Fähigkeit bei Kindern, sich in andere hineinzuversetzen, ab vier Jahren
von Newsredaktion
Forscher haben herausgefunden, dass Kinder erst mit etwa vier Jahren in der Lage sind, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Dafür haben die Wissenschaftler aus Leipzig nun die Ursache gefunden.
Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen
Hirnforscher haben jetzt dazu herausgefunden, dass sich in diesem Alter im Gehirn eine wichtige Faserverbindung entwickelt, die für die Empathie für die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, verantwortlich ist. Wie die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut in Leipzig ergänzen, könnte das auch interessant für die Forschung zum Thema Autismus sein. Die Erkenntnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Communication nachzulesen.
Tests zur Theory of Mind
Für die Untersuchung haben die Wissenschaftler über 40 Kinder im Alter von drei und vier Jahren beobachtet. Dazu wurden Standardtests zur Theory of Mind herangezogen. Dieser wissenschaftliche Ansatz der Kognitionswissenschaft beschreibt die Fähigkeit, dass Menschen verstehen, was andere Menschen denken. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass die eigene Person und andere Menschen falsche Annahmen haben können. In einem Test füllten die Wissenschaftler im Beisein der Kinder eine Schokoladenbox mit Stiften. Anschließend stellten sie die Frage, was andere in der Box erwarten. Die meisten dreijährigen Kinder gaben Stifte zur Antwort, die meisten vierjährigen Kinder antworteten mit Schokolade.
Verknüpfung im Gehirn
Die Wissenschaftler vermuteten zunächst, dass die Dreijährigen die dafür wichtige Verbindung im Gehirn noch nicht ausreichend entwickelt ist. Dieser Bereich mit dem Namen Fasciculus Arcuatus befindet sich in der Region im hinteren Schläfenlappen und im Bereich im Frontlappen des vorderen Großhirns. Das Gehirn wurde nach dem Test mit Hilfe eines MRTs, einer Magnetresonanztomographie, untersucht. Dabei war festzustellen, dass bei den Dreijährigen diese Verbindung fehlte, bei den Vierjährigen jedoch erkennbar war.
Forschung zu Autismus
Die Erkenntnisse können auch für weitere Forschungsansätze wie zum Beispiel im Bereich Autismus und ähnlichen neuropsychologischen Erkrankungen hilfreich sein. Für Autismus ist typisch, dass sich die betroffenen Patienten eben nicht in andere Menschen hineinversetzen können. Die Ursache sind offenbar Probleme mit bestimmten Verbindungen im Gehirn. Ob es sich dabei um die oben beschriebene Verbindung der Leipziger Forscher handelt, muss jedoch noch geklärt werden.
