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DAK-Studie 2026: Mediensucht und KI-Nutzung bei Kindern erreicht neuen Höchststand

von Redaktion

DAK-Studie 2026: Mediensucht und KI-Nutzung bei Kinder

Eine aktuelle, repräsentative Erhebung der DAK-Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) liefert alarmierende Zahlen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Nutzungsverhalten in den Kinderzimmern gravierend verändert hat: Während die Zahlen bei Social-Media-Sucht ein neues Allzeithoch erreichen, steigt auch das riskante Sehverhalten bei Videostreaming steil an. Erstmals untersucht wurde zudem die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Alltag von Schülern.

Social-Media-Sucht auf neuem Höchststand: Über 1,4 Millionen Betroffene

Die Ergebnisse der DAK-Studie verdeutlichen, dass soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram oder Snapchat für viele Kinder und Jugendliche längst kein reiner Zeitvertreib mehr sind.

  • Pathologische Nutzung: Aktuell gelten 6,6 Prozent der 10- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland als abhängig von sozialen Medien. Das entspricht hochgerechnet rund 360.000 Betroffenen. Dieser Wert markiert den höchsten Stand seit Beginn der jährlichen Erhebung.

  • Riskante Nutzung: Weitere 19,2 Prozent zeigen ein sogenanntes riskantes Nutzungsverhalten. Das bedeutet: Insgesamt weisen über 1,4 Millionen Jugendliche ein Kontrollverhalten auf, das ihre emotionale Entwicklung, Schulleistungen oder soziale Kontakte im realen Leben beeinträchtigt.

  • Geschlechterspezifische Unterschiede: Mädchen sind mit 7,4 Prozent signifikant häufiger von einer Sucht nach sozialen Medien betroffen als Jungen (5,8 Prozent).

Expertinnen und Experten führen diese Entwicklung vor allem auf optimierte Empfehlungsalgorithmen zurück. Die Plattformen sind gezielt darauf ausgelegt, die Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer durch endloses Scrollen (Infinite Scrolling) und personalisierte Inhalte maximal zu binden.

 

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Bedenklicher Trend beim Videostreaming

Ein bisher oft unterschätzter Bereich rückt durch die aktuellen Studienergebnisse in den Fokus: das passive Dauer-Streamen von Serien, Filme und Kurzvideos auf Plattformen wie YouTube, Netflix oder Prime Video.

  • Anstieg um 60 Prozent: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit einem riskanten Nutzungsverhalten beim Videostreaming stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 60 Prozent an.

  • Betroffenenquote: 13,1 Prozent der Befragten zeigen ein solches riskantes Nutzungsmuster.

Medienpädagogen betonen, dass das „Binge-Watching“ (das pausenlose Anschauen mehrerer Folgen hintereinander) oft als Ausweichmechanismus genutzt wird. Kinder nutzen Videos immer häufiger zur Regulierung von negativen Gefühlen wie Langeweile, Überforderung oder Schulstress.

Künstliche Intelligenz hält Einzug ins Kinderzimmer

Erstmals hat die DAK-Erhebung auch den Umgang von Kindern und Jugendlichen mit generativer Künstlicher Intelligenz (wie ChatGPT oder Midjourney) ausgewertet. Die Ergebnisse zeichnen ein eindeutiges Bild: KI ist im Alltags- und Schulleben der nachwachsenden Generation angekommen.

  • Regelmäßige Nutzung: 28,5 Prozent der 10- bis 17-Jährigen nutzen KI-Tools mehrmals wöchentlich oder täglich.

  • Verwendungszweck Schularbeiten: Rund 72 Prozent der KI-Nutzer setzen die Chatbots gezielt zur Bewältigung von Hausaufgaben, Referaten oder zur Prüfungsvorbereitung ein.

  • Bindung bei psychosozialer Belastung: Die Studie zeigt eine auffällige Korrelation: Kinder und Jugendliche, die unter Einsamkeit, Ängsten oder depressiven Stimmungen leiden, greifen doppelt so häufig auf KI-Assistenten zurück. Sie nutzen die Systeme nicht nur als Lernhilfe, sondern auch als emotionalen Ersatz-Gesprächspartner.

Warnsignale für Eltern und Pädagogen

Die Grenzen zwischen einer intensiven Hobby-Nutzung und einer beginnenden Abhängigkeit verlaufen oft fließend. Folgende Anzeichen deuten laut den Studienautoren auf ein medienbezogenes Problem hin:

  1. Toleranzentwicklung: Das Kind benötigt immer mehr Bildschirmzeit, um dieselbe Zufriedenheit zu erreichen.

  2. Kontrollverlust: Versuche, die Mediennutzung eigenständig zu reduzieren oder einzuschränken, schlagen wiederholt fehl.

  3. Entzugssymptome: Bei Trennung von den Geräten reagiert das Kind mit ausgeprägter Gereiztheit, Unruhe, Aggression oder Niedergeschlagenheit.

  4. Interessenverlust: Bisherige Hobbys, Sportarten oder soziale Kontakte im realen Leben werden vernachlässigt oder ganz aufgegeben.

Handlungsempfehlungen für den Familienalltag

Um Kinder vor einer Abhängigkeit zu schützen und ihre digitale Selbstregulierung zu stärken, empfehlen Suchtexperten klare und verlässliche Leitplanken:

  • Inhaltliche und zeitliche Grenzen: Klare Absprachen zur Bildschirmzeit sind unumgänglich. Als Richtwert gilt: Keine Bildschirme bei gemeinsamen Mahlzeiten und eine strikt medienfreie Zone mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen, um Schlafstörungen vorzubeugen.

  • Alternativen anbieten: Digitale Medien dürfen nicht das einzige Mittel zur Stressbewältigung sein. Bewegung im Freien, Sport im Verein und kreative Freizeitbeschäftigungen bieten den notwendigen Ausgleich.

  • KI-Kompetenz begleiten: Wenn Kinder KI-Tools für Schule oder Freizeit nutzen, sollten Eltern diesen Prozess aktiv begleiten. Es gilt aufzuzeigen, wo die Grenzen der Technologie liegen und warum digitale Werkzeuge echte soziale Beziehungen nicht ersetzen können.

 

Quellenangabe

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