Wie erkennt man ein Alkoholproblem beim Partner?

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    • Wie erkennt man ein Alkoholproblem beim Partner?

      Ich muss etwas ausholen und möglicherweise haltet ihr mich auch für paranoid.

      Ich selber trinke überhaupt kein Alkohol und bin dem Thema auch etwas übersensibel gegenüber, weil ich einige Fälle von Alkoholsucht im direkten Umfeld miterlebt habe. Kurz: Ich hasse dieses Zeug. Bin aber tolerant, wenn es andere trinken. Muss ja schließlich jeder selber wissen.

      Mein Mann stammt aus einer Familie, in der Alkoholsucht ebenfalls vorhanden war. Trotzdem hat er sich dem nicht ganz abgeschworen wie ich, sondern trinkt gerne mit Nachbarn ein Bierchen oder vielleicht auch mehr. Ich habe nie irgendetwas dagegen gesagt, außer dass er mich danach bitte in Ruhe lassen und nicht anhänglich werden soll, weil ich auf Intimitäten mit Betrunkenen keine Lust habe.

      In den letzten Monaten - vielleicht auch schon vorher, ohne dass es mir aufgefallen ist - versteckt er immer die Bierflasche hinter seinem Rücken, wenn er weiß, dass ich gucke. Er trinkt drüben mit dem Nachbarn ein Bier, was ich natürlich auch sehe, wenn ich aus dem Fenster gucke. Wenn er aber zurück kommt und am Fenster vorbei geht, schielt er in meine Richtung und versteckt die Flasche. Ich habe ihn darauf angesprochen, weil ich total doof finde, dass er es macht. Erstens, weil ich nie irgendetwas gegen seine Bierchen gesagt habe und zweitens, weil es die Nachbar sehen und denken, was ich für 'ne blöde Alte bin, die ihren Mann noch nicht mal ein Bier trinken lasse. Er hat es abgestritten und meinte, dass er seine Flasche gar nicht versteckt, was er aber jedes Mal macht.

      Inzwischen habe ich auch das Gefühl, dass er Alkohol versteckt. Also nicht so richtig versteckt, sondern für mich unauffälliger lagert. Ich wühl jetzt auch nichts von ihm durch. Bierkästen holt er heimlich und wie gehetzt aus dem Auto und achtet darauf, dass ich es nicht sehe, obwohl er früher immer eine Kiste im Heizungsraum stehen hatte. Letztens hatte er irgendwelche Alkohol-Dosen im Kofferraum. In seiner Werkstatt hat er zwei angebrochene Flaschen, u.a. Wodka. Er sitzt da manchmal mit Nachbarn zusammen. Ich verstehe das Verhalten irgendwie nicht. Ich denke natürlich darüber nach, ob ich irgendetwas getan habe oder tue, das ihn dazu bewegt, aber ich bin mir keinerlei Schuld bewusst.

      Weiter geht es damit, dass ich mir einbilde, dass er ausgelassener mit den Kindern ist. Er war früher immer so verklemmt und hätte auf dem Spielplatz nie mehr gemacht, als am Rand zu stehen. Mit auf Rutsche oder Klettergerüst? Niemals. Viel zu peinlich. Jetzt liegt er seit kurzem bäuchlings im offenen Vorgarten und spielt Zuschauer für das Pferdeturnier-Spiel unserer Kinder. Heute auf dem Spielplatz ist er mit auf alle Klettergerüste, was er noch nie gemacht hat. Im Auto hatte ich auch einen Geruch in der Nase, der an Alkohol erinnerte. Ich weiß nicht, ob es auch Mundwasser oder ein andere Kaugummi gewesen sein kann. Außerdem wollte er zuerst nicht fahren, was er sonst eigentlich immer macht, weil er weiß, dass ich in der Stadt nicht so gerne fahre.

      Ansprechen kann ich ihn nicht. Er würde es sowieso abstreiten. Und sicher bin ich mir auch nicht. Ich weiß, wie er ist, wenn er richtig betrunken ist. Und das ist er nicht. Aber ob er auch so richtig nüchtern ist? Vielleicht bilde ich es mir auch ein.
      Gibt es irgendwelche ganz deutlichen Anzeichen dafür, dass jemand ein Alkoholproblem hat?
    • Hallo Bea,

      ich kann Ihre Sorge sehr gut verstehen, vor allem mit Ihrer Vorgeschichte und den schmerzlichen Erfahrungen, die Sie mit Alkohol gemacht haben - und wenn so eine Sorge über allem schwebt und sich plötzlich das Verhalten des anderen verändert, wittert man schnell eine Gefahr, in Ihrem Falle, dass Ihr Mann womöglich heimlich trinkt.
      Vielleicht tut er das auch, vielleicht aber auch nicht. Alles nur Spekulationen und Sie selbst sind vor Sorge ebenso heimlich wie er vielleicht trinkt - oder eben auch nicht - am Indizien sammeln und spionieren ihn aus.

      Sie schreiben, dass Sie ihn nicht darauf ansprechen können, weil er alles abstreiten würde.
      Aber was wäre denn Ihre Intention, um mit ihm sprechen zu wollen? Welche Erwartungshaltung haben Sie?

      Sie können mit ihm reden und sollten das auch. Teilen Sie ihm mit, dass Sie sich große Sorgen um ihn machen, weil Sie sehr große Angst davor haben, dass auch er Alkoholiker werden könnte. Sie können ihm sagen, dass Sie sich selbst dabei ertappen, ihn aus Angst zu beobachten und dass Sie in letzter Zeit bemerkt haben, dass er sich verändert hat.
      Ich denke, Sie finden die Veränderungen, wie ausgelassen er mit den Kindern spielt, sicherlich schön. Nur ist da eben auch Ihre Angst, die den "Haken" sucht, die Ihnen einflüstern will, dass das zu schön ist, um einfach wahr zu sein, dass da sicherlich etwas anderes im Spiel ist... in Ihrem Fall der Alkohol.
      Sie können und sollten mit ihm reden und ihm Ihre Sorgen und Ängste mitteilen, ohne darauf zu bestehen, dass er Stellung bezieht, ohne darauf zu bestehen, dass er sich vor Ihnen rechtfertigt.
      Und sie können ihm auch mitteilen, dass Sie sich wünschen, dass er nicht heimlich trinkt bzw. es nicht hinter Ihrem Rücken tut, weil Sie sich dann noch mehr Sorgen machen und es Ihnen dann schwer fällt, ihm zu vertrauen. Teilen Sie sich und Ihre Sorgen mit, ohne Anschuldigungen, ohne Vorwürfe, ohne auf eine Stellungnahme zu bestehen.

      Und wenn es tatsächlich etwas gibt, wenn tatsächlich etwas an Ihren Befürchtungen wahr ist, signalisieren Sie auf diese Weise, dass Ihre "Tür" offen steht und Sie da sind und ihn nicht ablehnen, auch wenn er tatsächlich ein Alkoholproblem entwickelt hat.

      Vielleicht haben Sie ja Lust, uns mitzuteilen, wie es weitergeht...
      Ich wünsche Ihnen alles Gute

      Alles Gute
      Klara
    • Hallo Annike,

      ja, das ist durchaus so. Bei Alkoholikern tritt durch den regelmäßigen Konsum ein Gewöhnungseffekt ein, d.h. sie brauchen einen gewissen Alkoholspiegel im Blut, damit sie überhaupt "funktionieren" können, ohne Entzugserscheinungen zu haben. Viele alkoholkranke Menschen sind alkoholisiert, aber man merkt es ihnen nicht oder kaum an. Es ist dann der Atem ("Alkoholfahne") und die Alkohol-Ausdünstungen durch die Haut, die sie "verraten", da sie nach Alkohol riechen. Viele versuchen dass durch Minzbonbons zu übertünchen. Der Kontrollverlust und das sich "zusaufen" ist nicht typisch.

      Klara
    • Ich bin da auch etwas vorbelastet und kann verstehen, dass du dich nicht traust, deinen Mann darauf anzusprechen.
      Aber so richtige "Beweise" sind es nicht, was du hast. Es ist eben schwierig. Wenn er wirklich nur geringe Mengen trinkt, dafür aber sehr regelmäßig bzw. täglich, hilft vielleicht wirklich nur die "Duftprobe".

      War mir jetzt auch nicht klar, dass Alkoholiker über einen langen Zeitraum manchmal nur wenig trinken, um ihren Alkoholspiegel zu halten. Ist aber ja eigentlich logisch.
      Herzliche Grüße
      Manuela :)
    • Ich wünsche dir, dass du es dir wirklich einbildest.
      Für mich ist jemand, der gerne und vielleicht auch regelmäßig ein Feierabendbierchen trinkt nicht gleich ein Alkoholiker. Da muss man schon etwas mehr differenzieren, denke ich.
      Ein Anzeichen für Alkoholabhängigkeit wären für mich größere Stimmungsschwankungen, die sich nicht erklären lassen. Situationen, die unter leichtem Alkoholeinfluss kein Problem sind, nüchtern aber schon.
    • Man ist schon ein Alkoholiker, wenn man täglich einen bestimmten Alkoholpegel braucht und das kann eine Flasche Bier sein und das tägliche Glas Korn. Dabei kommt es nicht unbedingt auf die Menge an.

      Es gibt auch die so genannten Quatalstrinker! Die können Wochen lang ohne Alkohol, brauchen ihn aber in bestimmten Abständen. Das sind meistens ein paar Wochen, dann aber sind sie Tage lang betrunken. Das sind auch Alkoholiker.

      Mein geschiedener Mann ist seit 1998 trocken, ich weiß ganz genau wie es ist und was es heißt mit einem Alkoholiker zu leben.
      MfG Gilfy :saint:
    • Hallo Bea,

      was mich etwas erschreckt ist, mit welcher Art von Reaktion Sie rechnen, wenn Sie Ihren Mann auf die Problematik ansprechen würden bzw. wenn Sie ihm Ihre Sorgen und Ängste mitteilen würden.
      Er würde Sie auslachen und das Ganze ins Lächerliche ziehen? Puh!

      Das wäre ein Verhalten, das typisch für Suchtkranke ist. Und er hat damit auch großen Erfolg, denn Sie sind eingeschüchtert und haben keine Lust darauf, sich auslachen, sprich demütigen, also verletzen zu lassen, was ich sehr gut verstehen kann. Und er hat damit letztlich seine Ruhe.
      Und dieser Mechanismus geht dann schon stark in Richtung Co-Abhängigkeit....

      Natürlich kenne ich Ihre Vorgeschichte als Paar nicht und weiß nicht, wie oft und in welcher Intensität Sie beide bereits über das Thema gesprochen, diskutiert und vermutlich auch schon gestritten haben. Vielleicht hat er auch einfach genug davon und reagiert sensibel, weil es ihn kränkt, dass Sie ihm das zutrauen würden.... vielleicht ist aber auch was dran und er hat bereits ein Alkoholproblem.

      Schwierig.

      Ich würde Ihnen empfehlen, sich selbst als Angehörige beraten zu lassen.

      Klara
    • Ja, ich würde mir auch Beratung holen. Wenn ich denn weiß, dass er wirklich ein Alkoholproblem hat.

      Wir haben noch nie über das Thema Alkohol diskutiert. Eigentlich haben wir beide live erlebt, was mit alkoholkranken Menschen passiert und wollen selbst ganz sicher so nicht enden. Der einzige Unterschied ist, dass ich gar nichts trinke, er aber ab und zu mit Nachbarn, Freunden usw.

      Mein Mann ist aber im Allgemeinen etwas schwierig. Viele Dinge verstehe ich bis heute nicht an ihm. Er hat ein Problem mit den normalen Regeln der Höflichkeit wie Hallo, Tschüß und Entschuldigung, zumindest innerhalb der Familie. Und wenn er irgendwo hinfahren will, Bekannte besuchen ist ihm das irgendwie unangenehm, das zu sagen. Er druckst immer rum, manchmal erzählt er auch, er müsste zur Bank. Dann weiß ich schon immer, dass er erst spät abends wieder kommt, weil er noch bei einem Kollegen vorbei fährt. Oft habe ich mich schon gefragt, woher das kommt, denn den Schuh ziehe ich mir nicht an. Ich bin ein sehr toleranter Mensch, der niemanden einengt und in der Kommunikation völlig unkompliziert ist. Ich muss auch nicht ständig "darüber reden" oder irgendjemanden an seine Verantwortung erinnern. Solche Menschen gibt es ja auch, die bei allem Klärungsbedarf sehen. Manchmal stehe ich wirklich ratlos da, weil ich auch das Gefühl habe, dass ich die einzige bin, die diese Seiten so sieht. Für alle anderen, die ihn kennen, scheint er ein lockerer, gesprächiger, cooler Typ zu sein. Aber er hat auch viele gute Seiten, für die ich gern mit ihm verheiratet bin.

      Aber mit ihm über solche Sachen reden? Das funktioniert irgendwie auch nicht gut, weil er eben alles abstreitet und einen auf völlig unverständlich macht. So nach dem Motto "Bist du bescheuert?" Oder er geht dann einfach. Das kann er auch gut.
    • Liebe Bea,

      eine interessante Formulierung, die Sie da wählen: "ich würde mir auch Beratung holen. Wenn ich denn weiß, dass er wirklich ein Alkoholproblem hat".

      Das impliziert ja, dass Sie ihm Grunde damit rechnen, dass es so ist bzw. so sein wird. So als würden nur noch ausreichend Indizienbeweise fehlen, um das sicher sagen zu können.

      Ich dachte an eine Beratung in der aktuellen Situation. Das Thema beschäftigt Sie ja ganz offenkundig sehr, was ich voll und ganz verstehe, und es gibt viele Sorgen und Unsicherheiten, mit denen Sie gerade zu kämpfen haben. Und es ist auch eine komische Situation, denn im Grunde hoffen Sie ja einerseits, dass er kein Alkoholproblem hat und andererseits sind Sie wachsam und wie eine Detektivin, die nach Indizien sucht, um zu beweisen, dass er doch eines hat.....

      Jedenfalls wünsche ich Ihnen alles Gute
      Klara
    • Klara schrieb:

      Liebe Bea,

      eine interessante Formulierung, die Sie da wählen: "ich würde mir auch Beratung holen. Wenn ich denn weiß, dass er wirklich ein Alkoholproblem hat".

      Das impliziert ja, dass Sie ihm Grunde damit rechnen, dass es so ist bzw. so sein wird. So als würden nur noch ausreichend Indizienbeweise fehlen, um das sicher sagen zu können.
      Das würde ich nicht sagen. Es ist nach wie vor lediglich ein Verdacht. Natürlich beschäftigt mich das. Dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt Hilfe benötigen würde.
      Es ist ein Hinundher. Mal bin ich mir fast sicher, dass er heimlich trinkt. Dann wieder fast sicher, dass es nicht der Fall ist.

      Letztens hatten wir zusammen Urlaub, waren also fast den ganzen Tag mehr oder weniger zusammen. Da habe ich überhaupt nichts Verdächtiges bemerkt. Heute - genaugenommen gerade eben - stand er in seiner Werkstatt. Ich habe ihn beim Vorbeilaufen drin stehen sehen und von weitem gefragt, was er denn da im Dunklen machen würde. Da hat er geantwortet, dass er etwas suchen würde. Es ist jetzt schon ziemlich dunkel und bei sowas frage ich mich dann schon wieder, ob vielleicht doch. Er stand einen halben Meter von seinem Lichtschalter entfernt und im Hellen sucht es sich doch irgendwie leichter.

      Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich meiner Meinung nach nicht viel machen. Außer abwarten. Wenn etwas dran ist, wird er irgendwann einen Fehler machen. Andererseits hätte er es bis dahin dann wirklich sehr geschickt gemacht. Das würde ich ihm eigentlich gar nicht so zutrauen.
    • Liebe Bea,

      ja, es ist ganz offensichtlich ein Hin und Her, was Sie da durchleben. Ein Hin und Her aus Anspannung und Entspannung, aus Hoffen und Befürchten, aus Vertrauen und Mißtrauen...

      Eine Beratungsstelle könnte Ihnen da sicherlich Tipps geben, wie Sie als Angehörige mit dieser Situation besser umgehen könnten... denn es ist ja wie eine Art Wechseldusche, die an einem nagt und zehrt und ich kann mir kaum vorstellen, dass dies ein angenehmer Ist-Zustand ist.

      Ich wünsche Ihnen, dass sich alles klärt. Am schönsten wäre da wohl, wenn Sie nur "Gespenster" gesehen haben...

      Klara