LRS - Wie Eltern helfen können

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    • LRS - Wie Eltern helfen können

      Leserechtschreibschwäche, auch Legasthenie, ist nicht nur für das betroffene Kind eine Belastung, sondern kann das ganze Familiensystem beeinträchtigen. Wenn Eltern spüren, dass es sich nicht um eine "kleine Lernschwierigkeit" handelt, wo sich der "Schalter plötzlich doch noch umlegt" und das Kind die Defizite aufarbeitet, entsteht bei ihnen häufig ein Gefühl von Angst und Ohnmacht. Die Sorge, das Kind könne den Anforderungen in der Schule nicht gerecht werden, bringt viele Eltern dazu, den Druck zu erhöhen und "Üben, üben, üben" wird zum alltäglichen Freizeitprogramm. So wird der Schreibtisch in manchen Familien zum regelrechten "Kriegsschauplatz" und hinterlässt oftmals Verzweifelung, Tränen, Entmutigung und Demotivation auf beiden Seiten zurück.
      Dabei braucht ein Kind mit einer LRS vor allen Dingen ein gesundes Selbstwertgefühl, um mit dieser Beeinträchtigung gut leben und umgehen zu können. Deshalb hier ein paar Tipps, wie Eltern ihr Kind mit Legasthenie unterstützen können:

      Üben sie regelmäßig, am besten zu einer festen Uhrzeit, damit das Kind es in seine Freizeitplanung einbauen kann und auch Sie eine Zeit auswählen können in der Sie Zeit und Ruhe habe.

      15 Minuten reichen! So vermeiden Sie Einbußungen in der Konzentration und eine viertel Stunde kann jeder "abzwacken", das funktioniert natürlich nur, wenn auch regelmäßig, also an 5 - 6 Tagen in der Woche trainiert wird.

      Lassen Sie das Kind beim Lesen die Silben laut mitsprechen, evtl. hilft das Einzeichnen von Silbenbögen

      Viel Lesen! Lesen Sie gemeinsam mit dem Kind, sie können sich zum Beispiel abschnitts- oder satzweise abwechseln. Lassen Sie das Kind eine Leseschiene benutzen, wenn ihm das hilft. Bieten Sie dem Kind Bücher an, die einen überschaubaren Umfang haben, groß geschrieben sind und Thema und Illustration für das Kind interessant sind.

      Machen Sie sich gemeinsam auf Fehlersuche und lassen sie das Wort nochmal in korregierter Form aufschreiben. Freuen Sie sich, wenn sie einen Fehler entdecken, denn dann kann er verbessert werden und ist weg. Fehler sollten etwas von dem negativem, beschämenden Image verlieren, denn Fehler sind Lernmöglichkeiten.

      Beziehen Sie ihr Kind in Alltagssituationen, die Lesen erfordern, mit ein z.B. Kochrezepte lesen, Einkaufslisten schreiben, Briefe und Postkarten lesen etc.

      Sprechen Sie beim Üben unterschiedliche Wahrnehumgskanäle an, lassen Sie das Kind Buchstaben oder Wörter summen, singen, legen, kneten, ausschneiden, abtasten, abgehen, modellieren etc., manchmal ist das Lernen über einen Wahrnehmungskanal blockiert (siehe auch den vorangegangenen Beitrag)

      Wenn Hausaufgaben- und Übesituationen trotzdem häufig eskalieren, versuchen Sie jemand anders zu finden, der die Aufgabe übernehmen kann, vielleicht der Mann, die Frau, eine Freundin oder Nachbar oder eine/e Nachhilfelehrer/in. Manchmal reibt man sich so aneinander auf, das dass Thema schon wegen der vorangegangenen Streitigkeiten so negativ besetzt ist, das ein Neuanfang schwer oder unmöglich ist und nur ein Neustart mit einer anderen Person funktioniert.

      Geben Sie dem Kind die Möglichkeit in anderen Bereichen zu "glänzen", fördern Sie seine Talente und räumen Sie denen auch Raum ein. Setzen Sie ein geliebtes Hobby nicht als Druckmittel ein oder streichen es, weil dann mehr Zeit zum Üben bleibt. Ihr Kind braucht den Ausgleich und den positiven Schub fürs Selbstbewusstsein.

      Versuchen Sie die Nerven zu bewahren, und zeigen Sie eine Haltung, die von Verständnis, Geduld und Anerkennnung geprägt ist. Koppeln Sie Ihre Zuneigung und Zuwendung niemals an Leistung und Erfolg. Loben Sie auch kleine Schritte in die richtige Richtung und konzentrieren Sie sich mehr auf die Anstrengung, als auf das Ergebnis.

      Wenn Sie sich der Situation nicht gewachsen fühlen, holen Sie sich Hilfe, Erziehungsberatungsstellen, ein gutes Nachhilfe Institut, der Psychologe, Kinderarzt oder eine ergotherapeutische und lerntherapeutische Praxis können weiterhelfen.

      Und nicht vergessen auch aus LRS-geplagten Kindern werden gebildete, erfolgreiche und glückliche Erwachsene! :thumbsup: Bestes Beispiel hierfür die Kronprinzessin Viktoria, die sich bereits 2002 zu ihrer Legasthenie bekannte. Wer es nachlesen möchte:

      stern.de/lifestyle/leute/kronp…thenikerin171-272065.html