Historischer Rückgang der Akzeptanz von Körperstrafen
von Redaktion
Knapp 25 Jahre nach der gesetzlichen Verankerung der gewaltfreien Erziehung im Bürgerlichen Gesetzbuch ist die gesellschaftliche Akzeptanz körperlicher Bestrafung so gering wie nie. Laut einer aktuellen Befragung von UNICEF Deutschland und der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm lehnt heute rund zwei Drittel der Bevölkerung körperliche Strafen ab.
Die Studie zeigt einen klaren Rückgang der Akzeptanz über die Jahre: Während im Jahr 2005 noch drei Viertel der Befragten einen „Klaps auf den Hintern“ für eine angemessene Erziehungsmethode hielten, sind es 2025 nur noch 30,9 Prozent. Auch die Zustimmung zu Ohrfeigen ist gesunken – von 53,7 Prozent im Jahr 2005 auf 14,5 Prozent im Jahr 2025. Besonders stark ist der Rückgang bei der Haltung gegenüber einer „Tracht Prügel“, deren Akzeptanz von 7,2 Prozent im Jahr 2020 auf 5,4 Prozent im Jahr 2025 fiel.
Fortschritt und bestehende Herausforderungen
Trotz des positiven Trends bleibt noch viel zu tun. Experten wie Prof. Dr. Jörg M. Fegert betonen, dass die gesetzliche Verankerung der gewaltfreien Erziehung kein bloßer symbolischer Akt war, sondern konkrete Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Einstellungen hatte. Dennoch gibt es weiterhin Herausforderungen: Neben körperlichen Strafen sind auch emotionale Bestrafungen und Vernachlässigung problematisch, erhalten aber weniger Aufmerksamkeit.
Laut UNICEF Deutschland ist es essenziell, Kinder nicht nur vor physischer, sondern auch vor psychischer Gewalt zu schützen. Besonders die Misshandlungsform der Vernachlässigung muss stärker berücksichtigt werden. Zudem fordert Dr. Christine Bergmann die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz, um ihre rechtliche Stellung weiter zu stärken.

Notwendige Maßnahmen für den Kinderschutz
Die Studie hebt wichtige Ansatzpunkte hervor, um Kinder nachhaltig vor Gewalt zu schützen. Dazu gehört die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz, um ihren Schutz rechtlich zu sichern. Außerdem muss der Begriff der gewaltfreien Erziehung ausgeweitet werden, um auch Vernachlässigung als Form der Gewalt anzuerkennen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Verbesserung der Datenlage zur Gewalt in der Erziehung. Nur durch fundierte Daten können präventive Maßnahmen gezielt entwickelt und umgesetzt werden. Die aktuellen Ergebnisse sollen bis November 2025 in einem ausführlichen Bericht weiter analysiert werden, um auch die transgenerationale Weitergabe von Gewalt besser zu verstehen.
Quelle: Unicef
