Emotionale Kälte von 14 jähriger

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    • Emotionale Kälte von 14 jähriger

      Liebe Eltern,

      meine 14 jährige Tochter und ich (alleinerziehend) haben gerade eine schwere Zeit miteinander. Eigentlich hatten wir immer ein gutes nahes Verhältnis, aber momentan läuft manches nicht rund. Ich liege seit mehreren Tagen mit Grippe im Bett und meine Tochter kommt über ein knappes "wie gehts" nicht hinaus. Praktische Unterstützungsangebote gibt es keine und ich bin (auch im Krakenbett) diejenige, die Aufgaben verteilt und ihre Ausführung kontrolliert. Wenn ich das Gespräch zu ihr suche und ihr sage, dass ich mir etwas mehr aktive Anteilnahme wünsche, zuckt sie mit den Schultern und" Ich weiß nicht, was ich da sagen oder machen soll." Ich bin dann sprachlos vor Enttäuschung, oder werde einfach total wütend. Selbst wenn ich versuche, sie ihrerseits zu provozieren, lässt sie sich nichts anmerken. Über ihre Gefühle reden kann sie nicht so gut, sie zeigen anscheinend aber auch nicht (außer Freude - manchmal). Ich mache mir ein bisschen Sorgen, ob diese emotionale Abschottung noch gesund und "normal" ist, oder ein Anzeichen für tiefer gehende Sorgen oder Ängste sein könnte und wäre dankbar für ein paar Ansichten.
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    • Hallo Wapiti,

      willkommen in der Pubertät! :D
      Ihre Tochter ist ein "Pubertier" geworden, das sind hierzu meine Gedanken.

      Sie ist sicherlich nicht emotional kalt, sondern Sie selbst empfinden das Verhalten Ihrer Tochter so. Sie verhält sich nicht so, um Sie zu enttäuschen oder zu kränken oder zu verletzen, sondern ist einfach mit sich selbst beschäftigt.

      In der Pubertät liegt der Fokus auf der eigenen Person und dem eigenen Körper, der sich verändert usw. Dazu kommt das Thema Abgrenzung von den Eltern und Bezugspersonen, was ein ganz natürlicher Prozess ist. Als Erwachsene vergessen wir gerne unsere eigene Pubertät, in der wir uns für unsere Umwelt sicherlich auch oftmals "komisch", gefühlskalt oder zickig verhalten haben. Aber all das darf so sein und auch, sich emotional etwas "abzuschotten" und nicht mehr alles mit den Eltern teilen bzw. ihnen nicht mehr alles mitteilen zu wollen.

      Zudem baut sich das Gehirn in der Pubertät tatsächlich um, was oftmals auch zu Verhaltensweisen führt, für die Erwachsene kaum oder kein Verständnis haben (wollen) und dann wütend werden, enttäuscht sind oder sich einfach nur aufregen. Zu diesen "merkwürdigen" Verhaltensweisen gehören Vergesslichkeit, morgens kaum aus dem Bett kommen, oftmals gibt es auch Phasen mangelnder Körperhygiene oder ein unaufgeräumtes, chaotisches Zimmer, in dem alles nur wild herumliegt, fehlendes Interesse an Dingen, die früher Begeisterung erzeugt haben. Schlechte Laune, als pampig oder zickig empfundene Reaktionen gehören da auch dazu.

      Wie waren Sie selbst in Ihrer Pubertät? Können Sie sich noch erinnern?

      Und schauen Sie doch mal nach dem Film "Das Pubertier" oder nach der Serie "Das Pubertier". Vielleicht tut das gut, um diese Entwicklungsphase Ihrer Tochter mit mehr Leichtigkeit und Humor nehmen zu können.

      Herzliche Grüße
      Klara
    • Liebe Klara,

      vielen Dank für ihre ausführliche Antwort. Ja, die Begleitumstände der Pubertät sind mir bekannt, man kann sie auch überall nachlesen. Selbst mit den dazugehörigen Situationen konfrontiert zu sein ist jedoch etwas völlig anderes, als intellektuell zu verstehen worum es (theoretisch) geht. Der Leidensdruck vieler Eltern wird während der Pubertät ihrer Kinder oft noch vergrößert, wenn sie mit allgemeinen Ratschlägen von ober herab, im Sinne von: "Man soll sich doch freuen, dass die Kinder offensichtlich normal sind und solches Verhalten gehört nun mal dazu", übergossen werden.

      Dass ein Mangel an Einfühlungsvermögen durch die intensive Beschäftigung mit sich selbst hervorgerufen wird, wie sie sagen, halte ich nicht zwingend für notwendig. Unter Ihresgleichen können Mädchen äußerst anteilnehmend sein! Es ist aber möglich, dass, wie Sie schreiben, das Einfühlungsvermögen der Mädchen bezogen auf ihre Mütter, während der Pubertät abnimmt, da sie sich von diesen abnabeln und dies besser durch emotionalen Rückzug bewerkstelligen können.

      Den Film "Das Pubertier" kenne ich noch nicht, jedoch sämtliche Bücher des Autors - sie sind alle wirklich lustig, bilden die Pubertät allerdings sehr oberflächlicher ab. Nichts, womit man sich trösten kann, wenn man wirklich leidet und die Dinge wirklich verfahren sind.

      Viele Grüße, Wapiti
    • Hallo Wapiti,

      dass es nochmal etwas ganz anderes ist, wenn man die Pubertät bei seinem eigenen Kind live erlebt, ist völlig klar.
      Und ich hatte sicherlich nicht vor, Sie von "oben herab" zu behandeln.
      Ich stecke nicht in Ihrer Situation und kann Ihnen deshalb nur von "außen" meine Gedanken und meine Erfahrungen mitteilen.

      SIe haben absolut Recht: Unter Gleichaltrigen können auch Mädchen, die mitten in der Pubertät stecken, sehr einfühlend und anteilnehmend sein. Sie als Mutter haben da aber eine ganz andere Rolle und leider ist es wirklich nicht ungewöhnlich, dass sich erwachsen werdende Töchter von ihren Müttern abgrenzen, mitunter auch mal eher "unelegant" im Sinne von verletzenden Äußerungen und Verhaltensweisen.

      Ich kann da nur sagen: Versuchen Sie, sich immer wieder bewusst zu machen, dass dies nichts mit Ihrer Person zu tun hat, sondern mit Ihrer Rolle der Mutter. Ihre Tochter grenzt sich ab, was ein wichtiger Prozess ist. Und auch wenn dieses Abgrenzen verletzend, traurig, enttäuschend usw. für Sie selbst ist, hat es trotzdem nichts damit zu tun, dass Ihre Tochter Sie nicht doch noch tief in ihrem Innern als Mutter schätzt.
      Nein, leicht ist das alles nicht. Ich bin mir jedoch sicher, dass es Ihnen helfen kann, sich immer wieder auch selbst zu reflektieren und so auch abzugrenzen. Damit meine ich, nicht alles allzu persönlich zu nehmen (Opferrolle), sondern zu unterscheiden, was Ausdruck/ Symptom der Pubertät ist und was nicht.

      Ich wünsche Ihnen starke Nerven und alles Gute!
      Klara