Mein Sohn benimmt sich komisch

  • Bis vor einer Weile war mein Sohn Jason recht pflegeleicht, obwohl er inzwischen 13 ist. Aber seit kurzem kann man ihm nichts mehr recht machen. Vor allem benimmt er sich unmöglich, wenn Besuch da ist. Da mault er laut rum, lässt Türen knallen, macht nichts, worum man ihn bittet.


    Letzte Woche war es dann ganz schlimm. Ich hatte Freundinnen zu Besuch und saß mit ihnen auf der Terrasse. Er kam raus und fing an, Steine in den Pool zu werfen (ist nur so ein kleiner aus Plastik). Ich habe ihm gesagt, dass er das lassen soll, denn er könnte ihn damit kaputt machen und es will ja auch keiner Steine da drin haben. Daraufhin nahm er ein Obstmesser vom Tisch und schnitt ein Loch in die Poolwand!


    Der Pool ist jetzt natürlich hin. Und ich weiß nicht, was ich von all dem halten soll. Ist das wirklich bloß pubertäres Gehabe?

  • Liebe Perdita,


    der erste Blick auf das Alter Ihres Sohnes, läßt tatsächlich vermuten, dass er nun definitiv in der Pubertät angekommen ist, die eine Zeit der großen Veränderungen ist, die Schwelle zur Adoleszenz und damit auch der Abgrenzung und Rebellion gegen die Eltern und die Familie. In der Pubertät sind wir auf der Suche nach uns selbst, unserer Individualität, nach dem, was uns selbst ausmacht. Wir wollen ernst genommen werden und nicht mehr bevormundet sein, was durch das "merkwürdige" Verhalten, was wir als Pubertisten dann derweil an den Tag legen, nicht so ganz einfach ist.
    Es ist nachgewiesen, dass sich nicht nur im Körper radikale Veränderungen vollziehen, sondern dass auch das menschliche Gehirn in diesem Lebensabschnitt eine regelrechte Baustelle ist. Verknüpfungen entstehen neu, andere lösen sich auf... was das teilweise unlogische oder gar unsinnige Verhalten sowie das Fehlen des Bewustseins von Konsequenzen und Auswirkungen des eigenen Verhaltens erklärt bzw. verdeutlicht.


    Allerdings hilft grenzenloses Verständnis oder eine Haltung des Ignorierens hier nicht weiter. Junge Menschen in der Pubertät wollen sich reiben, wollen Gegenwind, wollen Grenzen und klare Standpunkte, um sich selbst wiederum abgrenzen zu können.
    Es ist keine leichte Zeit - weder für den jungen Menschen, noch für seine wichtigsten Bezugspersonen, die Eltern.


    Wie Sie nun das Verhalten ihres Sohnes beschreiben, läßt dennoch vermuten, dass sich dahinter mehr verbirgt als nur die Pubertät.
    Sie beschreiben, er hat sich recht plötzlich verändert und das beschriebene Verhalten wirkt sehr aggressiv, wütend und zornig.
    Deshalb stellt sich die Frage, ob irgendetwas geschehen ist, was ihn so zornig gemacht hat. Mit seinem aggressiven Verhalten scheint er nach Hilfe zu schreien, er will gehört werden, er sucht verzweifelt nach Grenzen, nach Reaktion ihrerseits, denn dies gibt wiederum Halt und damit Sicherheit.


    Ich schlage Ihnen vor, mit ihrem Sohn zu sprechen, ihn zu fragen, was ihn beschäftigt, ihn belastet. Machen Sie ihm auch deutlich, dass Sie wahrnehmen, dass etwas nicht stimmt.
    Sollten Sie nicht weiterkommen, werten Sie das nicht als persönlichen Angriff oder Ablehnung, sondern bieten Sie ihm wieder und wieder an, dass Sie gerne für ihn da sind, dass Sie hinter ihm stehen, dass Sie für ihn da sind - wenn er das will. Vielleicht ist auch ihr Mann in diesem Fall und bedingt durch das Alter ihres Sohnes ein besser geeigneter Gesprächspartner für ihren Sohn. Das müssen Sie durch Probieren herausfinden.


    Sie dürfen sein aggressives Verhalten verurteilen und tadeln, doch nehmen Sie seine Hilferufe ernst. Ihr Sohn hat einen persönlichen Grund, warum er dies tut - ob seine Verhaltensweise angemessen ist, ist ein anderes Thema.


    Ich wünsche Ihnen Kraft, Geduld und alles Gute!
    Klara

  • Danke für die Antwort!


    Ich war natürlich erst mal wütend. Später habe ich dann mit ihm gesprochen, aber er hat alles abgeblockt und gar nichts gesagt. In einem zweiten Gespräch sagte er, ich würde nerven und meine Freundinnen wären noch viel nerviger. Nun sehe ich aber nicht ein, seinetwegen auf meine Freundinnen zu verzichten! Ich bin die meiste Zeit für meine Familie da und mache alles und bin für alle und jeden ansprechbar. Die wenige Freizeit sollte ich dann doch wohl so verbringen können, wie ich möchte!


    Mein Mann sieht das als normales pubertäres Verhalten, sagt, solange Jason in der Schule nicht allzu sehr abrutscht, ist das wohl alles nicht so schlimm.


    Ich werde dann noch mal versuchen, mit beiden zu sprechen.

  • Liebe Perdita,
    es ist in der Tat Ihr gutes Recht, auf Ihre eigenen Bedürfnisse zu hören und diese ernst zu nehmen. Auch soziale Kontakte gehören hier dazu.
    Sie haben das Recht, sich mit Ihren Freundinnen zu treffen, darauf sollten Sie nicht verzichten.
    Es ist allerdings auch das gute Recht Ihres Sohnes, Ihre Freundinnen "nervig" zu finden. Das ist seine Meinung und die darf er haben.
    Sein Verhalten ist dennoch sehr unfair und egoistisch. Eine eigene Meinung zu entwickeln, ist ein wichtiger Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung und unserer individuellen Persönlichkeit. Eine eigene Meinung zu entwickeln und zu ihr zu stehen, für sie einzustehen, sind Teil eines gesunden Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins.
    Doch Respekt und Toleranz sind ebenfalls wichtige Werte!
    Ihr Sohn muss Ihre Freundinnen nicht auch mögen, aber er muss begreifen, dass Sie selbst als Frau und Mutter Respekt und Toleranz verdienen, wie jeder andere auch, wie er selbst auch.
    Sein aggressives und provozierendes Verhalten voller Wut und Zorn und vermutlich auch einer ordentlichen Portion Trotz sind also absolut unangebracht, denn mit Wertschätzung Ihrer Person und mit Repekt hat dies nichts zu tun.


    Ihre Idee, noch einmal mit Ihrem Mann und auch mit Ihrem Sohn zu sprechen, finde ich sehr gut. Es ist wichtig, dass Sie sich als Eltern einig sind, was den Umgang, was die Erziehung Ihrer gemeinsamen Kinder betrifft.
    Erklären Sie Ihrem Mann in Ruhe, was Sie so wütend macht an dem Vorfall und was Sie sich wünschen. Damit meine ich auch, dass Sie ihm mitteilen, was Sie von ihm als Partner und als Vater erwarten.


    Ich wünsche Ihnen alles Gute und gute, klärende Gespräche!
    Klara

  • Nun ja, was mich daran so wütend macht, ist ja wohl klar! Da braucht man nicht viel zu erklären, denke ich. Er hat immerhin ein teures Gerät kaputt gemacht und sich vor unserem Besuch mal wieder unmöglich benommen. Das erzählen die jetzt auch alle schön rum! Vermutlich denken jetzt alle, dass wir ganz schlimme Eltern sind. Meinen Sohn scheint das zu freuen! Seitdem ist er auch wieder viel friedlicher und netter.


    Meinen Mann scheint das alles nicht weiter zu stören. Er hat dann noch mal mit Jason gesprochen, hat ihm Fernseh- und PC-Verbot auferlegt und damit hatte sich das.
    Als ich fragte, ob er ihn gefragt habe, warum er sich so benimmt, sagte er nur "nö". Jetzt bin ich also genauso schlau wie vorher!

  • Hallo Perdita,
    es sind ein paar Tage vergangen, seit Sie sich zuletzt zu der Problematik mit Ihrem Sohn geäußert haben.
    Nun meine Antwort, meine Gedanken dazu...


    Ich verstehe Ihre Wut sehr gut und es steht außer Frage, dass das beschriebene Verhalten Ihres Sohnes ein absolutes "No-Go" ist bzw. war. Machen Sie sich nicht allzu viele Gedanken und Sorgen darüber, was andere von Ihnen halten. Sie selbst wissen doch genau und am Allerbesten, dass Sie eine gute Mutter sind, kennen Ihre Stärken und Ihnen fält sicherlich sehr vieles ein, was Sie gut machen und worauf Sie selbst stolz sein können... ;)
    Die Leute reden - und werden dies wohl immer tun....
    Sie schreiben, Ihren Sohn scheint das zu freuen. Ihr Sohn kennt Sie sehr gut und wird vermutlich wissen oder sich denken können, wie er Sie "drankriegt" und dass Sie sich nun schämen, sich ärgern, weil er Sie gewissermaßen vor Ihren Freundinnen bloß gestellt hat.
    Vergessen Sie bitte nicht, dass er es war, der sich "daneben benommen" hat und nicht Sie! Vielleicht macht Ihnen dieser Gedanke, dieses Bewusstsein die Sache leichter, mit den "Nachwirkungen" dieses Vorfalls umzugehen. Vielleicht müssen Sie nun sogar schmunzeln.... denn Sie haben keinen Grund, sich schämen zu müssen, sondern im Grunde er.

  • Ich hatte mich ja auf den Rat von Wonderland eingelassen. (Siehe der Schwiegermutter-Thread). Seitdem läuft es tatsächlich besser. Wir haben beide festgestellt, dass wir schlecht kommunizieren. Er sieht einen nicht an und signalisiert dadurch Desinteresse, und ich fange dann an, schrill zu werden. Jetzt machen wir uns gegenseitig darauf aufmerksam, wodurch wir besser miteinander reden können.
    Er hat eingesehen, dass er sich daneben benommen hat und hat sich entschuldigt. Er hat mir aber auch gesagt, dass er meine Freundinnen wirklich schrecklich findet und sich vernachlässigt fühlt, wenn sie da sind. Ich würde ihn dann total beiseite schieben.


    Ich habe ihm gesagt, dass ich genau wie er ein Recht darauf habe, mich mit meinen Freundinnen zu treffen. Ich würde ja auch nicht mit ihm und seinen Freunden Fußball spielen oder mitten in einem Spiel ankommen und ihn fragen, ob er meine Topflappen gesehen hat! (Mit solchen Kleinigkeiten kommt er dann nämlich an und wird pampig, wenn ich ihn auf später vertröste.)


    Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich einen Freundinnen-Tag habe, an dem er nicht stören darf. Dafür gibt es jetzt einen Tag, der nur ihm gehört. Er meinte nämlich, dass ich ansonsten auch mit allem anderen beschäftigt bin, nur nicht mit ihm. Ich sehe das nicht so, denn ich bin immer für ihn ansprechbar, aber wenn er das Gefühl hat, sollte ich dem wohl auf den Grund gehen! Vielleicht hat er zur Zeit einfach einen erhöhten Bedarf an Zuwendung, während er in zwei Jahren vielleicht schon wieder froh ist, wenn ich mich in nichts einmische. ;)


    Im Moment läuft es also wieder wesentlich besser.

  • Liebe Perdita,


    ich habe mich sehr gefreut, als ich Ihre Antwort gelesen habe.


    Sie haben eine offene, ehrliche und einander sehr wertschätzende Art der Kommunikation gefunden. Sie nehmen einander und die Bedürfnisse des anderen wahr und ernst.
    Es klingt beinahe so, als hätte sich durch diese Eskalation ein "Knoten" gelöst, der viel Raum und Platz für Offenheit miteinander schafft, was mir sehr gut gefällt.


    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Offenheit, Ehrlichkeit und Wertschätzung ... und wünsche Ihnen ud Ihrer Familie alles Gute!

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