Kann er nicht oder will er nicht?

    • Hallo Evelyn,

      ich bin gespannt, was Sie zum Thema Einnässen berichten werden....

      Dass Ihr Sohn sich nicht per Handy kurz bei Ihnen meldet, um Bescheid zu sagen, dass er später nach Hause kommt, kann ich wiederum sehr gut verstehen und dies ist typisches Pubertätsverhalten. Seine Mama anzurufen, um sich zu entschuldigen oder um sich abzumelden, ist in der Phase eher "peinlich", denn man ist ja sehr damit beschäftigt, "cool" zu sein - und es kann ebenso sein, dass er einfach nicht daran gedacht hat, denn auch diese schwer zu begreifende Vergesslichkeit gehört einfach da mit dazu. Wichtig und gut finde ich, dass Sie Ihrem Sohn klar gesagt haben, dass Sie sich Sorgen um ihn gemacht haben und dass es Ihnen helfen würde, wenn er sich melden würde, damit Sie wissen, dass alles in Ordnung ist. Mehr braucht es nicht.
      Vielleicht schafft er es ja das nächste Mal - und wenn nicht, wars wieder die Pubertät ;)

      Alles Gute für Sie!
      Klara
    • Wir verzeichnen erste Erfolge. Nachdem ich am vergangenen Donnerstag bei dem Thema Einnässen tatsächlich zu ihm durchgedrungen bin *Schulterklopfen*, habe ich gesagt, ich hätte vielleicht eine Lösung. Er war sehr interessiert an dieser, so dass ich ihm das auf kindgerechten Niveau erklärt habe. Glaube versetzt manchmal Berge. Wir nutzen nun ein homöopathisches Mittel. Zusätzlich macht er Toilettentraining. Für die Nacht haben wir vorsorglich Windelpantys für Teenies besorgt. Das ganze ist unser Geheimnis. Es ist ihm ja peinlich, besonders die Pantys. Die ersten Nächte ergaben die selben Ergebnisse wie zuvor, aber die letzten beiden blieben trocken. Yippieh!!!
      °° Schwierig bedeutet nicht unmöglich °°
    • Hallo Evelyn,

      das klingt ja fantastisch! Man spürt Ihre Freude zwischen den Zeilen und Sie haben Recht, Glaube kann Berge versetzen. Es ist ja erwiesen, dass sogar Placebos große Erfolge auslösen können. Vielleicht ist dieses homöopathische Mittel nun genau die "Hilfe" und Unterstützung, die Ihr Sohn für sich im Moment braucht, um sich sicher zu fühlen und um zuversichtlich und optimistisch sein zu können.
      Halten Sie uns gerne auf dem Laufenden, gerne auch was die Vergesslichkeit angeht.

      Herzlich!
      Klara
    • Guten Morgen.

      Auch heute morgen war das Bett trocken. :) Zudem hatten wir einen klasse Start in den Tag. Alles hat super geklappt, er hat pünktlich das Haus verlassen. Und das schönste: wir waren völlig entspannt.

      Ich habe meinem Sohn versucht zu vermitteln, dass man alles schaffen kann, wenn man es selbst will. In der Vergangenheit gab er mir abends immer die gleiche Aussage: ich versuche, dass es morgen besser klappt. Gestern sagte er zum ersten Mal: ICH WILL DAS SCHAFFEN! Und siehe da - es hat geklappt. Drücken wir die Daumen, dass wir mehr solche Tage haben. :)

      Und mal so am Rande: auch zu meinem Partner bin ich durchgedrungen. Ich konnte einen Anreiz geben, die Sache mal anders zu betrachten - auch dank der vielen Informationen, die ich hier bekommen habe.

      Ich wünsche einen schönen Tag. ^^
      °° Schwierig bedeutet nicht unmöglich °°
    • Hallo Evelyn,

      das sind ja mehr als großartige Nachrichten! Ich freue mich riesig für Sie und Ihren Sohn! Das ist fantastisch und zudem einfach wunderschön, dass er nun an sich selbst glaubt und so zuversichtlich und auch so zielstrebig ist. (Ich will das schaffen!)

      Bleiben Sie dran, stärken Sie Ihren Sohn weiter, sagen Sie ihm, dass Sie sich sicher sind, dass er das auch schaffen wird.

      Im Grunde sind Probleme stets auch eine Chance, sich zu entwickeln. Würde alles glatt laufen, hätten wir keinen Grund, Neues zu lernen. ;)

      Ich wünsche Ihnen alles alles Gute!

      Klara
    • Hallo ihr Lieben.

      Zur Zeit leben wir nach dem Motto: mühsam ernährt sich das Eichhörnchen! Das Thema mit dem Einnässen ist weiterhin kein Thema. Aber das morgendliche Aufstehen ist nach wie vor ein Kampf. Vielleicht habt ihr ja einen Rat für mich, denn der Kurze jammert - und er jammert wirklich - jeden Morgen rum, dass ihm ja so kalt ist und er deswegen nicht unter der Decke rauskommen will. Sein Zimmer ist aber nicht kalt, da läuft die Heizung. Und dann trödelt er immer noch so, wenn ich nicht daneben stehe. Wie kann ich ihn so lenken, dass das besser klappt. Ich frage mich immer, was er dabei denkt. Immerhin kommt er dadurch doch auch wieder zu spät. Ich dachte, dass will er nicht. Zumindest sagt er das.

      Liebe Grüße
      °° Schwierig bedeutet nicht unmöglich °°
    • Hallo Evelyn,

      während der Pubertät funktioniert das logische Denken, vor allem, was die Konsequenzen des eigenen Handelns und Verhaltens betrifft, nur bedingt. Das bedeutet, dass Ihr Sohn nicht so weit denkt, dass er ja dann spät dran ist oder sogar zu spät kommt, wenn er nicht aufsteht.
      Auch typisch für diese Lebensphase ist, dass frühes Aufstehen zu etwas unglaublich Anstrengendem werden kann. Morgenmuffelig zu sein ist im Grunde eher typisch... ;)

      Ich denke, da hilft nichts außer dranbleiben, nicht persönlich nehmen und sich auch eine gute Portion Humor zu bewahren.

      Klara
    • Einserseits soll das Einnässen nicht wirklich sein (es schränkt sehr ein) andererseits ist bekannt, dass ADHS mit ENuresis zusammenhängt(hat was mit der zusätzlich möglicherweise gestörten Hirnreife zu tun) - sprich die Nieren nicht auf Schlafmodus gehen und der Körper auf VOllleistung durchläuft bis in die frühen Morgen stunden. Die Kinder finden keinen Tiefschlaf, sind immer aufgekratzt und sie können das einnässen schlichtweg nicht kontrollieren - selbst wenn sie 24 Stunden pro Tag wach sind - die Nieren Produzieren in der Nacht schlichtweg mehrere Liter Urin - und das hält die beste Blase nicht aus. Es gibt Mittel dagegen die zusätzlich zu ADHS Medis genommen werden können - und die wirken fast sofort - das Selbstvertrauen steigt und voila - ein noch mehr selbstzufriedenes Kind, das auch mal in der Nacht sorgenfrei in die Tiefschlafphase gleiten kann ohne Angst haben zu müssen wieder nass zu werden (auch die Pantys halten mitunter die Mengen flüssigkeit nicht aus - die da rauskommen können aus der Blase, ist ja auch nicht sonderlich bequem). Meiner hat damals Minirin verschrieben bekommen, und ich hatte plötzlich ein glückliches Kind, das nicht ausreden suchen musste um nicht bei seinem besten Freund übernachten zu "dürfen", weil es ja dort möglicherweise, wenn Kind ganz alleine ist und die Trinkmengen bei Popcorn und Fernsehabend steigen - ins Bett pinkelt wie ein Baby. Und ganz ehrlich, das aufstehen in der Früh war um vieles - vieles leichter wenn das Kind auch tief geschlafen hat dank Minirin.

      Ich würde empfehlen mit dem Kind zu einem Urologen zu gehen, in eine ENuresisambulanz und dort ein Protokoll zu machen (Protokoll gibt es auch im Internet zum downloaden - Stichwort Enuresis, wenn ihr das ausfüllt - kann euch der Arzt gleich sagen was los ist, sonst müsst ihr nach dem ersten Termin erst einmal das Protokoll machen, am besten mal über ein Wochenende, 14 Tage hält keiner aus die Pinkel und trinkzeiten und MEngen aufzuschreiben, aber 3 Tage haben zumindest bei unserem gereicht).

      Bei ADHSlern ist es leider so - dass sie von Struktur, Disziplin und Feedback leben. Sie wollen ja nunmal gefallen die lieben kleinen, mit Käse fängt man Mäuse, mit Belohnungen fängt man sich ADHSler Traumtänzer. Kommt das Kind früh genug aus dem Bett, darf es sich - beispielsweise vor der Schule noch aus dem Supermarkt eine Vormittagsjause aussuchen. Es bekommt nach der Schule ein kleines Eis, oder 1x in der Woche darf das Kind ins Kino, in den Freizeitpark was auch immer. Aber bitte keine zu langfristigen Termine setzen - und nicht zu viel anstauen lassen. Wenn das Kind brav ist bekommt es zu Weihnachten - damit kann ein ADHsler nicht umgehen, das ist zu weit weg, da ist zu viel dazwischen - einmal blöd aufgefallen und das kInd ärgert sich grün und blau. Um das Klo nicht andauernd zu besetzen hilft es dem Kind einen Sitzsack zu kaufen, es gibt so überdimensionale die einen fast bis zum Hals verschlucken können - Geborgenheit in Superlativem Bereich - gerade richtig für Kinder die sich gerne begrenzen lassen und sich in Kuscheldecken und co richtig wohlfühlen. Stichwort geborgen wie in einer Höhle (kleines Bad ist auch Höhle - nur müssen Mitmenschen draussen warten und das kann auch mal daneben gehen). Weiters gibt es Kirschkerndecken, Reisdecken, und andere "schwere" Decken die man mitunter auch selber basteln kann um das Kind in der Nacht besser schlafen zu lassen - die brauchen einfach das "festere" Gefühl um sich rum um sich wirklich wohlzukuscheln.

      Solche kleinen Tricks für den Alltag machen keinen besseren ADHsler aus ihm, und es kann die ADHS auch nicht heilen, aber es hilft zumindest als Überbrückung um die kleinen Mischkulanzen der ADHSler Weltgeschichte ein bisschen gerader zurücken. Aufstehen muss man nunmal, am Abend ist alles vorbereitet für den nächsten Tag, Konsequent 1/2 Stunde eher das Licht abdrehen, nun wird es ja auch schon wieder früher hell - sehr hilfreich für etwaige Morgenmuffel die sich einreden, wenn es dunkel ist nicht aufstehen zu müssen. Eine gute Musik, der Morgenappell mit der Trompete und schlimmstenfalls das eiskalte Händchen von Mama unter der Decke ermöglichen ein zeitigeres - aber nicht sorgenfreieres aufstehen (kann aber durchaus hilfreich sein - wenn der Hut brennt).

      Und ganz viel Liebe, Umarmungen und Drücken. Es braucht ja nicht unbedingt vor dem Haupttor der Schule passieren, aber die kleinen sind so unsicher mit sich und ihrem Gedankenwirwarr - dass sie jede noch so kleine Geste an Verständnis brauchen wie einen bissen Brot.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Miau ()

    • Hallo Evelyn,

      so wie ich Sie verstanden habe, ist das nächtliche Einnässen kein Thema mehr. Das freut mich sehr.

      Ich möchte zudem betonen, dass die Verabreichung von Medikamenten stets die letzte Option sein sollte und zuerst geprüft werden sollte, ob ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Symptomatik psychische, seelische oder letztlich tatsächlich organische Ursachen hat. Jedes Medikament hat Nebenwirkungen, auch das von Miau angepriesene Minirin. Sicherlich gibt es Medikamente, die Betroffenen Linderung verschaffen, die sogar heilen können und wenn es sich um Kinder handelt, auch Eltern Erleichterung verschaffen können, weil das Kind durch das Medikament ausgeglichener, zufriedener oder auch wirklich einfach gesünder ist. Aber bitte handeln Sie als Eltern nicht vorschnell! Damit meine ich ALLE, nicht nur Evelyn!!!

      Manchmal habe ich das Gefühl, gäbe es von der Pharmaindustrie eine neue Pille, die gegen die Pubertäts-Symptome helfen soll oder die so genannte "Trotzphase" aushebelt, würden viele Eltern ohne Nachzudenken zugreifen, alle möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen ignorieren. Das kann nicht die Lösung sein und hat auch nichts mehr mit Kindererziehung zu tun.

      Klara