auch Tim selbst scheint von seinem Werk nicht wirklich überzeugt. Seine Eltern loben ihn jedoch überschwänglich für seine Leistung und Tim ist zufrieden.

Kurze Zeit später soll Tim erneut ein Bild malen. Er will aber nicht und diesmal hilft auch kein gutes Zureden. Erst als seine Mutter ihm als Belohnung Schokolade verspricht, lässt Tim sich überreden erneut zu Papier und Stiften zu greifen. Lustlos malt er einige bunte Striche auf das Blatt Papier. Dennoch loben ihn seine Eltern und er erhält die versprochene Schokolade.

Einige Tage darauf soll Tim im Kindergarten ein Bild von seiner Familie malen. Er krakelt schnell ein paar Striche auf das Blatt und zeigt es dann seiner Erzieherin. Die ist nicht begeistert und sagt: „Tim, da hast du dir aber nicht viel Mühe gegeben.“

Tim fällt aus allen Wolken und ist geknickt – Mama und Papa waren doch immer begeistert von seinen Bildern. Als die Erzieherin von ihm verlangt, er solle sein Familienbild ergänzen weigert er sich. Er weiß genau, dass die Erzieherin ihm anschließend keine Schokolade geben wird – warum also sollte er sich anstrengen?

 

Das Beispiel beweist, dass Lob und Belohnungen auf keinen Fall inflationär eingesetzt werden sollten. Der Junge hat gelernt sich so zu verhalten wie es seine Eltern wünschen, weil die Konsequenzen für ihn angenehm sind. Zuerst reicht ihm noch das Argument, dass sich die Oma über sein Bild freuen wird um ihn zu motivieren. Später verlangt er nach noch „besseren“ Belohnungen, sonst ist er nicht bereit den Eltern ihren Wunsch zu erfüllen. Natürlich „funktioniert“ er nicht wie gewünscht, weil die Einsicht ihn antreibt oder weil er motiviert ist, sondern allein, weil er sich dadurch einen Vorteil erhofft.

Dabei gibt andere Möglichkeiten einem Kind Wertschätzung entgegenzubringen – zum Beispiel, indem man es dazu ermutigt sein eigenes Verhalten zu reflektieren und seine Ansichten und Bedürfnisse ernst nimmt. Zudem macht es Sinn, Lob wirklich sparsam einzusetzen und ein Kind nur dann zu loben, wenn es eine dementsprechende Leistung erbracht hat. Das Lob an sich ist sonst irgendwann nichts mehr wert und das Kind lernt nicht, sein Tun richtig einzuschätzen.

Eltern sollten sich also bewusst damit auseinandersetzen, wie sie Lob und Belohnung als Erziehungsmethode nutzen wollen. Wichtig ist zu wissen, was sie damit auslösen können. Grundsätzlich geht es ja in der Erziehung darum, Kinder darin zu unterstützen sich zu möglichst gefestigten, eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln, die ihren Platz in der Gesellschaft finden und in der Lage sind sozial und verantwortungsbewusst zu handeln.

 

Tabelle: Lob und Belohnung in der Erziehung:

Vorteile von Lob und Belohnung

Nachteile von Lob und Belohnung

Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung und Erfolg

Kinder verlieren ihre intrinsische Motivation, wenn sie zu häufig gelobt werden. Das heißt, sie tun nichts mehr aus eigenem Antrieb bzw. aus einer inneren Motivation heraus.

Wenn ein Kind gelobt wird, fühlt es sich gut, erlangt Selbstsicherheit und Selbstvertrauen.

Viele Kinder entwickeln eine übersteigerte Erwartungshaltung, wollen ständig gelobt werden und erwarten selbst für kleine Gefälligkeiten oder selbstverständliche Dinge eine Gegenleistung

Das Kind wird motiviert ein gewünschtes Verhalten wieder zu zeigen und somit handelt es sich bei dieser Methode um eine erfolgreiche Erziehungsstrategie

Ein erscheint immer wertloser, je häufiger es (willkürlich) eingesetzt wird

Studien zeigen, dass Lob und Belohnung besser funktionieren als Strafen und auch länger wirken

Genau wie Strafen handelt es sich bei Lob und Belohnungen um Kontrollmechanismen von Erwachsenen, die auch manipulativ eingesetzt werden können

Lob und Belohnung sind wirksame Mittel um die Beziehung zwischen Eltern und Kind zu stärken und Bindungen zu stärken.

Oft werden Lob und Belohnung willkürlich eingesetzt – das Kind fühlt sich dadurch verunsichert

 

Kinder, die ein angepasstes Verhalten  zeigen, werden unbewusst oder bewusst oft viel häufiger oder viel seltener belohnt bzw. gelobt als Kinder, die ein auffälliges bzw. unangepasstes Verhalten zeigen

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