Werte der Schwiegerfamilie stehen über allem

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    • Werte der Schwiegerfamilie stehen über allem

      Hallo ihr Lieben,
      ich habe einen riesigen Konflikt mit mir selber, in der Partnerschaft und in der Ursprungsfamilie meines Partners. Es würde jetzt sicher sehr sehr lange dauern, alles dazu Wichtige hier hineinzuschreiben.
      So versuche ich es grob zu umreissen, was mich so doll belastet, dass ich mich am liebsten in Luft auflösen würde.
      Mein Partner ist ü 30 und kommt aus einer Gegend / Familie, die sehr viel Wert darauf legen, sich oft zu treffen. dh zu seinen Eltern zu fahren.
      Im Grunde genommen eine tolle Sache, so hätte unser Kind die Chance, in eine große Familie eingebettet zu sein und Geborgenheit zu erfahren.
      Die Situation ist jedoch die, dass ich

      a) zwei Schwiegermütter habe - symbolisch gemeint. Einmal seine Mutter und einmal seine jüngere Schwester, die im Namen der Schwiegereltern über uns "richtet", sprich uns maßregelt, Benimmregeln aufstellt, wie oft wir vorbeikommen müssen, dass die Eltern dieses und jenes nicht mögen, dass
      mein Partner seine Familie vernachlässigt und so weiter.
      Die Schwägerin scheint entweder das Sprachrohr der Schwiegermutter zu sein oder die Eltern wissen gar nichts davon. Schwer zu sagen.

      b) ich keinerlei direkten Kontakt zu seinen Elten habe, nach über sechs Jahren. Fahren wir hin, sind sie förmlich "Möchtest du noch einen Kaffee...Kuchen...das wars eigentlich schon an Kommunikation. Ein halbes Jahr lang wurde gar nicht direkt mit mir geredet in der Anfangszeit, ich habe immer wieder versucht, mich einzubringen, allerdings auch schwer möglich, da es dort nur um Themen rund um Dorf und Familie ging und ich es schwer hatte, an ein Gesprächsthema anzuknüpfen.
      Mittlerweile kann ich zumindest abends mit dem Schwiegervater über Politik diskutieren, nachdem er ein paar Bierchen weg hat und wir quasi etwas "aufgewärmt" sind. Telefonate laufen fast nur über das Handy meines Lebensgefährten oder via Festnetz wird er verlangt

      c) ich selber nach der Geburt unseres Kindes meine eigenen Eltern fast gar nicht gesehen habe, weil wir ständig zu seinen Eltern gefahren sind und ich das auch mitgemacht habe, aber sehr unglücklich war. Selbst beim kleinsten Anzeichen, dass ich mit meiner Ursprungsfamilie Kontakt habe (zB Bilder
      in fb poste oder ähnlichs) tickt seine Schwester aus, bombardiert meinenPartner mit sms, schreibt verletzende Kommentare und teilt Bilder a´la "Familie heisst Zusammenhalten".
      Ich soll also möglichst oft mit meinem Partner dort hin fahren, mit unserem Kind, und die Schwester wohnt zwar mit ihrer kleinen Familie in einer kleinen Wohnung, ist aber sehr oft bei ihren Eltern, auch so gut wie jedes Wochenende, und sie und die Mutter fahren auch zusammen arbeiten, laden also zu ihren Geburtstagen auch immer dieselben Leute ein, da in deren Leben eben nichts zu trennen ist.

      d) Ich habe wenig bis keine Chance, meine Schwiegermutter ohne Schwägerin zu erleben, bei Geburtstagen oder anderen Anlässen kommen grundsätzlich alle, man könnte zB nicht sagen : Omi und Opi gehen mit
      dem Kind mal in den Zoo oder auf den Spielplatz.

      Es sind schon so ein paar Dinge, die ich des lieben Friedens willen lange mitgemacht habe. Mein Partner ist passiv, ängstlich und konfliktscheu. Seinen Eltern gegenüber kann er nicht über sich reden, schon gar nicht, wenn es Probleme gibt. Er verstummt und erstarrt.

      e) Der Zusammenhalt dieser Familie - und das schockiert mich - ist aber geprägt von Hass, Wut und Lästereien, es wird ganz böse hinter dem Rücken gelästert, sobald einer den Raum verlässt.

      Ein paar Konstellationen:(längst nicht alle)
      Schwiegermutter versteht sich nicht mit Schwiegervater.
      Schwägerin versteht sich nicht mit Schwiegermutter und erzählt wirklich böse Dinge hinter dem Rücken.
      Schwägerin eckt immer wieder mit Schwiegervater an.
      Schwägerin hat keine enge Bindung zu jüngstem Geschwister.
      Schwiegermutter redet wenig bis nicht mit meinem Lebensgefährten.
      Das läuft alles hintergründig ab. Vordergründig hängen sich dauernd aufeinander.

      Nun gab es drei Situationen in diesem Jahr, die mich fertig machen.
      Die erste ist, dass wir nicht zum Geburtstag der Schwägerin gefahren sind,
      da ein Elternteil meinerseits einen schweren Schlaganfall hatte.
      Das nahm sie uns übel.
      Das zweite war, dass keiner zum Geburtstag meines Kindes kommen wollte, die Schwiegermutter es davon abhängig machte, ob eine Bekannte zu ihr kommt oder nicht und sie bei uns absagte. Später sagte sie zu und stellte uns vor vollendete Tatsachen, dass sie die fremde Tante gleich mitbringt.
      Das fand ich furchtbar übergriffig.
      Und das dritte war, dass ich eine schwere jetzt im Herbst eine Not OP hatte, sich sechs Wochen niemand bei mir oder meinem Lebensgefährten gemeldet hat, nichtmal um gute Besserung zu wünschen, und das obwohl ich der Schwägerin eine sms geschrieben hatte und er auch seinen Vater informiert hatte.

      Nun habe ich keine Lust, mit denen Weihnachten zu feiern. Aber ich habe eingelenkt und wir wollen am zweiten Feiertag hin. Aber das ist wieder nicht richtig, denn wir sollen am ersten kommen, da gibt es einen
      Weihnachtsmann für die zwei Enkel.
      Am zweiten geht nicht, da ist die Schwägerin nämlich nicht da.
      Kurzum, sie gehen mit meinem Lebensgefährten wie mit einem Spielball um. Was wir wollen oder auch
      nicht, ist egal. Unser Kind dagegen wird mit Geschenken und Briefen überschüttet.
      Nun will die Schwiegermutter gern mit uns "quatschen", wenn wir da sind. Davor hat sie versucht, meinen Lebensgefährten umzustimmen, doch am ersten zu kommen wegen dem Weihnachtsmann.
      Er war seit der ganzen Situation schon zweimal mit unserem Kind dort, und am liebsten würde ich sie wieder am ersten Feiertag hinschicken und meinen Eltern sagen, wir kommen am zweiten da hin, damit endlich Ruhe ist.
      Denn gestern war es der Schwägerin wieder nicht recht und sie teilte öffentlich im social media Bereich mit, dass "Familie zusammenhalten" heisst.
      Nun frage ich mich, ob Zusammenhalten auch heisst, sich nicht zu melden, wenn ich auf der Intensivstation liege und mein Lebensgefährte mir nichtmal Sachen bringen kann, weil er mit Kind
      dort nicht rein darf. Über eine Woche hatte ich meine beiden nicht gesehen.
      Gehöre ich nicht dort mit dazu? Ich habe überhaupt keinen Bock mehr auf das ganze Theater.

      Mein Leben ist komplett umgekrempelt, ich habe mich extrem verändert, ich mag diese Enge nicht, diese Lästereien und nun auch noch Rede und Antwort stehen in der Höhle des Löwen.

      Ich bin erwachsen und abgenabelt, habe aber ebenfalls eine innige Beziehung zu meinen Eltern
      und würde sie gerne am liebsten öfter sehen. Erstens wegen dem schweren
      Krankheitsfall Anfang des Jahres, zweitens um mich nach meiner schweren Krankheit zu stabilisieren und drittens weil sie schon älter sind und ich nicht weiss, wie lange ich noch mit ihnen habe.
      Wir haben uns immer sehr freundschaftlich unterhalten und pflegen lockeren aber innigen Kontakt. Jeder hat eben sein Leben.

      Wir - mein Partner und ich - standen hier schon kurz vor der Trennung, weil ich mal den Mund
      aufgemacht habe und meinem Partner ans Herz gelegt, die Eltern zu fragen,ob sie sich nicht mal hätten melden können.
      Abgesehen davon kann ich eigentlich noch nichtmal so weit fahren, weil ich noch Schmerzen habe und auch noch extrem erkältet bin. Aber das darf man ja nichtmal ansprechen, dann gehts wieder weiter und es wird einem wieder böses unterstellt.
      Ich bin traurig und niedergeschlagen, aber auch wütend und sauer.
      Meine Mutter ist der Ansicht, einfach zum ersten Feiertag da hinzufahren, um des lieben Friedens willen. Aber ich kann nicht, meine Grenze ist schon überschritten, ich kann es nicht.
      Ich mache mich immer mehr kaputt und fühle mich bereits extrem kleingefaltet.
      Ohje,soviel geschrieben, keine Ahnung, ob hier wer durchblickt.
      Ich hoffe, esgibt jemanden, der mir antwortet und bei meinem Chaos hilft. Ich weine
      sehr oft und mittlerweile belastet es alle Bereiche unseres, aber auch meines Lebens. (es geht mittlerweile tief in mich hinein bzw ich fühle mich extrem schlecht)
      Vorgestern ist auch noch meine Tante gestorben, da habe ich nicht Lust zum feiern, aber das interessiert ja auch nicht,
      Liebe Grüße, Reika.
    • Hallo Reika,

      zu erst einmal ein herzliches Willkommen hier im Forum! Danke für Ihre große Offenheit und die vielen, ausführlichen Informationen. Man spürt Ihre Niedergeschlagenheit und Verzweiflung regelrecht, wenn man Ihre Zeilen liest.

      Das klingt alles wirklich sehr nach Machtkampf und erinnert an eine (inoffizielle) Monarchie... zumindest musste ich daran denken, als ich Ihren Beitrag gelesen habe. Und die Monarchin ist die Schwester bzw. Ihre Schwägerin, die aber nur aus eigener Verzweiflung und Unzufriedenheit so herrisch und anklagend zu sein scheint, denn so wirklich glücklich scheint sie ja selst auch nicht zu sein mit ihrer Familie und den dortigen Regeln.

      Überhaupt scheint niemand in dieser Familie wirklich glücklich zu sein oder stolz auf die Familie und die einzelnen Familienmitglieder und das System wird nur (noch) dadurch aufrecht erhalten, indem man sich regelrecht an das Gebot/ den Glaubenssatz "Familie heißt zusammenhalten" klammert.
      Wenn "alle Stricke reißen" holt man sich dann eben diesen tief verankerten Glaubenssatz wieder her "Familie heißt zusammenhalten".

      Und Sie sind mittendrin - und haben diesen Glaubenssatz übernommen bzw. zwingen sich dazu!

      Was ich überhaupt nicht verstehen kann ist, dass Sie sich selbst und Ihre eigene Familie, also Ihre eigenen Eltern, derart vernachlässigen. Warum?

      Was hindert Sie daran, dass Sie mit Ihrem Mann Ihre Eltern und seine Eltern im Wechsel besuchen gehen? Und wenn dieser Turnus seiner Familie nicht ausreicht, dann kann er doch auch mal ohne Sie hinfahren.
      Warum stecken Sie sich selbst mitsamt Ihren Wünschen und Bedürfnissen so derart zurück? Sie ziehen sich so weit zurück und verzichten auf so vieles, dass Sie schon gar nicht mehr Sie selbst sind.

      Wie sieht denn Ihr Mann das Ganze? Sie schreiben, dass er sich raushalten will und quasi "duckmäusert". Aber er muss doch, zumindest im Gespräch mit Ihnen alleine, eine Meinung, einen Standpunkt haben?
      Geht er denn gerne zu Ihren Eltern mit?

      Mir scheint, als wären Sie und auch Ihr Mann unglaublich gefangen in diesem System.
      Ändern können Sie nur etwas, in dem Sie für sich Grenzen setzen und die "anderen" eben reden lassen. Und es gibt einfach Menschen, die finden immer etwas zu reden, zu lästern, zu schimpfen.
      Und ändern können Sie diese Familie nicht! Da nutzt es auch nicht, sich wieder und wieder zu bemühen, sich anzufreunden und dann eben z.B. mal wieder wartet, bis der Schwiegervater warmgetrunken ist oder die Schwägerin mal einen guten Tag hat. Damit machen Sie sich selbst doch letztlich auch nur etwas vor, denn diese Familie ist nicht so, wie Sie es sich wünschen oder gar erträumen. Sie sind, wie sie sind und werden sich nur dann verändern, wenn sie selbst das wollen.

      Doch: Was hindert Sie daran, aus diesem "Tanz", aus diesem "Spiel" auszusteigen?
      Was würde denn schlimmstenfalls passieren, wenn Sie tatsächlich erst am zweiten Weihnachtsfeiertag zu Besuch kommen und am ersten Weihnachtsfeiertag Ihre eigenen Eltern besuchen?
      Was würde schlimmstenfalls passieren, wenn Sie den nächsten Besuch nach Weihnachten einfach nicht wahrnehmen und mal "nein" sagen?

      Ich denke, Sie sollten dringend das Gespräch mit Ihrem Mann suchen, um eine Lösung zu finden, dass Sie in Zukunft eben Ihre beiden Eltern im Wechsel besuchen gehen...

      Ich wünsche Ihnen alles Gute!

      Klara