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Handyverbot an Schulen?

von Redaktion

Schüler spielt mit Handy im Unterricht

Die Debatte um ein Handyverbot an Schulen gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung, da immer mehr Bundesländer entsprechende Regelungen in Betracht ziehen. Die Postbank Digitalstudie zeigt, dass Jugendliche in Deutschland wöchentlich durchschnittlich 36,9 Stunden am Smartphone verbringen, wobei viele während der Schulzeit zahlreiche Benachrichtigungen erhalten.

Diese hohe Nutzung wird als besorgniserregend angesehen, insbesondere da 24,5 Prozent der 10- bis 17-Jährigen riskant viel Zeit in sozialen Medien verbringen, was potenziell negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben kann, psychisch und physisch. (Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf vom Februar 2024).


Regierungsstudien mit unterschiedlichen Ergebnissen

Internationale Beispiele, wie die Einführung von Handyverboten in Ländern wie Finnland und Dänemark, zeigen, dass viele Regierungen auf diese Problematik reagieren. Eine englische Studie aus dem Jahr 2016 ergab, dass Schulen mit einem Handyverbot signifikante Verbesserungen in den Testergebnissen verzeichneten, insbesondere bei leistungsschwächeren Schülern.

Diese Ergebnisse sind jedoch umstritten, da neuere Studien, wie eine schwedische Untersuchung von 2019, keinen positiven Effekt eines Handyverbots nachweisen konnten, was auf die veränderte Rolle von Smartphones im Schulalltag hinweist.

Eine umfassende Analyse von 22 Studien aus verschiedenen Ländern zeigt ein uneinheitliches Bild: Während einige Studien positive Effekte von Handyverboten auf den schulischen Erfolg und das Wohlbefinden feststellen, finden andere keine signifikanten Zusammenhänge. Die Autoren dieser Analyse betonen die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung, da die Ausgestaltung und Durchsetzung eines Verbots entscheidend sind. Die „Brain Drain“-Studie aus dem Jahr 2017 kam zu dem Ergebnis, dass die bloße Anwesenheit eines Smartphones ablenken und kognitive Ressourcen beanspruchen kann.

 

Infografik-Wie-stark-ist-die-Ablenkung-durch-das-Handy-in-der-Schule

Infografik: Deutsches Schulportal


Pisa Studie: Handys lenken ab

Die PISA-Studie 2022 liefert weitere Einblicke in die Handynutzung an deutschen Schulen. 40 Prozent der befragten 15-Jährigen nutzen ihr Handy gar nicht in der Schule, während 14 Prozent mehr als zwei Stunden täglich am Handy verbringen. Die Studie zeigt, dass die bloße Anwesenheit eines Smartphones ablenken kann und dass viele Schüler unter dem Druck leiden, ständig erreichbar zu sein. Ein klarer Zusammenhang zwischen der Handynutzung und den schulischen Leistungen wird ebenfalls festgestellt: Je mehr Zeit Schüler mit dem Handy verbringen, desto schlechter sind ihre Leistungen.


Digitale Geräte zum Lernen können aber gut sein

Bei Schülern, die digitale Geräte zum Lernen nutzen, wird es komplexer. Während eine moderate Nutzung von bis zu drei Stunden negative Auswirkungen hat, schneiden Schüler, die zwischen drei und sieben Stunden für Lernzwecke digitale Geräte nutzen, am besten ab. Ein übermäßiger Gebrauch führt jedoch wieder zu schlechteren Leistungen.

Laut PISA haben 59 Prozent der Schüler an ihrer Schule ein generelles Handyverbot, wobei dies in sozial benachteiligten Schulen häufiger der Fall ist. Die Durchsetzung dieser Verbote ist jedoch fraglich: Nur 17 Prozent der Schüler halten sich strikt daran, während 34 Prozent trotz Verbots regelmäßig ihr Handy nutzen. Dennoch zeigen die Daten, dass ohne ein Verbot 47 Prozent der Schüler täglich ihr Handy in der Schule verwenden.

Insgesamt verdeutlichen die Studien, dass die Diskussion um ein Handyverbot an Schulen differenziert geführt werden muss, wobei sowohl die potenziellen Vorteile als auch die Herausforderungen und die tatsächliche Umsetzung berücksichtigt werden sollten.

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