Bestrafung ist out, aber wie loben, wenn es dazu keinen Anlass gibt?

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    • Bestrafung ist out, aber wie loben, wenn es dazu keinen Anlass gibt?

      Mein Sohn (11) ist seit September auf einem Ganztagsgymnasium in der 5. Klasse. Da es kleine Klassen hat und eigentlich keine Hausaufgaben gibt, dachten wir, dass außer Vokabeln lernen nicht viel zuhause anfallen würde. Jetzt erhalten wir ständig Mitteilungen der Klassenlehrkraft, dass er nicht mitkommt. Offensichtlich müssen wir in Deutsch und Englisch nacharbeiten, und das tun wir.

      Das wäre nicht das Problem, aber er ist so langsam, dass uns die Zeit immer durch die Finger rinnt. Auch wenn ich den Wecker stelle, schafft er das Aufgabenpensum kaum in der angemessenen Zeit. Bei Diktaten kommt er fast gar nicht mit, sein Schriftbild ist teilweise so schlecht, dass er es selbst nicht lesen kann. Grade bin ich deswegen wieder ausgeflippt, weil er das Mathe-Gesetz nicht kann und wir es aufgrund unleserlicher Schreibweise erstmal nicht nachsehen konnten. Jetzt habe ich ihn das Wort zwei Seiten lang schönschreiben lassen und er hasst mich.

      Ich möchte ihn nicht immer strafen, aber er macht nichts freiwillig, immer muss ich ihn massiv auffordern. Wie soll ich ihn positiv verstärken, wenn er nur Mist macht? Ich weiß mir wirklich nicht mehr weiter und würde mich über Vorschläge freuen.
    • Hallo Moira,

      herzlich willkommen.
      Danke für Ihre offenen Worte. Beim Lesen dachte ich nur: Wow, Sie beide stehen ja ganz schön unter Druck.
      Sie machen sich sicherlich große Sorgen um Ihren Sohn und seine schulische Laufbahn.
      Doch Druck aufzubauen, macht es nicht leichter und es läuft dadurch auch nicht besser.

      Ich frage mich auch, ob Sie nur in Sachen Schule beobachten, dass Ihr Sohn langsam ist. Ist er denn Ihrer Ansicht nach auch in anderen Bereichen eher unterdurchschnittlich langsam? Und ist er einfach langsamer als andere oder liegt es daran, dass er Dinge nicht versteht, also den Sinn nicht erfassen kann oder gar schlecht hört?

      Ich bin mir auch sicher, dass Ihr Sohn auch Seiten hat, wo er Dinge gut macht, gut kann, Seiten, die Sie an ihm schätzen und auf die Sie stolz sind. Was macht Ihr Sohn denn gut - und was macht er gerne? Denn wenn er sich in der Schule schwer tut, ist das ja sicherlich nicht der Lebensbereich oder/ und die Beschäftigung, die ihm besonders viel Spaß macht, da er selbst ja auch merkt, dass er Schwierigkeiten hat und er spürt auch den Druck und die Sorgen, die Sie sich um ihn machen und dies erhöht wiederum den Druck, der auf Ihrem Sohn lastet. Und Druck kann regelrecht blockieren...

      Seit wann besteht diese Problematik? Hat diese erst mit der neuen Schule begonnen? Oder gab es etwas anderes in seinem Leben, was da mitspielen oder Auslöser sein könnte?

      Ich kann Ihnen zunächst auch nur raten, sich über mögliche Ursachen Gedanken zu machen, denn dies hilft, besser zu verstehen und dann kann Ihr Sohn auch besser gefördert und unterstützt werden.

      Ich freue mich auf Ihre Antwort!

      Herzliche Grüße
      Klara
    • Vielen lieben Dank für die Antworten. Ja, wir stehen unter Druck, gestern hatten wir wieder ein Gespräch mit der Lehrkraft. Er scheint überfordert und ich denke das ist er im Moment auch.
      Klara, wir kennen die Ursachen dafür:
      Eine neue Schule, Gymnasium mit höher Anforderung, Grundschule mit zu geringem Anspruch in den jetzt kritischen Fächern weshalb er hier hinterherhinkt, ein Hörgerät und, und, und....da sind wir an allen Punkten dran.
      Und ja Piffi k, er kann vieles ganz toll, aber das geht im Moment ganz unter. Deshalb auch mein Hilfeschrei.
      Er ist immer langsam, in allem was er tut. Irgendwie ist das oft ja gut, er ißt langsam, er lässt sich wenig stressen - aber wenn der Aufsatz in 30 Minuten fertig sein soll, geht es zumindest zuhause nicht. In der Schule schon....
      Grundsätzlich haben wir diese Probleme schon länger, aber jetzt wäre einfach ein bischen Motivation gefragt.
      Wir werden jetzt in den Ferien viel in der Freizeit machen und chilllen. Und dann täglich eine Stunde lernen, sonst schafft er den Anschluss nicht. Deshalb meine Frage...
    • Ich denke nicht dass es auf der Realschule besser wäre. Da haben wir wieder mehr Kinder in der Klasse und er geht mit dem Gefühl hin total versagt zu haben. Schließlich wollte er auf das Gymnasium.
      Ich brauche Vorschläge wie ich ihn motivieren kann sich etwas mehr zu beeilen, dann schafft er Aufgaben auch in der veranschlagten Zeit.
    • Hallo Moira,

      ich denke nach wie vor, dass Sie Ihrem Sohn keinen Gefallen bei seiner Problematik tun, wenn Sie den Druck auf ihn weiter erhöhen. Druck ist Stress und dieser kann sogar zu weiterer Verlangsamung führen.

      Mich interessiert nach wie vor, was die Ursache für dieses Langsamsein ist.
      Trödelt er? Lässt er sich ablenken oder ist abgelenkt, weil ihn gerade etwas anderes beschäftigt, sprich: ist er schlicht unkonzentiert? Braucht er länger als andere, um nachzudenken?

      Langsam zu sein kann verschiedene Ursachen haben. Wenn er trödelt oder unkonzentriert ist, kann man mit ihm Konzentration üben. Es gibt wohl das so genannte Marburger Konzentrationstraining, das von der vhs und auch von Ergotherapie-Praxen angeboten wird und das sehr effektiv sein soll. Wenn sein Denken allerdings verlangsamt abläuft, sollten Sie Ihren Sohn untersuchen lassen, damit man ihm adäquat helfen kann, denn dies könnte auch organische bzw. neuronale Usachen haben. Und wenn er unkonzentriert ist, weil er mit sich selbst beschäftigt ist, dann wäre es wichtig, daran zu arbeiten, sprich: sich das genauer anzusehen. Wir kennen das ja auch als Erwachsene... dass uns manchmal Dinge innerlich belasten und beschäftigen, dann fühlen wir uns schlecht, sind vielleicht sogar innerlich aufgewühlt oder gar verzweifelt und dann können wir uns schlicht weniger gut konzentrieren und es klappt dann einfach nicht mehr, dass wir "funktionieren", wie wir es selbst oder auch unser Umfeld gerne hätten.

      Sie schreiben von einem Hörgerät. Heißt das denn nun, dass Ihr Sohn tatsächlich schlecht hört? Und ist das nun mit dem Hörgerät besser? Und vor allem: Wie geht es Ihrem Sohn damit? Damit meine ich: Wie fühlt er sich?

      Ich bin auf Ihre Antwort gespannt.
      Klara
    • Es hat ja wenig Sinn zu motivieren, wenn er den Anschluss schon verloren hat. Es ist in den weiterführenden Schule immer so, aber auf Gymnasien umso mehr, dass man das nicht so einfach aufgeholt kriegt. Und die Ansprüche werden ja noch steigen.

      Wie sieht es denn mit dem Hören aus? Ich trage auch Hörgeräte und es ist in Klassenräumen schon eine Herausforderung, alles mitzubekommen. In der Grundschule ist sowas kein Problem, später kann es aber zum Problem werden. Nicht umsonst wird man betreut, was man in dem Alter aber eigentlich nie zu schätzen weiß, sondern eher als nervig empfindet. Man muss schon möglichst vorne sitzen und darf nicht direkt von störenden Klassenkameraden umzingelt sein. Ich habe in der Streberecke gesessen. Wenn ich mal etwas nicht mitbekommen und mich nicht zu fragen getraut habe, konnte ich diese drei Mädels nach der Stunde fragen. Tut man beides nicht, ist man raus und verliert den Anschluss.
    • Hallo, jetzt ist viel Zeit vergangen aber ich möchte mich noch einmal melden.

      Danke für deine Erklärungen Annika - es ist sehr schwierig für mich einzuschätzen, wie es ihm mit dem Hörgerät geht. Er hat es schon seit einigen Jahren und kommt an sich gut zurecht, aber spricht wenig darüber. Die Dame von der Päd.Audiol.Beratungsstelle hat nun eine FM Anlag vorgeschlagen, die versuchen wir gerade. Er sitzt schon gut, aber dass er nun alleine sitzen muss, weil er den Nachbarn durch seine viele Nachfragen zu sehr abgelenkt hat, sagt auch etwas aus... Das haben wir in einem der vielen Gespräche mit den Lehrern herausgefunden. Hoffentlich geht es ihm mit dem Lehrermikrofon dann besser.

      Klara ich habe viel über deine Hinweise nachgedacht und mich jetzt auch bei den Lehrern endlich durchgesetzt. Durch die vielen Gesprächstermine alle 2-3 Wochen haben sie mich ganz irre gemacht und ich hab das wohl weitergegeben. Das habe ich letztens sehr deutlich gemacht und nachdem wir alle Möglichkeiten auf den Tisch gelegt und unseren Sohn gefragt haben, was er möchte, kann er die Schule insgesamt entspannter angehen. Alle Ursachen die Sie nennen kenne ich bezüglich seiner Langsamkeit. Ich habe mit dem Kinderarzt noch einmal Ergotherapie diskutiert und das machen wir jetzt. Die Dame wird an der Stifthaltung, Schreibgeschwindigkeit und Konzentration mit ihm arbeiten. Mal sehen...Im Moment läuft es gut.
    • Bei dem Problem mit dem Schriftbild könnte ein Orthopäde helfen, in dem er ihm die Halswirbel einrengt. Meine Hebamme hatte mit ihrem Sohn auch das Problem mit der Schrift und danach war es super. Ich kann nicht genau erklären, wie das funktioniert, aber irgendwas könnte da eingeklemmt sein. Soetwas soll zum Beispiel auch bei Schlafproblemen helfen. Die Erfahrungen habe ich mit meiner damal 6 Monate alten Tochter gemacht. Nachdem ich mit ihr beim Orthopäden war und er sie eingerengt hatte, hat sie besser geschlafen und im allgemeinenen weniger geweint.
    • Hallo Lys,

      das ist eine interessante Anregung mit dem Orthopäden. Das könnte man durchaus ja mal abklären lassen, ob da evtl. Wirbel verschoben sind. Das kann auch ein Chiropraktiker machen.
      Aber es muss ja nicht das sein.

      Hallo Moira,

      es freut mich sehr, dass ich Ihnen hilfreiche Anregungen geben konnte und ich freue mich auf Neuigkeiten von Ihnen.
      Ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohn weiterhin alles Gute!

      Klara
    • Hallo, danke für die Tipps! Die Klasse ist schon klein und er hat zum Beispiel auch einen Drehstuhl. Die FM Anlage stellt sich insofern als Flopp heraus, da er sie nicht nutzt. Die Lehrkraft hat mich deshalb gestern angerufen, um mir das mitzuteilen. Jetzt werden wir wohl am Wochenende noch einmal in Ruhe mit ihm sprechen müssen. Schlimm finde ich, dass er uns anlügt -ich frage wie es damit geht und ob er sie genutzt hat und er bestätigt es und beschreibt dass sie gut hilft....

      Meinetwegen kann er auch auf eine andere Schule gehen - aber jetzt haben wir eine Privatschule mit 18 Schülern in der Klasse. Wechselt er, muss er ggfs. in die öffentliche Schule mit bis zu 32 Kindern in der Klasse und die sind hier auch alle voll. Dann kann ich ihn gleich bis zur Mittelschule durchreichen. Das wollen wir nicht, also soll er sich ein wenig anstrengen - was aktuell auch ohne großen Aufwand klappt. Mal sehen wie lange, dann müssen wir uns umorientieren.