Kindergärten mit offener, teiloffener und geschlossener Gruppenarbeit

1. Definition der offenen, teiloffenen und geschlossenen Kindergartenarbeit

In den Anfängen der institutionellen Kinderbetreuung stand ausschließlich die geschlossene Gruppenarbeit als traditioneller Arbeitsstil im Fokus. Dabei wird jedes Kind zu beginn seiner Kindergartenzeit einem festen Gruppenraum mit den darin arbeitenden Erzieherinnen zugeteilt und bleibt bis zum Schuleintritt fester Bestandteil dieser einen Gruppe. Kontakte zu den anderen Gruppen gibt es zwar, allerdings eher am Rande des Kindergartenalltags. Die entsprechenden Gruppenräume sind zur Würdigung der differenten Kinderinteressen mit verschiedenen, zugegebenermaßen relativ kleinen Spielzonen ausgestattet. Je nach Einrichtung kann auch der Flur oder das Freigelände, als wenige von allen Gruppen gemeinsam genutzte Spielzonen, involviert sein. Während des Kindergartenmorgens halten sich die Kinder üblicherweise innerhalb des ihnen zugeteilten Gruppenraums auf.

 

Anders bei der teiloffenen Gruppenarbeit, die im Laufe der pädagogischen Weiterentwicklung von Kinderbetreuungsstätten als alternative Betreuungsform entwickelt wurde. Bei der teiloffenen Gruppenarbeit bleiben die aus dem geschlossenen System bekannten Stammgruppen erhalten und bilden den Tagesbeginn der jeweils zugeordneten Kinder. Nach einem gemeinsamen Start werden nun die Gruppen, die als Funktionsräume konzipiert sind, geöffnet und sind dann für alle Kinder frei zugänglich. Beim Abschluss hingegen finden sich die Kinder wieder in ihren Stammgruppen ein. Mit dieser speziellen Vorgehensweise kann die teiloffene Gruppenarbeit sozusagen als Kompromiss der offenen und geschlossenen Arbeitssysteme verstanden werden.

 

Kindergarten mit Gruppenarbeit

 

Offene Gruppenarbeit bedeutet, dass im betreffenden Kindergarten auf jegliche Stammgruppenzugehörigkeit verzichtet wird. Diese Vorgehensweise ist seit Ende der 1970er Jahre eine Option und wird heute in den meisten neuen Kinderbetreuungsinstitutionen initiiert. Vorreiter waren erfahrene Pädagogen wie beispielsweise Maria Montessori. Die Arbeit im offenen Gruppensystem findet ohne Stammgruppen statt und ist stattdessen ausschließlich durch Funktionsräume charakterisiert, für die sich die Kinder von ihrer Ankunft bis zu ihrem Abholen entscheiden können. Folglich wird im offenen Gruppensystem ausschließlich themenorientiert gearbeitet.

 

2. Das Menschenbild in offenen, teiloffenen und geschlossenen Einrichtungen

Geschlossene, offene und teiloffene Gruppenarbeit kann bei allen Kindergartenträgern gleichermaßen zum Einsatz kommen. Entsprechend ist das Menschenbild also primär durch den jeweiligen Träger geprägt und kann deshalb humanistischer, christlicher oder anderer Natur sein.

 

Jenseits dieser trägerabhängigen Weltanschauung liegen den drei differenten Gruppenmodellen aber auch ihnen eigene Auffassungen von der kindlichen Entwicklung zugrunde, so dass durchaus diesbezügliche Unterschiede im vorherrschenden Menschenbild zu finden sind.

 

Geschlossene Gruppenarbeit

Im Zentrum des Menschbilds der geschlossenen Gruppenarbeit steht die Annahme, dass Menschen voneinander lernen und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe ideale Voraussetzungen für eine positive Entwicklung schafft. Geborgenheit und Sicherheit werden als kindliche Grundbedürfnisse angesehen, ebenso wie die Überschaubarkeit, der eine wichtige Rolle im kindlichen Erleben zuteil wird. Die Bedeutung von Bezugspersonen ist laut des Menschenbilds der geschlossenen Gruppenarbeit immens.

 

Teiloffene Gruppenarbeit

In der teiloffenen Gruppenarbeit geht man ebenfalls davon aus, dass feste Bezugspersonen und Raumzugehörigkeiten für Kinder wichtig sind. Aus diesem Grund wird am Stammgruppenprinzip festgehalten. Gleichzeitig wird jedoch auch der Freiheit und der kindlichen Selbstbestimmung ein wichtiger Platz eingeräumt.

 

Offene Gruppenarbeit

Im Rahmen der offenen Gruppenarbeit herrscht das Menschenbild vor, dass die Bedürfnisse der Kinder immer oberste Priorität haben und dass Kinder stets willkommen und in ihren Interessen wahrgenommen sein müssen. Die Entwicklungskräfte der Kinder gelten als zentraler Motor einer positiven Persönlichkeitsentfaltung, während die Erzieherin in diesem Kindergartengeschehen lediglich eine Randposition einnimmt. Kinder werden also als relativ eigenverantwortlich in ihrer Entwicklung betrachtet.

 

3. Pädagogische Eckpunkte der drei Gruppenmodellen

Während die geschlossene Gruppenarbeit sozusagen das Anfängermodell der institutionalisierten Kindergärten darstellt, wurden im Laufe der pädagogischen Forschung immer neue Erkenntnisse gewonnen, auf denen basierend mit der teiloffenen und der offenen Gruppenarbeit moderne Konzepte entworfen wurden. Folglich existieren mit diesen Gruppensystemen drei verschiedene pädagogische Konzepte nebeneinander und kommen  nach wie vor gleichermaßen in den Kindergärten zum Einsatz.

 

Geschlossene Gruppen

Innerhalb der geschlossenen Gruppenarbeit werden die aufgenommenen Kinder bereits zum Beginn ihrer Kindergartenzeit einer festen Gruppe mit der entsprechenden Räumlichkeit zugeteilt. Insofern kein außergewöhnlicher Umstand dagegen spricht, begleiten nun diese Gruppe, dieser Raum und die darin arbeitenden Erzieherinnen die Kinder bis zum Eintritt in die Schule. Zwar gibt es ein Freigelände und häufig auch ein als weitere Spielzone eingerichteter Flur, allerdings dürfen die Kinder diese Stätten üblicherweise nur vereinzelt und in Absprache mit den betreuenden Erzieherinnen nutzen. Gemeinsame Veranstaltungen mit Nachbargruppen sind nicht die Regel, ebenso wenig wie das gegenseitige Besuchen der Kinder in den anderen Gruppenräumen. Die geschlossene Gruppe ist durch einen engen Bezug der Kinder zueinander charakterisiert, wobei die Beobachtung der Kinder relativ subjektiv ist, da sie immer nur durch zwei Erzieherinnen erfolgt.

 

Teiloffene Gruppen

Innerhalb der teiloffenen Gruppen versucht man die Vorzüge der geschlossenen Gruppenarbeit mit denen der offenen Gruppen zu vereinen. Folglich sind hier Stammgruppen und Funktionsräume zu finden.

Die Kinder haben aufgrund einer Gruppenzuteilung im Kindergarten einen festen Platz, also eine Stammgruppe. Der Kindergartenmorgen startet also gruppenintern im zugeteilten Gruppenraum, der gleichzeitig als Funktionsraum gestaltet ist. Nach diesem Startpunkt werden die Gruppen für alle Kinder geöffnet und können von diesen nach freiem Ermessen genutzt werden. Sie können hier spielen, toben, basteln, essen oder an gruppenübergreifenden Angeboten teilnehmen. Gleichzeitig besteht jedoch auch die Möglichkeit, in der Stammgruppe beziehungsweise in der Nähe der Bezugserzieherin zu bleiben. Neigt sich der Kindergartenmorgen dem Ende, begeben sich alle Kinder wieder in ihre Stammgruppe, wo ein gruppeninterner Abschluss stattfindet.

 

Offene Gruppen

Das Konzept der offenen Gruppenarbeit rückt die Neugierde der Kinder ins Zentrum und strebt die individuelle Entwicklung der Schützlinge an. Dabei werden die Kinder als eigenverantwortlich wahrgenommen und sollen ihre Handlungen selbst bestimmen. Sie werden also zum aktiven Gestalter des Kindergartengeschehens. Deshalb wird auf Stammgruppen und Bezugserzieher gänzlich verzichtet und die vorzufindenden Räumlichkeiten als Funktionsräume gestaltet, in denen sich die Kinder frei bewegen können. Die Erzieher übernehmen dabei die Aufgabe der Beobachtung, Dokumentation und Reflektion. Beobachtungsergebnisse sind demnach komplexer, da die Kinder von verschiedenen Erzieherinnen in unterschiedlichen Situationen wahrgenommen werden. Das Prinzip der Kinderzugehörigkeit zu einzelnen Erzieherinnen wird durch die offene Gruppenarbeit augehoben. Dieses relativ junge System erfordert eine adäquate und pädagogisch perfektionierte Eingewöhnung.

 

4. Zielgruppe offener, teiloffener und geschlossener Kindergärten

Unabhängig vom vorherrschenden Gruppensystem ist die Zielgruppendefinition hinsichtlich der Altersstruktur zwingend vom jeweiligen Träger und dem entsprechenden Angebot abhängig. So werden zwar vorrangig Kindergartenkinder angesprochen, aber auch Krippen- wie Hortplätze können in allen drei Gruppenvarianten realisiert sein. Nichtsdestotrotz haben sich in der pädagogischen Praxis diverse Vorzüge der Gruppensysteme für verschiedene Altersstufen herauskristallisiert.

 

Während Kinder im Kindergartenalter zwischen 3 und 6 Jahren in allen drei Konzeptionen betreut werden können, sind es vor allem die Hortkinder, die nahezu ausschließlich nach dem offenen Modell ihre Betreuung finden. Für Krippenkinder unter 3 Jahren jedoch ist die Bezugserziehung meist noch von großer Bedeutung, so dass sie häufig in geschlossenen Gruppen oder aber in teiloffener Gruppenarbeit untergebracht sind. Oftmals werden sie von ihren Bezugspersonen während des Morgens begleitet und bleiben mit diesen in einem Funktionsraum, der entweder täglich oder wöchentlich gewechselt wird. Dadurch erfahren die Jüngsten die für sie wichtige Kontinuität, ohne die Vorteile der offenen oder teiloffenen Arbeit gänzlich vermissen zu müssen.

 

Bei der Eingewöhnung der Kinder kommt unabhängig vom vorherrschenden Konzept zumeist das Berliner Modell der sanften Eingewöhnung zum Einsatz. Vor allem bei der offenen Gruppenarbeit ist deren Bedeutung groß, da die Kinder nur durch eine adäquate Eingewöhnungsphase das notwendige Vertrauen erwerben, welches für den Erfolg der offenen Arbeitsweise erforderlich ist. Dabei genießen die Kinder in ihrer Startzeit einen Bezugserzieher, der sich dann jedoch nach und nach aus dem kindlichen Geschehen herauszieht und letztlich keine besondere Stellung für das Kind mehr einnimmt.

 

5. Tagesabläufe der unterschiedlichen Gruppenkonzepte

Die Tagesabläufe im Kindergarten werden maßgeblich durch das jeweils vorherrschende Gruppensystem beeinflusst, so dass man beim näheren Hinsehen eindeutig erkennen kann, ob eine Institution nach dem geschlossenen, dem teiloffenen oder dem offenen Prinzip arbeitet:

 

Geschlossene Gruppenarbeit

Die geschlossene Gruppenarbeit ist der Ansatz, der in der Kindergartenlandschaft die größte Tradition besitzt. Der Kindergarten ist bei diesem System in verschiedene Gruppenräume eingeteilt, denen verschiedene Namen, meist Farben oder Tiere, zugeordnet sind. Dies soll auf kindgerechte Art zu einer verbesserten Identifikation mit der eigenen Gruppe beitragen.

Zum Start des Kindergartenmorgens gehen die Kinder in „ihre“ Gruppe, wo sie von den dort verantwortlichen Erzieherinnen erwartet werden. Innerhalb des Gruppenraums finden sich Funktionszonen wie beispielsweise einen Frühstückstisch, einen Mal- und Basteltisch, eine Bauecke, eine Puppenecke sowie diverse Möglichkeiten, sich Spiele oder Puzzles auszusuchen. Üblicherweise sind die Gruppenräume geschlossen agierender Kindergärten relativ ähnlich eingerichtet. Einzig der individuelle Einfluss der Erzieherinnen verleiht dem Raum seine Note.

Der Morgen innerhalb der geschlossenen Gruppen startet häufig mit einem Morgenkreis, durch den ein gemeinsamer Beginn inszeniert wird. Danach dürfen die Kinder innerhalb des Gruppenraums frei spielen und gegebenenfalls auch den Flur oder das Freigelände mit nutzen. Je nach Einrichtung ist die Frühstückszeit frei wählbar, oder es wird eine gemeinsame Mahlzeit eingenommen. Während dieser freien Spielzeit ist auch der Moment, an dem gruppenintern gezielte Projekte angeboten werden. Vor Gemeinschaftsveranstaltung gibt es gegebenenfalls einzelne gruppenübergreifende Übungszeiten. Auch Vorschulprojekte sprengen in der Regel die Gruppengrenzen. Darüber hinaus befinden sich stets beide Erzieherinnen über den Morgen hinweg in der Gruppe und dienen den Kindern als Ansprech- oder Spielpartner und setzten bewusste Spielakzente.

Der Kindergartenmorgen endet normalerweise mit einem gemeinsamen Abschlusskreis und geht so in die erste Abholphase über. Je nach Betreuungsangebot finden nun gruppenübergreifende Mittagessen, Ruhephasen und das nachmittägliche Freispiel in Sammelgruppen statt, wobei hier die Erzieherinnen entsprechend ihrer wöchentlichen Arbeitszeit die Beaufsichtigung wechselnd übernehmen. Kombiniert mit modernen Erziehungsmodellen kann man in geschlossen agierenden Kindergärten häufig auf den Situationsansatz treffen.

 

Teiloffene Gruppenarbeit

Im Rahmen der teiloffenen Gruppenarbeit werden Stammgruppen und Funktionsräume miteinander verknüpft, so dass einzelne Räumlichkeiten im Laufe des Kindergartenmorgens einen konzeptionellen Wandel erfahren.

Die Kinder treffen zunächst in ihren Stammgruppen ein und dürfen dort im geschlossenen Gruppenrahmen bis zum Ende der offiziellen Bringzeit frei spielen. Zu einer festgelegten Uhrzeit findet in allen Gruppenräumen gleichzeitig der Morgenkreis statt. Dieser dient der Tagesstrukturierung und vermittelt den Kindern einen Überblick über die Angebote dieses Tages. Häufig wird der echte Start durch ein gemeinsames Lied gesetzt.

Nach dem Morgenkreis werden die Gruppenräume für alle Kinder geöffnet und nehmen nun den Status von Funktionsräumen ein. Die Kinder dürfen sich jetzt in allen Räumlichkeiten gleichermaßen bewegen und die dortigen Angebote nach eigenem Belieben nutzen. Das Gruppengefüge hat sich also aufgelöst.

Bricht das Ende des Kindergartenmorgens an, sammeln sich die Kids wieder in ihren eigentlichen Stammgruppen. Nun ist noch die Zeit, gruppeninterne Angebote zu realisieren. So werden beispielsweise Geburtstage gemeinsam gefeiert.

In Abhängigkeit von der Kinderzahl ist das Betreuungsangebot am Nachmittag auch in teiloffenen Einrichtungen zumeist durch ein gemeinsames Mittagessen, Ruhezeiten und Sammelgruppen bestimmt. Der teiloffene Part betrifft die Öffnung der Gruppenräume also nur für eine begrenzte Zeitspanne am Morgen.

 

Offene Gruppenarbeit

Innerhalb der offenen Gruppenarbeit gehört jedes Kind in der Theorie einer definierten Gruppe an, so dass es eine erzieherische Verantwortlichkeit gibt. In der Praxis kommen die Kinder jedoch im Kindergarten an und dürfen sich sofort frei in der gesamten Institution bewegen. Die dortigen Räumlichkeiten sind mit Funktionen belegt, die Kinder dürfen folglich selbst entscheiden, wie und wo sie ihren Morgen verbringen. Feste Stammgruppen gibt es nicht und damit auch keine gruppeninternen Angebote. Sogar Geburtstage finden gruppenübergreifend statt. Hierfür darf das Geburtstagskind seine liebsten Kindergartenfreunde zu seiner eigenen kleinen Feier in den als Bistro gestalteten Raum einladen. Zumeist ist es im Rahmen dieses Konzepts auch so, dass sogar das Freigelände von den Kindern frei nutzbar ist und zum Beispiel die Turnstunden durch einen extra Bewegungsraum abgelöst wurden.

Im Sinne der besseren Übersichtlichkeit, erhalten die Kinder sozusagen als Eintrittskarte ein Foto von sich, mit dem sie sich an einer Tafel als im jeweiligen Raum befindlich ausweisen. Spezielle Hinweisschilder, wie zum Beispiel das Stoppschild, weisen darauf hin, dass ein Raum mittlerweile voll belegt ist. Interessierte Kinder müssen sich dann neu orientieren.

Auch im offen strukturierten Kindergarten ist eine Tagesbetreuung möglich, wobei das gemeinsame Mittagessen die einzige gemeinsame Veranstaltung definiert. Halbtageskinder werden ohne klaren Abschluss abgeholt. Tageskinder hingegen sollten als Krippenkinder nach dem Essen ruhen, während ältere Kinder eine diesbezügliche Entscheidung selbst treffen. Am Nachmittag eröffnet sich abermals die Option des freien Spiels, wobei hier die Anzahl aufgrund der zurückgegangenen Kindermenge und des weniger vorhandenen Betreuungspersonals reduziert wird.

Die Erzieherinnen übernehmen in diesem Gruppengeschehen während des gesamten Tages primär eine Beaufsichtigungs- und Beobachtungsfunktion. Sie werden meist wochenweise einem Funktionsraum zugeteilt und übernehmen dort nicht nur die Aufsicht, sondern führen auch Angebote, deren Teilnahme freiwillig ist, durch.

 

6. Vorteile der jeweiligen Gruppenarbeiten

Geschlossene Arbeit

  • enges Zusammengehörigkeitsgefühl
  • feste Bezugspersonen
  • schnelles Einleben in die Gruppenabläufe
  • große emotionale Sicherheit auch für junge Kinder
  • gute Möglichkeit zur Integration Behinderter

 

Teiloffene Arbeit

  • feste Bezugspersonen
  • bessere Integrationsmöglichkeiten für schüchterne und zurückhaltende Kinder
  • langsame Eingewöhnung an das Prinzip der Funktionsräume
  • bessere spielerische Entfaltung in den Funktionsräumen
  • Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe bleibt erhalten
  • Förderung der Sozialkontakte außerhalb der Gruppenräume

 

Offene Arbeit

  • beste Entfaltungsmöglichkeiten
  • attraktive Spielvielfalt dank der Funktionsräume
  • objektivere kindliche Beobachtung
  • ideale Möglichkeit für die Kinder, ihren Interessen zu frönen
  • kooperative Zusammenarbeit der Erzieherinnen
  • zumeist ein gutes Arbeitsklima im Team

 

7. Nachteile der jeweiligen Gruppenarbeiten

Geschlossene Arbeit

  • kindliches Spiel ist auf einen Raum begrenzt
  • eingeschränkte Spielauswahl und –möglichkeit
  • Beobachtung der Kinder erfolgt nur durch die Gruppenerzieher, woraus sich eine sehr subjektive Einschätzung ergibt
  • beengte Spielzonen
  • Interessensbefriedigung der Kinder nur eingeschränkt möglich
  • Einrichtung der Gruppenräume spiegeln häufig die Interessen der Erzieherinnen und weniger der Kinder wider
  • auf die Gruppe begrenzte Sozialkontakte der Kinder
  • essende Kinder werden durch spielende abgelenkt
  • schnelle Entwicklung von Langeweile

 

Teiloffene Arbeit

  • das Konzept erfordert eine immense Planung und Vorbereitung, um erfolgreich zu sein
  • gerade ältere Erzieherinnen tun sich schwer mit diesem neuen Konzept, da sie in der geschlossenen Arbeit ausgebildet wurden und diese auch über lange Zeit hinweg praktizierten
  • ist zu wenig Personal vorhanden, wird der Tagesablauf chaotisch
  • Eltern müssen dieses Konzept mittragen
  • Kinder neigen dazu, bei freier Spielwahl sich nur ihren Stärken zu widmen
  • teiloffene Arbeit erfordert eine entsprechende räumliche Vielfalt, die nicht immer gegeben ist
  • für Kinder, die eine klare Struktur benötigen, ist dieses Konzept nicht geeignet
  • teiloffene Arbeit hat zu sehr den Status einer Zwischenlösung inne

 

Offene Arbeit

  • zurückhaltende Kinder werden häufig übersehen und gehen sozusagen unter
  • auch hier widmen sich die Kinder bevorzugt ihren Stärken und lassen ihre Schwächen außen vor
  • die Eingewöhnung für neue Kinder ist schwierig, während sie jedoch immens wichtig ist
  • ist der Ablauf nicht zu 100 % durchorganisiert, regiert das Chaos
  • häufig wird dieses Konzept durch den Träger vorgegeben, weshalb die durchführenden Erzieherinnen nicht hinter diesem Arbeitsansatz stehen
  • kritische Auffassungen der Erzieherinnen erschweren den Kindern den Einstieg
  • manche Kinder brauchen eine Bezugserzieherin, um sich wohl zu fühlen
  • häufig gibt es zu wenige Räume, um das Konzept angemessen umzusetzen
  • im offen gestalteten Alltag kann schnell die Übersicht verloren gehen
  • manche Kinder fühlen sich durch die offene Kindergartengestalt überfordert

 

8. Trägerschaft und Kosten in offenen, teiloffenen und geschlossenen Kindertageseinrichtungen

Die drei hier vorgestellten Kindergartenkonzepte der offenen, teiloffenen und geschlossenen Gruppenarbeit sind trägerunabhängig und können deshalb in allen Kindergärten zum Einsatz kommen. Voraussetzung ist die Vorhaltung der erforderlichen Räumlichkeiten und ausgebildeten Fachpersonals. Das vorherrschende Gruppenmodell ist entsprechend bei der ersten Kindergartenbesichtigung zu erfragen.

 

Ebenso sind auch die Elternbeiträge nicht vom jeweiligen Modell abhängig, sondern ergeben sich aus anderen Faktoren. Da der Personalschlüssel einen maßgeblichen Einfluss auf die Beitragsgestaltung hat und dieser in teiloffenen und offenen Einrichtungen erhöht sein muss, zeichnen sich diese Institutionen aber dennoch durch höhere Elternbeiträge aus. Um die 150 Euro werden dann für einen offenen Kindergartenplatz fällig.

 

9. Ideale Schulsysteme nach dem Kindergartenbesuch

Das in Deutschland gängige Schulsystem arbeitet nach dem geschlossenen Gruppenprinzip. Teiloffene und offene Klassen gibt es lediglich im Rahmen von Privatschulen, denen beispielsweise auch die Montessorischulen und die Waldorfschulen angehören. Dort werden keine alterskonforme Klassen sondern altersgemischte Lerngruppen gebildet. Ist man also Verfechter dieser kindlichen Eigenverantwortung, so kommen derart durchlässige Schulsysteme den eigenen Wünschen am ehesten entgegen.

Neue pädagogische Erkenntnisse kamen mittlerweile jedoch zu der Erkenntnis, dass auch im Grundschulalter eine gewisse Transparenz innerhalb der Klassengestaltung vorherrschen muss. Entsprechend sind Schulprojekte in Planung, die in den Klassenstufen 1 bis 3 einen freien und damit leistungsgerechten Wechsel ermöglichen. Mit diesen Ansätzen knüpft man abermals an das teiloffene und das offene Kindergartengeschehen an.