Angst vor dem Einschlafen

  • Hallo,


    unsere Tochter ist 3 Jahre alt und geht in die Kita. Seit ca. Nov / Dez 15 haben wir das Problem, dass Sie nicht mehr alleine einschlafen will und ständig Angst hat. Unser Abend sieht normal wie folgt aus: Abendbrot essen, waschen / Zähneputzen im Bad, Schlafanzug anziehen. Dann bringe ich unseren Sohn (19 Monate alt) ins Bett (Ca. 18:00 / 18:30). Die beiden Kindern schlafen zusammen in einen Zimmer. Was ich noch dazu sagen muss, bevor das alles angefangen hat, haben wir Sie ins Bett gebracht und Sie durfte auf Ihren iPad Ihre Lieblingssendung angucken und ist dabei eingeschlafen. Aber dann fing es an, dass Sie immer mehrmals aus Ihren Bett kam und Angst hatte. Daher haben wir Ihr dann das iPad nicht mehr zum einschlafen gegeben, da wir dachten es sei vielleicht zu viel Input am Abend und Sie hat von der Sendung Angst. Haben es dann mit Hörspiel oder Musik probiert. Hat auch ein paar Tage geklappt, aber auch da kam Sie dann immer wieder raus und hatte Angst. Wir haben auch Ihr Bücher vorgelesen, aber wenn das Buch bzw. die Geschichte zu ende war und Sie schlafen sollte, hat Sie immer angefangen zu weinen und wir sollen im Zimmer bleiben. Wir haben auch das Zimmer umgeräumt, so wie Sie es wollte, damit Sie sich sicher fühlt. Hat auch nicht geholfen. Wenn Sie in Ihren eigenen Zimmer schlafen soll, da Sie öfters unseren Sohn wieder wach gemacht hat, schreit Sie das ganze Haus zusammen, dass Sie bei Ihren Bruder schlafen will. Haben es auch probiert, dass wir die Kinder zur gleichen Uhrzeit hinlegen, dann kommt der kleine aber nicht zur Ruhe, da Sie nur Quatsch machen und Angst vor dem einschlafen hat Sie dann auch. Wir haben Ihr Kuscheltiere gegeben oder auch ein T-Shirt von mir, damit es Sie beschützt. Hilft aber auch nicht weiter. Wir haben auch Ihr Bett bei uns ins Schlafzimmer getan, dann will Sie aber nicht alleine bleiben. Sie hat auch zwei Tage mal in Ihren Zelt im eigenen Zimmer geschlafen, da ging es auch mit Musik alleine einzuschlafen, aber ist ja auch keine Lösung für immer, da keine richtige Matratze drin liegt.


    Aktuell darf Sie dann noch den Sandmann gucken und wir kuscheln auf der Couch, also es ist alles etwas ruhiger. Wenn wir Sie dann hinlegen (gegen 19 Uhr), sagt Sie gleich Sie hat Angst und wir sollen noch mit im Zimmer bleiben. Wenn wir raus gehen würden, dann fängt Sie gleich an zu weinen und sagt immer Sie hat Angst (vor Gespenster oder Hexen...). Also bleiben wir jetzt solange drin, bis Sie eingeschlafen ist, was dann zwischen 20:30 und 21:00 Uhr ist. Sie kommt dann aber min. zweimal die Nacht zu mir ans Bett, dass Sie Angst hat. Wir bringen Sie dann wieder zu Ihr ins Bett und bleiben drin bis Sie wieder schläft oder wenn ich einfach zu kaputt bin, lass ich sie mit in unserem Bett schlafen. Wir wissen einfach nicht, wie wir Ihr diese Angst nehmen können bzw. das Sie wieder alleine einschlafen kann. Ich habe aktuell schon starke Rückenschmerzen, da ich mich immer vor das Bett auf den Boden lege.


    Es geht auch jetzt soweit, dass Sie tagsüber vor allen Möglichkeiten Angst bekommt. Sei es Tiere (Ente, Tauben, Katzen, Hunde und so weiter) oder vor lauten Geräuschen. Wir haben auch schon die Ärztin gefragt. Sie meinte aber nur, dass sei in dem Alter normal, da es das Phantasiealter wäre. Das kann auch gut möglich sein, aber ich finde es wird immer schlimmer mit der Angst und wir wissen nicht woher es kommt. In der Kita sei Sie ganz normal, ohne Ängste.


    Über Tipps was wir, vor allem Abends beim zum Bett gehen, besser machen können sehr dankbar.

  • Nein leider nicht. Uns ist nicht bewusst, dass es irgendein zwischen Fall gab. Es fing ja wie gesagt Nov / Dez an. Wir können nur sage, dass es seit Silvester schlimmer geworden ist. Also vor den Feuerwerk hatte sie sehr große Angst und hat am ganzen Körper gezittert.

  • Hallo, unsere Kleine ist auch gerade 3 geworden und prägt eine blühende Fantasie aus, auch das immer so tolle Durchschlafen war dahin. Ich habe sie nachts einfach mal gefragt, was genau jetzt los ist und ob bzw. wovor sie Anhst hat. Die Antwort: Da ist ein Monster im Schrank. Ich habe mit ihr vorsichtig nachgeschaut und gebeten es zu zeigen. An der Stelle, auf die sie zeigte haben wir dann nachts eine große (Phantasie-)Monsteraustreibeaktion gemacht, ich hab's weit aus dem Fenster geworfen, wobei es sich so schwer verletzt hat, dass aus Angst nicht mehr zurück wollte (das Monster natürlich!).


    Dann ging es wieder eine ganze Weile gut, bis wir mal einen angeblichen Wolf im Kinderzimmer hatten. Das Buch dazu haben wir entsorgt und den Wolf haben wir nachts ins Auto gesperrt mit dem er dann ganz, ganz weit weg fuhr.


    Letzte Woche dann wollte sie nicht mehr auf Toilette gehen, weil dort ein neues Monster an dem Toilettenpapierhalter wartete. Sie hat es mir völlig überzeugt gezeigt. Daraufhin haben wir es mit Toiletten Papier eingewickelt und weggespült. Seitdem ist alles gut, keine Wölfe, keine Monster und ein glückliches Kind.

  • Hallo mama-mm,


    ich finde die Tipps und Ideen von Pfiffi_k großartig und denke, dass es eine sinnvolle Idee ist, einfach mitzuspielen.
    Zusätzlich könnten Sie auch noch mit einem Nachtlicht oder einer Salzkristalllampe die Dunkelheit etwas bannen, das kann auch schon sehr viel ausmachen und Ängste zumindest lindern.


    Ebenso überlegenswert wäre es, mit Ihrer Tochter öfter eine Traumreise/ Fantasiereise zu machen, die sie auf positive Gedanken bringt und auf diese Weise beruhigend und stärkend wirkt. Traumreisen können Sie entweder selbst vorlesen oder es gibt sie auch auf CD zum Abspielen. So würden Sie die blühende Fantasie Ihrer Tochter, die ja eigentlich etwas ganz Wunderbares ist, kanalisieren und von den ganzen Horrorfantasien (etwas) weglenken.
    Auch Schutzengel können sehr hilfreiche Wesen sein, um Ängste zu reduzieren. Vielleicht wäre das ja auch ein schöner und wohltuender Gedanke für Ihre Tochter, dass sie einen Schutzengel hat, der jede Nacht bei ihr am Bett sitzt, auch wenn die Mama schon schläft und auf sie aufpasst und alle Monster vertreibt?!


    Ich wünsche Ihnen alles alles Gute!
    Klara

  • Sehr geehrte Mama-mm,


    als erstes möchte Ihnen sagen, dass die Kinderärztin recht hat, und Sie sich keine Sorgen machen müssen, und dass sich bei Ihrer Tochter keine Störung entwickelt, dass diese Ängste tatsächlich altersadäquat sind. Es hört sich auch nicht nach einem Nachtschreck (Pavor Nocturnus) an. Nun möchte ich mich hierfür entschuldigen, da ich genau weiß, dass diese Erklärung Sie weder beruhigt noch Ihnen helfen kann.


    Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie anstrengend Ihre Nächte und auf sie folgend Ihre Tage sind, und vor allem kann ich nachvollziehen, dass Sie sich durch verharmlosende Erklärungen („…Sie meinte aber nur, dass sei in dem Alter normal, da es das Phantasiealter wäre. Das kann auch gut möglich sein, aber ich finde es…“) nicht ernst genommen fühlen.


    Die Ängste, die Kinder in diesem Alter erleben, sind, von der Warte der Kinder betrachtet, starke Ängste die bis hin zu existenziellen Ängsten werden können. Deshalb finde ich es sehr gut, wie Sie darauf reagiert haben, Ihre Tochter ernst genommen haben und nicht den Weg eingeschlagen haben, den einige Verhaltenspsychologisch orientierte Pädagogen oder Psychologen empfehlen, wenn sie dazu raten das Kind eine Weile alleine im Zimmer zu lassen.


    Ich werde Ihnen im Weiteren einige Handlungsmöglichkeiten aufzeichnen, die Sie zusätzlich oder alternativ zu den bereits vorhandenen einsetzen. Wenn Sie bei dem Einen oder Anderen das Gefühl haben, es passt weder zu Ihnen noch zu Ihrer Tochter, ignorieren sie es einfach:


    • Es wäre erstrebenswert, wenn Sie sich die Nachtbetreuung mit Ihrem Partner teilen könnten. Es geht nicht nur darum, dass geteiltes Leid halbes Leid ist, sondern tatsächlich darum, dass sich Ihre Belastung miniminiert. Ihre Tochter erlebt Ihre Belastungssituation und schreibt sich selbst die Schuld zu. Dadurch entsteht bei ihr ein schlechtes Gefühl bis hin zu einem schlechten Gewissen. Diese negativen Gefühle überfordern das dreijährige Kind. Es versucht, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, ihre Angst zu unterdrücken, und entwickelt unter Umständen eine Angst vor der Angst, wodurch die Angst verstärkt wird. Wenn Sie die Belastungssituationen teilen und alternativ eine Nacht durchschlafen, erlebt Ihre Tochter ein Stück mehr Gelassenheit bei Ihnen, was sich auf sie übertragen kann.
    • Sagen Sie Ihrer Tochter, dass es in Ordnung ist, dass sie Angst hat, und dass Sie für Sie da sind. Thematisieren Sie aber bitte die Angst und deren Ursachen nicht mehr mit ihr. Eines der größten Probleme von Eltern und Pädagogen besteht darin, dass ihnen irgendwann eingetrichtert worden ist, dass über alles mit den Kindern geredet werden muss. Dem ist definitiv nicht so. Je mehr Sie die Angst thematisieren, desto mehr wird sich diese verfestigen und ein Eigenleben mit einer Eigendynamik erhalten. Hören Sie genau zu, was Ihnen Ihre Tochter erzählt, wovor sie Angst hat, was Sie erschreckt und beschäftigt aber diskutieren Sie nicht mit ihr darüber. Das Zuhören ist elementar, da Ihre Tochter über ihre Kommunikation ihre Emotionen verarbeitet. Während Ihre Tochter erzählt, versuchen Sie Blickkontakt zu halten, ohne mit einem erschreckten Blick die Situation noch mehr zu dramatisieren. Optimal wäre es, wenn Sie währenddessen die Hände Ihrer Tochter auf Ihren Handflächen liegen, und Sie diese halten. Wenn Ihre Tochter ihre Erzählungen beendet, nehmen Sie sie in den Arm und sagen ihr, dass Sie sie lieb haben, und dass Sie für sie da sind, sich um sie kümmern…
    • Fragen Sie sie bitte demnächst in einer unbelasteten Situation, welches ihr Lieblingstier, von den stärksten Tieren, die sie kennt, ist. Kaufen Sie ihr dieses Tier dann als Kuscheltier. Geben Sie dem Tier einen Namen. Nehmen Sie bitte alle anderen Kuscheltiere (außer das wichtigste für Ihre Tochter) aus dem Bett, und platzieren Sie das neue Kuscheltier neben ihrem Kissen. Sagen Sie dann bitte Ihrer Tochter: „das ist…, er wird ab heute auf dich aufpassen!“, dann drehen Sie sich zu dem Kuscheltier, sprechen es mit Namen an, stellen ihm ihre Tochter vor und erteilen ihm den Auftrag von nun an jeden Abend auf Ihrer Tochter aufzupassen. Nach jedem Gute-Nacht-Ritual wird das Kuscheltier namentlich angesprochen und der Auftrag, auf ihre Tochter, welche Sie hier auch namentlich erwähnen, wird erneut ausgesprochen. Nach der Beruhigung, die ich in Punkt 2 beschrieben habe, bringen Sie Ihre Tochter ins Bett, und wecken das Kuscheltier mit Namen auf und fragen es warum es zugelassen hat, dass… (hier widerholen Sie in knappen Worten, was Ihre Tochter Ihnen erzählt hat) und erinnern es erneut an seinem Auftrag.
    • Wenn Sie Ihre Tochter ins Bett bringen und dem Kuscheltier den Auftrag geben, verabschieden Sie sich aus dem Zimmer, und sagen Ihrer Tochter, dass Sie zwar aus dem Zimmer gehen, aber trotzdem aufpassen und zwischendurch immer wieder reinkommen werden um zu sehen ob alles in Ordnung ist. Die Zimmertür würde ich generell offen lassen, dadurch fällt ein leichter Lichtstrahl ins Zimmer, das Kind hört Ihre Stimmen und Sie können fast geräuschlos ins Zimmer gehen. Die ersten Tage gehen Sie alle 30 bis 90 Sekunden wieder ins Zimmer, schauen Ihre Tochter liebevoll an und gehen wieder. Mit der Zeit verlängern Sie die Abstände in denen Sie ins Zimmer gehen. Hierbei geht es darum, dass Ihre Tochter erlebt, dass es nach jedem Gehen ein Wiederkommen, nach jedem Verlassen werden eine Wiedervereinigung gibt. Dieser Prozess ist ein wichtiger, und wird Desensibilisierung genannt und hilft dem Kind dabei sich erneut an etwas zu gewöhnen, er hilft dabei, dem Kind zu zeigen, dass die beängstigenden Situationen keine sind. Das Kind lernt daraus des Weiteren, dass Sie da sind und auf sie aufpassen, ohne dass sie diesen Schutz einfordert. Und zu guter Letzt lernt es, dass diese Ängste, für Sie als Eltern, keine Belastung sind.


    Wenn Sie nun einwenden wie anstrengend das ist werde ich Ihnen zustimmen und Sie daran erinnern, dass ich Ihnen auch empfehle sich mit Ihrem Partner bei allem abzuwechseln, damit Sie nach der Anstrengenden Nacht, eine erholsame haben.


    Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Geduld in dieser schwierigen und harten Phase, bin aber der Überzeugung, dass Sie es überwinden können, weil Sie das wichtigste, was Sie dazu benötigen, haben: die Liebe zu Ihrer Tochter.


    Wenn Sie weitere Fragen haben, scheuen Sie sich nicht davor diese zu stellen.

  • Vielen Dank für die Antworten. Mein Mann und ich teilen uns Abends bereits die "Arbeit". Werde es aber gerne mal mit den Kuscheltier ausprobieren. Mittlerweile schläft sie auch wieder besser durch.


    Abgesehen von Abends. Wie kann man sich dem Kind gegenüber verhalten, wenn Sie tagsüber von alltäglichen Sachen Angst hat, was vorher nicht der Fall war, z.b. Föhn, Enten, Hunde, Katzen, Trockner usw?

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