Baby- und Kleinkindschwimmen

1. Die Zielgruppe des Baby- und Kleinkindschwimmens

Baby- und Kleinkindschwimmen ist ein Angebot, welches sich an Eltern mit ihren Kleinst- und Kleinkindern richtet und damit sozusagen als gemeinsames Erlebnis konzipiert ist. Hinter der Idee des Baby- und Kleinkindschwimmens steht die Tatsache, dass das Körpergewicht im Wasser weniger schwer wiegt und dadurch Bewegungen leichter fallen. Gleichzeitig wird ein Gefühl von Schwerelosigkeit vermittelt, welches das Kind an seine Zeit im Mutterleib, als es noch im Fruchtwasser schwamm, erinnert. Daraus lässt sich auch die präzise Zielgruppendefinition ableiten, die Babys zwischen sechs und acht Wochen bis hin ins Kleinkindalter von zwei Jahren in den Fokus stellt. Eine präzisere Altersangabe kann allerdings nicht gegeben werden, da stets der aktuelle Entwicklungsstand des Kindes zu berücksichtigen ist. So ist Baby- und Kleinkindschwimmen zwar auch für Frühgeborene geeignet, diese sollten jedoch deutlich später in derartige Kurse eingebunden werden.

 

Insgesamt darf man Baby- und Kleinkindschwimmen in Betracht ziehen, wenn

 

  • bei Mutter und Kind keine Wunden (z. B. Kaiserschnittnarben, Bauchnabel, Dammschnitt) unverheilt sind,
  • das Baby in der Bauchlage den Kopf hochhalten kann,
  • mit Reizeinflüssen zurechtkommt und
  • gewisse Schreckhaftigkeiten abgelegt hat.

 

Baby-Schwimmen

 

Sind diese Voraussetzungen gegeben, so kann am Baby- und Kleinkindschwimmen jedes Eltern-Kind-Team teilnehmen, das Spaß an der Bewegung im Wasser hat. Schwimmkenntnisse bei der Betreuungsperson sind nicht notwendig.

 

2. Zielsetzungen und Eigenschaften des Baby- und Kleinkindschwimmens

Die Bewegung im Wasser ahmt gerade für Neugeborene das Gefühl der Geborgenheit im Mutterleib nach. Entsprechend ist Baby- und Kleinkindschwimmen gerade für die Jüngsten eine tolle Erfahrung. Aber auch größere Kinder können von dieser Art des elternschulischen Angebots absolut profitieren. Immerhin fördert das Wasser die natürlichen Bewegungsabläufe. Und auch die Eltern finden auf diese Art einen sanften Einstieg in die körperliche Betätigung, die nach Schwangerschaft und Geburt doch schwer fallen kann.

 

So unzweifelhaft die genannten Aspekte auch sind, insgesamt verfolgt das Baby- und Kleinkindschwimmen darüber hinausgehende Zielsetzungen:

 

  • Schulung der gesamten Motorik
  • Herausbildung eines adäquaten Gleichgewichtssinns
  • Stimulation verschiedener Sinne und Rezeptoren
  • Förderung der Koordination
  • Anregung des Atemverhaltens
  • Verbesserung der Immunabwehr
  • Herstellung einer emotionalen Bindung zwischen Mutter und Kind
  • Erste Eingewöhnung an das Element Wasser
  • Spiel und Spaß
  • Freude an Bewegung vermitteln
  • Kräftigung des gesamten Körpers

 

Vor diesen Hintergründen stellt Baby- und Kleinkindschwimmen also zwei Thematiken ins Zentrum. So geht es vorrangig darum, eine emotional stabile Bindung zu schaffen. Eltern und Kind finden im elternschulischen Rahmen die Möglichkeit des gemeinsamen Erlebens schöner Ereignisse. Dies fördert das Urvertrauen der Kinder, welches wesentlicher Grundstein für die emotionale und soziale Entwicklung ist. Gleichzeitig können aber auch die positiven Effekte des Baby- und Kleinkindschwimmens auf die körperliche Funktionalität nicht geleugnet werden. So gesehen leistet Baby- und Kleinkindschwimmen eine ganzheitliche Entwicklungsförderung.

 

3. Baby- und Kleinkindschwimmen: Zeitpunkt, Dauer, Häufigkeit

 

Wieder-holungs-intervall

Baby- und Kleinkindschwimmen sind abgeschlossene Kurseinheiten, in deren Zentrum das gemeinsame Erleben und weniger die Wissensvermittlung steht. Entsprechend ist eine Kurswiederholung immer wieder möglich, insofern die Beteiligten Spaß am Baby- und Kleinkindschwimmen haben.

Buchung

Üblicherweise findet Baby- und Kleinkindschwimmen in geschlossenen Gruppen mit begrenzter Teilnehmerzahl statt. Die hohe Nachfrage hat dafür gesorgt, dass mitunter sogar Wartelisten eröffnet wurden. Eine frühzeitige Anmeldung, bestenfalls kurz nach der Geburt, ist deshalb empfohlen.

Beginn

Baby- und Kleinkindschwimmen ist für die Kleinen am schönsten, je jünger sie sind. Ein Beginn etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt ist deshalb zu empfehlen. Voraussetzung ist allerdings, dass das Kind die mit dem Kurs einhergehenden Reize verarbeiten kann, bereits in der Lage ist den Kopf zu stabilisieren und dass bei Mutter und Kind vorhandene Geburtswunden verheilt sind.

Gegen einen späteren Einstieg ist nichts einzuwenden.

Ende

Aus rein konzeptioneller Sicht gibt es keinen festen Zeitpunkt, zu dem das Baby- und Kleinkindschwimmen enden sollte. Für Kinder nach deren zweitem Geburtstag stehen allerdings geeignetere Kurse zur Auswahl.

Dauer

Als geschlossene Kurse findet Baby- und Kleinkindschwimmen innerhalb einer definierten Gruppe über mehrere Wochen hinweg statt. Meist werden zehn Termine veranschlagt. Eine Aneinanderreihung mehrerer Kursintervalle ist möglich, woraus aus dem Baby- und Kleinkindschwimmen ein Langzeitangebot mit wiederkehrenden Inhalten wird.

Zeitaspekt

Pro Woche findet üblicherweise ein Treffen des Baby- und Kleinkindschwimmens über einen Zeitraum von durchschnittlich zehn Wochen hinweg statt. Seltener werden auch zwei Termine pro Woche angesetzt. Jedes Treffen dauert zwischen 30 und 45 Minuten.

 

Üblicherweise wird Baby- und Kleinkindschwimmen innerhalb geschlossener Gruppen mit einer klar definierten Teilnehmerzahl realisiert. Daraus resultiert die Notwendigkeit, sich möglichst frühzeitig für einen derartigen Kurs anzumelden. Eine Kurseinheit umfasst dabei im Durchschnitt zehn Einzeltermine, von denen jeweils einer pro Woche für 30 bis 45 Minuten stattfindet. Grundsätzlich ist es möglich, mehrere Kurseinheiten hintereinander zu buchen und so eine kontinuierliche Teilnahme zu erreichen.

 

Konzeptionell gesehen richtet sich das Baby- und Kleinkindschwimmen an Eltern mit ihren Kindern ab einem Alter von sechs Wochen bis hin zu zwei Jahren. Eine starre Zielgruppendefinition ist jedoch nicht möglich, da stets der körperliche und emotionale Entwicklungsstand des Kindes gewürdigt werden muss. Um die größtmöglichen Erfolge und das optimale Vergnügen zu erreichen, ist ein möglichst frühzeitiger Beginn angeraten, wobei stets auf altershomogene Gruppen geachtet wird. Mit dem zweiten Geburtstag sollte die Teilnahme enden, da für diese Altersklasse ein geeigneteres Kursangebot zur Verfügung steht.

 

4. Aufbau und Inhalt des Kursangebots

Hinsichtlich der Konzeptionierung des konkreten Ablaufs sind die Anbieter von Kursen zum Baby- und Kleinkindschwimmen relativ frei. Entsprechend können die Inhalte mitunter stark variieren. Nichtsdestotrotz lassen sich gewisse Rituale durchaus erkennen. Dies beginnt bereits beim Equipment, welches die Eltern zwingend mitbringen sollten:

 

  • Schwimmwindel oder spezielle Badebekleidung für Säuglinge und Kleinkinder
  • Wechselwindel
  • Badetuch
  • Trinken
  • Fön

 

So ausgestattet, kann der eigentliche Kurs losgehen:

 

4.1 Begrüßung

Nachdem die Kinder umgekleidet wurden und auch die Begleitperson Zeit hatte ihr Badekostüm anzulegen, begibt man sich mit den Kindern zur Einführung in die Schwimmhalle. Auf das für Eltern obligatorische Abduschen sollte bei den Kleinen verzichtet werden. Stattdessen ist eine langsame Gewöhnung an das Wasser angezeigt. Dies geschieht durch einen sanften Einstieg in das Becken, währenddessen das Kind sachte befeuchtet wird, ehe es langsam mit dem ganzen Körper ins Wasser gelangt.

Ist diese Eingewöhnungsphase beendet, beginnt der eigentliche Kurs, der im Normalfall mit einem Singspiel oder Reim eingeleitet wird. Wie bei allen kindbezogenen Kursen der Elternschule sollte auch beim Baby- und Kleinkindschwimmen dieses Begrüßungsritual nicht verändert werden.

 

4.2 Wasserübungen

Nachdem das Baby- und Kleinkindschwimmen offiziell eröffnet wurde, ist es nun an der Zeit für gezielte Übungen. Diese sollten zwingend auf den jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder abgestimmt sein, um eine Über- oder Unterforderung zu vermeiden. Inhaltlich ist diese Phase häufig geprägt von

 

  • plantschen im Wasser,
  • Paddelübungen,
  • nachahmenden Schwimmbewegungen, also „Durchziehen“ durch das Wassern
  • Schaukelübungen,
  • Tauchansätze und
  • rhythmische Singspiele mit Körperbewegung

 

4.3 Ausklang

Zum Ende der Kursstunde hat jedes Eltern-Kind-Team die Möglichkeit, sich miteinander und im Austausch mit anderen im Wasser zu vergnügen. Den Schlusspunkt setzt ein Abschiedsritual, welches in der Regel ebenfalls von einem Reim oder Singspiel charakterisiert ist.

 

Gerade mit den Kleinsten empfiehlt es sich, die Schwimmhalle im Anschluss an das Baby- und Kleinkindschwimmen zu verlassen, da deren Körper noch nicht für längere Schwimmbadaufenthalte „gerüstet“ ist.

 

Im Sinne der Babygesundheit sollten folgende Aspekte anschließend beachtet werden:

 

  • Kind nach dem Kursbesuch gut abduschen
  • in warmes Handtuch oder einen Bademantel einwickeln, damit das Kind nicht auskühlt
  • sorgfältig abtrocknen
  • sofort anziehen
  • Haare gut trocken föhnen, selbst wenn es nur wenige sind
  • Mütze aufsetzen

 

Babys mit Hautproblemen sollten unbedingt mit einer speziellen Pflegelotion eingecremt werden. Bei Erkältungszeichen ist zwingend auf den Besuch des Baby- und Kleinkindschwimmens zu verzichten.

 

5. Pro Baby- und Kleinkindschwimmen

  • frühzeitige Eingewöhnung an das Element Wasser
  • Schaffung einer stabilen Eltern-Kind-Bindung, die für die soziale Entwicklung elementar ist
  • positive Einflussnahme auf die motorische Entwicklung
  • Heranführung an den Umgang mit neuen Umweltreizen
  • vielfältiges Angebot alternativer Bewegungsmöglichkeiten
  • Kontakt zu Gleichaltrigen
  • Austauschmöglichkeit mit Gleichgesinnten
  • erlernen von Reimen und Singspielen
  • Sensibilisierung der Eltern auf Behagen und Unbehagen ihres Kindes
  • positive Beeinflussung des Immunsystems

 

6. Kontra Baby- und Kleinkindschwimmen

  • laut Studien ist Baby- und Kleinkindschwimmen nicht für Asthmatiker geeignet
  • Übertragbarkeit von Magen-Darm-Viren
  • allgemeine Steigerung der Infektanfälligkeit bei Kindern mit geschwächtem Immunsystem
  • Einhaltung klar gesteckter Umgangsregeln mit dem Baby notwendig
  • großer Zeitaufwand
  • nicht alle Babys sind gleichermaßen vom Schwimmen angetan

 

7. Wer bietet Baby- und Kleinkindschwimmen an?

Baby- und Kleinkindschwimmen erfordert wie kaum ein anderes Kursangebot das Vorhandensein der geeigneten Rahmenbedingungen. Diese setzen natürlich in erster Linie ein Schwimmbecken voraus, andererseits muss dieses dann auch noch eine Wassertemperatur von mindestens 32 Grad Celsius aufweisen. Dies hat zum Ergebnis, dass Baby- und Kleinkindschwimmen zwar auch in „normalen“ Schwimmbändern angeboten wird, dann jedoch zu klaren Übungszeiten, zu denen der normale Badebetrieb entweder geschlossen ist oder auf Warmbadetag umgestellt wurde. Daneben sind es jedoch die Bäderabteilungen von Krankenhäusern und physiotherapeutischen Praxen, die diesen Rahmenbedingungen am ehesten gerecht werden.

 

Jenseits dieser Teilnahmeorte sind die Kurse für Baby- und Kleinkindschwimmen vorrangig durch die ausführenden Institutionen zu erschließen. Dies sind:

 

  • Schwimmbadbetreiber
  • Schwimmschulen
  • Hebammen
  • geburtshilfliche Stationen in Krankenhäusern
  • Physiotherapeuten
  • Elternschulen
  • Sportvereine
  • Geburtshäuser

 

8. Der Kostenfaktor beim Baby- und Kleinkindschwimmen

Baby- und Kleinkindschwimmen ist zweifelsfrei ein schönes Erlebnis für Eltern und Kinder und kann durchaus einen Beitrag zur gesunden Entwicklung leisten. Nichtsdestotrotz ist eine Kostenübernahme beispielsweise durch Krankenkassen nicht vorgesehen. Einzig in Ausnahmefällen kann eine Bezuschussung im Rahmen von Präventionsprogrammen erfolgen.

 

Im Resultat sind die mit dem Baby- und Kleinkindschwimmen anfallenden Kosten durch die Teilnehmer selbst zu tragen. Die Höhe dieses Kostenpunkts ist nur schwer zu definieren, da sie von verschiedenen Faktoren abhängt. So ist neben der Gruppengröße auch die Anzahl an Einzelstunden innerhalb eines Kursintervalls sowie die Dauer jedes Einzelkurses preislich relevant. Im Normalfall kann man von 7,50 Euro pro 30minütigem und 10 Euro pro 45minütigem Kurs ausgehen, so dass eine Kurseinheit mit zehn Einzelterminen zwischen 75 und 100 Euro kostet. Hinzu gerechnet werden müssen die Eintrittskosten für den Schwimmbadbesuch des begleitenden Elternteils, die in den Kursgebühren nicht enthalten sind.

 

9. Das alternative Schulungsangebot

Neben dem Baby- und Kleinkindschwimmen gibt es kein anderes Schulungsangebot, welches Eltern und Kinder gemeinsam anspricht und dabei das Element Wasser als Medium verwendet. Die Grundgedanken des Baby- und Kleinkindschwimmens sind aber dennoch auch in anderen Kursen wiederzufinden, so dass sich folgende Alternativen erschließen lassen:

 

  • Baby-Yoga
  • PEKiP
  • Babymassage
  • Krabbelgruppe

Videos zum Babyschwimmen

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Babys tauchen in slow motion