Eifersucht oder einfach nur das Alter?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Eifersucht oder einfach nur das Alter?

      Hallo Zusammen,
      ich muß mir heute mal meine Sorgen von der Seele schreiben und hoffe, es gibt ein paar hilfreiche Tipps, aus der eingefahrenen Situation wieder heraus zu kommen... ;(
      Wir haben zwei wundervolle Jungs, der Grosse ist kuerzlich vier Jahre alt geworden, der Kleine ist jetzt neun Monate alt.
      Ich muss vorweg sagen, dass wir den Aelteren schon waehrend der Schwangerschaft mit seinem kleineren Bruder moeglichst viel mit einbezogen haben, ihm erklaert haben, was da auf uns zu kommt,...und seit der Geburt halten wir es mit ihm genauso, damit er "immer dazu gehoert".
      Anfangs lief es auch wunderbar, Liebe auf allen Seiten, aber der Kleine ist fast staendig krank, hat wahrscheinlich eine chronische Lungenerkrankung und braucht viel Therapie (Inhalieren, z.Bsp.) und in seinem Alter natuerlich auch noch Hilfe.
      Inzwischen haben wir den Eindruck, dass dem grossen Bruder das langsam zu viel wird und er sich vernachlaessigt fuehlt. Er meint immer oefter, seine Beduerfnisse und vor allem seinen Kopf durchsetzen zu muessen und wenn er nicht gleich bekommt, was er moechte oder machen darf, was er moechte, flippt er aus und bekommt einen Tobsuchtsanfall. Dann schreit er, er weint, faengt sogar an, uns (angedeutet) zu schlagen und zu treten und laesst sich mit nichts mehr beruhigen.
      Wir waren letzt mit Freunden auf einer Grosskirmes, mein Schwager wollte mit mir eine Karussellfahrt machen, das hat dem Grossen aber nicht gepasst. Er sagte mir, dass ich nicht mitfahren soll (er durfte wegen seinem Alter noch nicht mit drauf), als ich ihm dann sagte, ich waere schnell wieder da, wuerde ihm von oben aus winken und wollte auch mal etwas Spass haben, sind ihm wieder die Sicherungen durchgebrannt. Er wollte mich aufhalten, klammerte sich an mich, weinte und steigerte sich ins Schreien herein. Da er aber sehr oft bekommt, was ER moechte, wollte ich in diesem Fall nicht wieder nachgeben und hab ihn dem Vater in die Hand gedrueckt. Habe die Fahrt angetreten. Kind hat weiter gebruellt, als wir wieder dazu kamen, beruhigte er sich immer noch nicht. Wollte nur noch "von Mama getragen werden" und alle ringsherum sahen mich entsetzt an, als wenn ich mein Kind verstossen haette.
      Das naechste Ereignis aehnlichen Ausmasses war erst vorgestern. Seine Grosstante wollte ihn bei uns abholen, um mit ihm etwas Schoenes zu unternehmen. Es fing damit an, dass ihm nicht gefiel, welchen Pulli er dafuer anziehen sollte, seine Jacke gefiel ihm ebenfalls nicht und Schuhe durften es auch nur die sein, die er ausgesucht hatte, auch wenn sie nicht zweckmaessig waren. Er warf sich auf den Boden, tobte wieder herum, schrie wie am Spiess und kein Zureden half. Ich sagte ihm dann, dass ich einfach mitfahren wuerde und er zuhause bleiben koennte und das hat ihm auch nicht gepasst. Nach viel Gebruell und Toberei hatten wir ihn richtig angezogen, brachten ihn zum Auto und da gings dann gleich weiter. Er wollte nicht einsteigen, nur "wenn Mama mit faehrt". Wieder Diskussionen spaeter war er dann doch bereit allein mit zu fahren, obwohl wir ihn schon zuhause lassen wollten, damit er bei der naechsten Einladung kein Trauma bekommt :wacko: Die Leute, die vorbei spaziert kamen, sahen uns an, als ob wir ihn verpruegelt haetten, weil er so geschrien hatte, obwohl das bei uns absolut kein Thema ist und er solche "Unarten" nur aus der KiTa mit nach Hause bringt. Die Kids muessen sich ja dort lernen durchzusetzen, auch wenn das fuer uns nicht der richtige Weg ist. :thumbdown:
      Eben wieder kam er von einem Besuch bei Oma zurueck. Hat mit ihr geplant, heute Nachmittag ein Fest zu besuchen. Wollte keinen Mittagsschlaf machen, obwohl er uebers Essen schon eingeschlafen war. Nach einer halben Stunde Konversationskampf bekam ich ihn zu mir ins Bett und jetzt schlaeft er friedlich. Sein Papa hatte ihm schon das Fest gestrichen aufgrund seines Benehmens.
      Das sind nur ein paar Beispiele, wie es jetzt seit ca. drei Wochen hier bei uns zuhause abgeht. Und wir fragen uns, was haben wir falsch gemacht, gehoert diese extreme Trotzphase zu seinem Alter, seiner Entwicklung? Versucht er dadurch, aus Eifersucht ueber den kleinen Bruder, unsre ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen ?( ?(
      Wir sind so ratlos, wie wir diese Situationen "entschaerfen" koennen, was wir tun sollen, damit er nicht immer wieder so ausflippt...
      und hoffen und wuenschen uns sehr, dass uns jemand weiter helfen und uns wieder aufbauen kann!
      Herzlichen Dank!!! :/
    • Hallo Hashomy,

      vielen Dank für Ihre ausführlichen Worte. Sie erleben ja in der Tat sehr bewegte Zeiten. Schön finde ich, wie Sie Ihren älteren Sohn von Anfang an mit einbezogen haben, wie Sie es ja auch ausführlich beschreiben. Dies war sicherlich eine große Hilfe für ihn, sich auf die neue Situation, einen kleinen Bruder zu bekommen, einzustellen und auch, mit dieser Situation umzugehen.
      Vermutlich haben Sie Recht, denn warum sollte Ihr Gefühl Sie trügen, dass es dem "Großen" nun leider doch etwas zu viel wird. Sie schreiben ja, dass das Baby krank ist und dementsprechend mehr Pflege und auch Aufmerksamkeit braucht der Kleine. Das wirkt nicht nur belastend auf Sie, sondern das spürt auch Ihr älterer Sohn.

      Ihr älterer Sohn scheint zudem sehr auf Sie als Mutter fixiert zu sein, vielleicht auch gerade deswegen, und versucht in den verschiedensten Situationen, Ihre Aufmerksamkeit zu erhalten. Ich vermute, dass sich dieses Vernachlässigtfühlen momentan vermischt mit der so genannten "Trotzphase", die ja eigentlich keine Phase des Trotzes, sondern ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt des Kindes ist, weil es wahrnimmt und entdeckt, dass es selbstständiger wird und es beginnt, eine eigene Meinung zu entwickeln, die es auch durchsetzen möchte. Sicherlich ist es nicht sinnvoll, dass alles nun genau so läuft, wie Ihr Sohn das momentan will, denn er muss schließlich auch eine gewisse Frustrationstoleranz entwickeln.
      Vielleicht ist es aber in der aktuellen Situation gut, wenn Ihr Sohn viel Zeit mit Ihnen als Mutter verbringen darf und Ausflüge mit Omas und Tanten finden entweder gemeinsam oder bis auf weiteres nicht mehr statt, bis sich die Lage wieder mehr beruhigt hat?! Werfen Sie Ihrem Sohn aber nicht vor, dass es keine alleinigen Ausflüge mehr mit Oma oder Tante gibt, weil er sich so daneben benommen hat. Offenbar sind Sie ihm als Mama gerade so wichtig und er braucht sie einfach. Die Verlustangst, das Sich-vernachlässigt-fühlen, unter dem Ihr Sohn offenbar sehr leidet scheint mir im Moment oberste Priorität zu haben.

      Vielleicht hilft Ihnen auch dieser Beitrag zum Thema weiter:
      Trotzphase - Hilfe, ist das mein Kind? - Kleinkind

      Ich wünsche Ihnen alles Gute!
      Klara

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Klara ()

    • Liebe Klara,
      danke für Ihre mutmachenden und aufbauenden Worte!
      Ich war gestern durch unsren Großen so fertig - nach dem benannten Mittagsschlaf ging das Drama mit dem Jungen nämlich munter weiter - daß ich zu guter Letzt in Tränen ausgebrochen bin. Ich bin selbst chronisch krank und habe Hormonstoerungen, die natürlich auch die Empfindlichkeitsgrenze beeinflussen.
      Eigentlich hatte ich vor, das niemals in solchen Situationen meine Jungs sehen zu lassen, meine Hilflosigkeit, meine Überforderung, da wieder heraus zu kommen. Diese Schwäche wollte ich sie nicht spüren lassen, aber irgendwann bin auch ich am Ende und kann nicht mehr.
      Das hat den Großen sehr irritiert, er kam gleich zu mir gelaufen, hat mich in den Arm genommen, mitgeweint und dabei dauernd gerufen: "Mama, Du sollst nicht weinen, bitte nicht weinen,..." Ich hab ihm dann erklärt, daß ich sehr traurig bin, weil ich die Jungs beide sehr liebe und wir uns plötzlich nicht mehr so gut verstehen und ich nicht weiß, warum das so ist.
      Ich habe absichtlich keinen Vorwurf darüber an ihn ausgesprochen, dann hätte er sich ja erst recht schlecht gefühlt. Habe ihm vorgeschlagen, daß wir zusammen überlegen, wie wir das wieder ändern können.
      Ich hatte mir, während er mittags schlief, überlegt, weil ja Wochenende war und er nachmittags mit Opa auf ein Konzert wollte, die Gelegenheit zu nutzen, den kleinen Bruder beim Papa zu lassen und ihn dorthin zu begleiten, damit wir einmal allein was zusammen gemacht hätten. Da hat er sich aber heftig gegen gewehrt. Bei den Großeltern darf er sich ja auch mehr erlauben als bei uns. Ich denke, deswegen wollte er mich nicht dabei haben. Ich war aber zu fertig einerseits ihn "zu bestrafen" und ihn nicht dorthin zu lassen, andererseits war ich dermaßen wütend, daß ich auch nur noch Abstand von ihm brauchte.
      Die Situation belastet mich seelisch momentan sehr stark, ich hoffe, ich behalte meine Nerven, diese Phase durchzustehen.
      Kann man in etwa abschätzen, wie lang sie dauern wird??
      Danke, Hashomy
    • Hallo Hashomy,

      vielen Dank für Ihr Feedback und vor allem für Ihre Offenheit. Ich kann gut verstehen, dass Sie nicht wollten, dass Ihr "Großer" Sie je so sieht, in Tränen und sich schwach fühlend. Andererseits hat es vielleicht auch einfach so kommen müssen.... Ich denke ja, dass nichts ohne Grund geschieht. Ihre Gefühle, die Sie gezeigt haben, haben ja auch ganz offensichtlich eine Reaktion bei Ihrem Sohn ausgelöst, was sicherlich nichts Negatives war/ is, im Gegenteil. Ihr Sohn muss wie jedes Kind lernen, dass das eigene Verhalten auch Auswirkungen auf andere hat und dass man mitunter andere Menschen auch verletzen oder traurig machen kann oder auch wütend oder oder. Genau diese Lektion haben Sie ihm gezeigt und das ist doch etwas Kostbares und Wichtiges, auch wenn Sie selbst sich vermutlich momentan ganz anders damit fühlen.
      Ich finde es auch schön, dass Sie ihm anbieten wollten, ihn zum Opa zu begleiten. Seien Sie nicht enttäuscht, dass er das abgelehnt hat.
      Ich denke nach wie vor, dass Ihr Sohn unter der Situation mit dem kleinen Bruder, der viel Aufmerksamkeit braucht, leidet und dass es ihm schwer fällt, damit zurecht zu kommen. Und ich vermute auch nach wie vor, dass er sich gleichzeitig in der "Trotzphase" befindet, deren Namen sehr unglücklich gewählt ist, wie ich finde, denn Ihr Sohn entdeckt wie gesagt seinen eigenen Willen, seine eigene Meinung, sich selbst als Individuum und Persönlichkeit und das ist doch etwas unglaublich Wichtiges und Wertvolles, auch wenn dieses Entdecken bei Kindern ziemlich holprig und turbulent abläuft.
      Wie lange diese Phase dauert, kann ich Ihnen nicht sagen. Sie dauert einfach so lange, bis dieser Entwicklungsschritt abgeschlossen ist. ^^

      Ich wünsche Ihnen alles alles Gute, bleiben Sie liebevoll, verständnisvoll und authentisch und ich wünsche Ihnen gleichzeitig die Kraft und den Mut, klar zu sein und gegebenenfalls auch Grenzen zu setzen.
      Klara