Steckt keine Liebe in mir?

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    • Steckt keine Liebe in mir?

      Hallo,

      ich weiß, das Thema passt nicht unbedingt in ein Forum für Kindererziehung, aber da hier Profis beraten, hoffe ich einfach, dass ihr mir trotzdem einen Tipp geben könnt. Schließlich passt es in den Bereich Partnerschaft.

      Meine Freundin hat sich kürzlich von mir getrennt und nun bin ich ziemlich down. Das ist ja an sich noch nichts besonderes, aber mein Problem ist, dass dies nicht die erste Partnerschaft ist, die so kaputt geht. Der Grund ist einfach, dass ich nicht richtig verliebt bin, bzw. lieben kann, was meine Partnerinnen logischerweise irgendwann nicht mehr mitmachen und die Partnerschaft früher oder später beenden.

      Meine Angst ist nicht die, dass ich keine Frau mehr finde, sondern dass ich in einer Schleife immer wieder eine, ich muss schon sagen „arme“ Frau enttäuschen muss, die natürlich jedesmal stark von mir verletzt wird. Etwas das ich gar nicht möchte und mich obendrein stark belastet und Schuldgefühle hervorruft.

      Ich kann mich anscheinend nicht ganz fallen lassen und meine Erwartungshaltung ist zusätzlich sehr hoch und wird kaum erfüllt. Sowohl vom Charakter, als auch vom Aussehen.

      Nun meine Fragen:
      - War bisher einfach nicht die Richtige dabei oder habe ich andere Probleme? Woran erkenne ich den Unterschied?
      - Wie kann ich meine Erwartungshaltung heruntersetzen, um endlich eine glückliche Partnerschaft führen zu können?
    • Lieber Christian,

      es ist nicht leicht auf Ihre Frage zu antworten. Sich in Beziehungen auszuprobieren, zu scheitern und einen erneuten Versuch zu starten, ist ja grundsätzlich "normal" und diese Phase(n) dauern unterschiedlich lang. Mancheiner findet die "Richtige" bereits im Teenageralter, Andere scheinen ewig auf der Suche zu sein. Ob man eine Person findet, mit der man eine erfüllte Patnerschaft führen kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab; klar ein bißchen Glück gehört dazu, den passenden "Deckel" zu finden, aber die innere Bereitschaft sich emotional eng auf einen anderen Menschen einzulassen, muss eben auch gegeben sein. Und wenn ich Sie richtig verstanden habe, vermuten Sie ihr Problem ja auch genau an dieser Stelle ("ich kann mich anscheinend nicht ganz fallen lassen"). Sie sagen Sie hätten sehr (zu?) hohe Erwartungen an eine Partnerin; momentan fungiert diese Tatsache als Beziehungsblocker oder Beziehungskiller, stellen Sie sich die Frage "was habe ich davon?" "was bringt mir das?", "Vor was schützt mich das?" Ich glaube, nicht die hohen Ansprüche sind der "Knackpunkt", sondern das was sich dahinter versteckt. Wenn Sie dahinter kommen, wieso Sie sich selbst derart sabotieren, regulieren sich vermutlich auch die Ansprüche wieder, weil die als Schutzwall nicht mehr gebraucht wird.

      Jetzt habe ich auf Ihre Fragen leider nicht DIE Antwort. Mir fallen dazu vielmehr weitere Fragen ein, die Sie sich stellen könnten, um der Ursache Ihrer emotionalen Schwierigkeiten näher zu kommen. Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe und versuchen Sie ernsthaft in sich hinein zu hören: welche der folgenden Aussagen, könnten mit ihrem Problem zu tun haben, was können Sie definitiv ausschließen:

      Ich habe grundsätzlich den Eindruck, wenig emotional zu sein (ich freu mich selten, kann mich schlecht in Andere hineinversetzen, habe wenig Mitgefühl etc.).
      Ich habe Angst enttäuscht zu werden.
      Ich fühle mich oft wertlos, denke meine Partnerin hat etwas besseres verdient.
      Ich nehme Drogen.
      Ich arbeite extrem viel und habe wenig Zeit für mich und meine Partnerin.
      Ich habe viele schmerzhafte Trennungen (partnerschaftlich, familiär, Freundeskreis) hinter mir
      Ich habe Angst verlassen zu werden.
      Ich bin unsicher über meine Sexualität.
      Ich habe Befürchtungen ein guter Familienvater sein zu können.
      Ich habe Angst meine Freiheiten zu verlieren.
      Ich habe Angst, dass meine Partnerin hinter meine "Fassade" blicken könnte und Seiten von mir sieht, die ich nicht zeigen möchte.
      Ich fühle auch zu Familienangehörigen keine Nähe.
      Nähe und Geborgenheit habe ich in meiner Kindheit wenig erfahren.
      Mein Beruf füllt mich nicht aus.
      Ich bin grundsätzlich unzufrieden mit meiner Lebenssituation und bin enttäuscht, wenn auch eine Partnerschaft daran nichts ändert.
      Ich bin ungern allein und selten Single.
      Ich hatte schon mit Depressionen, Zwangserkrankung, Ängsten oder sonstigen psychischen Erkrankungen zu tun.
      Ich habe keine Vorstellung, davon, wie meine Zukunft aussieht, oder ich Sie mir wünsche.
      Ich kann schlecht genießen, nehme schöne Dinge nicht war.
      Ich bin körperlich gesund.
      Ich fühl mich in meinen Beziehungen unverstanden und allein.
      Ich selbst leide auch unter der Oberflächlichkeit in meinen Beziehungen.
      Andere Menschen kommen mir oft minderwertig vor.
      Ich bin Anderen in der Regel überlegen.

      Vielleicht hat es bei der ein oder anderen Aussage "geklingelt", dann forschen Sie weiter in diese Richtung. Aussagen, die sie spontan als absurd oder irrelevant wahrnehmen, können Sie in Ihren Überlegungen vernachlässigen. Kristallisiert sich ein Thema heraus (Vertrauen, Selbstwert, Angst, Gefühlsarmut...)? Überrascht Sie das? Haben Sie Ideen in Bezug auf die Themen etwas für sich zu tun? Möglicherweise brauchen Sie dazu Unterstützung, dieses Forum ist maßgeblich für Erziehungsfragen da, wenden Sie sich daher besser an eine Männerberatungsstelle, suchen Sie einen Pychotherapeuten oder Heilpraktiker auf, dort kann intensiver auf ihr Problem (dessen Ursache verdeckt und wahrscheinlich auch komplexer Art sein wird) eingegangen werden. Fühlen Sie sich grundsätzlich freudlos, gefühlsarm, wie ferngesteuert und/oder haben Sie bereits mit einer psychischen Erkrankung zu tun gehabt: suchen Sie einen Arzt auf!

      Ich wünsche Ihnen viel Geduld und Erfolg beim Aufdecken der ganzen "Wiesos" und "Warums" und dass dann doch noch die Frau auftaucht, mit der es sich "richtig anfühlt"
      Viele Grüße
      K. Gandras

      P.S.
      Herzen sollten

      vor Freude hüpfen,
      entspannt ruhig schlagen,
      vor Anstrengung klopfen,
      vor Schmerz weh tun,
      erwartungsvoll pochen,
      vor Ergriffenheit beben.

      Zu viele Herzen
      zittern nur noch
      - vor Lebensangst.

      (K. Allert-Wybranietz
    • Hallo Frau Gandras,

      vielen Dank für die ausführliche Antwort.

      Tatsächlich gibt es ein paar Fragen, die mich bewegen. Ich habe mir ja auch bereits so meine Gedanken gemacht und entsprechende Literatur gelesen, aber so ganz kann ich mein Problem noch nicht eingrenzen bzw. weiß nicht wo mein Ansatzpunkt ist, um es zu lösen. Es geht vermutlich in die Richtung: Angst haben vor Verletzung und verminderte Selbstwertgefühle.
    • Steckt keine Liebe in mir?

      Hallo Christian,

      zunächst möchte ich Ihnen meine Anerkennung für Ihre Offenheit aussprechen, denn das was Sie beschäftigt und was Sie als Beiträge geschrieben haben, sind sehr persönliche Themen.

      So wie Frau Gandras auch, denke ich, dass Ihre Fragestellungen in einem Forum schwer zu beantworten sind, sondern dass ein persönliches Gespräch mit einem professionellen Berater oder einer anderen Vertrauensperson Ihnen eher weiterhelfen kann.

      Sie schreiben, dass Ihre Gedanken in Richtung "Angst vor Verletzung" und "vermindertes Selbstwertgefühl" gehen. Diese beiden Themen hängen ja eng zusammen.

      Die Fähigkeit einen anderen Menschen zu lieben hängt für mich eng mit der Fähigkeit sich selbst zu lieben zusammen. Ich möchte daher Erich Fromm zitieren, der in seinem Buch "Die Kunst des Liebens" geschrieben hat: "Die Liebe zu anderen und die Liebe zu uns selbst stellen keine Alternative dar; ganz im Gegenteil wird man bei allen, die fähig sind, andere zu lieben, beobachten können, dass sie auch sich selbst lieben. Liebe ist grundsätzlich unteilbar; man kann die Liebe zu anderen Liebes-"Objekten" nicht von der Liebe zum eigenen Selbst trennen. Echte Liebe ist Ausdruck inneren Produktivseins und impliziert Fürsorge, Achtung, Verantwortungsgefühl und "Erkenntnis". Sie ist kein "Affekt" in dem Sinn, dass ein anderer auf uns einwirkt, sondern sie ist ein tätiges Bestreben, das Wachstum und das Glück der geliebten Person zu fördern. Dieses Streben aber wurzelt in unserer eigenen Liebesfähigkeit."
      (Erich Fromm, Die Kunst des Liebens, Econ Taschenbuch Verlag 2000, S. 73)

      Wie halten Sie es mit der Fürsorge, Achtung und dem Verantwortungsgefühl sich selbst gegenüber?
      Wie gehen Sie mit Ihren eigenen Bedürfnissen um?
      Sorgen Sie für sich?
      Wie hoch sind eigentlich Ihre Ansprüche an sich selbst? Müssen Sie perfekt sein oder dürfen Sie Schwächen und Fehler haben?

      Vielleicht sind dies noch ein paar Gedankenanregungen für Sie?

      Ich wünsche Ihnen Mut und Kraft für den Weg, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. :thumbup:

      Anne
    • Herzlich Willkommen im Forum!

      Lieber Christian,
      ich finde es großartig, dass Sie in diesem Forum angekommen sind und begrüße Sie herzlich als Mitglied!
      Ich schließe mich den bisherigen Empfehlungen aus unserem Beraterteam an.

      Ich wage mich zudem, ohne Sie zu kennen, Ihrer bisherigen Annahme zu widersprechen, dass Ihr Thema "nicht unbedingt" in das Forum paßt ;) ...Mein Eindruck ist, dass Ihre Beiträge einige Menschen motivieren werden, mutig zu sein, sich für Ihre Themen zu öffnen, zunächst sich selbst, dann den Partner/die Partnerin zu finden und die eigene Zukunft aktiv zu gestalten.

      Ich gehe davon aus, dass Sie gute Gründe haben, sich exakt unserem Team auf kindererziehung.com mit Ihrem Thema zu öffnen. Meine Vermutung ist, dass Sie neben dem Wunsch nach professioneller Beratung auch den Lebenstraum verfolgen, eine Partnerin zu finden, mit der Sie in der Zukunft eine eigene Familie gründen wollen...

      Zu Ihrer aktuellen Anfrage mache ich Ihnen aus diesem Grund einen auf den ersten Blick vielleicht etwas irritierenden Vorschlag... ;) ...

      Ich schalge Ihnen vor, die Beiträge unter dem Thema Schwangerschaft zu lesen.

      Wenn Sie es machen, werden Sie feststellen, dass es dort unter der Überschrift "Neues
      (Er-)Leben" zunächst einmal um Sie als Einzelperson, dann um Sie beim Kennenlernen eines neuen Menschen (Partnerschaft) und dann um die Planung und Vorbereitung auf das Familienleben geht.
      Es geht unter Anderem darum, was ein Jeder machen kann, um sich auf neue
      Menschen vorzubereiten.
      Ich lade Sie herzlich ein, Ihre eigene Lebensgeschichte bis zum heutigen Tag neu zu entdecken. Hierzu finden Sie unter dem Themenkomplex "Schwangerschaft" verschiedene Anregungen (der private Lebenslauf/die eigene Biografie, biografische Erzählungen, das Familienbuch).
      Sie erfahren zudem in zahlreichen Beiträgen des Forums, wozu es gut ist, seine eigenen Stärken und
      Schwächen zu kennen und zu Ihnen zu stehen. Entwickeln Sie Ihr "Selbstbewußtsein", indem Sie sich selbst bewußt werden.


      Bleiben Sie mutig und seien Sie ein Selbst(er-)finder. Lassen Sie sich von Vertrauenspersonen (Freunde, Bekannte, Familie) durch Ihr Leben begleiten, teilen Sie mit, dass sie aktuell an sich arbeiten, fragen Sie, wie diese Menschen Sie wahrnehmen, welche Stärken Sie haben. Lassen Sie sich Ihre Lebensgeschichte von Ihnen erzählen, sprechen Sie über Ihre aktuellen Themen. In Beratungsstellen (oder auch in Psychotherapeuten) finden Sie Menschen, die Sie persönlich und individuell, professionell und wertschätzend, stärken-und lösungsorientiert auf Ihrem Lebensweg zu Ihren Wünschen, Zielen und Träumen begleiten.

      Ich bin mir sicher, Sie werden viel Neues an sich Entdecken ;) und würde mich sehr freuen, wenn Sie uns an Ihrer weiteren Entwicklung teilhaben lassen...allerspätestens dann, wenn Sie "Papa" genannt werden...abgemacht?

      Herzliche Grüße aus Düsseldorf
      Marion Rosenkranz.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Marion_Rosenkranz ()