Provozieren und co

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    • Provozieren und co

      Wenn ein pupertierender 12 jähriger total uneinsichtig ist , nichts annimmt, wie kann man das ändern???


      Beispiel:

      Bitte hole mir das Handy, wir müssen gleich los!
      Kind holt es auch und legt es sehr weit oben auf die Treppe so das ich es nicht sehen kann. Also frage ich nach und er sagt das es auf der Treppe liegt.
      Er provoziert damit, weil es nicht sichtbar ist. Dann fängt er an mich an zubrüllen,das es doch dort liegt. Ich erkläre ihm, das er so provoziert, Streit macht, doch er sieht es nicht ein.
      So macht er das mit jedem und allem. Immer haben andere Schuld und er ja nichts gemacht.

      Er gibt manchmal Erwachsene freche , respektlose Antworten, spricht mit ihnen als würde er einen Schulfreund vor sich haben. Er weiß genau wie er sich zu benehmen hat und kann das auch, warum also macht er das zwischendurch immer mal wieder? So provoziert er ja wieder und die daraus folgenden Konsequenzen scheinen ihn nicht zu stören oder kommen nicht bei ihm an.

      Das geht nun schon seit einigen Jahren so. Konsequenzen werden durchgezogen , trotzdem lässt er das nicht.
      Mit ihm reden bringt nichts. Er will das nicht hören ist total uneinsichtig und hat nie Schuld. Im Gegenteil, er bockt dann nur noch mehr rum.
      Was kann ich dagegen tun oder besser gefragt, wie bekomme ich das hin, das er sein Fehlverhalten einsieht?
      MfG Gilfy :saint:
    • Hallo Gilfy,

      pubertierende Jugendliche provozieren absichtlich und ebenso unabsichtlich. Es ist wissenschaftlich gut erforscht, dass sich das Gehirn umstrukturiert während dieser Entwicklungsphase. Dieser Prozess ist erst mit etwa 25 Jahren ganz abgeschlossen.
      Da die Pubertät aber auch eine "Ablösephase" von den Eltern ist, bei der bewusst auch Distanz eingenommen wird, sich angegrenzt und aneinander "gerieben" wird, ist es nicht immer klar, ob ein Verhalten absichtlich oder unabsichtlich ist.

      Das Gehirn gleicht in der Pubertät einer Großbaustelle und deshalb sind Jugendliche oft tatsächlich nicht in der Lage, die Konsequenzen ihres Handelns abzusehen oder einzukalkulieren. Sie können da tatsächlich einfach nichts dafür, dass sie sich mitunter auch unlogisch verhalten. Sie vergessen auch häufig Dinge, die sie versprochen haben oder die man mit ihnen vereinbart hat. Und das geschieht ganz ohne (bösen) Vorsatz.

      Fragen Sie sich also, ob Ihr Sohn das Handy tatsächlich in voller Absicht so auf die Treppe gelegt hat, damit sie es nicht sehen können oder ob es einfach eine Auswirkung der Gehirn-Baustelle war.

      Wichtig ist, dass Sie immer wieder Grenzen setzen und klare Ich-Botschaften geben, wenn er über das "Ziel" oder eine Grenze hinausschießt. Ob er sein "Fehlverhalten" einsehen wird, kann ich Ihnen nicht versprechen. Es kann auch passieren, dass er etwas bereut und Besserung verspricht, es dann aber einfach wieder vergisst. Sie schreiben, dass er weiß, wie er sich zu benehmen hat. Das mag ja sein, aber wundern Sie sich nicht, wenn es auch Situationen gibt, in denen ihm das egal ist, weil er gerade emotional ist - und wenn es Situationen gibt, in denen er das schlicht vergessen hat und einfach emotional ist.

      Und ich denke, das Wichtigste ist, sich den eigenen Humor zu bewahren in dieser Entwicklungsphase oder ob ein In-sich-hineinschmunzeln nicht manchmal einfach die bessere Wahl ist als sich provoziert zu fühlen.

      Ich wünsche Ihnen starke Nerven, viel Kraft für Klarheit und vor allem viel Humor und Leichtigkeit.

      Alles Gute
      Klara
    • Er provoziert sehr oft mit voller Absicht! Das Handy war auf jeden Fall Absicht, denn wir mussten los zur Schule und er musste ja bis ganz rauf die Treppe laufen, um das Handy dort oben abzulegen. Also Absicht.
      Er legt immer wieder seine Füße auf den Stubentisch, vor allem wenn ihm etwas nicht passt. Also mit Absicht, er weiß ja das er dass nicht soll. Füße mit auf die Eckbank beim essen nehmen , da ist es auch so. Ich brauche ihn dann nur anschauen und er nimmt sie runter. Man merkt es schon ob Absicht oder nicht.

      Nein, einsichtig ist er leider gar nicht, egal bei was oder um was es geht, er sucht die Schuld oder das Fehlverhalten nur bei anderen , er ist nie Schuld. Das sagt er auch klar so und reagiert dementsprechend wütend , wenn man versucht ihm zu erklären , das er sich nicht korrekt verhalten hat.


      Ich muss leider auch gestehen, das ich in meinem Leben schon so viel mitmachen musste, das ich überhaupt keinen Humor mehr habe!!! Ich weiß leider auch nicht wie ich ihn zurück bekomme :|
      MfG Gilfy :saint:
    • Liebe Gilfy!

      Oje, das klingt nach Pubertier vom Feinsten...

      Manchmal hilft es, Dinge zu verstehen, damit man mit ihnen zurecht kommt. Wobei die Pubertät einfach eine ganz spezielle Herausforderung darstellt...

      Du wirst provoziert und das schlicht und ergreifend, weil du primäre Bezugsperson bist und dein kleiner Großer den Konflikt braucht. Er reibt sich an dir, um für "den Ernstfall" zu üben, sein Konfliktmanagement zu trainieren, Grenzen auszutesten... All das... In dem Sinne ist die Pubertät nicht viel mehr als eine "Trotzphase für Große". Es geht um Autonomiebestrebungen, darum, den Platz in der Welt zu finden. Dazu braucht es eben (meist) Reibung. Und das größte Fett bekommen diejenigen weg, denen die Kids am meisten vertrauen! :)

      Zu der "Alle anderen sind Schuld"-Sache: Das hängt ganz oft sehr eng mit dem Selbstwert zusammen. Und dieser ist zwar stets im Aufbau, bis ins Erwachsenenalter aber ganz besonders intensiv... Selbstwert und Pubertät, das hängt immer ganz eng zusammen. Wenn du dich an deine eigene Pubertät zurückerinnerst, erinnerst du dich vielleicht auch an dieses Gefühl innerer Unsicherheit... Fehler eingestehen zu müssen, nagt ganz massiv am Selbstwert. Das gelingt sogar Erwachsenen oftmals gar nicht so leicht...

      Hier hilft es, wenn du versuchst, so normal wie möglich mit Fehlern - egal, wer diese macht - umzugehen. Ohne Vorwurf. Fehler sind eben da, um daraus zu lernen und auch, um sie zu verzeihen. Nicht mehr und nicht weniger! Wenn Fehler kein Grund sind, sich klein fühlen zu müssen, werden sie auch leichter eingesehen... Das ist aber natürlich eine ganz besondere Herausforderung. Wie die Pubertät selbst auch!


      Wenn gar nichts mehr hilft: Höflich und bestimmt aus der Situation gehen mit einem deutlichen "So nicht!"
      Nur weil man Mama oder Papa ist, muss man sich nämlich nicht alles gefallen lassen. Auch in der Pubertät nicht! ;)

      Alles Liebe (und viele Nerven!)

      Dani
    • Er macht das schon viele Jahre so, nicht erst seit dem er in der Pupertät ist. Er ist HB ( Hochbegabt ) und musste so ziemlich alles an schlechten Erfahrungen erleben, die Kinder von HB erleben können. Das hat ihn sehr geprägt , vor allem in der Grundschule. Da fing er auch mit diesem Verhalten ( und einige anderen ) an. Natürlich, die Leidtragenden sind wir Eltern, vor allem ich. Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein hat er leider so gut wie gar nicht.

      Anders ausgedrückt würde ich sagen, das er das anerzogene Verhalten aus der Schule hier Zuhause auslebt. Professor Dr Urban sagte wörtlich: das ist anerzogen in der Schule. Da ging er noch zur Grundschule.

      Er provoziert ja nicht nur, er schreit und brüllt mich ja auch an und das vom feinsten. Oft weiß ich nicht mal warum!!!
      MfG Gilfy :saint:
    • Hast du den Eindruck, dass er "normal" provoziert oder wirklich verzweifelt ist? Welches soziale Umfeld hat er abseits von Familie und Schule? (Sportverein o.ä.)

      Die Hochbegabung ist ein eigenes Thema! Da spreche ich aus eigener Erfahrung, weil eines meiner Kinder (der Ältere) ebenso "gesegnet" (ich empfinde das nicht immer so) ist. Auch meiner kann gaaaanz schwer Schuld eingestehen oder mit Kritik umgehen. Mit dem Selbstwert von HB-chen ist das so eine Sache. Sie bekommen schon sehr früh (meist schon im Kleinkindalter) hautnah mit, dass sie "irgendwie anders" sind. Das wirkt extrem auf Selbstwert und Selbstwertgefühl.
    • Ja, da stimme ich dir voll zu! Bei meinem ist es auch so, das er sehr sehr früh mitbekommen hat,das er anders ist, seine Interessen völlig wo anders liegen als bei gleichaltrigen, seine Sprachentwicklung ebenfalls ( als er zur Kita kam war er der einzige der sprechen konnte aus seiner ganzen Gruppe ) und vieles mehr. Er wurde sehr viel gehänselt, geärgert und gemobbt von Mitschülern und auch Lehrern, leider. Er hat hier keine Freunde wo wir wohnen. Er seit Anfang Februar , seit dem er eine neue Schule besucht, hat er einen Freund. Dieser Freund ist nun auch oft hier. Luca besucht nun eine Schule die nicht hier im Ort ist, weil ich den Kindern von hier die Chance geben wollte, ihn noch weiter zu quälen.
      Er hat nun schon das 3 mal die Schule gewechselt. Das hinterlässt Spuren!!!

      Ich kann dir nur sagen, das wir hier durch die Hölle gegangen sind im letzten Jahr, was Schule, Lehrer und Mitschüler angeht. Luca ist deswegen auch in Therapie, ohne ging es nicht mehr. Auch ich war beim Therapeuten, weil die ehemalige Schulleitung und Lehrerin uns Eltern so fertig gemacht haben.
      MfG Gilfy :saint:
    • :( Sogesehen haben wir nur sehr, sehr viel Glück. Das hätte problemlos auch unsere Geschichte sein können, nur haben wir das Glück engagierter Lehrkräfte und einer tollen Klassengemeinschaft.

      Viele Pädagogen wissen mit HB auch einfach nicht umzugehen. Es ist kaum Ausbildungsinhalt und im Endeffekt kommt es wirklich auf das persönliche Engagement der Lehrkraft an. Hier (HB-Förderung) hinken wir (Deutschland und Österreich gleichermaßen würde ich sagen) im internationalen Vergleich ziemlich hinterher. Leider! :(

      Das mit der Therapie ist aber ein guter Ansatz. So wird Luca aufgefangen! Und die Freundschaft, die er seit Februar hat, unbedingt fördern! :) Macht was Cooles mit den Jungs. Bowling, Kletterpark oder so. Etwas, wo man nicht (nur) Köpfchen braucht, sondern mehr! :)
    • Ja, es ist nicht nur sehr bedauerlich und schade,das Lehrer und auch Erzieher nicht auf dem Gebiet Hochbegabung geschult werden, oder mit in die Ausbildung einbezogen wird. Dennoch ist es für mich keine Entschuldigung, ein Kind so .... zu behandeln.
      Sicher ist die Therapie ein guter Ansatz, besser wäre es aber, wenn Luca auch mit der Therapeutin reden würde, das tut er nämlich nicht.
      Die Lehrer von heute haben gar keine Lust sich mit Kindern zu beschäftigen, sie gehen stur ihrem Lehrplan nach und die Kinder müssen funktionieren wie Computer. Schade schade!!! Entspricht ein Kind nicht der Norm hat es gleich ADHS und muss Tabletten nehmen, unmöglich. Mir sind ältere Lehrkräfte lieber, die mit so richtig viel Erfahrung.

      Ja, wir unterstützen die Freundschaft natürlich. Dennoch verhält sich Luca auch seinem Freund nicht immer gerecht gegenüber. Sein Freund ist derzeit hier, schon seit Samstag. Ob er morgen oder erst Dienstag nach Hause will, entscheidet er morgen.
      Nein, wir lassen sie laufen, sie das machen was sie wollen. Beide Jungs sind draußen Kinder, viel mit dem Rad unterwegs, toben , auf Bäumen klettern, Drohnen fliegen lassen.
      Heute morgen waren wir zusammen auf einen Flohmarkt und haben dort unter anderem Tennisschläger gekauft. Da haben sie sich ausprobiert. Nachmittags sind wir mit den Jungs zur BMX Halle gefahren. Für den Freund von Luca war es das erste Mal in so einer Halle zu fahren über die Hindernisse, Luca macht das schon über ein Jahr und konnte nicht wirklich Verständnis für seinen Freund aufbringen. Schade!
      MfG Gilfy :saint:
    • Euer Freizeitprogramm klingt schon mal super! :) Bzgl. "nicht so verständnisvoll dem Freund gegenüber": Ich würde an deiner Stelle versuchen, in einem ruhigen Moment (also wenn der Freund nicht mehr da ist) das Verhalten anzusprechen. Nicht kritisierend, sondern einfach nur rückmeldend. Immer verbunden mit einer positiven Bestärkung: "Hey Luca, der XY hat dich in der BMX-Halle echt bewundernd angesehen. Da war er wohl ein bisschen neidisch auf dich, weil du schon so gut bist. Ich hab dann aber den Eindruck gehabt, es hat ihn gekränkt, als du .... Was meinst du dazu?" Auf jeden Fall immer auch nach der persönlichen Meinung fragen. Jugendliche lieben es, so respektvoll und wertschätzend ("Deine Meinung/dein Wissen ist viel wert") behandelt zu werden. Auch wenn sie es nicht immer zugeben würden! ;)

      Zu der Sache mit der Therapeutin: Weshalb redet er mit ihr nicht? Hast du den Eindruck, dass ihm evtl. ein Mann besser täte? Bzw. welche Therapierichtung ist es? Ich hab die Erfahrung gemacht, dass Kinder/Jugendliche gut mit "Psychodrama" zurecht kommen. Eine klassische Gesprächstherapie ist ihnen manchmal einfach zu viel ... ähm ... Gerede! ;)

      Alles Liebe (und halt' die Ohren steif)!
    • Ich / wir reden immer mit Luca, täglich. Wir führen eine Smeililiste in dem seine Probleme in Punkten aufgeführt sind. Das war so sein Wunsch. Früher haben wir das schon mal so gemacht und deswegen hat er nun wieder nach dieser Liste gefragt. Luca mag nicht gelobt werden, er hast es . Er mag natürlich auch nicht kritesiert werden.

      Luca ist bei niemand verständnisvoll.

      Die Therapeutin und Luca kennen sich schon länger, sie hat damals den Asperger ausgeschlossen, als die HB raus kam. In den letzten Sommerferien hat er bei ihr ebenfalls eine Gruppen Psychotherapie gemacht, ohne Befund. Er braucht keine. Er spricht nicht mit ihr, weil er der Meinung ist, das alles in Ordnung ist. Sie hat verschiedene Möglichkeiten aus probiert.

      Für uns ist die HB ja nun kein Neuland mehr. Ich habe sehr viel darüber gelesen und tue es noch. Regelmäßige Telefonate führe ich mit der DGHK und ich habe eine gute Freundin in Hannover, die noch mehr Ahnung über dieses Thema hat. Ihr Sohn ist auch HB.
      MfG Gilfy :saint:
    • Da habt ihr schon sehr viel durch (gemacht)! Luca hat Glück, dass er solche Eltern hat! :)

      (Blöde Frage, aber habt ihr den Autismus auch noch von einem anderen Therapeuten ausschließen lassen? Nur zur Sicherheit...)

      Bzgl. Hochbegabung: Ich weiß nicht ganz genau, wie es in Deutschland ist, aber in Österreich fühlt man sich da leider oft allein gelassen... Jeder weiß, dass es sie gibt, keiner weiß damit umzugehen! :(
    • Luca findet uns wahrscheinlich nicht so lieb, eher uncool :D , aber das ist ja normal!

      Nein, nur bei einer Therapeutin. Luca zeigt auch keine autistische Züge. Die Förderschullehrerin der neuen Schule fängt nun an mit ADHS, aber auch das wurde ausgeschlossen.

      Oft kann ich auch nichts von der HB erkennen, aber auch das ist normal, denn Betroffene können diese Begabung erst ab 11 , 12 Klasse nutzen.

      Auch hier fühlt man sich nicht nur allein gelassen damit, man ist alleine damit. Hier bei uns auf dem Land gibt es nichts womit man Kinder wie unsere Fordern könnte, wie zum Beispiel Mensa oder Kinderuni. Das gibt es nur in größeren Städten und das ist zu weit weg von uns.

      Weißt du, das wenn du ein HB Kind hast, die anderen es meistens auch sind?

      Ich finde das Thema sehr interessant und vor allem Vielseitig, man sollte einen eigenen Bereich / Thread davon machen mit Links wo man Hilfe bekommen kann und sowas!
      MfG Gilfy :saint:
    • Hm, am Land ist das sicher nochmal eine Herausforderung. Wobei... Wir haben in Wien zwar allerhand Möglichkeiten, da muss das Kind aber auch wollen. Kinderuni war für unseren zB absolut fad, da hat er nichts Neues erfahren. Oft ist das Problem, dass man halt das Alter nicht ändern kann. Kinderuni wäre für unseren so mit etwa 3, 4 Jahren sehr spannend gewesen, denke ich. Aber da war er zu jung... :(

      Ich weiß das mit der Hochbegabung (also dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass auch Geschwisterkinder höherbegabt sind). Wir haben es (bei beiden) nicht austesten lassen. Aber im Vergleich (sie sind nur 1,5 Jahre auseinander) ist es beim Sohn einfach wirklich sehr augenscheinlich. Tochter ist sehr wiff und gehört in ihrem Jahrgang zu den Klassenbesten und kommt ohne viel Anstrengung gut durch. Sohn ist demgegenüber aber in ganz anderen Sphären. Da war bereits im Kleinstkindalter stets die Rückmeldung "so ein Kind haben wir noch nie betreut". Er hat zB mit drei Jahren flüssig gelesen, hat eine gespenstische Merkfähigkeit und Auffassungsgabe und arbeitet schulisch sicher ein paar Jahre unter seinem intellektuellen Niveau. Aber er ist halt erst knapp 9 und nach dazu ein Sommerkind und eher zart (Klassen überspringen lassen ist also kein Thema). Er kommt aber klar. Er holt sich sein Futter dann einfach anderswo, ist in der Schule auch nicht auffällig vom Verhalten her. Für ihn passt es. Fragt sich nur, wie lange noch. Er ist in einer Alternativschule. Sowas gibt es in der Form ab dem Gymnasium nicht mehr.
    • Das ganze ist ja auch Inteessen abhängig! Nicht alle HB Kinder haben die selben Interessen. Unser hat sich sehr für Technik und Musik interessiert, sportliche Dinge mussten auch so einige ausprobiert werden. Früher liebte er auch Sprachen, aber viel ist von all dem nicht mehr geblieben,weil ihm immer zu Steine in den Weg gelegt werden.


      In der 3 Klasse fing alles an, vorher lief alles super. Seine Mitschüler fingen an ihn zu ärgern weil er gute Noten schrieb , später dann fanden sie immer was neues. Auch seine Klassenlehrerin war nicht besser, er konnte ihr nichts Recht machen und Unterstützung bekam er keine von seitens der Lehrer. B er 4 Klasse fing er an sich zu wehren, schlug auch mal zurück, aber meistens wehrte er sich mit Worten, brüllte und machte dann auch vor Lehrern nicht mehr halt. Er wurde dann schnell wütend, fühlte sich ungerecht behandelt, ihm hörte keiner zu.
      Bei mir klingelte dann dauernd das Telefon, Luca hat hier, Luca hat dort, wir kommen nicht an ihn ran, und so weiter. Ich sollte was tun.
      Also bin ich mit ihm zur Caritas. Die konnte aber nichts feststellen. Ich blieb also noch weiter da und Luca war nach ca 9 Monaten dort fertig. Doch die Schule ließ nicht locker. Bei der Caritas wurde mir dann geraten, das ich eine ADHS Ausschlussdiagnostik machen lassen soll, dann gibt die Schule vielleicht Ruhe. Gesagt getan, dabei wurde ADHS ausgeschlossen und die HB festgestellt.
      Mit der Diagnose und den Tipps bin ich dann zur Grundschule, doch sich daran gehalten hat sich keiner von den Lehrern.
      Im Gegenteil, auf sein Halbjahreszeugnis schrieben sie das er fremdgefährdend sei und somit ging der Stress weiter. Das Gymnasium wollte ihn so nicht nehmen, obwohl es eine stattliche Schule war. Die Schulleitung hat mich bei der Anmeldung so fertig gemacht, das wir uns für eine Privatschule entschieden haben.

      In dieser Zeit waren wir mit Luca bei Professor Dr Urban in Hannover und haben ihn vernünftig auf alle Bereiche testen lassen. Den Bericht haben wir der Schule vorgelegt, schon in der Grundschule.
      In der Privatschule ging es leider auch nicht besser. Die Klassenlehrerin hat nur auf Luca eingedroschen ( verbal ) , sie führte sogar eine Negativliste über ihn mit Datum, Uhrzeit und was er angeblich gemacht oder nicht gemacht hat. Ich habe fast täglich Kontakt mit der Schulpsychologin gehabt und sie hat alles genauso gesehen wie ich, und auch der Lehrerin gesagt, das sie eine Posetivliste machen soll. Die Lehrerin sagte darauf zur ihr, das es an dem Kind nichts posetives gäbe.
      Das ging soweit, das die uns erpresst haben mit : das Kind braucht Ergotherapie, also habe ich das veranlasst, dann drohten sie uns, das wir eine Familienhilfe vom Jugendamt brauchen weil bei uns Zuhause ja was nicht stimmt. Also haben wir auch das gemacht. Und dann kam noch das Luca eine Psychotherapie machen soll, also habe ich auch das angeleiert und ihn auf die Warteliste setzen lassen. Wenn wir uns dem nicht fügen, werfen wir Luca fristlos von der Schule.

      Letzten April haben sie Luca dann trotzdem von der Schule geworfen, mit Kripo um 22 Uhr abends im Haus und so weiter.
      Nun ja, raus kam jedenfalls das Luca keine Ergo braucht und auch keine Psychotherapie. Auch das Jugendamt zog den Familienhelfer ein, weil hier alles okay ist.
      Luca landete dann gegen meinen Willen auf einer Förderschule für soziale und emotionale Bereiche, weil sein Vater das so wollte. Dort ging er nun hin von Pfingsten letzten Jahres bis Februar diesen Jahres. Dort wurde alles nur noch schlimmer, Luca leidete dort nur. Unterfordert war er weil es kein vernünftigen Unterricht gab, täglich wurde er gemobbt , gedchlagen bis hin zum würgen, Sachen klauen und und und. Ende September 2018 habe ich dann die Landesschulbehörde eingeschaltet und mit einen Schulpsychologen von dort habe ich Luca dann von der Förderschule geholt und nun geht er zur Realschule im Nachbarort.
      Natürlich hat das alles heftige Spuren hinterlassen, denn nergatives Verhalten ist schnell angewöhnt aber nicht schnell angewöhnt. Auch die Leistungen haben sehr nachgelesen, so nach dem Motto, ich halte mich im Mittelfeld dann falle ich nicht auf.
      Luca ist nun 1 Jahr nicht richtig beschult worden und muss nun zusätzlich zu den Schulstoff , alles aufholen was ihm fehlt, das heißt 2 Halbjahr 5 Klasse und 6 Klasse das erste Halbjahr, vor allem Englisch und Mathe.
      MfG Gilfy :saint:
    • Mein Sohn ist zwar erst 1,5 Jahre alt, aber ich habe einen Buchtip für dich:
      "Jedes Kind kann Regeln lernen" von Anette Kast-Zahn, Oberstebrink Verlag GmbH, ISBN: 3-9804493-1-9

      Das Buch ist toll. Es hilft, die eigenen Inkonseqenzen und Schwachstellen zu erkennen und gibt einfache, klare Verhaltensvorschläge. Nachdem ich das Buch nun zweimal gelesen haben, verstehe ich endlich, was Fr. Schuster mit der Aussage "liebevoll, aber konsequent" wirklich meint.
      Glaubenskriege sind Konflikte zwischen Menschen, die sich streiten, wer den cooleren Imaginären Freund hat.