Gewalt gegen Kinder nimmt nicht ab
von Newsredaktion
Eigentlich sollten die Familie und das Zuhause ein sicherer und geschützter Raum sein. Doch wie Experten bei einer aktuellen Fachtagung in Mainz zum Thema häusliche Gewalt gegen Kinder zeigt, müssen viele Kinder zu Hause Demütigungen, Gewalt und seelische Qualen erdulden. Vor allem die Dunkelziffer scheint noch immer hoch.
Idealbild gewaltfreie Erziehung
Obwohl in der Öffentlichkeit und in der Gesellschaft längst angekommen ist, dass Kinder und Jugendliche eine gewaltfreie Erziehung genießen sollten, scheint dies in vielen Haushalten mit der Realität nichts zu tun zu haben. Die Experten der Fachtagung, etwa Psychologen, Kinderärzte oder auch Vertreter von Verbänden wie dem Deutschen Kinderschutzbund, mahnen an, dass die Dunkelziffer hoch ist und es keine Anzeichen gibt, dass Gewalt gegen Kinder zurückgeht.
Düsteres Bild der Experten
In einer Online-Umfrage auf t-online.de gaben 50 % der Nutzer an, eine Ohrfeige sei keine geeignete Erziehungsmaßnahme. 46 Prozent schränkten ein, dass es manchmal nicht ohne Klaps geht und knapp vier Prozent hatten dazu keine Meinung. Wie deckt sich dies mit dem düsteren Bild der Experten der Fachtagung? Das Problem dabei ist, dass keine verlässlichen Studien oder Untersuchungen zum Thema vorliegen. Die vorhandenen zeichnen allenfalls ein vages Bild. Die Experten fordern daher aktuelle Erhebungen, denn vor allem im häuslichen Umfeld sei das Gewaltpotenzial groß, insbesondere dann, wenn es zwischen den Eltern bzw. Partnern zu Gewalt kommt. Meist würden in diesen Fällen auch Kinder gedemütigt oder geschlagen.
Die Gesellschaft schaut weg
Vor allem betroffen sind laut der Expertenmeinung Kleinkinder. Kleine Kinder können sich dann später kaum an die Gewalt erinnern, die Erfahrungen treten dann aber häufig bei psychotherapeutischen Behandlungen zutage. Allein für Rheinland-Pfalz geht die Kriminalstatistik für 2014 von gut 9.571 Fällen häuslicher Gewalt aus. In vielen Fällen handelt es sich um Gewalt gegen die Mütter, wobei auch die Kinder etwas abbekommen und traumatisiert werden. Kritische Stimmen bemängeln, dass die Gesellschaft die Gewalt gegen Kinder häufig ignoriert, vielleicht aus Hilflosigkeit oder Scheu, gegen die Eltern vorzugehen. Gewalt gegen Kinder ist nach wie vor ein Tabu-Thema, das stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gestellt werden muss. Denn nicht häufig sehen die Mitmenschen weg, weil sie Kinder als Privatsache und Besitz der Eltern ansehen.
Soziales Umfeld nicht ausschlaggebend
Dabei spielt häufig das soziale Umfeld kaum eine Rolle, ob Kinder verletzt, kontrolliert, gedemütigt, verängstigt oder eingeschüchtert werden. Einige Kritiker mahnen auch an, dass Kinder zu wenige Hilfsmöglichkeiten vorfänden. Tatsächlich sind Jugendämter und Beratungsstellen etwa des Deutschen Kinderschutzbundes seit Jahren personell am Limit und müssen immer mehr Familien, Kinder und Jugendliche beraten.
