Erpressen, bestrafen oder doch frei Erziehen? Wie frei?

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    • Erpressen, bestrafen oder doch frei Erziehen? Wie frei?

      Hallo Zusammen,



      ich komme aus Osteuropa und wurde relativ streng erzogen auch mit Schlägen („alte Schule“, wie man es schön sagt) . Das möchte ich auf keinen Fall bei meiner 5 Jährigen Tochter praktizieren.



      Ich möchte nicht sehr streng sein aber auch nicht alles gefallen lassen. Manchmal bin ich verzweifelt, wie ich in manchen Fällen reagieren soll. Zum Beispiel Zähneputzen gehen, Schlafanzug anziehen, zum Essen kommen und und und… Zuerst hören wir von ihr „Nein“

      Mein Mann und ich versuchen sie mental vorzubereiten, und sagen „in 5 Min ist es soweit“, „mache es zu Ende, dann geht es los“ aber es klappt nicht. Ich kommuniziere mit meiner Tochter sehr viel und versuche ihr es zu erklären, warum manche Sachen wichtig sind. Manchmal muss es einfach sein.



      Ich ertappe mich, dass ich sie sehr schnell erpresse – wenn sie etwas nicht macht, dann gibt es ein Verzicht. Zum Beispiel wenn wir jetzt nicht mit Abendprogramm anfangen, gibt es kein Buch zum Vorlesen. Ob es wirklich gut ist, weiß ich nicht. Ist es gut „wenn…, dann…“ Funktion bei der Erziehung zu benutzen?



      Ich habe gestern einen Kalender mit Wolke und Sonne gebastelt. Ist es ratsam, es zu nutzen oder geht es eher nach Hinten?Wie viel Freiheit sollte man dem Kind geben?



      Liebe Grüße

      Iryna
    • Hallo!

      Du bist eine tolle Mama, die sich viele Gedanken macht, die Erziehung in der eigenen Kindheit reflektiert und scheinbar einen ganz guten Riecher hat - das ist gut! :)

      Was mir aufgefallen ist: Du redest und erklärst sehr viel. Das ist grundsätzlich gut, bei manchen Dingen aber tatsächlich nicht angezeigt (vor allem in den jungen Jahren). Nämlich dort, wo es keine Alternativen gibt (Zähneputzen, rechtzeitig fertigwerden etc.). Hier sind kurze, präzise Ansagen: "Wir putzen jetzt Zähne" sinnvoller...

      Die Zeitangaben ("noch 5 Minuten") wären für ein älteres Kind sinnvoll, deines ist da aber noch zu jung. Einen solchen Zeitbegriff hat man mit 5 Jahren nicht, dass es Sinn macht, das in dieser Weise anzukündigen. Sinnvoller wäre es, das Ganze mit Tätigkeiten zu koppeln, um eine Orientierung für das Kind zu schaffen ("Wenn du das Hörspiel fertig gehört hast, gehen wir Zähneputzen!").

      Wenn die Gute-Nacht-Geschichte nicht gelesen werden kann, weil die Abendroutine durch Trödeln zu lange gedauert hat, ist das eine logische und sinnvolle Konsequenz --> passend! Anders wäre es zB wenn du dann als Konsequenz am nächsten Tag die Lieblingssüßigkeit verbietest --> keine logische Konsequenz. Unlogische Konsequenzen sind zu meiden. Logische Konsequenzen machen Sinn! :)

      (Über solche "Gut-Punkt-Listen" wird immer wieder eifrig diskutiert und die polarisieren sehr. Ich kann dir nur sagen: Bei meiner sehr willensstarken Tochter haben die super funktioniert! ;) Ich persönlich befürworte sie daher! :))
    • Hey Dani,



      danke dir für liebevolle Wörter! Das motiviert



      Man möchte ja nichts falsch machen. Mein Bedenken ist nach wie vor dieses Erpressen ☹, was als sehr schnelle Lösung erscheint. Ob das wirklich eine Gute Idee ist…bin ich mir nicht sicher.



      Du hast Recht, dass das Kind mit 5 noch nicht richtig das Zeitgefühl hat. Wenn ich sie nicht vorbereite und nicht sage, wir machen gleich (nach einer Tätigkeit, wie du sagst) ein Abendprogramm, sondern sage: „jetzt gehen wir Schlafanzug anziehen und Zähne putzen“, kommt direkt ein „Nein“. Ich bin eher dafür, dass man öfter das Wort „Ja“ benutzt, deswegen möchte ich selber sie nicht dazu führen, direkt ins negative zu bringen… Ach es ist nicht einfach. Ich muss es noch lernen.



      Das Thema Essen, gehört auch dazu. Etwas neues zu probieren ist auch ein Problem. „Wenn du nicht aufisst , dann bekommst du … nicht“.

      Ich weiß ehelich gesagt nicht, ob ich das Kind dazu zwingen soll, etwas zu machen oder frei entscheiden lassen. Ob es ums Essen geht oder aber auch neue Kurse, wie Tanzen, Musik oder sonst. Sie traut sich nie richtig, wenn es neu und unbekannt ist.



      Nachdem ich das Geld für Schwimmkurs bezahlt habe (es ist nicht einfach ein Platz zu bekommen), hat Sophia den Lehrer (ein Mann) gesehen und wollte nicht zum Unterricht gehen. Ich war sogar mit ihr im Wasser, trotzdem wollte sie nicht. Sie sagte nur, dass das Wasser kalt ist, obwohl wenn wir zusammen schwimmen, hat sie kein Problem damit.



      Was ich definitiv nicht will, das Kind zu streng zu erziehen. Ich möchte aber auch viele Möglichkeiten geben, die sie ausprobieren sollte



      LG
    • Wenn du mit "erpressen" die "Wenn-Dann"-Fälle meinst... Das hat meiner Meinung nach etwas mit Konsequenz, weniger mit Erpressen zu tun.

      "Wenn wir jetzt nicht Zähne putzen, können wir nachher kein Buch mehr lesen" --> logische Konsequenz, es geht sich eben nicht aus!

      "Erpressen" wäre eher so in Richtung: "Wenn du jetzt dein Zimmer aufräumst, dann darfst du eine halbe Stunde Fernsehen." Keine ideale Erziehungsmethode, aber der Zweck heiligt sehr wohl manchmal die Mittel (und schon die Nerven). Man sollte - wie überall im Leben - Maß und Ziel im Blick haben! :)

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      Ich würde sehr deutlich zwischen "absoluten Notwendigkeiten" (Zähneputzen, in den Kindergarten gehen etc.) und "hier darf sich Kind ausprobieren" unterscheiden. Ich finde es zB nicht notwendig, dass ein Kind in dem Alter seinen Teller leer isst, es soll Essen nicht als Zwang erleben (die wenigsten kleinen Kinder sind übrigens sehr experimentierfreudig beim Essen ;)). So wie du es richtig schreibst: Kinder sollen sich ausprobieren dürfen! :)