Trennungsängste bei 7 Jährigen?!

  • Liebe alle,


    Nach langem Zaudern, gelange ich nun auf diesem Wege an euch, da ich langsam nicht mehr weiss, was ich mit meinem Kind machen kann.


    Meine Tochter, die diesen Sommer 7 Jahre alt wird und den Schulübertritt vor sich hat, hat noch immer grosse Trennungsängste. Diese verstärken sich Phasenweise, so schlimm, dass ich bei jeder Turnstunde (sie macht einen Spitzensport und trainiert 8 Stunden/Woche) zuschauen muss, dass sie weint (manchmal schreit) wenn sie in den Kindergarten muss (obwohl sie sonst gerne geht). Sie kann in diesen Phasen richtig aus sich raus kommen und egal wo wir sind und wer alles zuschaut, schreien wie am Spiess. Sie ist kaum mehr ansprechbar und schon gar nicht mehr rational. Leider werden meine Nerven auch immer dünner (habe 3 Kinder und arbeite dazu) und vom lieben, verständnisvollen Mami schwanke ich dann bald einmal in die genervte, wenn möglich hoffentlich nicht laute Mami :cursing: . Wir versuchen es mit Belohnung, Konsequenz und mit der Entscheidung, dass sie nicht mehr Turnen darf wenn es so weiter geht.


    Trotzdem scheint das nicht zu wirken. Und meine Tochter ist nicht ein ruhiges, zurückgezogenes, scheues Mädchen sondern kann ziemlich dominant und vorlaut (noch auf eine gute Art, bis jetzt) sein, ist auch generell sehr selbständig. Sie ist echt kein 0815-Kind, hat sehr viel Fantasie beim spielen (=Chaos), ist nicht das Kind, das am besten "folgt" und sich an Regeln halten kann und benimmt sich in o.e. Momenten wieder wie eine 3-jährige.... Manchmal zweifle ich an mir und ob ich irgendwie in der Erziehung etwas verpasst habe bei ihr, die jüngere Schwester ist aber wieder ganz anders.


    Ich weiss einfach nicht genau, wo ich mich hinwenden kann/soll und habe heute diese Seite gefunden. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich an dem Punkt angekommen bin, wo ich Hilfe benötige. Kann mir jemand einen Rat geben? Oder kann Kinesiologie helfen? Oder Psychologie?


    Ich danke euch im Voraus für alle Ratschläge!
    LG Mars

  • Hallo Mars,


    herzlich willkommen im Forum! Ich finde es schön, dass Sie diesen Schritt gewagt haben, denn ich denke, dass Ihre Problematik auch für viele anderen Eltern interessant sei kann.
    Zudem ist es keinerlei Zeichen von Schwäche oder Versagen, sich Unterstützung zu suchen, im Gegenteil: Es ist stark und mutig, dass Sie aussprechen, was Sie bedrückt, belastet und beschäftigt.
    :D
    Ich stelle mir Ihre Situation sehr belastend vor. Allein die Vorstellung, dass Sie Ihre Tochter bei jeder Ihrer Turnstunden begleiten und ihr zushauen müssen, kostet ja nicht nur Zeit, sondern auch Nerven und damit Kraft. Warum Ihre Tochter so "extrem" reagiert, kann ich nicht sagen. Ich kann nur vermuten und meine Gedanken aussprechen.
    Für mich schwingen zwei Motive im Verhalten Ihrer Tochter mit. Zum Einen scheint sie ein großes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zu haben, dass sie entsprechend "extrem" und lautstark einfordert. Aufmerksamkeit bedeutet Zuwendung, vermittelt Sicherheit, ein Stük Geborgenheit und gibt uns letztlich Energie, schenkt uns Kraft. Doch ich denke, dass Ihre Tochter in der Tat große Angst hat. Da Angst nichts Rationales ist, muss man diese Angst als Außenstehender auch nicht nachvollziehen können. Fakt ist: Die Angst ist da. Und Ängste wollen wahrgenommen, ernst genommen und angenommen werden, nur dann können sie sich lösen und damit auflösen.


    Ihr Gedanke an Kinesiologie könnte hier in der Tat hilfreich sein und eine wohltuende Entlastung und Entspannung für Ihre Tochter:
    Mit Hilfe des "Butterfly" kann man sich selbst und auch andere, insbesondere Kinder schnell und gut beruhigen. Wenn also Ihre Tochter wieder eine solche Angstattacke hat, nehmen Sie sie von hinten in den Arm, sodass der rücken Ihrer Tochter an Ihrer eigenen Brust liegt. Schlingen Sie behutsam Ihre Arme um den Oberkörper Ihrer Tochter mit überkreuzten Armen. Die Hände berühren jeweils die Schultern des Kindes. Klopfen Sie dann sanft abwechselnd mit Ihren Händen auf die Schultern Ihrer Tochter.
    Machen Sie das in einem ruhigen, gleichmäßgen Rhythmus. Sprechen Sie ggf. beruhigende Worte. Atmen Sie tief weiter. Bereits nach kurzer Zeit werden Sie merken, wie sich Ihre Tochter entspannt, wie sich Muskelanspannungen lösen, wie sich u.U. der Atem vertieft....
    Sie können dann auch fragen, ob es schon besser ist, ob die Angst weg ist. Bei einem Nein klopfen Sie weiter in der beschriebenen Art und Weise.


    Auch den Kopf zu halten, ist eine Möglichkeit, sich selbst oder auch andere zu beruhigen und ein Gefühl von Geborgenheit zu schenken. Dazu halten Sie mit einer Hand ganz sachte und sehr vorsichtig den Hinterkopf an der Stelle, an der der Nacken in den Hinterkopf übergeht. Die andere Hand legen Sie ebenfalls sehr sachte und sanft quer über die Stirn. Die Augen schließen, das Gefühl, gehalten zu werden genießen, tief atmen ^^


    Vielleicht ist auch das Thema Entspannung etwas, was Ihrer Tochter - und auch Ihnen selbst - gut tun würde.
    Wir brauchen beide Pole: Anspannung, Aktion und Bewegung einerseits, Entspannung, Ruhe, Innehalten andererseits.
    Da Sie schreiben, dass Ihre Tochter Leistungssport betreibt, was ja sehr viel "Anspannung" und Aktion bedeutet, könnte es gut sein, dass der Gegenpol zu kurz kommt, ein bewusstes Entspannen und Kraftschöpfen fehlt. Kinesiologie, Yoga, Meditation, Fantasiereisen, Qi Gong etc. können hier gut tun.


    Insgesamt würde ich zudem den Kontakt und das Gespräch mit Ihrer Tochter suchen und sie fragen, warum sie so reagiert. Immerhin ist Sie ja schon 7 Jahre alt. ^^ Fragen Sie sie offen, ob sie Angst hat und wenn ja, wovor. Fragen Sie sie, warum sie auf diese Weise reagiert. Haben Sie sie schon darauf angesprochen und ihr mitgeteilt, dass Sie ihr Verhalten nicht verstehen können. Dass Sie damit überfordert sind und nicht wissen, was Sie dann tun sollen. Denn als Mutter wünschen Sie sich schließlich, dass es Ihren Kindern gut geht. Wichtig finde ich, dass Sie die Ängste Ihrer Tochter ernst nehmen. Wenn Sie damit drohen, dass Sie als Konsequenz für ihr Verhalten dann etwas bestimmtes nicht mehr darf, erhöhen Sie unter Umständen den Druck, der ohnehin auf Ihrer Tochter zu lasten scheint.


    Vielleicht können Sie letztlich, also auf längere Sicht, mit ihr auch eine Vereinbarung treffen, dass Sie zu bestimmten Turnstunden mitgehen und zuschauen, dass es aber auch Turnstunden gibt, zu denen sie alleine gehen darf.


    Ich wünsche Ihnen alles Gute und würde mich über Ihre Rückmeldung freuen. Vielleicht haben Sie ja Lust, uns zu erzählen, wie die Geschichte weitergeht ?! ;)


    Herzlichst
    Ihre Klara

  • Hallo Mars,


    auch ich möchte Sie herzlich im Forum willkommen heißen. So wie Klara denke auch ich, dass es immer gut und wichtig ist, über die Dinge zu sprechen, die einem Sorgen bereiten. Dies ist oft der erste Schritt dahin, Lösungen zu finden.


    Da Sie selbst Ihre Tochter am besten kennen, werden Sie auch diejenige sein, die die richtigen Antworten findet. Vielleicht können Ihnen unsere Gedanken dabei helfen. Deshalb möchte ich Ihnen gerne ergänzend zu den Gedanken von Klara mitteilen, was mir durch den Kopf ging, als ich von Ihrer Situation gelesen habe.


    Bei der Schilderung des Verhaltens Ihrer Tochter habe ich einen Zwiespalt bzw. einen "Hin-und Her-gerissen-sein" wahrgenommen. Sie schreiben, dass Ihre Tochter sehr selbständig und in einem guten Sinn dominant ist, sich aber andererseits manchmal wie eine 3-jährige benimmt. Sie ist auf der einen Seite sehr diszipliniert (muss man sein, wenn man Leistungssport betreibt), auf der anderen Seite sehr unkontrolliert (kreativ-chaotisch im spielen, hemmungslos in Ihrer Wut und Verzweiflung/Angst). Vielleicht ist das eine Verhalten ein Gegenpol zum anderen Verhalten, das Ihre Tochter benötigt, um in Balance bleiben zu können.


    Sie ist auf der einen Seite groß, möchte manchmal aber auch klein sein, sie ist diszipliniert möchte aber auch undiszipliniert sein. Nun ist es so, dass der Ausgleich, den Ihre Tochter sich sucht, für Sie so verständlicherweise nicht akzeptabel ist. Vielleicht können Sie Ihrer Tochter Alternativen anbieten: Sie darf auch mal klein sein und die Dinge tun, die die jüngere Tochter tut, sie bekommt Extra-Schmuse- und Kuscheleinheiten mit Ihnen, sie darf sich mal hemmungslos bei einer wilden Kissenschlacht austoben, es gibt eine besondere Mahlzeit, bei der man mal undiszipliniert mit den Händen essen darf,... Ihrer Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.


    Interessanterweise schreiben Sie, dass Ihre Tochter das Verhalten phasenweise zeigt. Können Sie bestimmte Auslöser erkennen? Gibt es besondere Umstände, in denen Sie diese Phasen entwickelt, beispielsweise immer vor oder nach einem Wettkampf? Ändert sich etwas in der Familie, gibt es Besonderheiten mit den Geschwistern in diesen Phasen? (Auch ein bevorstehender Schuleintritt kann übrigens ein Zurückfallen in Kleinkindverhalten auslösen, wenn Kinder sich unsicher sind, ob sie sich auf die Schule freuen sollen oder nicht!)


    Sie haben geschrieben, dass Sie drei Kinder haben und eine Schwester jünger ist. Wie alt ist denn das dritte Kind? Die Stellung in der Geschwisterreihe hat oftmals auch Auswirkungen auf die typischen Verhaltensweisen von Kindern.


    Sie hatten außerdem gefragt, ob psychologische Unterstützung hilfreich sein kann. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie umfassendere Unterstützung benötigen, besteht die Möglichkeit, sich an eine Erziehungsberatungsstelle zu wenden oder an einen niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Dort würden Sie Tipps für den Umgang mit Ihrer Tochter erhalten und durch das Kennenlernen Ihrer Tochter könnten Sie Unterstützung erhalten, herauszufinden, warum Ihre Tochter sich so verhält. Schaden kann es jedenfalls auf keinen Fall.


    Auf der anderen Seite sind sowohl Sie als auch Ihre Tochter ja schon sehr eingespannt und Sie müssten sich überlegen, ob eine solche Unterstützung eine Entlastung oder eher eine Belastung darstellt.


    Ich wünsche Ihnen Kraft und starke Nerven!


    Anne

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