Musik bereichert die Lebensqualität

von Redaktion

Musikspielzeug

 

Professor Dr. Hans Günther Bastian, der an der Goethe-Universität Frankfurt für das Institut für Musikpädagogik arbeitet, hat in einer sechsjährigen Langzeitstudie herausgefunden, dass Musik und Musizieren die Lebensqualität und die Lebensfreude unserer Kinder in einem nicht vermuteten Ausmaß fördert.

Musik hat im Leben von fast jedem Menschen eine wichtige Bedeutung. Ist sie für Erwachsene überwiegend ein Mittel, Gefühle auszudrücken oder verbinden sie mit bestimmten Liedern Erinnerungen an besondere Momente, so ist sie auch bereits für Kinder wichtig. Denn mit Musik kann die kindliche Entwicklung gefördert werden. Auf welche Weise das gelingt und was dabei beachtet werden muss, zeigt dieser Artikel.

 

Die Vorteile einer musikalischen Erziehung für die kindliche Entwicklung

Schon von Geburt an haben Säuglinge ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl und reagieren auf Klänge, Rhythmen und Melodien. Eine Studie hat ergeben, dass selbst Kinder unter zwei Jahren mehr lächeln und mit dem Körper mitwippen, wenn sie Musik hören. Der Grund: Musik regt auf vielfältige Weise die Nervenzellen im Gehirn an, beeinflusst das Belohnungssystem und reduziert das Angstsystem. Wickelspiele mit Text, Gesang und Bewegung schulen die Körperwahrnehmung und Koordination von Kleinstkindern und sind wichtig für die kognitive Entwicklung.

Bevor Kinder ein Instrument oder einen Tanzstil lernen, sollte bereits großen Wert auf eine musikalische Früherziehung gelegt werden, um die Kinder bereits in frühen Jahren an die Musik heranzuführen. Hier geht es nicht darum, ein Instrument oder einen Tanz „professionell“ zu beherrschen, sondern darum, Kindern spielerisch den Spaß an der Musik zu vermitteln – durch Gesang, Tänze, Musikhören und das Kennenlernen von Glockenspielen oder Rhythmusinstrumenten. Dadurch sollen die Motorik, Geschicklichkeit und Kreativität gefördert werden. In Studien konnten zudem positive Auswirkungen musikalischer Früherziehung auf die soziale Kompetenz, den IQ, die Konzentration und das emotionale Befinden nachgewiesen werden. Egal, ob in der Musikschule oder zuhause, die musikalische Frühförderung bringt also etliche Vorteile für die kindliche Entwicklung mit sich.

Auch später lohnt es sich, in die musikalische Erziehung von Kindern zu investieren. Egal, ob Musikhören, Singen, Tanzen oder das Spielen eines Instruments: Die Auswirkungen von Musik auf die kindliche Entwicklung sind beachtlich. So fördert Musik die Gehörbildung, die Motorik, die Sprache und das Rhythmusgefühl. Zudem werden das logische Denken, die Kommunikationsfähigkeit und die Emotionalität unterstützt. Wenn Kinder selber Musik machen, trägt das darüber hinaus zur Persönlichkeitsbildung und Kreativität bei. So haben Langzeitstudien gezeigt, dass eine kontinuierliche Musikerziehung beispielsweise die emotionale Stabilität von Kindern fördert. Beim gemeinsamen Musizieren werden außerdem soziale Fähigkeiten wie Teamfähigkeit geschult.

 

Musikinstrumente für Kinder: Was es zu beachten gilt

 

Kind an der Gitarre

 

Da gerade das aktive Musikmachen sich in jeder Hinsicht positiv auf die Entwicklung von Kindern auswirkt, ist das Erlernen eines Instruments im Kindesalter durchaus zu empfehlen. Im Allgemeinen können Kinder, die ein Instrument lernen, besser zuhören und sind aufmerksamer. Auch die Motorik verbessert sich durch das Spielen eines Instruments.

Doch wenn die Kleinen ein Instrument erlernen sollen, müssen die Eltern auch einiges beachten. Zum einen ist der richtige Zeitpunkt entscheidend, zum anderen das richtige Instrument. So dient als grober Richtwert, ab wann Kinder mit dem Erlernen eines Instruments beginnen können, das Grundschulalter. Ganz junge Kinder steigen am besten mit unkomplizierten Instrumenten in den Musikunterricht ein: Trommeln beispielsweise erfordert keine feinmotorischen Fähigkeiten, fördert jedoch die motorische Entwicklung. Beim Glockenspiel werden ebenfalls motorische Fähigkeiten geschult, darüber hinaus lernen die Jüngsten die verschiedenen Töne kennen. Auch andere einfachere Instrumente wie die Blockflöte oder das Klavier können bereits von jüngeren Kindern erlernt werden. So ist etwa das Klavier spielen viel einfacher, als die meisten annehmen. Dadurch stellen sich schnell Erfolgserlebnisse ein, was die Kinder zusätzlich motiviert, weiterzumachen. Auch mit der Gitarre können Kinder relativ schnell einige einfache Lieder spielen.

Schlussendlich sollte jedoch das Instrument gewählt werden, das dem Kind gefällt. Hat der Nachwuchs beispielsweise keine Lust, Klavier zu spielen, sollte es nicht dazu gezwungen werden. Es ist wichtig, dass die Wunschinstrumente gefördert werden – selbst, wenn einigen Eltern die Vorstellung eines lauten Schlagzeugs oder einer E-Gitarre nicht unbedingt gefällt. In der Musikschule können die Kleinen verschiedene Instrumente ausprobieren und ihr Wunschinstrument finden. Tipp: Gemeinsam zu musizieren macht mehr Spaß als allein. Wenn Eltern ebenfalls ein Instrument spielen, sollten sie ab und an zusammen mit dem Nachwuchs Musik machen.

 

Singen: Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung und Tipps

 

Kind singt

 

Es gibt die Theorie, dass jedes Kind musikalisch geboren wird und diese Gabe nur durch wenig Übung verliert. Dabei sollte Singen eigentlich ein fester Bestandteil im Tagesablauf der Kleinen sein. Denn es ist nicht nur eine elementare Ausdrucksmöglichkeit, bei der wir uns komplett öffnen können, sondern dadurch lässt sich die kindliche Entwicklung auf positive Art und Weise beeinflussen:

  • Gemeinsames Singen macht Spaß, stärkt das Selbstbewusstsein des Kindes sowie das Wir-Gefühl. Durch das Miteinander werden zudem die sozialen Fertigkeiten geschult.

  • Bei Bewegungs-, Kreis- und Tanzspielliedern werden die natürliche Freude an der Bewegung und die Fantasie angeregt.

  • Singen hilft, die Konzentrationsfähigkeit zu schulen.

  • Die Gehirnforschung hat gezeigt, dass Singen glücklich macht, denn beim Singen werden Glücksbotenstoffe, Oxytocin und Melatonin ausgeschüttet.

  • Darüber hinaus geben die übersichtlichen Strukturen von Liedern den Kindern Halt: Da Lieder immer gleich klingen und der Text sich nicht verändert, stellt sich bei ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit ein.

  • Auch auf die Intelligenz hat das Singen positive Auswirkungen: Kinder, die täglich etwa eine halbe Stunde singen, schneiden Studien zufolge bei Einschulungstests deutlich besser ab als Kinder, die nicht singen.

  • Auch die sprachliche Entwicklung wird durch das Singen gefördert, wie eine Studie mit Zehnjährigen gezeigt hat. Damit sind Kinderlieder und Kinderreime eine wesentliche Grundlage der Sprachkompetenz: Lernen die Kleinen dadurch zunächst Dinge wie die Sprachmelodie und den Sprechrhythmus (in Form von Tempo, Akzenten und Betonungen), entwickelt sich im Anschluss auch ihr Verständnis für Wortbedeutungen, Satzbau und sprachliche Regeln.

Doch bevor ein Kind selber ganze Lieder singt, muss es im Kindergarten durch Lieder und Gesang stimuliert werden. Egal, ob „Bruder Jakob“, „Alle meine Entchen“ oder „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“: In Krabbel- und Spielgruppen gehören Lieder und Singspiele fest zum Tagesprogramm dazu. Doch sowohl Erzieher als auch Eltern sollten beim Singen mit den Kindern einige Dinge beachten. So sollte mindestens eine halbe Stunde über den Tag verteilt mit den Kindern gesungen werden. Hervorragend lässt sich das auch nebenbei beim Backen, Kneten oder Basteln tun. Dabei ist es egal, ob richtig oder falsch gesungen wird: Am besten einfach drauf los singen. Lediglich auf eine hohe Stimmlage muss geachtet werden, weil das der kindlichen Stimme entspricht. Ebenfalls wichtig ist es, richtig zu loben. So sollte weniger mit den Worten „gut“ oder „schlecht“ gelobt werden, sondern eher mit der Aussage, dass es Spaß macht, mit den Kindern zu singen. Gerade eine negative Kritik an der Stimme wird von den Kindern oft als Ablehnung ihrer ganzen Person verstanden, was zur Folge haben könnte, dass sie sich nicht mehr trauen zu singen. Das wäre im Hinblick auf die etlichen Vorteile des Singens für die kindliche Entwicklung sehr bedauernswert.

 

Kindliches Tanzen: Vorteile und Anregungen

 

Kinder tanzen in der Gruppe

 

Auch das Tanzen als Bewegung zur Musik zeichnet sich durch etliche positive Effekte auf die kindliche Entwicklung aus. So unterstützt das Tanzen die Motorik, das Rhythmusgefühl, die Muskelspannung, die Konzentration und Koordination des Nachwuchses. Die Kleinen lernen ihre eigenen Grenzen lernen und können dadurch Selbstsicherheit aufbauen. Darüber hinaus macht Tanzen Spaß und die Bewegung ist ein guter Ausgleich, damit sie zur Ruhe kommen können.

Eltern haben mehrere Möglichkeiten, die Entwicklung ihrer Kinder durch Kindertanz zu fördern.

  • In einem Musikgarten können Kinder bis zum fünften Lebensjahr nicht nur singen und musizieren, sondern auch auf das Tanzen wird großen Wert gelegt.

  • An einem Kindertanz-Kurs können Kinder ab dem Altern von drei Jahren teilnehmen. Solche Kurse fördern das Rhythmusgefühl, den Gleichgewichtssinn, die Kreativität und die sozialen Fähigkeiten. Am Ende des Kurses wird meist eine Aufführung organisiert. Derartige Erfolge stärken das Selbstbewusstsein der Kleinen.

Von der musikalischen Früherziehung bis hin zum Erlernen eines Instruments, einem Tanzkurs oder Gesangsunterricht: Es gibt viele Möglichkeiten, Kinder in Berührung mit Musik zu bringen. Die Vorteile für die kindliche Entwicklung sind dabei nicht zu leugnen. Jedoch sollte vor allem darauf geachtet werden, dass die Musik den Kindern auch Spaß macht. Denn auch beim Lernen sollte der Spaß an erster Stelle stehen.

 

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