Vorsorge und Ernährung

Gesund leben während der Schwangerschaft – Ernährung, Bewegung, Vorsorge

Einerseits ist die Schwangerschaft keine Zeit wie jede andere. Werdende Mütter müssen zunächst mit dem Hormonchaos klar kommen, welches ihr Wohlbefinden negativ, aber auch positiv beeinflussen kann. Andererseits bedeutet eine Schwangerschaft nicht, dass Frauen ihr Leben komplett ändern müssen. Wichtig ist, auf das eigene Wohlbefinden zu achten, sich weiterhin zu bewegen, die Ernährung ein wenig anzupassen und auf jeden Fall die Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt oder bei einer Hebamme wahrzunehmen.

 

Schwangerschaftsbauch

 

Richtig essen – aber bitte nicht für zwei

In den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter Übelkeit und Erbrechen. In dieser Zeit ist es nicht ungewöhnlich, wenn es zunächst zu einem Gewichtsverlust kommt. Wichtig ist, dass zumindest genügend Flüssigkeit zugeführt wird. Gut geeignet sind Wasser, Kräuter- oder Früchtetees oder Fruchtsaftschorlen. Gegen die morgendliche Übelkeit hilft es häufig, wenn Schwangere vor dem Aufstehen ein wenig Zwieback oder Knäckebrot knabbern. Vielen Hebammen empfehlen ihren Schützlingen zudem den Verzehr von Ingwer.

Nach der 12. Schwangerschaftswoche kehrt der Appetit bei den meisten Frauen zurück, viele erleben sogar regelrechte Heißhungerattacken. Das ist normal – genauso wie wie eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 250 bis 700 Gramm pro Woche. Es sind nicht allein Fetteinlagerungen, welche für die zusätzlichen Kilos auf der Waage sind, sondern auch das zusätzliche Blutvolumen, die wachsende Gebärmutter und natürlich das Gewicht des ungeborenen Kindes. Trotzdem sollten Schwangere nicht für zwei essen: Der tägliche Kalorienbedarf für werdende Mütter liegt gerade einmal 2200 bis 2300 Kalorien – das sind gerade einmal 200 bis 300 mehr als vorher. Grundsätzlich gilt: Je geringer ihr Ausgangsgewicht ist, desto mehr dürfen Bald-Mamas zunehmen. Übergewichtige Schwangere haben ein höheres Risiko an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken, daher sollte die Qualität der Nahrung wichtiger sein als die Menge. Wichtig ist, vor allem ausreichend Vitamine zu sich zu nehmen, damit sich das ungeborene Baby gesund entwickelt. Davon abgesehen kann es sinnvoll sein, ergänzend zu einer ausgewogenen Ernährung Folsäuretabletten einzunehmen – am besten bereits dann, wenn ein Kinderwunsch besteht. Weitere wichtige Mineralstoffe für Schwangere sind

  • Jod,
  • Eisen,
  • Kalzium,
  • Magnesium,
  • Salz und
  • Omega-3-Fettsäuren.

In der Regel lässt sich der zusätzliche Bedarf an diesen Mineralstoffen durch eine abwechslungsreiche Ernährung decken. Jod und gesunde Fettsäuren stecken zum Beispiel in Fisch, Kalzium in Milchprodukten wie Joghurt und Quark. Vollkornbrot und Müsli enthält gesunde Kohlenhydrate, die lange satt machen. Zwischendurch darf es aber auch mal ein Brötchen oder Weißbrot sein – vor allem dann, wenn Schwangere unter Verstopfung leiden, was recht häufig vorkommt.

Es gibt aber auch Lebensmittel, die in der der Schwangerschaft tabu sind, weil sie Krankheiten begünstigen können die eine Gefahr für das Kind bedeuten. Neben Alkohol sollten Schwangere auf

  • rohes Fleisch (Mett, Salami, Leberwurst, Schinken...),
  • rohen Fisch (Sushi),
  • Speisen mit rohen Eiern und
  • Rohmilchkäse verzichten.

Bei konkreten Fragen zur Ernährung und zur Einnahme von Medikamenten sollten sich werdende Mütter immer an ihren Frauenarzt wenden oder eine Hebamme um Rat fragen. Grundsätzlich gilt: Je weniger Medikamente Schwangere einnehmen, desto besser für das Baby. Bei chronisch Kranken muss die Medikation während der Schwangerschaft unter Umständen verändert werden. Wenn es gar nicht anders geht, kann auch mal eine Schmerztablette eingenommen werden – schließlich geht es dem Baby am besten, wenn sich auch die Mutter gesund fühlt. Ärzte empfehlen heute bei leichten bis mittleren Schmerzen meist den Wirkstoff Paracetamol. Alternativ kann auch Ibuprofen eingenommen werden – aber nur im ersten und zweiten Trimester. Wird die Einnahme eines Antibiotikums notwendig, so verschreiben Ärzte Präparate, die dem ungeborenen Kind nicht schaden. Daher sollten Schwangere auch ihren Hausarzt immer auf ihre Schwangerschaft aufmerksam machen, wenn sie diesen aufgrund von Beschwerden aufsuchen. 

 

Sport und Bewegung – gerade in der Schwangerschaft wichtig

Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen verordnen Ärzte Schwangeren Bettruhe oder eine besondere Schonung. Grundsätzlich ist eine Schwangerschaft die natürlichste Sache der Welt und gerade im zweiten Trimester fühlen sich die meisten Frauen gesund und fit, weil die Beschwerden der ersten Wochen nachlassen und der wachsende Bauch noch nicht so groß ist, dass er die Beweglichkeit im Alltag einschränken.

Sportlich aktive Frauen dürfen sich daher weiterhin viel bewegen, so lange sie sich nicht zu viel zumuten. Tabu sind lediglich Risikosportarten wie Kampfsport, Geräteturnen, Skicross usw. Vor allem Stürze können das Leben des ungeborenen Kindes gefährden. Sanfte Sportarten wie Schwimmen, Yoga oder Walking können hingegen bis kurz vor der Entbindung ausgeübt werden. Auch Spaziergänge sind gut geeignet um den Kreislauf zu stabilisieren und die Muskeln zu stärken. Gezieltes Beckenbodentraining oder Schwangerschaftsgymnastik unter Anleitung einer Hebamme kann dazu beitragen, dass Schwangere ein besseres Körpergefühl entwickeln und der Geburt gelassener entgegensehen.

Wichtig: Grundsätzlich spricht nichts dagegen, wenn werdende Mütter weiterhin bis zum Beginn des Mutterschutzes sechs Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin ihrem Beruf nachgehen. Es gelten jedoch besondere Bestimmungen zum Schutz der Mutter und des ungeborenen Kindes. Überstunden, Nachtarbeit oder schwere körperliche Belastungen sind zu vermeiden. Gleiches gilt für den Kontakt mit Chemikalien. Kann oder will der Arbeitgeber nicht die nötigen Schutzvorkehrungen treffen, wird der Arbeitsmediziner in Absprache mit dem behandelnden Frauenarzt ein Beschäftigungsverbot aussprechen. Dieses kann unter Umständen auch für die gesamte Schwangerschaft gelten (z.B. bei Erzieherinnen oder Alten- bzw. Krankenpflegerinnen). Die Mutter erhält trotzdem ihr volles Gehalt vom Arbeitgeber, damit ihr keine finanziellen Nachteile entstehen.  

 

Vorsorge und regelmässige Arztbesuche sorgen für eine unbeschwerte Schwangerschaft

Was viele Schwangere nicht wissen: Die Vorsorge kann auch eine Hebamme übernehmen. Die Ultraschalluntersuchungen hingegen führt nur ein Gynäkologe durch. Insgesamt sind mindestens drei Ultraschalltermine während der Schwangerschaft vorgesehen, die auch von der Krankenkasse bezahlt werden. Bei Risikoschwangeren, zum Beispiel bei Frauen, die Zwillinge erwarten, die über 35 Jahre alt sind oder die bereits mehrere Fehlgeburten erlitten haben, empfehlen Ärzte möglicherweise zusätzliche Untersuchungen wie beispielsweise die Nackenfaltenmessung oder andere Untersuchungen, die der Pränataldiagnostik zugeordnet werden. Vor allem Gendefekte oder Missbildungen können so frühzeitig erkannt werden. Aber: Eltern dürfen solche Untersuchungen auch ablehnen, denn sie haben ein Recht auf „Nichtwissen“!

Übrigens: Schwangere tun gut daran nicht nur ihrem Frauenarzt, sondern auch ihrem Zahnarzt regelmäßig einen Besuch abzustatten. Durch die hormonell bedingte veränderte Zusammensetzung des Speichels kommt es häufig zu Zahnfleischbluten und das Karies-Risiko steigt. Wer sich in der Schwangerschaft regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung gönnt hat damit keine Probleme.

 

Die besten Tipps gegen Übelkeit in der Schwangerschaft

 

1. Düfte gezielt einsetzen

Der Geruchssinn ist während der Schwangerschaft besonders stark ausgeprägt. Das kann schnell zu Übelkeitsattacken führen, wenn z.B. die Spülmaschine geöffnet wird wenn sie dreckiges Geschirr enthält. Düfte können aber auch gezielt eingesetzt werden, um gegen das Unwohlsein anzukämpfen. Viele Schwangere empfinden den Duft von Zitrone, Limetten, Rosmarin oder Orange als angenehm und deponieren ein Fläschchen mit entsprechendem Duftöl in der Handtasche.

 

2. Tee trinken

Wer Ingwertee nicht mag, kann sich auch eine Tasse Pfefferminz- oder Melissentee aufbrühen. Letzterer wirkt auch beruhigend und krampflösend.

 

3. Akupunktur kann erstaunliche Wirkung zeigen

Vielen Frauen, die in den ersten Wochen unter starker Übelkeit leiden hilft Akupunktur. Die Behandlung sollte alle zwei bis drei Tage wiederholt werden, damit der Erfolg anhält und die Übelkeit nicht zurückkehrt.

 

4. Bittere Lebensmittel verzehren

Radicchio-, Löwenzahn- oder Rucola-Salat enthalten Bitterstoffe, die gegen Übelkeit und Erbrechen helfen. Alternativ können auch Artischocken oder Pampelmusen gegessen werden um die Beschwerden zu lindern.

 

5. Kleinere Portionen essen

Um den Magen zu entlasten hilft es, häufiger zu essen – dafür aber kleinere Portionen. Bananen, Kartoffeln und andere Lebensmittel, die viele Kohlenhydrate enthalten, bleiben eher im Magen. Wer unter Morgenübelkeit leidet kann auch zu Crackern oder Salzstangen greifen. Bei stark gewürzten, fettigen und süßen Speisen hingegen sollten sich Schwangere in den ersten Wochen zurückhalten.

 

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