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Wann treffen Kinder ihre eigenen Entscheidungen?

von Redaktionsassistenz

Kind greift nach Süßigkeiten

 

Mit dem Heranwachsen lernt das Kind zwar zunehmend selbstständig Entscheidungen zu treffen, aber dennoch gehört zum Entscheidungsprozess die Hinzunahme der elterlichen Sichtweise. Denn ein Kleinkind versteht zum Beispiel noch nicht, dass das Auslassen des täglichen Zähneputzens gesundheitliche Probleme verursachen kann. Doch wie können Eltern Kinder bei einer selbstständigen und für sie schlussendlich positiven Entscheidungsfindung unterstützen?

 

Alternativen bieten und einen gewissen Entscheidungsspielraum lassen

Die Entscheidungen werden mit den Jahren für das Kind immer weitreichender. Während die Entscheidung über die Teammitglieder in der Fußballtruppe oder die Süßigkeit, die als nächstes gegessen wird, über Abzählspiele erfolgt, können andere Entscheidungen mit der Zeit für weitreichendere Folgen sorgen. So sorgt die Entscheidung gegen Hausaufgaben und für das Fernsehen vielleicht für schlechte Schulnoten.

Die eigene Entscheidung hängt oft mit der Gefühlslage zusammen. Kinder wissen meist nicht genau, ihre Gefühle zu ordnen und zu beschreiben. Erst etwa ab dem Grundschulalter beginnen sie, ihre Stimmungen und die Gefühle anderer bewusst zu reflektieren.

Mitbestimmung muss also in jungen Jahren von den Eltern angeleitet werden und dies kann am besten passieren, wenn Eltern ihren Kindern bei bestimmten Entscheidungen eine Vorauswahl anbieten. Denn stehen Kinder, die noch nicht schulpflichtig sind, zu vielen Wahlmöglichkeiten gegenüber, sind sie oft aufgrund des Abwägens einer Pro- und Kontra-Liste überfordert.

Die Jüngsten wissen noch nicht, welche Konsequenzen bestimmte Entscheidungen für sie haben können. Dies kommt jedoch mit der Erfahrung. Häufig lernt das Kind schneller Entscheidungen zu treffen, wenn es durch eine bestimmte Entscheidung nichts zu verlieren hat.

Kinder können deshalb unterstützt werden, indem ihnen Eltern nur etwa zwei Möglichkeiten präsentieren. So zum Beispiel, wenn die Jüngsten zwei Süßigkeiten vor sich liegen haben und Eltern die Frage stellen: „Welche Süßigkeit möchtest du zuerst essen?“ Denn in dieser Situation können die Kleinsten, ohne sich unter Druck gesetzt zu fühlen, eine Entscheidung treffen, da sie wissen, egal für welche Süßigkeit sie sich zuerst entscheiden, die andere bekommen sie in jedem Fall auch.

 

Die Wahl der Kleidung – leichte Jacke oder Wintermantel?

Gerade wenn es um Entscheidungen in den Bereichen Essen, Schlafen oder Kleidung geht, können immer wieder Grundsatzdiskussionen mit den Jüngsten entstehen. Auch wenn Eltern bei gewissen Entscheidungsprozessen mitgewirkt haben, werden gewisse Entscheidungen, die schlussendlich doch selbstständig vom Kind getroffen werden, infrage gestellt. Vor allem Schulkinder, die beginnen ihr eigenes Selbstbild zu entwickeln, fühlen sich dann schlussendlich doch bevormundet.

Zur Entwicklung des Selbstbilds gehört bereits früh die Frage nach der passenden Kleidung. Kinder verteidigen ihren Kleidungsstil und wissen, was sie tragen möchten und was nicht. Bei der Entscheidung für oder gegen ein Kleidungsstück ist nicht immer der eigene Geschmack, sondern zudem die Wahrnehmung der eigenen Identität entscheidend. Kleider spiegeln einen Teil der eigenen Welt wieder – auch gegenüber von Gleichaltrigen.

Um Konflikte beim Thema „morgendliche Kleiderwahl“ zu vermeiden, sollten die Entscheidungen der Jüngsten nicht direkt zunichte gemacht, oder ganz in Frage gestellt werden. So zum Beispiel, wenn sich das Kind in der kälteren Jahreszeit dafür entschieden hat, die dünne Sommerjacke anzuziehen. Dann könnte dem Kind mit auf den Weg gegeben werden: „Du kannst die Sachen zwar anbehalten, aber du solltest noch einen dickeren Mantel mitnehmen, denn es könnte draußen sehr kalt sein.“

 

Die passende Größe und das Material

 Kind und Kleidung

 

Beim Einkauf der Kleidung sollte es ähnlich ablaufen. Obwohl Kinder durchaus ihren eigenen Geschmack haben und mit entscheiden möchten, welches Kleidungsstück sie zur Schule oder zur Geburtstagsfeier tragen, überprüfen Eltern, ob die Kleidung zur Jahreszeit oder dem Anlass passt. Wichtig ist, dass die Kleidung, die die Kids auswählen, nicht auf ihre Gesundheit geht. Denn ob ein Produkt schädlich für die Gesundheit ist, können Kinder noch nicht abschätzen – hier ist elterliche Unterstützung gefragt.

Da Kinderhaut sehr empfindlich ist, sollten Kinder nur schadstofffreie Kleidungsstücke im Kleiderschrank hängen haben. Ein Siegel, das für schadstofffreie Produkte steht, ist Öko-Tex-Standard 100. Dieses Kennzeichen gilt weltweit und garantiert die Schadstofffreiheit von Produkten. Beim Kauf kann noch auf weitere Siegel und Unternehmen, die für Schadstoffarmut oder aber eine nachhaltige Produktion stehen, geachtet werden.

Hilfe brauchen die Jüngsten zudem in jedem Fall noch bei der Auswahl der richtigen Größe. Denn so schön das rosafarbene Kleid auch sein mag, ist es nicht in der passenden Größe da, müssen Alternativen her. Geht es dann um die Auswahl der passenden Schuhe, sollten Eltern die Entscheidung unbedingt nicht ganz allein dem Kind überlassen. Denn ein zu enger oder zu weiter Schuh, kann schnell zu Fehlentwicklungen der kleinen Füße führen, denn etwa die Hälfte der Jüngsten tragen die falsche Schuhgröße. Sehen Eltern also, egal ob beim Thema Kleidung oder Essen, die Gesundheit der Kleinsten in Gefahr, sollten die Entscheidungen immer noch hauptsächlich von ihnen getroffen werden.

 

Entscheidung über das Ausgeben des Taschengelds

Ein wichtiger Faktor im Alltag und in der Konsumwelt von Kindern, ist das Taschengeld. Wie viel Geld nun ab welchem Alter ausgezahlt wird, ist den Eltern überlassen. Oft wird sich danach gerichtet, was die Klassenkameraden im Schnitt an Geld zur freien Verfügung erhalten.

Gibt das Kind sein Geld für Süßigkeiten aus, sollte die Entscheidung nicht in Frage gestellt werden. Denn Kinder müssen die Möglichkeit haben selbstständig zu entscheiden, da sie auf diesem Weg lernen, Verantwortungsbewusstsein zu übernehmen. Eine Umfrage unter 800 Kindern zeigt auf, für welche Dinge Kinder ihr Taschengeld hauptsächlich ausgeben.

Doch der Hinweis, dass es sich lohnt, einen Teil des Geldes zu sparen, um sich einen bestimmten Wunsch erfüllen zu können, kann durchaus gegeben werden. Der Anstoß zum Sparen ist jedoch nur als Vorschlag zu formulieren. Zum Sparen ermutigen kann kleine Kinder ein Sparschwein. Ältere Kinder können hingegen ein Sparkonto mit gutem Zinssatz nutzen.

Um dem Kind ein Gefühl für Geld zu vermitteln und aufzuzeigen, wie Entscheidungen für oder gegen eine bestimmte Ausgabe später getroffen werden sollten und was die Entscheidung beeinflusst, sollte der eigene Umgang mit dem Geld erläutert werden. Beim gemeinsamen Einkauf kann das Kind dann zum Beispiel darauf hingewiesen werden, dass die Familie nur ein bestimmtes Haushaltsbudget für den monatlichen Einkauf hat. Deshalb muss dieses Budget sinnvoll eingeteilt werden. So lernt das Kind, das Geld nur begrenzt zur Verfügung steht – ebenso sich das Taschengeld einzuteilen.

 

Generelles: Welche Entscheidungsfindung ab welchem Alter?

 Spielzeugteppich

 

Ab welchem Alter Kinder nun selbstständig Entscheidungen treffen können, kann sehr unterschiedlich sein. Klar ist, dass jedes Kind unter Anleitung der Eltern beim Heranwachsen lernt, Entscheidungen zu treffen und sich bewusst wird, dass es für bestimmte Konsequenzen geradestehen muss. Der Psychologe Prof. Dr. Tilmann Betsch beschreibt in einem Interview, wie Kinder in der Regel ihre Entscheidungen fällen. Doch ab wann sollten und können Kinder in bestimmte Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden?Ab wann

Kinder unter vier Jahren sollten in der Regel noch keine Entscheidungen selbstständig treffen. In diesem Zeitraum sind hauptsächlich die Eltern gefragt. Dann benötigen Kinder vor allem noch verschiedene Alternativen, zwischen denen sie abwägen können. So können sie nach Vorauswahl der Eltern entscheiden, was sie essen oder was sie tragen wollen.

Bis zu einem Alter von sechs Jahren sind Kinder dann schon in der Lage, Entscheidungen mit weniger Unterstützung durch die Eltern zu treffen, da sie bereits Konsequenzen von kleineren Fehlentscheidungen tragen können. Mehr Mitsprache kann den Jüngsten dann zum Beispiel bei der Frage nach der Freizeitgestaltung (Schwimmbad oder Spielplatz?) oder den Geburtstagswünschen eingeräumt werden.

Kinder bis zu einem Alter von zehn, können dagegen bereits in die Zukunft denken und Entscheidungen treffen, deren Konsequenzen zunächst für sie nicht abzuwägen oder spürbar sind. Dies können zum Beispiel Entscheidungen, die sich auf die Gestaltung des eigenen Zimmers beziehen, betreffen, sein.

Ab zehn Jahren steigt die Entscheidungskompetenz dann zunehmend. Kinder können abstrakt und logisch denken und mögliche Konsequenzen vor der Entscheidung abwägen sowie Argumente, die für oder gegen eine Entscheidung sprechen, gegenüberstellen.

 

Bilder:

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