Regretting Motherhood

  • Habt ihr die israelische Studie und die dazugehörige Diskussion mitbekommen?
    Demnach bereuen es viele Mütter, dass sie Kinder bekommen haben.


    Was denkt ihr darüber? Würdet ihr in der Situation von damals und mit dem Wissen von Heute wieder Kinder bekommen wollen?

  • Hallo Mnuela,


    tja, ich muss sagen, es ist spannend, was die Soziologin Orna Donath da anspricht und wie empört nun die Welt, vor allem Menschen in Deutschland darüber sind. Meiner Ansicht nach beschäftigt sich die Studie, die ich persönlich sehr interessant und überhaupt nicht schockierend finde, mit einem Tabu-Thema - und das gilt länderübergreifend.


    "Kinder sind das größte Glück der Erde", so oder so ähnlich die allgemeine bzw. gesellschaftliche, die offizielle Meinung. Es ist ja schon ein Tabu und man eckt in der Gesellschaft an, wenn man als Frau nicht Mutter werden will und sich von vornherein gegen ein Leben als Mutter entscheidet. Für manche findet eine Frau erst dann ihre Erfüllung, wenn sie Mutter wird, so als wäre man als Frau ohne Kinder keine "richtige", keine "vollwertige" Frau. Und Frauen, die sich nicht in ihre "Bestimmung" fügen wollen, werden von vielen (vielleicht auch hineter der vorgehaltenen Hand) verurteilt oder bedauert. Dieses tief in unserer Gesellschaft verankerte Konstrukt sitzt in vielen Köpfen tief und macht so manche/n schlicht engstirnig und intolerant.
    Ein noch heikleres Thema als die Entscheidung, ohne Kinder zu leben, ist der Schwangerschaftsabbruch, so "gut" und nachvollziehbar die Gründe auch sein mögen. Auch das ein Tabu in unserer Gesellschaft, die sich gerne so modern und aufgeklärt und tolerant gibt... aber eben nur vordergründig.


    Es gab sicherlich Zeiten, in denen es im Grunde "dazu gehörte", Kinder zu bekommen, weil es schlicht auch kaum Möglichkeiten gab, dies zu verhindern, wenn man eine Beziehung zwischen Mann und Frau einging. Da war ein Leben mit Kindern eben der Lebensentwurf schlechthin, im Grunde schon so etwas wie ein vorbestimmtes Schicksal.
    Doch im Zeitalter von modernen Verhütungsmethoden und Gesetzen, die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau anstreben, ist die Entwicklung, dass sich nun auch Frauen gegen einen traditionellen Lebensentwurf entscheiden, doch alles andere als verwunderlich, oder?


    Es wundert mich deshalb überhaupt nicht, dass es Mütter gibt, die zwar ganz klar sagen, dass sie ihre Kinder lieben, aber die Mutterschaft selbst bereuen. In der Studie von Donath ist eine der Erklärungen, woher das Bedauern kommt, dass diese Frauen einfach zu viel von sich selbst durch das Muttersein aufgeben mussten und ihr Leben nicht so leben konnten, wie sie es sich gewünscht und vorgestellt hatten. Ich finde es mutig, dies auszusprechen!


    Nicht für jeden ist der "übliche" bzw. gesellschaftlich akzeptierte Lebensentwurf der passende, nicht für jede/n ist ein traditionelles Familienleben mit Kindern die Erfüllung. Es gibt Menschen, die auf andere Art und auf anderen Ebenen "gebären" und "umsorgen", die ohne Kinder tolle Sachen vollbringen, die Welt bereichern und die nicht egoistisch und auch nicht verantwortungsscheu sind, weil sie sich gegen einen traditionellen Weg entscheiden.


    Es ist großartig, dass nun eine soziologische Studie aufrüttelt, durchschüttelt und vielleicht ja auch wachrüttelt... und im Grunde einerseits Mut macht und aufzeigt, dass gesellschaftliche Normen nicht für jede/n passend und erfüllend sind und andererseits Toleranz einfordert.


    Klara

  • Danke, Klara.
    Ich glaube, hier traut sich sonst keiner, zu antworten. ;)


    Ich könnte selbst noch nicht einmal sagen, ob ich noch einmal Kinder bekommen würde. Zwar würde ich es nicht "bereuen" nennen, aber manchmal sehne ich mich schon nach meinem schönen, alten Leben zurück, in dem ich machen konnte, was ich wollte, ohne Rücksicht auf andere und nur die Verantwortung für eine Person tragend, nämlich für mich. ;(;)

  • Ich sehe es auch ein bisschen so wie Manuela. Leider ist es auch heute immer noch so, dass die meiste Arbeit an der Frau hängt. Und es schon eine ganz schöne Belastung ist, alles unter einen Hut zu bekommen. Da war es ohne Kinder deutlich einfacher...

  • Hallo Manuela,


    ich finde es toll, dass Sie dieses Thema eröffnet haben... es ist wichtig, Dinge anzusprechen und auszusprechen... vor allem, wenn es sich um Tabus handelt.


    Nur so können sich verhärtete Muster und Meinungen lösen und verändern... ;)

  • Hallo!


    Ich bin zwar keine Mutter, versuche selbige bei uns aber zu unterstützen so gut ich kann, ich glaube das gelingt und idR harmonieren wir, aber wir hatten kürzlich wieder eine recht anstrengende Phase und da habe ich mich zum ersten Mal im Affekt sagen hören, dass ich noch ein zweites Kind wohl nicht "aushalte". Bereue ich nun aber das erste? Ich glaube nicht, nein, ich weiß dass es so nicht ist. Sie ist toll, ich habe mich mit ihr entwickelt und das alte Lebeb war auch toll, wo es geht behalte ich es bei. Gott sei dank haben wir bspw tolle Freunde, alle ohne Kinder, aber trotzdem wie früher mit uns im Umgang. Wir haben viele Großeltern (hatte ich hier in einem Chat erwähnt, das kann schwierig sein, hier hilft es aber wiederum für eigenen Freiraum). Ich glaube halt, es ist ein Unterschied, das eigene Kind "zu bereuen" oder eben nicht noch eines zu wollen... Frohe Botschaft: unser Mini hat sich nach 3-4 Wochen von allein wieder einbekommen, nun bin ich mir auch sicher, noch eine Nr 2 zu wollen :-) "je ne regret de rien"

  • Hi,


    ich glaube, dass es bei der Diskussion "Regretting motherhood" eher darum ging, dass man die Rolle als Mutter bereut und nicht die Tatsache, dass man ein Kind hat. Das wurde jedenfalls so kommuniziert. Die Mutterrolle finde ich auch nach wie vor schwierig, denn für eine Mutter ändert sich auch heute in Deutschland leider immer noch viel mehr als für den Mann: Teilzeit, Haushalt... Da kann es eben schon einmal sein, dass man sich sein altes Leben zurück wünscht...

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