Stress - Wie innere Haltung ändern?

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    • Stress - Wie innere Haltung ändern?

      Liebes Forum,

      ich brauche einen Rat.
      Ich bin seit längerer Zeit mit der Betreuung unseres Kleinkinds und den restlichen Leben überlastet.
      Es tut mir so leid, aber ich muss mir eingestehen, dass die Betreuung für mich die anstrengendste aller meiner Aufgaben ist - dabei sind meine anderen Aufgaben (Jobs, freiwillige Engagements und Haushalt) auch nicht gerade von Entspanntheit geprägt.
      Und alle sagen immer, dass unser Kind so lieb und leicht zu handlen wäre. Und wir haben nur eins. Und ich habe es nur die Hälfte die Zeit. Und ich habe es wahnsinnig lieb.
      Aber trotzdem bin ich bei der Kindbetreuung immer wieder am Rande eines Nervenzusammenbruchs, fange manchmal an zu schreien oder Dinge vor Wut durchs Zimmer zu schmeißen. Ich fühle mich erschöpft und weiß nicht mehr, wo ich die Kraft her nehmen soll, meinem Kind die Aufmerksamkeit zu geben, die es braucht.
      Ich habe immer Angst vor den Sonntagen, weil ich dann nicht mal arbeiten kann, was wenigstens nicht ganz so anstrengend wäre.
      Ich fühle mich schlecht dafür, dass mich gerade die Kindbetreuung so anstrengt. Und da, wie gesagt, unser Kind eigentlich relativ unanstrengend ist, bin ich überzeugt, dass es an meiner inneren Einstellung liegt, dass ich dabei so stark in Stress gerate.
      Ich habe schon oft probiert, sie zu verändern, mir selbst zu sagen, dass es doch gar nicht so schlimm ist, aber es hilft leider nichts.
      Habt ihr einen Rat für mich?
    • Hallo! :)

      Überforderung in der Kinderbetreuung kennen wir alle. Bei dir macht mich folgendes aufmerksam: Du bezeichnest dein Kleines als grundätzlich "relativ unanstrengend". Gleichzeitig fühlst du dich am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Du schreist und schmeißt mit Dingen...

      Erstens: Auch wenn dein Kind als "unanstrengend" gilt, DARFST du überfordert sein. Was anstrengend ist und was nicht, entscheidest DU und zwar nach subjektivem Gefühl. Auch ein eigentlich unanstrengendes Kind kann anstrengend sein, wenn du dich überfordert siehst.

      Zweitens: Da scheint viel Aggression zu sein. Das Schreien ist schon recht suboptimal vor einem kleinen Kind (wir sind alle nicht davor gefeit), aber das "mit Dingen schmeißen" empfinde ich als Warnsignal.

      --> Nachdem du selbst schon merkst, dass da etwas aus dem Ruder läuft, würde ich dir raten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um über diese Themen sprechen und reflektieren zu können. Psychotherapie oder Erziehungsberatung könnten dir helfen. Hier entwickelst du auch im jeweiligen Setting Strategien, um mit unangenehmen Gefühlen (Stress, Überforderung, Aggression) umzugehen! :)

      Alles Gute!

      (Darf ich noch fragen, ob du der männliche oder weibliche Elternteil bist und wie alt das Kind ist? :))
    • Danke Dani, für deine aufmerksame Rückmeldung!
      Es tut gut, zugestanden zu bekommen, dass meine subjektive Überforderung berechtigt ist.

      Der Rat mit der professionellen Hilfe ist für mich auch keine neue Idee, ich habe aus anderen Gründen auch schon ein bisschen Therapieerfahrung gesammelt und das war auch immer hilfreich. Im Moment fehlt mir dafür aber die Zeit und die Kraft. Mir eine therapeutische Begleitung zu organisieren, würde meinen Stress also nur noch vergrößern. Deshalb versuche ich es von zu Hause aus, in den Momenten, wo es gerade reinpasst, mit Gesprächen, dem Forum oder Büchern.

      Unser Kind ist übrigens anderthalb.
      Und zu der Frage nach dem Geschlecht würde ich - ich hoffe, ich stoße dir damit nicht vor den Kopf - erstens zurückfragen, was es dir denn helfen würde? Ich bin zwar biologisch männlich ;-), aber ich habe manche Charakterzüge, die traditionell eher als weiblich gelten, stärker als meine Freundin. Also könnte ich in dieser Hinsicht sozusagen auch der weibliche Elternteil sein, oder?
      Und zweitens will ich nochmal vorsichtig darauf hinweisen, dass die Frage ob ich "der männliche oder weibliche Elternteil" bin, impliziert, dass es in Kinder-Betreuungsverhältnis immer einen männlichen und einen weiblichen gäbe. ;)
      Ist gar nicht böse gemeint, aber in vielen Beziehungen gibt es ja z.B. mehrere von einem Geschlecht, oder generell nur einen Elternteil.
    • Hallo! :)

      Nach dem Geschlecht habe ich gefragt, um zu eruieren, ob eine postpartale Depression in Betracht kommen könnte. Das fällt aber dann in deinem Fall aber flach! ;)

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      Dass Zeit und Energie für Therapie fehlen, verstehe ich gut. Gerade bei solch einem kleinen Kind ist (Frei-)Zeit Mangelware. Wenn dann zB auch noch Betreuung organisiert werden müsste, um eine Therapie in Anspruch zu nehmen, entscheiden sich viele Eltern erstmal dagegen.

      Grundsätzlich sehe ich es bei Therapien so: Ist der Leidensdruck entsprechend vorhanden, *dann* kommt eine Therapie infrage. Wenn du das für dich momentan ausschließt, weil dir das nur mehr Stress machen würde, ist das absolut legitim.

      Wenn du aber vom therapeutischen Setting wegdenkst: Vielleicht wäre eine einmalige Erziehungsberatung (also eine Einheit, gleichsam einer "Fallbesprechung") etwas für dich, wo du etwas mitnehmen kannst? Erziehungsberatung wird übrigens immer mehr auch online oder per Telefon angeboten, falls das für dich eine Option ist. Damit entfällt die Wegzeit! :)

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      Was tust du generell, um in Entspannungsphasen zu kommen? Woraus ziehst du Kraft und Energie? :)

      (Ich habe zB während Corona wieder vermehrt begonnen, zu meditieren oder Gedankenreisen zu machen. Auch gemeinsam mit meinen Kinder. Hatte ganz vergessen, wie entspannend das ist, weil ich es so lange nicht mehr gemacht habe. Das ist nun wieder ein fixer Bestandteil im Alltag! :))
    • Ich kann Dani nur recht geben. Jeder fühlt sich von anderen Situationen gestresst/überfordert. Und was mir schwer fällt, kann dem nächsten leicht fallen und andersherum.

      Aber du scheinst mir einen vollen Tagesplan zu haben. Eine Frage. Hast du jeden Tag (oder wenigstens fast jeden Tag) auch Zeit für dich? Hast du jeden Tag etwas, worauf du dich freuen kannst. Wie entspannt wir sind, wird oft auch dadurch beeinflusst, ob wir einen Ausgleich haben. Wenn wir den ganzen Tag einfach nur durch Pflichten hetzen, kommen wir irgendwo an den Punkt, wo wir aufgerieben sind.

      Mein Tipp wäre tatsächlich, dass du dir jeden Tag ein Highlight setzt, eine Belohnung für das, was du leistest.
      Es löst vielleicht nicht dein Problem, könnte dir aber eventuell helfen, dass es dir etwas besser geht.

      Und was - aus Erfahrung - auch guttun kann: Such dir jemanden, bei dem du dich auskotzen kannst (jetzt nicht unbedingt einen Therapeuten). Ich hab das auch schon manchmal durch, dass es mir scheiße ging und ich dachte mir vorher, was hilft es darüber zu reden. Doch irgendwie fühlt man sich nachher immer freier
    • Danke Dani und Fuchsmama!

      Nach etwas, was ich jeden Tag machen kann, um auszuruhen oder mir gut zu tun, suche ich schon lange. Bis jetzt ist mir noch nicht viel eingefallen. Außer Meditation, aber dafür hat mir in der letzten Zeit immer die Ruhe gefehlt (ich weiß, es ist ein Teufelkreis).

      Aber ich konnte jetzt mal das ganze Wochenende frei machen und mich ausruhen - Vielleicht kann ich die neue Energie nutzen, um ein Tagesritual einzuführen.

      Und das Heilsame an auskotzen habe ich auch schon erlebt. Mir fällt es schwer, Dinge rauszulassen, aber ich werde mal versuchen, beim nächsten Mal jemanden dafür zu finden - entweder im Freundeskreis oder einer Telefonseelsorge.
    • Ja, man muss wohl auch was finden, wo man sich wirklich dafür begeistern kann. Wenn man beispielsweise meine Schwester Meditation raten würde, wäre das für sie total verkehrt. Ruhig dasitzen und nichts tun, das geht bei ihr nicht. Sie ist ein sehr aktiver Mensch. Für sie ist bspw. Sport das Ventil, um runterzukommen.

      Puzzeln
      Nähen
      Malen
      Musik machen
      Gärtnern
      Es gibt so viel, aber ich denke, die Suche lohnt, weil so ein Ausgleich braucht der Mensch einfach

      Kennst du das Eisenhower-Diagramm. Damit unterteilt man seine Aufgaben in die 4-Kategorien "wichtig + dringend", "wichtig + nicht dringend", "dringend + nicht wichtig" und "nicht dringend + nicht wichtig". Das kann tatsächlich ganz nützlich sein, um sich Zeit freizuschaufeln. Einfach weil man sich vor Augen führt, was sein muss und was nicht
    • Hey, das Eisenhower-Diagramm kenne ich auch und finde es oft sehr hilfreich. Manchmal ist es allerdings schwer zu entscheiden, was jetzt "wichtig" und/oder "dringend" ist. Zum Beispiel meinen Schreibtisch aufzuräumen könnte nach irgendwelchen objektiven Maßnahmen noch warten, mir ist es aber ein wichtiges und dringendes Anliegen, weil es mich beruhigt ;)
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      Ich würde mir gerne morgens und abends kleine Rituale schaffen.
      Ich hab früher auch jeden Tag meditiert oder Frühsport gemacht und das war natürlich viel besser, als jeden Tag neu zu entscheiden, ob ich gerade Lust dazu habe.

      Das Problem am Morgen:
      Ich versuche deshalb jetzt immer und immer zeitiger aufzustehen, um noch Zeit für Meditation oder Frühsport zu haben, bevor unser Kind aufwacht, aber irgendwie wacht es dann auch immer noch zeitiger auf. Und noch viiiel zeitiger ins Bett gehen kann ich nicht, weil ich dann abends das Gefühl habe, direkt von der ganzen Arbeit schlafen zu gehen.

      Das Problem am Abend:
      Nachdem wir das Kind ins Bett gebracht haben, macht meine Freundin meistens noch Computerarbeit. Also müsste ich eigentlich was alleine für mich machen, habe aber meistens das Bedürfnis, die Zeit mit ihr zu verbringen, weil wir uns den ganzen Tag kaum gesehen haben. Also setze ich mich zu ihr ins Zimmer und lese noch mails oder irgendwas, in der ständigen Erwartung, dass sie vielleicht irgendwann fertig wird und wir Zeit füreinander haben - was aber selten passiert. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich wenig Idee hab, womit ich sie locken könnte: Die Filme, die ich mag, mag sie meistens nicht, bei Büchern genauso, zusammen spazieren gehen geht nicht, weil das Babyfon ja nicht so weit reicht, für Sport o.ä. fehlt mir abends nach einem langen Tag die Kraft und einfach auf der Terasse sitzen oder auf dem Sofa liegen ist ihr zu unproduktiv.

      Wahrscheinlich müsste ich mir überlegen, worauf ich jetzt Lust habe, ihr sagen, dass ich das jetzt mache, fragen, ob sie Lust hat, mitzumachen und wenn nicht, es einfach alleine machen.
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      Meine Ausgangsfrage bleibt übrigens bestehen: Wie kann ich es hinbekommen, meine innere Einstellung zur Kindbetreuung zu verändern, sodass sie mir nicht wie die anstrengendste aller Arbeiten vorkommt?
      Ich habe schon versucht, es in Perspektive zu setzen, mir zu sagen, dass mein erster Job damals viel schlimmer war und ich froh sein kann, jetzt das Kind zu betreuen und nicht mehr dort arbeiten zu müssen - und dass andere Menschen viel viel viel schwierigere Lebensumstände haben - aber ich kann mich trotzdem nicht entspannen.
    • Hallo! :)

      Zunächst: In der Früh aufstehen und "was für sich machen" geht bei uns (Kinder 10 und 8) immer noch nicht. Sobald man munter ist, sind sie auch munter. :D

      "Zeit für dich" (so, dass du sie genießen kannst und nicht auf Abruf bereit bist) geht eigentlich nur gut, wenn deine Freundin mit der Kinderbetreuung betraut ist und du freigespielt. :)

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      Zu deiner Ausgangsfrage, die du noch einmal gepostet hast, fällt mir ganz salopp - und absolut nicht provokant gemeint - ein: Die Kinderbetreuung (eines so jungen Kindes) IST wahrscheinlich die anstrengendste aller Arbeiten. Innere Einstellung hin oder her... Wenn ich an die Zeit denke, in der unsere Kinder Babys und Kleinkinder waren: Kein Job der Welt war *so* anstregend.

      Sowohl mein Mann als auch ich waren uns schon damals einig, dass es der, der gerade mit Erwerbsarbeit "dran" ist (wir hatten/haben Kinderbetreuung stets ca 50:50 geteilt), wirklich besser hat.

      Wir hatten lange Zeit so einen Comicstrip am Kühlschrank hängen:

      linkes Bild: "before kids": Enterich schlurft missmutig ins Büro: "Damn, wooork!" (*grml*)
      rechtes Bild: "with kids": Enterich hüpft euphorisch ins Büro: "HELLOOOOO, WOOOORK!" :D

      Das Bild war lange Zeit symptomatisch für uns! :D

      Unter uns gesagt: Ich hab mit noch sehr jungen Kindern im Schichtdienst im psychiatrischen Bereich gearbeitet. Wirklich kein einfacher Job, der viele Mitarbeiter durchaus an seine Grenzen bringt. Ich bin wiedereingestiegen, da war die Jüngere 20 Monate alt. Mir kamen meine Dienste damals im Vergleich zur Kinderbetreuung (sehr bedürfnisstarke Kinder, geringer Altersabstand) wie ein Spaziergang vor. Nahezu Erholung. Das ist kein Spaß! :D

      Es spricht nur nie jemand darüber, wie anstrengend es ist, für kleine (und große) Kinder Sorge zu tragen! :D
    • Ich glaube, dass ist nicht nur in dem Bereich Kinderbetreuung so, sondern allgemein, dass man oft das Gefühl hat, man würde allein mit seinem Problem dastehen und alle anderen scheinen das so perfekt und mühelos zu meistern.
      Weil oft nicht ehrlich darüber gesprochen wird. Wir sind es gewohnt, unsere Schwächen so gut wie möglich zu verstecken, damit möglichst wenig merken, dass wir nicht perfekt sind. Stattdessen wird nur das Schöne, Sehenswerte offenbart (ähnlich wie bei Instagram und anderen Kanälen). Und meist glauben wir das unseren Nächsten, dass er das alles so spielend einfach meistert (obwohl wir es ihm doch auch vorspielen) und das hat zur Folge, dass wir uns schlecht fühlen.

      Deswegen finde ich es immer gut, auch mal offen zu seinen Schwächen zu stehen und zu sagen, wenn man wo nicht weiter weiß.
    • Genau das, was Fuchsmama sagt, ist es! Perfektion ist gerade im Hinblick auf Kindererziehung angezeigt. Spricht man mal ein bisschen ehrlicher, ist man absolut überrascht, wenn sich andere auch öffnen... Perfekt ist es kaum irgendwo! :D

      Hab übrigens den Enterich gefunden. Und auch andere Comics vom selben Zeichner. Der drückt das Leben mit Kindern einfach genial aus. :D "Hello, Woork" ist Nummer 12! :D

      watson.ch/spass/gerechtigkeit%…ber-auch-bitterboese-wahr
    • Hey Fuchsmama, das ist wohl wahr.
      Ich habe es jetzt geschafft, ein paar Freunden davon zu erzählen, wie es mir gerade geht - und habe plötzlich ganz viel Verständnis und Hilfe bekommen. :)

      Und nicht nur das, gleichzeitig habe ich überrascht festgestellt, dass ich in den nächsten Wochen gar nicht so viel Arbeit habe. Und durch die Entspannung dadurch fällt es mir jetzt auch viel leichter, mich auf mein Kind einzulassen und die Zeit mit ihm in Ruhe zu verbringen.

      Heute hatte ich sogar mal die Energie, mit ihm zu Freunden zu fahren und mit denen zusammen im Garten zu spielen. Das hat gut getan :)