Die Infektionsgefahr für Kinder steigt

von Newsredaktion Familie

Kind mit Maske

Seit dem Beginn der Pandemie scheint klar zu sein, dass sich Kinder und Jugendliche weniger oft mit dem Coronavirus anstecken als Erwachsene. Doch das gilt nicht mehr. Offenbar haben die Mutationen die Situation geändert. Wie das Robert-Koch-Institut berichtet, steigen die Zahlen deutlich an.

Seit einigen Monaten beherrschen die britische und die südafrikanische Mutation des Coronavirus die Schlagzeilen. Sie sind deutlich ansteckender als die bisher vorherrschende Variante. Das konnte man bereits an den steigenden Fallzahlen ablesen. Nun ist die erhöhte Infektionsgefahr offenbar auch bei Kindern und Jugendlichen angekommen.

Die britische Variante treibt die Infektionszahlen an

So berichtete zuletzt der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Dr. Lothar Wieler, dass die Inzidenz bei den unter 15-Jährigen stark steigen würde. Die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung ist offenbar die Variante B 1.1.7. Diese wurde zuerst in Großbritannien entdeckt und wird daher landläufig die britische Variante genannt. Die Entwicklung zeigt sich in verstärkten Aufbrüchen des Virus in Kitas.

Diese Nachricht kommt zur Unzeit. Schließlich wurden gerade erste Schulen und Kinderbetreuungsstätten teilweise wieder geöffnet. Die Experten sind von dieser Entwicklung allerdings wenig überrascht. Sie weisen darauf hin, dass diese Entwicklung nach der Öffnung zu erwarten war.

Fünf Prozent der Kleinsten kommen auf die Intensivstation

Bisher hatte das Virus die Kleinsten ausgespart, doch das wird nun offenbar nicht so bleiben. Immer wieder landen nun auch junge an COVID-19 erkrankte Patienten in den Krankenhäusern. Dies lässt sich in Deutschland gut beobachten, denn die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie hat ein entsprechendes Meldesystem initiiert, das nun von der Universitätskinderklinik Dresden betreut wird. Kinderkliniken können dieses System nutzen, um die stationären COVID-19-Fälle von Kindern und Jugendlichen zu dokumentieren.

Bis Anfang März wurden in Deutschland 1.051 Kinder gemeldet, die stationär behandelt werden mussten. Fünf Prozent kamen sogar auf die Intensivstation. Davon sind laut den Ärzten vor allem kleine Kinder betroffen. Zwei Dritten der stationären Aufnahmen waren Kleinkinder und Säuglinge. Rund ein Drittel von ihnen litt unter einer Vorerkrankung.

Die Folgewirkungen der Schließungen sind unerforscht

Bei aller Vorsicht gilt jedoch weiterhin das Prinzip, dass COVID-19 eine Erkrankung ist, die vor allem Erwachsene betrifft. Unterdessen steigt die Zahl der getesteten Personen in Deutschland weiterhin an. Die Sieben-Tage-Inzidenz hat letzte Woche bereits die 70 überschritten. Nichtsdestotrotz halten die Behörden ihre Öffnungsstrategien für die Kitas und Schulen weiter aufrecht. Schließlich haben die Schließungen weitreichende Auswirkungen auf Eltern und Kinder.

Die Folgewirkungen für Kinder und Jugendliche sind noch lange nicht ausreichend erforscht. Daher fordern Wissenschaftlicher die Umsetzung kluger Konzepte. Diese würden zwar keinen 100-prozentigen Schutz bieten, jedoch einen vertretbaren Betrieb gewährleisten. Das könne etwa durch das Tragen von Masken und umfassenden Hygienemaßnahmen erzielt werden.

Geimpfte Pädagogen könnten mehr Schutz garantieren

Die Gewerkschaften in Deutschland fordern unterdessen eine rasche Durchimpfung der Lehrerinnen und Lehrer, um deren Schutz und den der ihnen anvertrauten Kinder besser zu garantieren. Doch das wird noch seine Zeit dauern, denn Deutschland hat gerade erst etwas mehr als sieben Prozent seiner Bevölkerung zumindest einmal geimpft.

Der Marathon im Kampf um möglich geringe Fallzahlen in Deutschland geht also in die nächste Runde, denn die Infektionsgefahr für Kinder steigt. Nur diesmal muss sich die Aufmerksamkeit auch vermehrt auf die Kleinsten der Gesellschaft richten. Denn gerade die ersten Schuljahre sind für den Lernfortschritt, die soziale Kompetenz und die Entwicklung von Kindern extrem wichtig. Zumindest darin sind sich Eltern, Pädagogen, Politiker und Wissenschaftler einig.

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