Känguru-Methode hilfreich für Frühchen
von Newsredaktion
Für junge Eltern sind Frühchen eine große emotionale Belastung, denn die Sorge um das Kind ist groß. Neben der medizinischen Versorgung brauchen Frühchen jedoch vor allem eines: Nestwärme und Körperkontakt. Für eine optimale Entwicklung ist der enge Körperkontakt zu den Eltern wichtig und macht sich noch Jahre später positiv bemerkbar. Das zeigen neue Studienerkenntnisse.
Enger Körperkontakt und Hilfe der Familie
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Frühchen besonders vom intensiven Körperkontakt mit den Eltern profitieren, auch noch Jahrzehnte später. Eine Langzeitstudie kanadischer Forscher zur so genannten Känguru Methode ergab, dass die Kinder sich gut entwickelten, wenn die Mütter die Frühchen häufig auf der nackten Haut tragen, wärmen und stillen. Dabei wurde aber auch die übrige Familie einbezogen und im Umgang mit den Frühchen geschult. Eine weitere Kontrollgruppe von frühgeborenen Babys wurde herkömmlich vor allem im Brutkasten betreut. Etwa 20 Jahre später wurden die inzwischen Erwachsenen untersucht und befragt. Etwa 260 Teilnehmer wurden zwischen 1993 und 1996 geboren und hatten ein Geburtsgewicht von weniger als 1.800 Gramm.
Bessere Entwicklung der Frühchen
Die Känguru-Frühchen zeigten dabei viele positive Effekte. Die Personen seien weniger aggressiv, hyperaktiv oder impulsiv als Babys im Brutkasten. Allerdings verwiesen die Wissenschaftler auf die geringe Zahl der untersuchten Babys, sodass die Erkenntnisse kritisch zu sehen sind. Weiterhin zeigte sich, dass die Sterberate der Känguru-Frühchen deutlich niedriger sei als die der Babys im Brutkasten. Das Gehirn konnte besser wachsen, was sich auf Bereiche wie das Lernen positiv auswirkt. Bei den meisten Känguru-Frühchen lag der Intelligenzquotient etwas höher. Die Schullaufbahn verlief besser und als Arbeitnehmer verdienten die Känguru-Frühchen meist mehr. Die Erklärung der Ärzte für die positiven Effekte ist, dass die speziell geschulten Eltern der Känguru-Frühchen viel besser die Bedürfnisse der Babys kannten und die Babys gezielt betreuen konnten. So haben auch die alltäglichen Aktivitäten zu Hause einen maßgeblichen direkten Einfluss auf die Kinder. Auch in der Familie sei so der Zusammenhalt viel besser und die Stimmung harmonischer und liebevoller. Auch die Ehe der Eltern hielt länger, wenn auch der Vater eingebunden war.
Frühchen weltweit
Jedes Jahr kommen nach Angaben der WHO etwa 15 Millionen Kinder weltweit vor der 38. Schwangerschaft zur Welt. Neben der technischen bzw. medizinischen Versorgung der Frühchen kommt es auch auf die scheinbar kleineren Auswirkungen wie geringe kognitive Defizite, schlechte Feinmotorik oder Schwächen beim Hören und Sehen oder Konzentrationsstörungen. In diesen Bereichen profitieren auch in Deutschland die Känguru-Frühchen. Auch die Eltern überwinden Berührungsängste und können leichter eine Beziehung zum Kind aufbauen.
