Aggressives Verhalten beim 3-jährigen

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    • Aggressives Verhalten beim 3-jährigen

      1. Hallo zusammen, das ist meiner erster Beitrag hier, ich hoffe hier kann mir jemand ein paar hilfreiche Ratschläge geben. Mein Sohn ist 3 1/2 Jahre alt. Er ist sehr offen, sehr neugierig, aktiv und energiegeladen. Für sein Alter ist er auch sehr schlau und hat auch schon Verständnis für sehr viele Zusammenhänge. All das bestätigen auch die Erzieher in der Kita. Seit etwa einem dreiviertel Jahr benimmt er sich jedoch verhaltensauffällig. Er rastet sehr schnell aus, dabei fliegen Gegenstände, er versucht bewusst "beleidigend" zu werden, nur eben mit seinen Worten. Und was am meisten beunruhigt: er ist sehr aggressiv im Verhalten mit anderen Kindern. Wenn ihm was nicht passt wird sofort zugeschlagen und das nicht nur einmal sondern solange bis jemand eingreift. In der Kita hat er sogar schon ein Kind ins Gesicht getreten, sodass es eine Platzwunde am Mund hatte. Wir achten darauf sehr konsequent zu sein und lassen solche Dinge nicht durchgehen. Wir erklären es ihm Immer wieder und üben "Alternative" Reaktionen auf Wut (verbal äußern, ins Kissen hauen, tief durchatmen) aber wenn der Impuls da ist, kann er ihn nicht kontrollieren. In der Kita wurde auch gesagt, wenn er nicht sowieso (weil wir vor 3 Wochen umgezogen sind) die Kita wechseln würde, würden die ein sog. Integrationsantrag stellen. Das sagt mir leider nicht sehr viel und ich weiß auch nicht mehr was für Maßnahmen ich noch ergreifen soll. Ich fürchte mich ehrlich gesagt auch schon wenn wir uns mit anderen Kindern zum Spielen treffen und auch wenn er jetzt ab Montag in die neue Kita geht, dass eben wieder irgendwas vorfällt. An wen kann ich mich da wenden? Hat jemand erfahrungen damit und ist der Kinderarzt die richtige Anlaufstelle dafür? Vielen Dank im voraus.
    • Herzlich willkommen

      Ihm erklären wie er zu reagieren hat, was er tun soll/ darf und was nicht, ist ein Ding, das dein Sohn erst 3,5 Jahre alt ist sollte dir bewusst machen, das er das was du ihm auferlegt hast ( ins Kissen schlagen ) usw , nicht umsetzen kann. Er ist viel zu klein dafür. Ich Frage mich auch nicht wie ihr das wieder aus ihm raus bekommt, sondern ich Frage mich warum er auf einmal so reagiert!
      Nur wenn man die Ursache ändert, kann euer Sohn darauf reagieren.
      Also, da Kinder ihre Sorgen nicht in Worte fassen können ( das hat nichts mit schlau oder dumm zu tun, sondern liegt einfach daran das Kinder es einfach noch nicht können) , liegt es an euch Eltern, spielerisch mit dem Kind zusammen raus zu finden, was sein Problem ist. Eine Spieltherapie bei einer Kindersychologin kann sehr hilfreich sein.
      MfG Gilfy :saint:
    • Hallo! :)

      Schön, dass du den Weg hierher gefunden hast.

      Zunächst einmal: Aggressives Verhalten ist in diesem Alter beileibe nichts ungewöhnliches. Hast du selbst das Gefühl, dass es in eine übermäßige Richtung geht? Kannst du der Rückmeldung von der Kita so zustimmen?

      Ich habe noch weitere Fragen, um den Sachverhalt besser beurteilen zu können:

      Ist die Aggression im privaten Rahmen (also innerhalb der Familie) ebenso stark vorhanden, wie sie das in der Kita war?

      Wie weit ist der Kleine sprachlich entwickelt? Kann er seine Gedanken/Gefühle schon gut in Worte fassen?

      Gab es in letzter Zeit irgendwelche prägenden Ereignisse? (Trennungen, Todesfälle, Geschwisterchen etc.)

      Sieht er Gewalt irgendwo im Umfeld? Ist er damit konfrontiert?

      Ist er körperlich ausgelastet?

      Gibt es Medienkonsum? (Fernsehen, Smartphone, Tablet,...)

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      Kinder in dem Alter sind häufig aggressiv, weil sie noch wenig Regulationsmöglichkeiten entwickelt haben. Dass ein Dreijähriger in Konfliktsituationen/bei emotionaler Überforderung schlägt/tritt/beißt/spuckt, ist wahrscheinlicher, als dass er Dinge ausdiskutiert. ;) Bei manchen Kindern spielt sicher auch das Temperament mit hinein. Was eher nicht vorkommt, ist, dass Kinder in dem Alter aus Spaß an der Freude zuschlagen. Meistens ist das Hauen deutliches Zeichen dafür, dass im Kind etwas passiert, es sich überfordert fühlt.

      Gerade in dem Alter und bei massiven Grenzverletzungen anderen gegenüber, machen weder Ignorieren, noch Strafen Sinn. Wesentlich ist es, sehr deutlich und konsequent Grenzen zu setzen, dabei aber offen und empfänglich dafür zu bleiben, was das Kind bewegt/worum es geht...

      Wenn du das Gefühl hast, dass hier professionell mit deinem Sohn gearbeitet werden muss, kann der Kinderarzt eine Ansprechperson sein, so er über gute Kontakte zu entsprechenden Stellen (Psychologen, Therapeuten, Erziehungsberater,...) verfügt.

      Freue mich, von dir zu lesen. Und: Kopf hoch! :)


      Daniela!
    • Ich habe schon das Gefühl, dass es in eine übermäßige Richtung geht. Zu den Fragen: Zu Hause, sowie im Spiel mit anderen Kindern ist es ebenfalls vorhanden. Ich vergaß zu erwähnen, dass er nur kleineren und gleichaltrigen Kindern gegenüber aggressiv wird. Im Spiel mit älteren Kindern ist er wie ausgewechselt und total friedlich. Er kann allgemein mit kleineren oder gleichaltrigen wenig anfangen und es scheint mir, er fühlt sich denen sehr überlegen. Damit komme ich auch zur nächsten Frage: Er ist sprachlich wirklich sehr weit. Er kann sich ganz deutlich ausdrücken und verfügt auch schon über einen großen Wortschatz für sein Alter (wurde auch von der Kita bestätigt). Mit Gewalt ist er nicht konfrontiert. Weder wir wenden Gewalt bei ihm an, noch erlebt er es zwischen anderen Familienmitgliedern. Fernseher schaut er nicht übermäßig. An manchen Tagen darf er mal etwas mehr und es gibt auch zum Ausgleich Tage an denen der Fernseher ganz ausbleibt. Ein prägendes Ereignis wird wohl der Hausbau gewesen sein. Wir sind vor drei Wochen eingezogen und waren in den Monaten davor zeitlich schon sehr eingespannt und es war auch nicht gerade stressfrei. Das merkt er natürlich, auch wenn wir uns Mühe gegeben haben, dass sein Alltag gleich bleibt. Ich kann mir schon vorstellen, dass der Umzug und auch der Hausbau an sich etwas dazu beigetragen haben. Ich hoffe natürlich, dass es sich bald wieder bessert aber dennoch sind wir in dieser Situation ratlos und wissen nicht wie wir auf solche Dinge richtig reagieren sollen. Eine Strafe, wie zb ins Zimmer gehen oder eine Auszeit, akzeptiert er entweder nicht oder es macht ihn nur noch wütender und er fängt an Spielzeuge zu werfen oder zu treten. Ignoriere ich das, macht er immer weiter und es schaukelt sich immer weiter hoch. Wenn die Situation sich beruhigt hat, spreche ich mit ihm darüber und er sieht alles ein und versteht auch, dass das nicht richtig ist. Aber beim nächsten mal geht das ganze dann trotzdem von vorne los. Wie können wir da am besten reagieren ohne ihn nur noch wütender zu machen? Wenn ich ihn einfach in den Arm nehme beruhigt er sich schnell wieder aber vermittle ich ihm damit dann nicht das Gefühl, dass das was er macht nicht ganz so schlimm sein kann?
    • Hallo! :)

      Na wenn es seit etwa einem dreiviertel Jahr so schlimm ist und ihr Haus gebaut habt - eine immense Belastung - dann würde ich jetzt durchaus einmal ein paar Wochen abwarten, ob sich eine Besserung/Entspannung einstellt. Da ist der Hausbau nämlich mit dieser typischen "Hau-Phase" von Kleinkindern zusammengefallen und hat diese eventuell verstärkt.

      Dass er ältere Kinder nicht haut, spreche ich seiner doch recht fortgeschrittenen Entwicklung zu! Er hat die Sache mit Ursache und Wirkung vermutlich schon verinnerlicht und weiß, dass es wehtut, wenn ältere Kinder sich wehren, die da durchaus nicht zögerlich sind! ;) Das ist bei Kindern in dem Alter übrigens häufig zu beobachten: Mama und Papa können noch so viel intervenieren, wenn ein älteres Kind einmal ganz deutlich sagt/zeigt: "So nicht!", hilft das weitaus besser! ;)

      Zu der Frage nach der Reaktion: "Auszeiten" oder "Im Zimmer beruhigen" fruchten in dem Alter (noch) nicht. Das Kind hat noch viel zu wenig Regulationsmöglichkeiten für sich verinnerlicht und will alles, nur nicht allein gelassen werden. Es braucht Mama/Papa jetzt sehr, vor allem, um seine Gefühle zu spiegeln. Du bist ja schon auf das gekommen, was ihm hilft: Ja, umarme ihn, wenn ihn das runterbringt. Dabei kannst du trotzdem Grenzen deutlich machen. Hand wegnehmen, gleichzeitig "Ich will nicht, dass du haust. Das tut weh!" sagen und dann trösten und ihm spiegeln, was du bemerkst. ("Ich weiß, du ärgerst dich gerade. Du bist ganz wütend. Ich bin ja da..."). Das wird vermutlich in Kombi eher zum Erfolg führen als Auszeiten! :)

      Alles Gute beim Ausprobieren. Lass uns wissen, wie es weiterläuft! :)