Väter nehmen nur wenig Elternzeit
von Newsredaktion
Auch in Bayern nehmen immer mehr Väter Elternzeit. Allerdings nehmen die Väter höchstens zwei bis drei Monate Elternzeit für die Kinder. Spricht das für ein neues, modernes Rollenverständnis, wenn immer mehr Väter zu Hause bei den Kindern bleiben? Ja und nein, denn auch die Frauen haben hier großen Einfluss.
Nur zwei Monate Elternzeit
Das Sozialministerium in Bayern hat Zahlen veröffentlicht, nach denen 43 Prozent der Väter das Angebot der Elternzeit nutzen. Bundesweit legt allein Sachsen mit 46 Prozent einen noch besseren Wert vor. Die Elternzeit wurde 2007 eingeführt, seitdem gibt es immer mehr Anträge. Ist damit das Vorurteil widerlegt, dass in Bayern ein konservatives, traditionelles Familienbild besteht? Nach wie vor sind es vor allem die Mütter, die ein Jahr und länger zu Hause bleiben. Die Väter nehmen meist nur etwa zwei Monate Elternzeit. Dabei könnte die Elternzeit 14 möglichen Monaten gleichmäßig verteilt werden. Von Gleichberechtigung kann daher nicht die Rede sein. Dazu kommt die Erkenntnis des Statistischen Bundesamtes, nach der Bayern mit Baden-Württemberg und Thüringen nur hintere Plätze belegen, wenn es um die Bezugsdauer des Elterngeldes geht.
Verdienst und Frauensache
Viele Väter wünschen sich mehr Elternzeit und eine gleichberechtigte Aufteilung. Das zeigt eine Studie des Staatsinstituts für Familienforschung der Universität Bamberg. Demnach wünschen sich 42 Prozent der Väter eine Partnerschaft, in der auch die Frauen erwerbstätig sind und sich die Männer mehr um Haushalt und Kinder kümmern. In vielen Fällen ist der finanzielle Aspekt das Problem. Das Elterngeld ersetzt nur einen Teil von etwa 65 Prozent des ursprünglichen Gehalts. Viele Männer verdienen besser als die Frauen, sodass sich die Familien eine längere Auszeit der Väter schlicht nicht leisten können. Tatsächlich spielt das konservative und traditionelle Familienbild in Bayern eine große Rolle. Tatsächlich bleibt in vielen Familien Kinder, Erziehung und Haushalt nach wie vor Frauensache. Außerdem wollen sich viele Frauen selbst um den Nachwuchs kümmern und bremsen zum Teil das Engagement der Väter aus.
Vorbilder und positive Effekte
Dazu kommt, dass es für Väter heute immer noch nicht selbstverständlich ist, Elternzeit zu nehmen. Viele Unternehmen machen den Mitarbeitern dabei Probleme, indem die Väter etwa nicht mehr ihren alten Job bekommen. Während die Frauen selbstverständlich ein oder zwei Jahr aus dem Beruf aussteigen, geraten die Männer bestenfalls in Erklärungsnot. Dabei fördert die Elternzeit der Väter die Bindung zwischen Vater und Kind, sodass die ganze Familie profitiert. Mehr Offenheit, mehr Vorbilder und flexible Lösungen in Unternehmen könnten dazu beitragen, dass mehr Väter längere Elternzeiten nehmen, ohne berufliche Nachteile zu fürchten. Stattdessen kehren die Väter nach längerer Pause gestärkt und mit größerer sozialer Kompetenz zurück in den Beruf.
