Zeitmanagement, Organisation, Disziplin

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    • Zeitmanagement, Organisation, Disziplin

      Diese drei Begriffe sind in den letzten Jahrzehnten erstaunlich stark ins Hintertreffen geraten, wohl, weil man sehr von autoritären Erziehungsstilen abgewichen ist. Und nein, jetzt kommt keine Verteidigungsrede für den autoritären Stil. ;)

      Während viele Eltern immer noch darauf achten, dass ihre Kinder zeitig mit etwas fertig werden und eine gewisse Ordnung einhalten, haben sich die Schulen im Allgemeinen nicht auf die neuen Herausforderungen der Zeit eingestellt. Hier hat sich einfach nur der Erwartungsdruck erhöht.

      Dieser Druck ist leider enorm hoch, ganz besonders, wenn Kinder das Gymnasium besuchen. Als Ursache dafür, dass Schulprobleme entstehen, habe ich in der Praxis oft ein falsches Zeitmanagement und mangelhafte Organisation festgestellt. Das Problem dabei ist, dass man beides lernen muss und die Schule dabei in der Regel weder die Kinder noch die Eltern unterstützt. An sich müsste das ein Schulfach sein!

      So "ersticken" die Kinder oft in einer Masse von Hausaufgaben. In ihrem ureigentlichen Sinn dienen Hausaufgaben dazu, den Unterrichtsstoff zu wiederholen, zu sichern und zu vertiefen. In der Praxis werden sie oft als unnötige Mehrbeschäftigung und zum Abwälzen von Unterrichtsstoff benutzt, den man in der Unterrichtszeit nicht unterbringen konnte. Als solche werden sie dann auch empfunden.

      Außerdem muss ja noch für Klassenarbeiten/Klausuren gelernt werden. Dieser Irrglaube hält sich hartnäckig und wird den Schülern auch so vermittelt. Tatsächlich dienen Klassenarbeiten lediglich dazu, festzustellen, wie gut der Schüler den Unterrichtsstoff verstanden hat und umsetzen kann. Theoretisch müsste man also überhaupt nicht für Klassenarbeiten lernen!

      Eine gute Organisation zur Bewältigung von Schulaufgaben aller Art bedeutet, jeder Zeit in allen Fächern so auf der Höhe des Unterrichtsstoff zu sein, dass man eine Klassenarbeit ohne zusätzliches Lernen schreiben kann. Wie geht das?

      Zunächst muss man in den Unterrichtsstunden natürlich aufmerksam zuhören, sich beteiligen, einbringen und auch Notizen machen. Je mehr Schüler sich aktiv am Unterricht beteiligen, umso mehr verinnerlichen sie den Stoff. Man sollte seine Kinder also immer dazu ermutigen, mitzumachen, zu diskutieren und auch Fragen zu stellen, wenn man etwas nicht verstanden hat - und zwar egal, was andere darüber vielleicht denken mögen. (Hinweis: Wenn sich Schüler viel einbringen, haben sie in dem Fach schon mal mindestens eine 3!) Sehr schüchterne Kinder sollten zumindest dazu angehalten werden, aufmerksam zu zuhören und sich Notizen zu machen.

      Zu Hause angekommen, sollte erst einmal eine kurze Pause eingelegt werden, ehe es dann daran geht, den an diesem Tag gelernten Stoff aufzuarbeiten. Ich beobachte hierbei sehr oft, dass Kinder dazu neigen, ausschließlich Hausaufgaben zu machen und diese dabei zu verschieben. Also z.B. "Heute ist Donnerstag, Deutsch habe ich erst wieder am Montag, also mache ich die Deutschhausaufgaben am Sonntag."
      Bis dahin hat sich die Deutschstunde dieses Tages aber wieder "verflüchtigt" und die Hausaufgaben sind nur noch lästige Routine, auf die man logischerweise keine Lust hat.

      Besser ist es, nicht einfach Hausaufgaben zu machen, sondern sich ein Fach des Tages nach dem anderen vorzunehmen, ein kleines Stundenprotokoll zu schreiben und die Notizen, die man sich während des Unterrichts gemacht hat, auszuformulieren. (Natürlich sollten in dem Stundenprotokoll nur die unterrichtsspezifischen Fakten auftauchen, keine Nebensächlichkeiten.) Auf diese Weise prägt sich das Gehirn den Stoff ein und verinnerlicht ihn. Das Kind lernt dadurch mit der Zeit auch, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Eltern können hierbei z.B. helfen, indem sie sortieren helfen. Das Kind erzählt und trägt seine Notizen vor, die Eltern sagen, was davon in das Protokoll gehört und was nicht.

      So ganz nebenbei entsteht auf diese Weise für jedes Fach eine lückenlose Dokumentation und diese ist es, die entscheidend dabei hilft, den geforderten Stoff zu bewältigen. Sie schafft einen Überblick, man kann jederzeit darin nachschlagen und darauf zurückgreifen.

      An die Protokollierung schließen sich die Hausaufgaben in dem Fach an, die den Stoff noch weiter vertiefen. Hat man sich die Stunden so vorher in Erinnerung gerufen, fallen die Hausaufgaben nun leichter. (Hausaufgaben sollten Kinder an sich allein machen, denn SIE müssen mit dem Stoff schließlich klar kommen, nicht die Eltern. Eltern können aber z.B. mit praktischen Ratschlägen helfen, wie man die Hausaufgaben schnellstmöglich aber lern-efffizient bewältigen kann.)

      Anschließend bereitet man den Unterricht der nächsten Stunde vor. Was kann ich einbringen? Was habe ich nicht verstanden? Was möchte ich erörtern? (Dieses "was habe ich nicht verstanden?" ist ein wichtiger Punkt, bei dem Eltern sich nicht allzu sehr als Erklärer versuchen sollten. Es ist Aufgabe des Lehrers, den Unterrichtsstoff so zu vermitteln, dass jedes Kind ihn versteht! Taucht also eine grundlegende Frage auf, sollte die erst mal der Lehrer beantworten, auch, wenn das bedeutet, dass die Hausaufgaben nicht ganz vollständig sind. Erst, wenn der Stoff nach nochmaligem Nachfragen nicht richtig verstanden wurde, sollten die Eltern eingreifen. Nachforschen, ob nur das eigene Kind das nicht verstanden hat oder ob mehrere Schüler damit nicht zurechtkommen. Betrifft dies mehrere Schüler, das Kind dazu anhalten, sich mit diesen Kindern zusammen zu tun und den Lehrer nochmals dazu auffordern, den Stoff zu erklären. Betrifft dies nur das eigene Kind, selbst erklären oder über einen Vermittler nachdenken, der den Stoff auf andere Weise darlegen kann. Bleibt das Problem mehrere Schüler betreffend bestehen, mal mit dem Lehrer reden.)

      Weiterhin können Eltern an diesem Vorbereitungspunkt dazu anregen, sich weitergehend mit dem Stoff zu beschäftigen, indem sie etwas Interessantes dazu erzählen, mit dem Kind (nach den Hausaufgaben) eine Dokumentation zu dem Thema schauen oder etwas vorlesen. Je mehr man dies fördert, umso leichter wird es dem Kind mit der Zeit fallen, dies selbstständig zu tun. Dies ist insofern wichtig, da in höheren Klassenstufen immer mehr die eigenständige Recherche gefragt ist und Referate etc. eine Rolle spielen.

      Die Protokollierung und die Vorbereitung auf die nächste Stunde sollten übrigens auch erfolgen, wenn es keine Hausaufgaben in dem Fach gab!

      Das klingt sehr zeitaufwendig. Auf den ersten Blick ist es das auch. Auf den zweiten Blick sieht die Sache schon anders aus.
      1. Die Wochenenden werden dadurch frei! Viele Schüler sind wirklich jeden Tag mit Schule beschäftigt, weil sie ihre Hausaufgaben als "lästiges Übel" auf sämtliche Tage verteilen und dann am Sonntagabend "noch schnell die Hausaufgaben für Montag" machen müssen. Dadurch kehrt nie eine bewusste Erholung ein. Mit dem System der direkten Aufarbeitung kann man am Freitagabend alle Bücher und Hefte zuklappen, mit der Gewissheit: Das Wochenende gehört mir ganz allein, ich kann alles machen, was ich möchte!
      Eltern sollten auch bewusst darauf hinarbeiten, dass die Kinder allen Schulstoff unter der Woche bewältigen, sodass das freie Wochenende praktisch wie eine Belohung wirkt.

      2. Man erspart sich sehr viel Lernen für Klassenarbeiten. Dadurch, dass der Stoff immer unmittelbar wiederholt und "gesichert" wird, prägt er sich ganz anders ein. Steht die Arbeit dann an, braucht man sich nur noch mal die Dokumentation durchlesen, schreibt sich ein paar prägnante Stichwörter auf und lässt sich diese abfragen. Eltern können hier zu Beginn dabei helfen, diese Stichwörter zu finden - und natürlich als "Abfrager" agieren.
      Dies ist ein wesentlich entspannteres und auch nachhaltigeres Lernen. Denn in der Regel sieht das so aus, dass ein, zwei Tage vor einer Arbeit hektisch alles zusammengetragen wird, was "alles so dran kam" und dann versucht wird, das auswendig zu lernen. Leider ist das Kurzzeitgedächtnis nicht sehr zuverlässig und so kommt es dann leichter zu Aussetzern bei der Arbeit.
      Das schrittweise Lernen, bei dem immer wieder wiederholt wird und darauf geachtet wird, dass man immer den gesamten Stoff im Blick hat, führt zu einer Verankerung im Langzeitgedächtnis. Dort können sich leichter Verbindungen bilden, sodass bestimmte Stichworte Reize ausgelösen, die zu einem Ergebnis führen. Man findet sozusagen leichter wieder, was man dort abgelegt hat.

      Wichtig ist hierbei, dass man jedes Kind ein eigenes System entwickeln lassen muss. Jeder Mensch prägt sich Dinge anders ein. Entscheidend ist letztlich nur das Unmittelbare und die Erfassung allen Stoffs für jedes Fach als ein (für den Schüler) übersichtliches System. Eltern sollten also kein spezielles System vorschreiben, sondern nur verschiedene Möglichkeiten aufzeigen und dazu anregen, den geforderten Stoff auf diese Weise anzugehen, und die Disziplin aufzubringen, notfalls mehrere Stunden am Tag für diese Arbeit zu opfern.

      Wendet man dieses System schon früh an, lernt das Kind im Laufe der Zeit, immer effizienter zu werden, da es eigene Methoden und Systeme im System entwickeln wird. So bleibt dann auch unter der Woche noch Zeit für Hobbys.
    • Hallo Tecret,

      ja, gerade in einem so jungen Alter kann man ein
      solches System gut "installieren", weil die Kinder da noch sehr viel
      Freude an der Schule haben und mit Eifer bei der Sache sind.
      Versuch eines praktischen Beispiels:

      Das Kind kommt aus der Schule. Es gibt Mittagessen und eine kleine Ruhe- oder Rumtobpause (je nach Charakter des Kindes). Anschließend (am besten immer zur gleichen Zeit) setzen Sie sich mit dem Kind hin. "So, jetzt machen wir Hausaufgaben." Vorher keine wirklichen Freizeitaktivitäten zulassen, außer eben "mal kurz Luft holen". Hausaufgaben gehen immer vor. (-> Verankerung einer Routine)

      "Was hattet ihr denn in der ersten Stunde?"
      "Deutsch."
      "Was habt ihr denn alles gelernt?"
      Das Kind beginnt zu erzählen. Da es für Kinder wichtig ist, ihre Erlebnisse zu teilen, wird es das nicht als Belastung ansehen, sondern das sehr gern machen.
      Legen Sie für jedes Fach ein eigenes "Protokollheft" an und schreiben Sie den relevanten Stoff der Stunde in einfachen, kurzen Sätzen auf. "Das machen wir, damit du auch noch in drei Monaten weißt, was du in dieser Stunde gelernt hast." (-> Verankerung der nächsten Routine)
      Das Kind kann zu den einzelnen Stichpunkten z.B. Symbole oder Buchstaben malen. (-> Lernen von Verknüpfungen und Zuordnungen)
      Mit zunehmendem Alter wird es von allein merken, dass es praktisch ist, sich den Unterrichtsstoff auf diese Weise immer in Erinnerung rufen zu können.

      "Habt ihr denn was auf?"
      Lassen Sie das Kind die Hausaufgaben nun allein machen, gehen Sie aus dem Zimmer. "Ruf mich, wenn du fertig bist oder falls du Hilfe brauchst." (-> Lernen, dass Hausaufgaben allein gemacht werden müssen, dass Sie aber als Ansprechpartner zur Verfügung stehen)

      Merken Sie sich die Zeit und schauen Sie, wie lange das Kind für was braucht.
      Falls es sehr schnell und dabei ordentlich und fehlerfrei ist -> "Wow, du bist ja wirklich schnell und dabei auch noch ordentlich und gut! Wenn du das so weitermachst, wirst du bestimmt ein/e toller Schüler/in!"
      Falls es sehr schnell und dabei unordentlich ist, viele Fehler macht -> "Ich glaube, das wird deiner/m Lehrer/in nicht gefallen" und das Kind entscheiden lassen, ob es die Aufgabe noch mal ordentlicher macht oder den Tadel des Lehrers kassiert. Nicht darauf herumreiten oder darauf bestehen, dass die Übung wiederholt wird. Denn das Kind macht die Hausaufgaben für die Schule, nicht für Sie. Sie sind der Begleiter, der Ratgeber, der Lehrer ist der Beurteilende. Kassiert das Kind einen Tadel des Lehrers, wird es das eher anspornen, ordentlich zu arbeiten. Wenn es Ihren Rat nicht annimmt, muss es lernen, dass Ihr Rat gut ist bzw. dass es sich auf Ihren Rat/Ihre Einschätzung verlassen kann.
      Falls es sehr langsam ist (also wirklich extrem langsam) -> "Wetten, dass ich das schneller kann als du?" Kleines, lustiges Spiel, bei dem die Regeln gelten, dass alles ordentlich gemacht werden muss.
      Korrigieren Sie nicht allzu viel. Aus Fehlern lernen gehört zum Leben dazu. Wenn Sie zu viel kritisieren, verliert das Kind zu schnell die Lust und Sie verlassen die Rolle als Ratgeber und werden zum Lehrer.
      (Es sei denn natürlich, Sie stellen dabei fest, dass das Kind ein grundlegendes Problem hat -> hier dann frühzeitig an Berater, Lehrer, Arzt, Psychologe etc. wenden.)

      Fällt Ihnen zu dem Unterrichtsstoff eine weiterführende Aufgabe, Geschichte, Film, Spiel ein? Wenn es schnell geht - gleich dahinter setzen, dauert es länger oder ist "zu wild", auf danach verschieben.

      Nehmen Sie sich nun das nächste Fach auf die gleiche Weise vor. Von vorneherein keine "Verlagerungen" zulassen. "Mathe hab ich aber erst wieder am Mittwoch." - "Ach, lass uns das lieber gleich machen, dann ist es weg."
      usw.
      Zum Schluss wird der Ranzen für den nächsten Tag gepackt.

      Dahinter hängen Sie dann die weiterführenden Dinge, die Ihnen möglicherweise eingefallen sind und die nicht in einen angemessenen Zeitrahmen passten. Das sollte stets interessant, lustig oder spannend sein und scheinbar nichts mit Lernen zu tun haben, sondern einfach die Freude am Weiterforschen und Vertiefen vermitteln. Das kann ein Buchstabenspiel sein, ein Rechenspiel (z.B. das Hüpfspiel "Himmel und Hölle", bei dem man einfache Rechenaufgaben lösen muss. "Hüpf mir eine Vier" - und das Kind springt in die Felder 1 und 3) oder ein Memoryspiel mit Tieren, wenn die Kinder in Sachkunde gerade die Namen von verschiedenen Tieren lernen. Nicht ausarten lassen, kurz, knackig, so lange das Kind Lust hat.

      Damit ist Schule abgeschlossen und sollte im weiteren Verlauf des Tages keine Rolle mehr spielen. Das Kind hat frei und kann machen, was immer es möchte. (-> Verankerung der nächsten Routine und lernen, Dinge bewusst abzuschließen.)

      Diese Routine tagtäglich einüben, und je älter das Kind wird, je mehr ziehen Sie sich zurück. Wenn es selbst schreiben kann, soll es die Protokolle selbst schreiben. Wenn es gelernt hat, Wichtiges herauszufiltern, keine Hinweise mehr darauf geben. Die weiterführenden Dinge werden komplexer (einen Film zum Thema sehen, ein Buch dazu lesen, im Internet recherchieren -> Medienkompetenz erlernen) und finden zunächst unter Ihrer Anleitung und schließlich immer mehr ohne Sie statt.
    • Das funktioniert übrigens ganz gut. :)
      Es ist zwar tatsächlich etwas zweitaufwändig, aber die Kleine fängt schon an, es als Ritual anzunehmen und ist mit großem Eifer bei der Sache.
      Ich habe festgestellt, dass dieses Ritual auch sehr gut dazu geeignet ist, wirklich auf dem Laufenden zu sein und alle Probleme mitzukriegen, die sich vielleicht im Laufe des Tages ergeben haben und wenn es nur darum geht, dass "XY gemein zu mir" war. Das hat dann zwar nicht unbedingt was mit Schule zu tun, aber ich habe so einen guten Überblick. Und ja, natürlich auch über den Unterrichtsstoff! Ich kann viel leichter was dazu recherchieren, raussuchen oder ergänzen.
    • Hallo Tecret,

      freut mich, dass es so gut funktioniert. :)
      In der Tat bedeutet es zunächst einen gewissen Zeitaufwand. Aber wie Sie selbst schon angemerkt haben, hat man als Erwachsener einen recht guten Überblick, solange die Kinder noch kleiner sind. Später wird es Ihnen - und auch Ihrer Kleinen - eher Zeit ersparen. Denn je älter sie wird, umso besser wird sie selbst einen Überblick haben und dadurch auch immer selbstständiger und selbstbewusster werden.

      Übrigens kann diese Methode auch Stress zwischen Eltern und Heranwachsenden in Bezug auf Hausaufgaben vorbeugen, denn wenn das Kind die Schule selbst gut im Griff hat, gibt es logischweise weniger Grund, einzugreifen.
    • Hallo Zusammen :)

      Erstmal vielen Dank für die guten Tips und Ratschläge die ich hier lesen durfte. Es freut mich, dass wir uns eigentlich mehrheitlich auf dem richtigen Weg befinden.

      Unser Problem ist: Unsere Zwillingsmädchen wurden ende August eingeschult. Wir haben uns alle darauf gefreut, vorallem die Kinder waren froh, als sie endlich zur Schule durften.

      Direkt vor und nach dem Mittagessen haben die Kinder frei. Dann schauen wir uns zusammen die Hausaufgaben an, besprechen das und die Kinder erledigen die selbständig während ich die Küche mache. Bei Fragen bin ich jederzeit verfügbar und wenn alles erledigt ist wird kontrolliert. Soweit so gut...

      Wir sind relativ chaotisch. Beide Eltern arbeiten 100% (ich zum Glück von zuhause) und es gibt noch den kleinen Bruder Lars, der ebenfalls Ende August in den Kindergarten gekommen ist.

      Auch ist es so, dass ich oft zu viel für meine Kinder tue. Des öfteren muss ich mich sagen lassen, dass ich zuviel mache und ich muss mich immer zurückhalten, dass ich nicht doch die Schuhe binde, oder das Frühstücksbrot streiche etc.... ist zwar nett von mir, hilft den Kindern aber nicht.

      In der Schule - dachte ich - mache ich nicht den selben Fehler. Ich bin da, unterstütze Sie bei den Hausaugaben, man kann sogar behaupten, wir hätten ein System darin. ABER wenns um die Ordnung geht scheitern wir regelmässig.

      Entweder ich packe quasi alles alles für bzw. mit den Kids und das leben ist schön. Oder ich erwarte von den Kindern, Ihr Schulmaterial selber wieder bereit zu machen für den nächsten Tag. Hast Du das Aufgabenheft? Den Gummi? Das Etui? Blei-/Farbstifte gespitzt: Ja, ja, ja, ja... und wenns denn doch nicht so ist, und ich die Kinder erinnere, erhalte ich freche Antworten wie: jaaahaaa, sag doch nicht immer alles fünf mal!

      OK! Dann sag ich das jetzt EINMAL und wenn es dann nicht so ist, wird die Lehrerin euch das schon sagen... Jedesmal wenn ich sie so dann quasi "reinlaufen lasse" sodass sie endlich selber lernen ihr Material wieder bereitzustellen - erhalte ich von der Lehrerin entweder eine Notiz im Infoheft oder per SMS:

      Liebe Frau X, Ihre Kinder haben in letzter Zeit häufig ihr Material nicht dabei (Radiergummi, Bleistift, etc.) Ich wäre froh, wenn Sie die Kinder mehr unterstützen könnten.

      Das ist für mich eine ziemliche Zwickmühle und ich wäre um Tips wirklich sehr dankbar!

      Freundliche Grüsse

      Paterson
    • Zwickmühlen und goldene Mitten

      Hallo,

      vielen Dank für die positive Rückmeldung. Es freut mich, dass die Tips und Ratschläge hilfreich für Sie sind/waren.

      Nun aber zu Ihrer Frage:

      Ihre familiäre Situation ist seit Sommer nicht unerheblich verändert. Die Zwillinge gehen jetzt in die Schule und Lars besucht den Kindergarten. Das führt zwangsläufig zu Veränderungen auch bei den Kindern, denn diese müssen sich auf die neue Situation genau wie Sie als Eltern einstellen.

      Paterson schrieb:

      Direkt vor und nach dem Mittagessen haben die Kinder frei. Dann schauen wir uns zusammen die Hausaufgaben an, besprechen das und die Kinder erledigen die selbständig während ich die Küche mache. Bei Fragen bin ich jederzeit verfügbar und wenn alles erledigt ist wird kontrolliert. Soweit so gut...

      Da haben Sie einen recht guten Umgang mit der Erledigung der Hausaufgaben gefunden, der offenbar ja auch gut funktioniert. Sie haben eine fest Struktur, ein Ritual, das den Kindern Orientierung gibt.

      Einige Fragen stellten sich mir, als ich Ihre Schilderung las:

      Inwieweit gelingt es den Kindern denn, die Hausaufgaben selbständig zu erledigen? Kommen sie oft zu Ihnen und benötigen Ihre Hilfe? Bleiben die Kinder bei den Hausaufgaben oder beschäftigen sie sich zwischendurch mit anderen Dingen? Verläuft die "Kontrolle" unkompliziert oder gibt es dann auch Diskussionen oder Versuche, den Zeitpunkt der Kontrolle zu verschieben?

      Wenn die Hausaufgabenerledigung mitsamt abschließender Kontrolle ohne Diskussionen und konzentriert abläuft bestünde ja vielleicht die Möglichkeit das Packen der Schulsachen für den neuen Tag gleich mit anzuschließen. Dann hätte man das Theme Schule komplett abgeschlossen und muss sich für den Rest des Tages nicht mehr damit beschäftigen.

      Wenn die Kinder Dinge wie Radiergummi nach den Hausaufgaben noch zum Spielen/Malen benutzen, könnte man für die Kontrolle des Ranzenpackens alternativ einen festen Termine mit den Kindern vereinbaren, z.B. immer nach dem Abendessen.

      Mit festen Terminen, Strukturen, Ritualen können die Kinder ja offenbar recht gut umgehen. Sie als Mutter brauchen dann nicht mehrere Male nachfragen und die Kinder wissen, wann sie diese Aufgabe erledigt haben müssen. Sie bekommen durch die Kontrolle, ob alles eingepackt ist, aber auch die Unterstützung, die sie anscheinend noch benötigen.

      Paterson schrieb:

      Auch ist es so, dass ich oft zu viel für meine Kinder tue. Des öfteren muss ich mich sagen lassen, dass ich zuviel mache und ich muss mich immer zurückhalten, dass ich nicht doch die Schuhe binde, oder das Frühstücksbrot streiche etc.... ist zwar nett von mir, hilft den Kindern aber nicht.

      Ich finde es gut, dass Sie daran arbeiten, die Kinder zu mehr Selbständigkeit zu erziehen. Wenn ich Sie recht verstanden haben, sind Ihre Kinder da in der Vergangenheit etwas "verwöhnt" worden ^^ ?
      So ein Umgewöhnungsprozess ist natürlich nicht nur für Sie als Mutter ein Stück Arbeit, sondern auch für die Kinder. Da laufen jetzt Dinge anders als gewohnt - daran müssen sich die Kinder erst gewöhnen. Solche Veränderungen brauchen Zeit und manchmal erst kleine Schritte und nicht gleich die ganz großen. Der Weg der goldenen Mitte - die Kinder selber machen lassen, aber noch kontrollieren - ist daher, denke ich, ein gangbarer Weg. Oder eben die Dinge nicht für die Kinder zu machen, aber ruhig mit den Kindern gemeinsam. Wenn das funktioniert, können Sie sich als Mutter immer weiter zurückziehen.

      Viel Geduld und den für IHRE Familie richtigen Weg zu finden

      wünscht

      Anne