Richtige Kindererziehung

Richtige Erziehung - Flexibler Erziehungsstil

Kinder sollen sich zu glücklichen, selbstbewussten, liebenswerten und verantwortungsbewussten Menschen entwickeln – das ist Sinn, Zweck und Anliegen der modernen und damit „richtigen“ Erziehung.

Wie diese Ziele umgesetzt werden sollen, da sind sich die Eltern allerdings nicht so ganz einig: Die einen packen ihre Kinder in Watte, die anderen erheben den Zeigefinger oder sogar die Hand. Es gibt geduldige Eltern, verständnisvolle, kontrollsüchtige, beschützende und vieles mehr. Viele Eltern wollen es besser oder anders machen als die eigenen Eltern.

 

Richtige Erziehung

 

Doch was ist eigentlich eine „richtige“ Erziehung?

Der flexible Erziehungsstil ist im Grunde eine Mischung der verschiedenen Erziehungsstile mit seinem Schwerpunkt auf dem demokratischen Erziehungsstil.

Wichtiges Merkmal ist, dass die Erziehung situationsabhängig geschieht. So kann es sein, dass in gewissen Situationen autoritäres Handeln mit klaren Regeln erfolgt und in anderen Situationen demokratisch entschieden wird, welche Erziehungsmaßnahmen zu treffen sind. Ebenso kann es sein, dass auf gleichberechtigter Basis Dinge abgestimmt, ausdiskutiert und entschieden werden und andererseits auch Entscheidungen von den Eltern allein getroffen werden.

Der große Vorteil des flexiblen Erziehungsstiles besteht also darin, dass der Erzieher situationsangepasst handeln kann und nicht nach einem strikten Erziehungsmuster vorgehen muss. Je nach bestehendem Konflikt und je nach Situation, kann mal strenger, mal lockerer eine Problemlösung erfolgen. Die Eltern zeigen insgesamt großes Interesse an ihrem Kind und lassen ihm dennoch genügend Freiraum, um auch eigeninitiativ und kreativ agieren zu können.

Wie in allen Bereichen des Lebens, so auch in den Norm- und Wertvorstellungen, haben sich die Bedingungen und Ansichten geändert und weiter entwickelt: Bis in die 1960er Jahre standen Vorstellungen wie Disziplin, Pflichterfüllung und Gehorsam im Mittelpunkt. Es erfolgte ein Wertewandel und Emanzipation, Autonomie (Unabhängigkeit, Selbstbestimmung), Selbstverwirklichung, Kritikfähigkeit, Eigenverantwortung usw. werden heute betont.

Trotzdem sollte man keinen Extremen folgen, sondern den gesunden Menschenverstand einschalten, sein Fingerspitzengefühl und auch sein so genanntes „Bauchgefühl“ (Intuition) nutzen und sensibilisieren, um dem Kind die bestmögliche Erziehung zu geben. Eine gute Mischung aus mehreren Erziehungsstilen mit Hauptaugenmerk auf dem demokratischen Erziehungsstil ist hier wahrscheinlich die richtige Lösung – und eine Grundhaltung, die von Liebe und Herzenswärme geprägt ist, ohne dabei zu verwöhnen und grenzenlos zu sein.

 

Vergleich Erzieher

 

Wie man den Ergebnissen von wissenschaftlichen Untersuchungen entnehmen kann, hat das Kind die besten Entwicklungschancen, wenn es von den Eltern in einem sehr demokratisch geprägten Erziehungsstil erzogen wird. Die Erziehungsstilforschung kann inzwischen nachweisen, dass sich Kinder, die überwiegend demokratisch erzogen wurden, nicht nur durch ein besonderes Maß an Selbstvertrauen und sozialer Reife auszeichnen, sondern auch zufriedener und leistungsfähiger sind als andere Kinder und Jugendliche.

Eltern sehen sich in der Verantwortung, ihre Kinder zu führen und zu begleiten. Sie geben den Rahmen vor. Sie sind jedoch ebenso offen für die Bedürfnisse ihrer Kinder und gewähren ihnen gewisse Freiheiten. Eltern und Kinder befinden sich im Austausch und besprechen wichtige Entscheidungen gemeinsam.

Ein großer Pluspunkt dieses Erziehungsstils ist die emotionale Sicherheit. Sie ermöglicht es den Kindern, sich zu eigenständigen, selbstbewussten und leistungsbereiten Persönlichkeiten zu entwickeln, die anderen Menschen mit Respekt und Wertschätzung begegnen.

Merkmale:

  • Demokratisch geprägter Erziehungsansatz
  • Erziehung geschieht situationsabhängig
  • Eltern und Kind befinden sich im Austausch
  • Eltern geben emotionale Sicherheit
  • Keine starren Vorgaben
  • Respektvoller, wertschätzender Umgang zwischen Eltern und Kind
  • Klare Regeln bieten Sicherheit und Orientierung
  • Balance zwischen Verständnis und dem Einhalten/ Durchsetzen von Regeln
  • Konsequenzen ermöglichen einen Lerneffekt (unerwünschtes Verhalten), keine Bestrafung/ Ablehnung der ganzen Persönlichkeit des Kindes
  • Ich-Botschaften anstelle von Vorwürfen
  • Eltern loben und bedanken sich und machen dem Kind Mut
  • Eltern sind authentisch und sind sich bewusst, dass Fehler menschlich sind
  • Offener und einfühlsamer Umgang mit Emotionen
  • Fokus auf die Stärken und Talente des Kindes

 

Weitere Anregungen und Tipps

  • Der flexible und stark demokratisch geprägte Erziehungsstil geht von der Grundannahme aus, dass Kinder von Beginn an vollwertige Menschen sind. Das wiederum bedeutet, dass Kinder Eltern brauchen, die ihnen mit Respekt und Wertschätzung begegnen und liebevoll Nein sagen können.
  • Viel wichtiger als perfekt zu sein ist es, authentisch zu sein. Bemühen Sie sich als Eltern also nicht, so zu erziehen, wie „man“ es tut, sondern folgen Sie dem, was Ihnen persönlich wichtig ist. „Ich will, dass ihr heute früh ins Bett geht, weil wir morgen viel vorhaben“ hat auf Kinder eine ganz andere Wirkung als: „Kleine Kinder bleiben nicht so lange auf! Ab ins Bett!“
  • Machen Sie Ihrem Kind Mut. Ermutigung trägt neben Respekt, Liebe und gemeinsamer Freude und Lachen wesentlich zu einer positiven Eltern-Kind-Beziehung bei und stärkt das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.
  • Loben und bedanken. Konzentrieren Sie sich auf die Stärken und schönen Seiten Ihres Kindes und nehmen diese wahr. Vermeiden Sie es, sich auf Fehler, Schwächen und Regelverstöße zu fokussieren, denn das schadet der Eltern-Kind-Beziehung und schwächt das Selbstwertgefühl des Kindes, das sich dann abgewertet fühlt.
  • Ihr Kind ist nicht sein Verhalten. Unterscheiden Sie bei Kritik zwischen der Person und dem Verhalten. Achten Sie auf den Unterschied zwischen "Du bist aber auch ungeschickt!" und "Eben hast du dich einfach ungeschickt verhalten." Wenn Sie Ihr Kind mit seinem Verhalten verwechseln und das auch zeigen, werten Sie es immer wieder ab. Zeigen Sie ihm stattdessen, dass Sie sein Verhalten nicht gutheißen und bringen Sie ihm als Mensch trotzdem Respekt entgegen.
  • Jeder hat auch schlechte Tage. Manchmal sind wir als Eltern selbst unzufrieden, gestresst und kaum kooperationsbereit. Dann können wir nur schwer auf die Nöte und Bedürfnisse unserer Sprösslinge eingehen. Verzeihen Sie sich selbst solche Zeiten, denn das ist menschlich. Im Optimalfall kommunizieren Sie dies offen, um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Seien Sie sich selbst wichtig und stehen Sie für sich selbst ein. Für Kinder ist es wichtig, dass sie sich gehört und gesehen fühlen. Sie können Entscheidungen auch vertagen, indem Sie sagen: "Ich höre deinen Wunsch, aber ich kann das jetzt gerade nicht entscheiden. Heute Abend rede ich gerne mit dir darüber, wenn ich etwas zur Ruhe gekommen bin." Es gibt Familien, die sogar einen festen Tag in der Woche haben, an dem sie gemeinsam Wichtiges besprechen.
  • Gehen Sie offen und einfühlsam mit Emotionen um. Sie lassen sich nicht weg reden oder ignorieren. Emotionen wollen wahrgenommen, anerkannt und benannt werden. Wir selbst und auch Kinder sind für ihre Emotionen selbst verantwortlich. Bleiben Sie z. B. gelassen, wenn Ihr Kind herummeckert: "Ich sehe, du bist frustriert, weil ich dir das nicht erlaube. Das kann ich gut verstehen." Verzichten Sie auf das "Aber", das Einlenken, das Beschwichtigen. Wenn Sie Ihre eigenen Emotionen ebenfalls mittels Ich-Botschaften ausdrücken, bleiben Sie authentisch: "Ich ärgere mich gerade, weil ich nun zu spät zur Arbeit komme." Verzichten Sie auf Vorwürfe wie "... weil du zu lange getrödelt hast", sondern "... weil ich nun zu spät zur Arbeit komme."