Sohn wird ständig von anderem Kind angegangen

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    • Sohn wird ständig von anderem Kind angegangen

      Hallo zusammen,

      wir erleben momentan im Kiga eine Situation, welche uns etwas ratlos macht. Vielleicht finde ich hier ja nich Tipps, was wir da tun können.

      Und zwar geht es um unseren Sohn (fast 4) und unseren Nachbarsjungen, der ein Jahr älter ist Beide gehen in die selbe Kigagruppe.

      Seit gut einem halben Jahr ist nun irgendwie der Wurm bei den beiden drin.
      Es begann irgendwann damit, dass unser Nachbarsjunge anfing unseren Sohn zu beschimpfen, wenn er ihn einfach nur sah. Also wenn wir uns z.B auf der Straße trafen grüßten wir alle und es begann direkt ein üble Beschimpfung in Richtung unseres Sohnes.

      Da die beiden privat so gut wie keinen Kontakt haben, gingen wir (seine Eltern und wir) davon aus, dass es evtl im Kiga zu Streitigkeiten kam, wobei keiner der Jungs da eine Antwort drauf geben konnte oder wollte. Im Kiga wurde uns von keinem besonderen Vorfall berichtet.

      Irgendwie dachten alle, dass es eine Phase wäre und sich die Sache von alleine erledigen würde.
      Jetzt ist gut ein halbes Jahr rum und die Situation ist anstatt besser eher schlimmer geworden. Inzwischen ist es fast an der Tagesordnung, dass unser Nachbarsjunge völlig aus dem Nichts heraus zu unserem Sohn ankommt und ihn provozieren oder hauen möchte. Oft z.B beim Anziehen an der Garderobe, wenn er zufällig gerade vorbei läuft und uns sieht. Unser Sohn bekommt dann recht flott Angst und versteckt sich hinter mir.

      Ich bremse den Jungen natürlich in einem Vorhaben indem ich ihn auf Abstand halte und ihn ermahnen. Wenn seine Mutter oder eine Erzieherin gerade in der Nähe sind, wird er von diesen auch zurecht gewiesen. Allerdings scheint ihn das null zu interessieren. Seit neustem geht er nun schon eine Schritt weiter und versucht unsere Tochter (2 J. ) oder mich in einem unbeobachteten Augenblick zu hauen bzw zu beschimpfen.

      Alle ermahnenden Wore bringen nichts. Seine Mutter ist auch ratlos und weiß nicht warum er bei uns so ein Verhalten an den Tag legt.

      So langsam nervt es halt schon aber keiner weiß so recht, was am besten tun.
      Aufgrund des Verhaltens hat unser Sohn den Kontakt nun schon länger vermieden, wir sind aber am überlegen, ob es nicht Sinn macht unseren Nachbarsjungen mal zum Spielen einzuladen, so dass die beiden sich mal näher miteinander befassen können/ müssen oder wir Eltern evtl besser verstehen, warum die Situation sich so festgefahren hat. Unser Sohn wäre mit einem Treffen einverstanden.

      Meint ihr, dass ein Treffen die Situation evtl klären könnte oder besteht die Gefahr alles noch zu verschlimmern? Wir Eltern verstehen uns ganz gut miteinander.

      Oder gibt es noch Ideen, was wir tun können, damit sich das Ganze wieder etwas beruhigt. Wir erwarten nicht, dass die beiden beste Freunde werden, aber zumindest wieder einen vernünftigen Umgang miteinander finden.

      Liebe Grüße und sorry für den langen Text.
    • Hallo! :)

      Was mir sofort ins Auge gestochen ist: Der Junge versucht in einem unbeobachteten Moment DICH zu hauen...

      Das ist extrem untypisch. So kleine Kinder werden normalerweise Erwachsenen gegenüber dann handgreiflich, wenn ein Näheverhältnis besteht. Dass ein 4-/5-jähriges Kind auf eine quasi fremde Nachbarin/Kindergarten-Mama hinhaut, ist auffällig...

      Das Verhalten deinem Kind gegenüber ist ungut und nervig, im Prinzip aber in dieser Altersklasse nicht ungewöhnlich. Hier spielen Neid, Aggression, Kräftemessen oder Antipathie hinein, gepaart mit der Tatsache, dass die Affektregulation noch im Entstehen ist. Im Kindergarten- und frühen Grundschulalter regeln Kinder sehr, sehr vieles (noch) mit Fäusten/Schimpfen.

      Du kannst dein eigenes Kind in der Situation lediglich schützen, indem du es aus der Schusslinie nimmst und die Erzieher/Mutter eindringlich darauf aufmerksam machst, das "Angreifer-Kind" (soll nicht negativ klingen!) sehr gut im Blick zu behalten. Das Verhalten des anderen Kindes aufzufangen, zu spiegeln und dem Kind Regulationsmechanismen zu zeigen, ist Aufgabe der Eltern und der Erzieher. Deren Aufgabe ist es gleichzeitig aber auch, andere Kinder zu schützen (hauen ist schon unangenehm, aber Bisse zB können schnell böse enden).

      Zu deiner Idee mit einem gemeinsamen Treffen: Im Prinzip finde ich es ganz toll, dass du an einer Lösung interessiert bist und hier auch mitwirkst. So etwas (gemeinsames schönes Erlebnis/zusammenfinden) kann tatsächlich helfen, muss aber nicht... Im Prinzip ist das eine sehr individuelle Entscheidung, ob ihr ein solches Treffen wagen wollt. Ich möchte aber unbedingt zwei Punkte zu bedenken geben:

      1. Dein Kind ist viel zu jung, um die Konsequenz eines solchen Treffens wirklich zu verstehen. Von "für ihn ist es okay, ich habe ihn gefragt" musst du Abstand nehmen. Er hat vielleicht "ja" gesagt, kann diese Entscheidung aber letztendlich nicht wirklich treffen. DU musst entscheiden, ob solch ein Treffen gut und gewinnbringend für dein Kind (! nicht für das andere!) sein kann. So eine Entscheidung würde ich dem Kind frühestens mit sieben, acht Jahren selbst überlassen.

      2. Auf keinen Fall zu euch einladen. Das ist der sichere, geschützte Rahmen deines Kindes. Wenn es dort beschimpft, geschlagen etc. werden sollte, kann das schlimm wirken. Wenn ein gemeinsames Treffen stattfindet, dann unbedingt an einem neutralen Ort (Spielplatz,...), der jederzeit von allen Beteiligten gut verlassen werden kann! :)

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      Viel Text jetzt auch von mir, aber: Was meinst du dazu? :)


      (Und toll, dass es so großartige, reflektiere Eltern wie dich gibt, die das "andere" Kind nicht automatisch in die "Täter-Position" drängen, sondern an einer guten Lösung interessiert sind! :))
    • Hallo Dani,

      vielen Dank für die schnelle und ausführliche Rückmeldung!
      Es waren einige Punkte dabei, die mir gut geholfen haben die Situation etwas besser zu verstehen. Der Hinweis mit dem Treffen an einem neutralen Ort werde ich mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen.

      Was das Hauen gegen mich angeht, hatte ich die Vermutung, dass es evtl daher rühren kann, da ich ihn ja quasi immer davon abhalten will gegen unseren Sohn anzugehen und wir halt zusammen gehören ( so als Frustreaktion oder in der Art: Mein Sohn ist doof und deshalb auch seine Familie ‍)
      Was würdest du mir denn raten, wie ich in solch einer Situation am besten reagieren oder mich verhalten soll, wenn das Verhalten ja doch wohl eher untypisch ist.
      Dieses Verhalten hat sich auch erst im Verlauf entwickelt. Er war früher immer sehr freundlich zu uns, wenn wir uns über den Weg gelaufen sind, deshalb meine Annahme über die Änderung seines Verhaltens.
    • Hallo!

      Freut mich, dass du etwas aus meinem Beitrag mitnehmen konntest! :)

      Deine Frage ist rasch beantwortet:

      Nachdem sich diese Situationen aufgrund des Alters des Jungen ohnehin nur abspielen werden, wenn Betreuungspersonen (Eltern etc. im privaten Bereich; Pädagogen im Kindergarten) dabei sind, würde ich diese deutlich auffordern, sich der Situation anzunehmen und gar nicht groß selbst "herumerziehen". Damit bist du auch automatisch aus der Schuss- und Einflusslinie - und dein Kind ebenfalls!

      Wenn du möchtest, kannst du auch einen kurzen Satz: "Wir möchten nicht beschimpft/gehaut werden" anbringen. Deutlich, knapp und möglichst neutral.

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      So zeigst du ihm auf jeden Fall Grenzen auf und lebst das auch deinem Sohn vor! :)