Komme nicht mehr aus der Misere raus...

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    • Komme nicht mehr aus der Misere raus...

      Hallo!
      Bin total überfordert mittlerweile :(

      Alleinerziehend von einem (fast) hochbegabten (129 getestet im 01/19)
      9,5 jährigen Wirbelwind, 4. Klasse.

      Ja, CoronaZeit... er war viel im homeschooling, geht seit gestern in den Wechselunterricht.
      Montag: Schule
      Dienstag: 9.30 Uhr Stress.

      Druckerpapier alle. Ich sage: "leg mal bitte ca. 1 cm Papier ein." Eskalation. Er wisse nicht was Zentimeterpapier ist....

      Das ist einfach das aktuellste Beispiel was ich habe und ich kann mit den 'Wortverdrehungen' nicht mehr um...

      Er hört nur das was er hören will und dreht sich alles so hin, wie es ihm am besten passt.

      Könnte ganz viel schreiben, alles genau erklären, wie er so ist und was er macht oder eben nicht. Aber ich bin es fast leid immer zu erklären das er halt anders ist... es gibt keine Anzeichen für Adhs, er hat Probleme mit Grenzen. Er bezieht immer alles auf sich.. Er braucht kaum Schlaf, hat kein Bock auf Schule, geschweige denn etwas zusätzlich zu machen.. sehr gut in Mathe, Forderheft angeschafft - Lehrerin sagt, er brauche die Zusatzaufgaben nicht machen, dafür soll er im Forderheft arbeiten. Er hört natürlich nur Teil 1.....
      Halbjahreszeugnis nur 1er und 2er... Anmeldung Gymnasium folgt (er möchte, die Leherer gaben die Einschätzung, für mich kommt eine IGS eher nicht in Frage)

      Ja, CoronaZeit...
      Normalerweise spielt er Fußball, geht in den Schützenverein und spielt Gitarre. (Aber nur mit dem Gitarrenlehrer, allein macht kein Spaß) Das macht er jetzt grad online. Er lernt was neues und kann es. Da muss man ja nicht üben.
      Er verabredet sich regelmäßig mit Kumpels. (Aktuell nur mit einem, wo die Eltern und ich uns auch hygienemäßig 'einig' sind)

      Nach Außen scheint alles normal, aber wenn wir allein sind (aktuell ja 24/7) ist es nicht auszuhalten...

      Ich weiß auch gar nicht wofür ich einen oder mehr Tips brauche... ich bin in der Position, in der ich behaupte: ich habe alles versucht!

      Wutausbrüche, bei denen er mich sogar mit Fäusten attackierte, haben wir wieder in den Griff bekommen.
      Wir haben verschiedene 'Belohnungssysteme' ausprobiert. Einzig und allein half bis jetzt ein konkreter, festgelegter Tagesablauf. Aber auch das funktioniert nicht mehr...
      Taucht ein Arzttermin auf, gerät alles aus den Fugen.. Ändert er den Plan, soll es aber ok sein...

      Er ist schlau, kein Zweifel, ich komme mir so 'dumm' vor und kann einfach nicht mehr...

      Jetzt hab ich doch so viel geschrieben. Sorry. Musste wohl mal raus.
    • Herzlich willkommen bei uns


      Zuerst einmal musst du wissen, du bist nicht allein.
      Zweitens musst du dir verinnerlichen, das dass Home Office für alle Kinder unheimlich schwer ist. Dazu noch alles was derzeit verboten ist, Fußball, Treffen, raus gehen und so weiter.
      Das dritte was ich persönlich dir ganz dringend ans Herz legen möchte/ muss ist, das du begreifst, das dein Sohn nicht anders ist als andere Kinder. Er ist schlau, begreift viel viel schneller und hat vielleicht andere Hobbys und Vorlieben, aber er ist ein ganz normaler Junge.

      Mit ein IQ von 129 ist er Hochbegabt. Man sagt, den IQ + - 7. Diese + - 7 stehen für eine kleine Differenz, da Kinder sich aber in der Regel immer bemühen, wird es eher ein IQ von 129 + 7 sein. Kein Kind gibt sich schlechter als es ist, mehr geht aber immer. Das ist etwas schwer zu beschreiben/ erklären, ich hoffe aber das du mich trotzdem verstehst.

      50% einer Hochbegabung wir von der Mutter an das Kind weiter gegeben, also sage nie das du zu dumm bist, das bist du ganz bestimmt nicht.

      Dein Sohn reagiert derzeit so, weil er schlicht weg unterfordert ist, was das Home shooling betrifft.
      Du kannst froh sein das er ab Montag wieder zur Schule gehen kann. Für diese Woche heißt es durchhalten und ihn vielleicht belohnen mit Dingen die ihn interessieren nach den Aufgaben.
      Ein Kind mit HB muss nicht nur in der Schule gefordert werden, sondern ebenso Zuhause. Gitarre ist schon mal gut. Wie wäre es mit Lego Technik?

      Die Beschimpfungen von ihm sind nicht schön und natürlich muss er lernen das dass nicht geht, trotzdem darfst du das nicht auf dich beziehen. Ich weiß, das ist super schwer und du denkst nun sicher:,, die Gilfy hat gut reden " ;)
      aber glaube mir, ich kann dich sooo gut verstehen denn ich habe mit meinem Sohn eben so viel durch und auch jetzt ist es sehr schwer im Home shooling. Mein Sohn ist ebenfalls HB ( Hochbegabt ) , aber schon 13 Jahre.

      Ich würde dir gerne noch ein paar Fragen stellen um zu sehen ob ich dir noch weitere Hilfe geben kann!

      Wo, bei wem hat ihr ihn testen lassen?
      Von wo kommt, wohnt ihr ( Bundesland ) ?
      Seit wann wisst ihr von der HB und weiß dein Sohn davon?
      Hast du Asperger ausschließlich lassen?



      Die Schwierigkeiten bei solchen Kids ist sie nicht zu überfordern, aber zu fördern und der Grad ist sehr schmal.
      Eine IGS muss nicht immer das falsche sein, es kommt darauf an was so eine Schule bietet.
      Ein Gymnasium kann aber auch gut sein. Da würde ich mich mit dem Kind zusammen setzen und auch einen Wunsch berücksichtigen.
      MfG Gilfy :saint:
    • Hallo und willkommen! :)

      Ich möchte zunächst bewusst das Thema "Hochbegabung" ausklammern. Dein Beitrag klingt nicht so, als hättet ihr das im normalen Alltag nicht im Griff. Dein Sohn scheint schulisch und sozial gut aufgestellt - unter NORMALEN Umständen. Und da sind wir schon beim Punkt. Aktuell ist eben nichts wirklich normal.

      Die 24/7 scheinen für euch beide belastend. Gibt es außer euch beiden noch jemanden? Geschwister? Ein Partner? Großeltern? Oder nur ihr zwei? Die Familienkonstellation ist immer recht spannend, wenn es um Dynamiken geht... Und manchmal hilft es, zu schauen, ob da jemand ist, der die Dynamik vielleicht ein wenig abfedern kann. Gibt es so jemanden?

      Der Alltag ist aus den Fugen geraten und das spürt man, an allen Ecken und Enden. Schule läuft anders, Job läuft anders, Freizeit läuft anders, Familie läuft anders. Das MUSS Reaktionen zur Folge haben. Mir ist keine Familie (auch im Freundes- und Bekanntenkreis) bekannt, wo es aktuell nicht dynamisch ist - mal mehr, mal weniger.

      In dem Fall sehe ich auch den fehlenden Ausgleich zum Schulleben, den dein Sohn sonst hatte (Fußball, Schützenverein, Gitarre), als problematisch. Online ist einfach kein Ersatz für "echt". Es fällt viel Struktur weg, die Sicherheit gegeben hat. Das kann man momentan nicht ändern, muss man aber berücksichtigen. Eventuell reagiert er darauf...

      Wie ist eure Gesprächsbasis? Könnt ihr offen miteinander reden? Sprichst du mit ihm (kindgerecht!) darüber, wie es dir mit der Situation geht? Fragst du, wie er sich fühlt, wie er denkt, wie er seinen Alltag sieht? Manchmal hilft es, ins Gespräch zu kommen. Kinder fühlen sich dann auch irgendwie "gesehen". Nach ihren Gefühlen fragt nämlich tatsächlich selten jemand.

      Für die "Lockdown-Zeit" habe ich es bei meinem Sohn, als es ihm schlecht ging (das war letztes Jahr), unter anderem so gemacht, dass ich ihn eine Liste habe schreiben lassen. Eine Liste mit Dingen, die ihm Freude machen, die er ausprobieren will, die ihm wichtig sind etc. Und zwar ganz alleine, ohne Suggestion von außen. Da waren ganz spannende Dinge dabei, auch "kleine Sachen", die zu realisieren waren (Kuchen backen, Vogelhaus bauen etc.). Wir haben das entsprechend geordnet und sind es angegangen. Das hat Perspektive gegeben, das war etwas Schönes. Vielleicht auch eine Möglichkeit für euch?

      ---

      Und dennoch noch einmal zum Abschluss, das Wichtigste, das Gilfy auch schon gesagt hat: Du bist nicht allein, kein dummer Mensch (!), keine schlechte Mutter oder ähnliches... Es geht uns tatsächlich gerade allen recht ähnlich und das ist zu einem großen Teil den Umständen geschuldet. Nicht den Kindern, nicht den Eltern, nicht deren Beziehung oder Unfähigkeit... Einfach den Umständen! Sich das bewusst zu machen, hilft auch...

      (Ohne Lockdown, Homeschooling und Pandemie kommt ihr doch recht gut zurecht, oder?)

      Alles Liebe! (Und positiv denken, auch wenn es nicht immer leichtfällt!)


      Dani
      • Hallo ihr Zwei!
      Vielen Dank für die Rückmeldungen! Ich versuche es mal mit dem Zitieren...

      Gilfy schrieb:

      Wo, bei wem hat ihr ihn testen lassen?
      Von wo kommt, wohnt ihr ( Bundesland ) ?
      Seit wann wisst ihr von der HB und weiß dein Sohn davon?
      Hast du Asperger ausschließlich lassen?



      Die Schwierigkeiten bei solchen Kids ist sie nicht zu überfordern, aber zu fördern und der Grad ist sehr schmal.
      Eine IGS muss nicht immer das falsche sein, es kommt darauf an was so eine Schule bietet.
      Ein Gymnasium kann aber auch gut sein. Da würde ich mich mit dem Kind zusammen setzen und auch einen Wunsch berücksichtigen.
      Wir sind Anfang 2019 zu einem Kinderpsychologen gegangen,

      (ich hatte den Sommer 18 über einen neuen Partner, mit dem mein Sohn sich nur 'oberflächlich' gut verstand und seine Aggressionen zum Ausbruch kamen.. Ende 18 hatte ich mich aber schon wieder getrennt, da mein Sohn DER Mann meines Lebens ist.)

      .. bei den Gesprächen mit meinem Sohn war wohl eindeutig zu erkennen, das er ein Problem mit Grenzen hat, bzw. eher das er sich unverstanden fühlt, da mein 'Partner' die Grenzen meines Sohnes ständig überschritten hat.

      Was genau den Psychologen dazu veranlasst hat, mir diesen Test vorzuschlagen, weiß ich nicht mehr. Wir machten einen Termin und ich sollte meinen Sohn nach ca. 1 Std abholen.... ich habe laaaaange gewartet... der Psychologe sagte später, das mein Sohn seeeeehr weit kam bei dem Test... !? Das Ergebnis von 129 hat er mir dann noch recht ausführlich erklärt.

      Wir leben in Niedersachsen und ich habe meinem Sohn nur gesagt, das 'er ein sehr schlauer Junge ist'. Ich wollte den Druck, den er sich selber macht, nicht erhöhen!

      Asperger habe ich nicht ausschließen lassen, ich sehe keine Parallelen zum Sohn Sohn einer Freundin, bei dem es eindeutig diagnostiziert wurde.
      Aber ich kann mich zu dem Thema ja nochmal belesen.

      Das Gymnasium ist eine gemeinsame Entscheidung!
      Er möchte Tierarzt werden.. oder zumindest was mit Tieren machen. (Ja, er hat 2 Meerschweinchen und liebt diese abgöttisch)
      Sowohl die Lehrer als auch ich sehen nicht, das er 'freigestellt' bekommt ob und zb wieviele Arbeitsblätter er bearbeiten soll. Der junge Mann braucht klare Ansagen :D allerdings, das sage ich sich meinem Sohn, wenn er es nicht auf dem Gym schaffen sollte, ist es völlig in Ordnung und die Schule kann gewechselt werden! Ich setze ihn auch da nicht unter Druck.
    • jetzt noch Dani ;)

      Ich bin alleinerziehend. Der Kontakt zum Papa ist gut, aber der ist für die alltäglichen Probleme nicht 'zu gebrauchen'.
      Wir sind in engem Kontakt zu meiner Mum, die fast täglich hier ist, es ist eigentlich ein gemeinsamer Haushalt... ich schaffe halt nicht alles alleine. Und es gibt diese anderen Eltern, vom Kumpel meines Sohnes, die genau wissen, was und wie es hier läuft. Die nehmen ihn mir auch manchmal 'ab'.

      Oh ja, wir reden sehr viel. Wir kuscheln auch viel, er bekommt immer seine Nähe, wenn er sie sucht. Ob ich Gespräche tatsächlich immer 'kindgerecht'hinbekomme, bezweifel ich allerdings :( und das mit dem aufschreiben, was er möchte.. das werde ich versuchen!! Ich kriege eher immer zu hören: das hast du mir aber versprochen... und ich Dussel hatte das gar nicht mehr auf der Pfanne.
      Ich gelobe Besserung.

      Vielen Dank für die vielen Denkanregungen!!! Denn tatsächlich sehe ich vor allem, 'das er gegen mich arbeitet' ... und ich mich immer wieder erwische zu denken: ich mach alles falsch.

      Viele Grüße
    • Liebe Schmetterding,

      das ist fein, dass in eurem Mikrokosmos auch einige andere Bezugspersonen sind. Das kanalisiert Dynamiken ein wenig und ist wichtig! :)

      Probiere das mit der Liste, ja. :) Uns hat es sehr geholfen, einfach auch einen Fokus und Ausblick zu haben.

      Sehr wichtig in deiner letzten Message und hat mich gleich angesprungen: Du sieht, dass er "gegen dich arbeitet", wie du schreibst. Da liegt durchaus ein kleiner Hund begraben... Kinder arbeiten eigentlich recht selten gegen jemanden. Wenn Auffälligkeiten/Schwierigkeiten vorhanden sind, geht es meist um (schwierige, schwer steuerbare) Emotionen, die vorhanden sind. Mag sein, dass du es als "gegen dich arbeiten" empfindest, es ist aber eher "Symptom", nicht der Kern der Sache selbst. Wenn du da ein wenig in dich gehst und reflektierst, schaffst du es vielleicht, diese Dynamik aufzubrechen. Es ist ja auch für dich nicht schön, so empfinden zu müssen...

      Alles Liebe euch! :)